Schildkröte Ernährung: Was darf die Landschildkröte fressen?
Die Ernährung ist der wichtigste Faktor für ein gesundes Schildkrötenleben. Falsche Fütterung ist die häufigste Ursache für Erkrankungen wie Panzererweichung, Nierenprobleme und Darmstörungen. Viele gut gemeinte Ratschläge aus dem Internet sind leider veraltet oder falsch.
Landschildkröten sind reine Pflanzenfresser. Ihre Verdauung ist auf faserreiche, kalziumreiche Wildkräuter ausgelegt. Obst, Gemüse und tierisches Eiweiß gehören nicht auf den Speiseplan. Wer die natürliche Ernährung nachahmt, legt den Grundstein für ein langes Schildkrötenleben.
In diesem Ratgeber erfährst du, welche Pflanzen geeignet sind, was du auf keinen Fall füttern darfst und wie du die Ernährung an die Jahreszeit anpasst. Auch Themen wie Kalziumversorgung, Vitaminpräparate und das richtige Trinkverhalten werden ausführlich behandelt.

Was dürfen Landschildkröten fressen?
Die Basis der Schildkrötenernährung bilden Wildkräuter mit einem hohen Kalzium-Phosphor-Verhältnis. In der Natur fressen mediterrane Landschildkröten ausschließlich wilde Pflanzen, die auf kargen Böden wachsen. Diese Kost ist faserreich, kalziumhaltig und kalorienarm. Genau das braucht auch deine Schildkröte.
Besonders gut geeignet sind Löwenzahn (Blätter und Blüten), Spitzwegerich, Breitwegerich, Vogelmiere, Klee (weiß und rot), Malve und Hibiskusblüten. Auch Kornblume, Ringelblume und Schafgarbe werden gerne gefressen. Diese Pflanzen haben ein ausgezeichnetes Verhältnis von Kalzium zu Phosphor.
Ergänzend kannst du Kulturpflanzen wie Endivie, Chicoree, Rucola und Romana-Salat anbieten. Diese sollten aber maximal 20 Prozent der Gesamtnahrung ausmachen. Der Schwerpunkt liegt immer auf Wildkräutern. Im Winter, wenn keine frischen Kräuter verfügbar sind, kannst du auf getrocknete Wildkräuter zurückgreifen.
Am besten pflanzt du essbare Kräuter direkt ins Freigehege. Löwenzahn, Wegerich und Klee wachsen von selbst und bieten deiner Schildkröte eine natürliche Nahrungsquelle. So kann sie selbstständig grasen, wie in der Natur. Das hält sie beschäftigt und sorgt für eine artgerechte Futterzusammensetzung.
Sammle Wildkräuter nur auf unbesprühten Wiesen, abseits von Straßen und Feldern. Vermeide Standorte, an denen Hunde regelmäßig Gassi gehen. Im eigenen Garten bist du auf der sicheren Seite.
Was dürfen Schildkröten auf keinen Fall fressen?
Viele Lebensmittel, die für Menschen oder andere Haustiere harmlos sind, schaden Landschildkröten erheblich. An erster Stelle steht Obst. Der hohe Fruchtzuckergehalt stört die natürliche Darmflora und kann zu schweren Durchfällen und Fehlgärungen führen. Auch kleine Mengen Obst solltest du nach Möglichkeit vermeiden. Besonders Bananen, Weintrauben und Äpfel haben einen sehr hohen Zuckergehalt.
Tomaten und Paprika enthalten viel Oxalsäure. Diese bindet Kalzium und verhindert seine Aufnahme im Darm. Kohlgewüse wie Brokkoli, Blumenkohl und Weißkohl hemmen die Schilddrüsenfunktion und sind ebenfalls ungeeignet. Gurken und Eisbergsalat sind zwar nicht giftig, aber so nährstoffarm, dass sie den Magen füllen, ohne echte Nährstoffe zu liefern.
