Hufrehe beim Pferd im Frühling: Ursachen, Symptome & Vorbeugung
Hufrehe ist eine der schmerzhaftesten und gefürchtetsten Erkrankungen beim Pferd. Im Frühling steigt das Risiko drastisch an – durch frisches, zuckerreiches Gras, das bei empfindlichen Pferden eine Kettenreaktion in der Hufdurchblutung auslösen kann. Was du über Ursachen, Früherkennung und Prävention wissen musst, erklärt dieser Artikel.
Schnelles Handeln
Hufrehe ist ein Notfall – Schmerz und Gewebeschäden nehmen rasch zu
Weidegras
Fruchtoselreiche Gräser im Frühling sind häufigste Ursache
Symptome
Warme Hufe, Entlastungshaltung, verweigerte Bewegung
Prävention
Anweiden einschleichen, Grasstunden begrenzen, Risikopferde schonen
Was ist Hufrehe genau?
Hufrehe (Laminitis) ist eine Entzündung der Huflederhaut – jenes empfindlichen Gewebes zwischen Hufbein und Hornkapsel. Wenn die Durchblutung gestört ist, schwillt das Gewebe an, der Schmerz ist enorm und das Hufbein kann sich in der Hornkapsel absenken (Rotation). Im schlimmsten Fall perforiert das Hufbein die Hufsohle – dann ist eine Euthanasie oft unausweichlich.
Warum ist Frühling die gefährlichste Zeit?
Im Frühling wächst Gras schnell und enthält viel Fruktan (einen Fruktose-Speicherstoff), der bei empfindlichen Pferden die Rehesymptome auslöst. Besonders kritisch sind:
- Kalt-klare Nächte gefolgt von sonnigen Tagen (maximale Fruktanproduktion)
- Junges, kurzes Gras (höchste Nährstoffdichte)
- Frisch gedüngte Weiden
- Der erste Weidegang nach dem Winter

Welche Pferde haben das höchste Risiko?
Nicht jedes Pferd erkrankt gleich schnell. Risikofaktoren:
- Cushing-Syndrom (PPID): Erhöhtes Cortisol und Insulinresistenz
- Equines Metabolisches Syndrom (EMS): Insulinresistenz bei übergewichtigen Pferden
- Ponys und Esel: Evolutionär auf karge Kost adaptiert
- Übergewichtige Pferde
- Ehemalige Rehepatienten: Einmal erkrankt, immer gefährdet
- Pferde nach Koliken oder Geburten (Toxinresorption)
Symptome der Hufrehe erkennen
Die Anzeichen können schleichend beginnen oder plötzlich auftreten:
- Entlastungshaltung: Vorderbeine weit vorgestellt, Gewicht auf Hinterbeine verlagert
- Warme Hufe: Besonders an den Zehen ertastbar
- Verstärkter Pulsschlag an den Fesselbeugern
- Steifes, trippelndes Gangbild besonders auf hartem Boden
- Weigerung, sich zu bewegen
- Schwitzen, Angst, Koliksymptome bei starken Schmerzen
- Ringe auf dem Hufhorn als Zeichen chronischer Rehe
Was sofort zu tun ist
- Sofort vom Gras nehmen – keine weitere Fruktanaufnahme
- Tierarzt anrufen
- Pferd auf tiefem, weichem Sand oder Sägespäne-Einstreu stellen
- Nicht zwingen zu laufen oder in den Stall bewegen
- Kühlung der Hufe mit kaltem Wasser oder Eispackungen (lindert Schmerz und Entzündung)
Wie wird Hufrehe behandelt?
Die tierärztliche Behandlung zielt auf Schmerzlinderung, Entzündungshemmung und Stabilisierung des Hufbeins:
- NSAIDs (Phenylbutazon, Flunixin) gegen Schmerz und Entzündung
- Digitale Kühlung in der Akutphase – sehr effektiv in den ersten Stunden
- Rehebeschlag: Unterstützung der Hufmechanik durch speziellen Beschlag
- Fütterungsumstellung: Heu (armes Gras), kein Getreide, kein Weidegang
- Ruhigstellung auf weichem Untergrund
- Röntgenkontrolle: Ausmaß der Hufbeinrotation feststellen

Prävention: So schützt du dein Pferd vor Frühjahrsrehe
Anweiden einschleichen
Der wichtigste Schritt: Langsam beginnen. Die erste Woche nur 15–30 Minuten täglich auf der Weide, dann wöchentlich steigern. So hat der Darm Zeit, die neue Nahrungsquelle zu verarbeiten. Mehr dazu im Artikel Pferd sicher anweiden im Frühling.
Grasstunden begrenzen und überwachen
Risikopferde sollten morgens früh nicht auf die Weide – dann sind die Fruktanwerte am höchsten. Nachmittagsweidegang ist sicherer. Grasmasken helfen, die Grasaufnahme zu reduzieren, ohne das Pferd von der Herde zu trennen.
Gewicht kontrollieren
Übergewicht ist ein entscheidender Risikofaktor. Regelmäßiges Konditionsscoring (Body Condition Score) hilft dir, das Gewicht deines Pferdes im Blick zu behalten. Ziel ist ein BCS von 5–6 auf einer 9-Punkte-Skala.
Hufpflege und Beschlag
Regelmäßige Hufkontrolle durch den Hufschmied (alle 6–8 Wochen) und gute Hufhygiene sind wichtig. Bei bekannten Rehepferden sollte der Hufschmied eng mit dem Tierarzt zusammenarbeiten.