Allergie-Test beim Hund: Ablauf, Kosten und Aussagekraft
Wenn dein Hund sich ständig kratzt, an seinen Pfoten leckt oder immer wieder Hautprobleme hat, ist ein Allergie-Test beim Hund oft der erste Schritt zur Diagnose – und zu echten Erleichterung für euch beide. Allergien gehören zu den häufigsten chronischen Erkrankungen bei Hunden, doch nicht jeder Test hält, was er verspricht. In diesem Artikel erfährst du, welche Testmethoden es gibt, was sie wirklich leisten, was sie kosten und wann ein Test beim Tierarzt tatsächlich sinnvoll ist.
Präzise Diagnose
Der richtige Allergie-Test hilft dabei, die genauen Auslöser zu identifizieren – und vermeidet unnötige Behandlungen auf Verdacht.
Tierärztliche Begleitung
Allergie-Tests gehören in die Hände von Fachtierärzten – besonders der Intradermalttest erfordert spezialisiertes Wissen und Ausrüstung.
Kosten im Blick behalten
Tests variieren stark im Preis – ein fundierter Überblick hilft dir, informiert zu entscheiden, welcher Test für deinen Hund das Richtige ist.
Mehr Lebensqualität
Nach einem positiven Testergebnis und gezielter Behandlung bessert sich die Lebensqualität der meisten Hunde deutlich.
Welche Allergie-Tests gibt es für Hunde?
Es gibt nicht den einen Allergie-Test – je nach Allergie-Typ und Fragestellung kommen unterschiedliche Methoden zum Einsatz. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen Umweltallergien (Atopie), Futterallergien und Kontaktallergien. Für jede dieser Formen gibt es spezifische Testverfahren.
1. Der Intradermalttest (IDT)
Der Intradermalttest gilt als Goldstandard bei der Diagnose von Umweltallergien (atopische Dermatitis). Dabei werden kleine Mengen verschiedener Allergene direkt in die Haut injiziert, und die Hautreaktion wird nach 15–20 Minuten ausgewertet. Dieser Test wird ausschließlich von Fachtierärzten für Dermatologie durchgeführt und liefert die zuverlässigsten Ergebnisse bei Inhalationsallergenen wie Pollen, Hausstaubmilben oder Schimmelpilzsporen.
2. Der Blut-Allergie-Test (IgE-Serologie)
Beim serologischen Allergie-Test wird dem Hund Blut entnommen und im Labor auf allergenspezifische IgE-Antikörper untersucht. Dieser Test kann von jedem Tierarzt durchgeführt werden und ist weniger aufwendig als der Intradermalttest. Allerdings ist seine Aussagekraft umstritten – falsch-positive Ergebnisse sind häufig, was bedeutet, dass ein Antikörper-Nachweis nicht automatisch eine klinisch relevante Allergie beweist.
3. Die Ausschlussdiät (Eliminationsdiät)
Bei Verdacht auf eine Futterallergie ist die Ausschlussdiät der zuverlässigste diagnostische Weg. Dabei wird der Hund für mindestens 8–12 Wochen ausschließlich mit einer neuen, noch nie gefütterten Proteinquelle oder einer hydrolisierten Diät ernährt. Verbessern sich die Symptome, werden danach schrittweise einzelne Zutaten wieder eingeführt, um den Auslöser zu identifizieren. Bluttests auf Futterunverträglichkeiten haben hingegen keine ausreichende wissenschaftliche Validierung.
4. Patch-Tests und Kontaktallergie-Tests
Kontaktallergien sind bei Hunden selten, aber möglich. Spezielle Patch-Tests, bei denen Allergene auf die Haut aufgebracht werden, sind in der Veterinärdermatologie wenig verbreitet und werden nur in Ausnahmefällen eingesetzt.
Achtung: Online-Allergie-Tests für Hunde
Im Internet werden zahlreiche Heimtests angeboten, die angeblich aus Fell- oder Speichelproben Allergien und Unverträglichkeiten deines Hundes erkennen sollen. Diese Tests haben keine wissenschaftliche Grundlage und werden von der veterinärmedizinischen Fachgemeinschaft einhellig abgelehnt. Die Methoden (z. B. bioresonanzähnliche Verfahren oder nicht validierte IgG-Tests) können keine zuverlässigen Aussagen über klinisch relevante Allergien machen. Lass dich nicht von ansprechenden Verpackungen und günstigeren Preisen täuschen – investiere das Geld lieber in eine tierärztliche Konsultation.
Der Intradermalttest: Ablauf und Vorbereitung

Der Intradermalttest ist der aufwendigste, aber auch präziseste Weg zur Diagnose einer atopischen Dermatitis beim Hund. Er wird von spezialisierten Tierdermatologinnen und -dermatologen durchgeführt – in der Regel nachdem eine Basisuntersuchung und eine gründliche Anamnese stattgefunden haben.