Tierisches Eiweiß wie Insekten, Fleisch, Hunde- oder Katzenfutter ist für Landschildkröten tabu. Ihre Nieren sind nicht auf die Verarbeitung von tierischem Protein ausgelegt. Langfristig führt eiweißreiche Ernährung zu Gicht (Harnsäureablagerungen) und Nierenversagen.
Fertigfutterpellets aus dem Zoohandel sind ebenfalls nicht empfehlenswert. Sie enthalten häufig zu viel Protein und zu wenig Rohfaser. Auch giftige Pflanzen wie Goldregen, Oleander, Rhododendron, Eibe und Efeu müssen unbedingt aus dem Gehege und dessen Umgebung entfernt werden.
Prüfe sorgfältig, welche Pflanzen in und um das Gehege wachsen. Goldregen, Oleander, Eibe und Efeu sind für Schildkröten tödlich giftig. Entferne sie konsequent aus der Reichweite deines Tieres.

Wie oft und wie viel fressen Schildkröten?
Landschildkröten fressen täglich, sofern die Temperaturen über 20 Grad Celsius liegen. Bei kühlerem Wetter reduzieren sie ihre Nahrungsaufnahme. Das ist normal und kein Grund zur Sorge. Vor der Winterruhe stellen sie die Nahrungsaufnahme komplett ein.
Die richtige Futtermenge orientiert sich am Tier. Eine gute Faustregel: Die tägliche Portion sollte etwa dem Kopfvolumen deiner Schildkröte entsprechen. Zu viel Futter führt zu übermäßigem Wachstum und Organbelastung. Zu wenig Futter kann bei Jungtieren zu Entwicklungsstörungen führen.
Im Freigehege mit natürlichem Bewuchs regulieren Schildkröten ihre Nahrungsaufnahme weitgehend selbst. Du kannst zusätzlich frische Kräuter anbieten, aber übertreibe es nicht. Verteile das Futter an verschiedenen Stellen im Gehege, damit dein Tier sich bewegen muss. Das fördert die natürliche Aktivität und beugt Übergewicht vor.
Warum ist Kalzium für Schildkröten so wichtig?
Kalzium ist der wichtigste Mineralstoff für Landschildkröten. Es wird für den Aufbau und Erhalt des Panzers, der Knochen und der Eischale benötigt. Ohne ausreichend Kalzium entwickeln Jungtiere Rachitis (Knochenerweichung) und einen weichen, deformierten Panzer.
Das Verhältnis von Kalzium zu Phosphor in der Nahrung sollte mindestens 2:1 betragen. Wildkräuter wie Löwenzahn und Wegerich erfüllen diese Anforderung hervorragend. Kulturpflanzen wie Kopfsalat oder Eisbergsalat haben dagegen ein ungünstiges Verhältnis.
Biete immer eine Sepiaschale (Tintenfischknochen) im Gehege an. Schildkröten knabbern daran nach Bedarf und decken so ihren Kalziumbedarf eigenständig. Die Sepiaschale ist kostengünstig und in jeder Tierhandlung erhältlich. Wechsle sie aus, wenn sie stark abgenagt oder verschmutzt ist.
Für die Kalziumaufnahme aus dem Darm ist Vitamin D3 notwendig. Dieses bildet dein Tier selbst, wenn es ausreichend UVB-Strahlung erhält. Im Freigehege ist natürliches Sonnenlicht die beste Quelle. Bei Innenhaltung musst du eine UVB-Lampe verwenden.
Sepiaschale immer frei zugänglich anbieten
Wildkräuter mit hohem Kalziumgehalt bevorzugen
Vitamin D3 nur supplementieren, wenn kein Sonnenlicht oder UVB-Lampe vorhanden ist
Kein zusätzliches Kalziumpulver nötig bei reiner Wildkräuter-Ernährung mit Sepiaschale
Wie passt du die Ernährung an die Jahreszeiten an?