Vorbereitung vor dem Test
Damit der Test aussagekräftig ist, muss dein Hund bestimmte Medikamente im Vorfeld absetzen. Dazu gehören:
- Kortikosteroide (z. B. Prednisolon): Je nach Dosierung mindestens 4–8 Wochen vorher absetzen
- Antihistaminika: mindestens 2 Wochen vorher pausieren
- Oclacitinib (Apoquel): mindestens 2 Wochen vorher absetzen
- Biologika (z. B. Cytopoint): bis zu 3 Monate Wartezeit
Diese Wartezeiten sind wichtig, weil diese Wirkstoffe die Hautreaktion unterdrücken und so zu falsch-negativen Ergebnissen führen können. Besprich die genaue Vorgehensweise unbedingt vorab mit deinem Tierarzt.
Ablauf des Intradermaltest
Am Tag des Tests wird der Hund meist leicht sediert, damit er während der Prozedur ruhig liegt. An der Flanke oder am Bauch wird ein Bereich rasiert, und anschließend werden 40–60 verschiedene Allergene (Pollen, Schimmelpilze, Hausstaubmilben, Insektenproteine etc.) in kleinen Mengen unter die Haut gespritzt. Nach etwa 15–20 Minuten werden die Injektionsstellen auf Rötung, Schwellung und Quaddeln untersucht und mit Positiv- und Negativkontrollen verglichen.
Das Ergebnis liegt noch am selben Tag vor. Der Tierdermatologie-Spezialist bespricht die Befunde direkt mit dir und plant den nächsten Schritt – in den meisten Fällen eine allergenspezifische Immuntherapie.
Für wen ist der Intradermalttest geeignet?
Der Test eignet sich für Hunde, bei denen eine Umweltallergie (Atopie) vermutet wird und eine Immuntherapie in Betracht kommt. Er ist nur sinnvoll, wenn andere Ursachen (Parasiten, Futterallergie, Infektionen) bereits ausgeschlossen wurden.
Blut-Allergie-Test: Wie aussagekräftig ist er wirklich?
Der serologische Allergie-Test – auch RAST-Test oder ELISA-Test genannt – ist die am häufigsten durchgeführte Methode in der Allgemeinpraxis, weil er keine Sedierung erfordert und von jedem Tierarzt angeboten werden kann. Trotzdem ist er in der Fachwelt umstritten.
Was der Bluttest misst
Im Labor wird das Blut auf allergenspezifische Immunglobuline der Klasse E (IgE) untersucht. Das Prinzip: Wenn der Körper auf ein Allergen reagiert, produziert er IgE-Antikörper dagegen. Ein erhöhter IgE-Wert für ein bestimmtes Allergen gilt als Hinweis auf eine Sensibilisierung.
Das Problem: Sensibilisierung ist nicht gleich Allergie
Hier liegt die Krux. Ein Hund kann IgE-Antikörper gegen ein Allergen haben, ohne klinische Symptome zu zeigen. Studien zeigen, dass die Übereinstimmungsrate zwischen Bluttest und Intradermalttest – dem Referenzstandard – oft nur bei 50–70 % liegt. Das bedeutet: Bis zu einem Drittel der Ergebnisse könnten falsch-positiv oder falsch-negativ sein.
Wann ist der Bluttest trotzdem nützlich?
Trotz seiner Limitationen kann der Bluttest in bestimmten Situationen hilfreich sein:
- Wenn ein Intradermalttest nicht möglich ist (z. B. weil der Hund keine Medikamente absetzen kann)
- Als ergänzende Information zur klinischen Diagnose
- Bei der Erstellung einer Immuntherapie-Lösung, wenn kein IDT verfügbar ist
Wichtig: Die Ergebnisse sollten immer im Kontext der klinischen Symptome interpretiert werden – nie isoliert. Ein positiver Bluttest allein rechtfertigt keine Behandlung ohne passende Klinik.
Wann ist ein Allergie-Test sinnvoll — und wann nicht?

Nicht jeder juckende Hund braucht sofort einen Allergie-Test. Die Entscheidung für oder gegen einen Test sollte gemeinsam mit dem Tierarzt getroffen werden und von der klinischen Situation abhängen.
Gute Gründe für einen Allergie-Test
- Anhaltende, saisonale oder ganzjährige Hautsymptome trotz Behandlung von Flöhen und anderen Parasiten
- Atopie-typische Muster: Juckreiz an Pfoten, Ohren, Gesicht und Bauch, saisonales Auftreten ab dem 1.–3. Lebensjahr
- Geplante Immuntherapie: Für eine allergenspezifische Hyposensibilisierung ist ein Testergebnis zwingend erforderlich
- Erfolglose Standardbehandlungen: Wenn Antihistaminika und kortikosteroidfreie Therapien nicht ausreichen
Wann ein Test (noch) nicht sinnvoll ist
- Wenn Flöhe, Milben oder Pilzinfektionen noch nicht ausgeschlossen wurden – diese verursachen ähnliche Symptome und müssen zuerst behandelt werden
- Bei sehr jungen Hunden unter einem Jahr – das Immunsystem ist noch in der Entwicklung, und Testergebnisse sind oft nicht zuverlässig
- Wenn Futterallergie noch nicht durch eine korrekt durchgeführte Eliminationsdiät ausgeschlossen wurde
- Bei akuten Schüben ohne vorangegangene Basisdiagnostik
Der Weg zum Allergie-Test ist also meist ein mehrstufiger Prozess: Erst die Grundursachen ausschließen, dann gezielt testen. Ein guter Tierarzt wird dich durch diese Schritte führen.