Die Fütterung deiner Schildkröte ändert sich mit den Jahreszeiten. Im Frühling, wenn die Tiere aus der Winterruhe erwachen, fütterst du zunächst kleine Mengen leicht verdaulicher Kräuter. Der Verdauungstrakt muss sich erst wieder aktivieren. Steigere die Futtermenge über zwei Wochen langsam.
Im Sommer ist das Angebot an frischen Wildkräutern am größten. Dein Tier kann im Freigehege selbstständig grasen. Biete zusätzlich frisch gepflückte Kräuter an. Achte bei großer Hitze besonders auf die Wasserversorgung durch regelmäßige Bäder und eine frische Wasserschale.
Im Herbst beginnt die Vorbereitung auf die Winterruhe. Reduziere die Futtermenge schrittweise. Zwei bis drei Wochen vor dem Einwintern stellst du die Fütterung komplett ein. Der Darm muss vollständig leer sein, bevor dein Tier in die Winterstarre geht. Biete in dieser Phase weiterhin lauwarme Bäder an.
Während der Winterruhe (November bis März) frisst deine Schildkröte nicht. Stelle kein Futter bereit, aber sorge dafür, dass frisches Wasser verfügbar ist. Nach dem Aufwachen im Frühling beginnt der Kreislauf von vorne.
Brauchen Schildkröten Vitaminpräparate?
Bei einer abwechslungsreichen, natürlichen Ernährung mit verschiedenen Wildkräutern und ausreichend natürlichem Sonnenlicht sind zusätzliche Vitaminpräparate in der Regel nicht notwendig. Die Kräuter liefern alle wichtigen Vitamine und Mineralstoffe. Sepiaschale deckt den Kalziumbedarf.
Ausnahmen gelten für Jungtiere in Innenhaltung ohne UVB-Lampe. Hier kann eine wöchentliche Vitamin-D3-Gabe sinnvoll sein. Sprich die Dosierung aber immer mit deinem Tierarzt ab. Eine Überdosierung von Vitamin D3 ist toxisch und kann zu Organverkalkungen führen.
Wie trinken Schildkröten und was hat die Ernährung damit zu tun?
Schildkröten trinken selten sichtbar aus einer Schale. Sie nehmen den Großteil ihrer Flüssigkeit über das Futter und über die Kloake (Körperöffnung) beim Baden auf. Trotzdem solltest du immer eine flache Wasserschale im Gehege bereitstellen. Manche Tiere trinken daraus regelmäßig.
Regelmäßige Bäder (zwei- bis dreimal pro Woche, 15 bis 20 Minuten in lauwarmem Wasser) sind wichtig für die Flüssigkeitsversorgung. Viele Schildkröten setzen dabei auch Kot ab. Das Bad fördert die Verdauung und beugt Dehydration (Austrocknung) vor.
Was ist Pyramiding und welche Rolle spielt die Ernährung?
Pyramiding beschreibt das kegelförmige Hochwachsen der Hornschilde auf dem Rückenpanzer. Die Schildplatten bilden spitze Erhebungen statt einer glatten Wölbung. Das sieht nicht nur unnatürlich aus, sondern zeigt auch eine Fehlentwicklung des gesamten Panzers an.
Pyramiding hat mehrere Ursachen. Die wichtigsten sind eine zu eiweißreiche Ernährung, ein falsches Kalzium-Phosphor-Verhältnis, zu wenig Luftfeuchtigkeit und fehlendes UVB-Licht. Eine ausschließliche Wildkräuter-Fütterung in Kombination mit ausreichend Sonnenlicht oder UVB ist die beste Vorbeugung.
Einmal entstandenes Pyramiding ist leider nicht reversibel. Der Panzer wächst nicht mehr in seine ursprüngliche Form zurück. Durch eine konsequente Verbesserung der Haltungsbedingungen kann aber weiteres Fortschreiten verhindert werden. Betroffene Tiere leben mit guter Pflege genauso lang wie Artgenossen mit glattem Panzer.