💰 Kosten: Allergie-Tests beim Hund im Vergleich
Intradermalttest: ca. 300–600 € (inkl. Sedierung, Allergenset und Befundbesprechung) – nur beim Fachtierarzt für Dermatologie
Blut-Allergie-Test (Serologie): ca. 80–200 € je nach Labor und Anzahl der getesteten Allergene – beim Allgemein- oder Fachtierarzt
Eliminationsdiät: Keine direkten Testkosten, aber Kosten für Spezialdiätfutter über 8–12 Wochen (ca. 50–150 €/Monat je nach Hundegröße)
Online-Heimtests: 30–150 € – keine Empfehlung, da ohne wissenschaftliche Grundlage
Viele Tierkrankenversicherungen übernehmen einen Teil der Kosten für diagnostische Tests – lohnt sich also, die eigene Police zu prüfen.
Nach dem Allergie-Test: Was kommt als nächstes?

Ein positives Testergebnis ist nicht das Ende – es ist der Beginn einer gezielten Behandlungsstrategie. Je nachdem, welche Allergene identifiziert wurden, gibt es verschiedene Wege, wie es weitergeht.
Allergenvermeidung
Die einfachste Maßnahme: Soweit möglich, Kontakt mit den identifizierten Allergenen reduzieren. Bei Hausstaubmilben zum Beispiel durch spezielle Milbenschutzbezüge für Hundebetten, regelmäßiges Waschen von Schlafplätzen und HEPA-Filter in der Wohnung. Bei Pollensensibilisierung können Spaziergänge in pollenarmen Zeiten (früh morgens, nach Regen) helfen.
Symptomatische Therapie
Parallel zur langfristigen Behandlung kann der Juckreiz kurzfristig mit modernen Medikamenten wie Oclacitinib (Apoquel) oder dem Biologikum Lokivetmab (Cytopoint) kontrolliert werden. Auch eine regelmäßige Hautpflege mit geeigneten Shampoos und Conditionern stärkt die Hautbarriere und reduziert Symptome. Sprich deinen Tierarzt auf die für deinen Hund passende Kombination an.
Diätanpassung bei Futterallergie
Wurde eine Futterallergie diagnostiziert, geht es darum, die auslösenden Ingredienzien dauerhaft aus dem Futterplan zu streichen. Eine ausgewogene Hundeernährung ist dabei trotzdem wichtig – oft hilft ein Tierernährungsberater, das richtige Futter zu finden.
Immuntherapie nach positivem Allergie-Test
Die allergenspezifische Immuntherapie (ASIT) – auch Hyposensibilisierung genannt – ist die einzige Behandlung, die nicht nur die Symptome lindert, sondern die Überreaktion des Immunsystems langfristig verändern kann. Sie ist nur möglich, wenn vorher durch einen Intradermalttest oder einen Bluttest die spezifischen Auslöser identifiziert wurden.
Wie funktioniert die Immuntherapie?
Auf Basis des Testergebnisses wird individuell für jeden Hund eine maßgeschneiderte Lösung hergestellt, die die relevanten Allergene in aufsteigender Konzentration enthält. Diese wird dem Hund über Monate bis Jahre verabreicht – entweder als Unterhautinjektion oder als Sublingual-Tropfen (unter die Zunge). Das Ziel: Das Immunsystem lernt, toleranter auf die Allergene zu reagieren.
Erfolgsaussichten
Studien zeigen, dass etwa 60–80 % der atopischen Hunde gut auf eine ASIT ansprechen. Bei einem Teil der Hunde kommt es zu einer deutlichen Verbesserung oder sogar vollständigen Beschwerdefreiheit, bei anderen zu einer deutlichen Reduktion der Medikamentendosis. Die Therapie erfordert jedoch Geduld – erste Ergebnisse zeigen sich oft erst nach 6–12 Monaten.
Die ASIT ist besonders sinnvoll, wenn:
- Die Symptome mehr als 4–6 Monate im Jahr auftreten
- Medikamente nicht ausreichend helfen oder nicht dauerhaft eingesetzt werden sollen
- Der Hund noch jung ist (bessere Langzeitprognose)
Mehr zur atopischen Dermatitis beim Hund und zur modernen Allergietherapie erfährst du in unserem ausführlichen Ratgeber. Wenn du dich fragst, ob ein bestimmtes Symptom deines Hundes mit Allergien zusammenhängen könnte, hilft dir unser Artikel zum Thema Juckreiz beim Hund weiter. Auch ein aktueller Impfplan für deinen Welpen gehört zur ganzheitlichen Gesundheitsvorsorge dazu.