Apoquel, Cytopoint & Co: Medikamente gegen Allergie beim Hund
Wenn dein Hund unter einer Apoquel Hund-Behandlung oder einer anderen Allergietherapie steht, stellen sich viele Halter dieselben Fragen: Welches Medikament ist das richtige? Wie sicher sind Apoquel, Cytopoint oder Kortison? Und gibt es langfristige Alternativen? Dieser Artikel gibt dir einen umfassenden Überblick über moderne Allergie-Medikamente für Hunde – damit du informiert zum Tierarzt gehst und gemeinsam die beste Entscheidung treffen kannst.
Schnelle Wirkung
Apoquel und Cytopoint lindern Juckreiz gezielt – oft schon innerhalb von Stunden bis wenigen Tagen.
Immer mit Tierarzt
Alle Allergie-Medikamente sind verschreibungspflichtig. Eine genaue Diagnose ist die Grundlage jeder erfolgreichen Therapie.
Moderne Sicherheit
Neuere Präparate wie Cytopoint haben ein günstigeres Nebenwirkungsprofil als klassisches Kortison.
Lebensqualität verbessern
Das Ziel jeder Therapie: dein Hund soll beschwerdefrei und glücklich leben können – ohne ständigen Juckreiz.
Welche Medikamente gibt es gegen Allergien beim Hund?
Allergien beim Hund sind vielfältig. Die häufigsten Formen sind die atopische Dermatitis (Umweltallergie), die Futterallergie beim Hund und die Flohspeichelallergie. Je nach Allergie-Typ, Schwere der Symptome und individuellem Gesundheitszustand des Hundes gibt es verschiedene medikamentöse Ansätze:
- Apoquel (Oclacitinib) – JAK-Inhibitor, Tabletten, tägliche Gabe
- Cytopoint (Lokivetmab) – monoklonaler Antikörper, Injektion alle 4–8 Wochen
- Kortison (Glukokortikoide) – z. B. Prednisolon, kurzfristig oder überbrückend
- Antihistaminika – z. B. Cetirizin, nur begrenzt wirksam bei Hunden
- Ciclosporin (Atopica) – Immunsuppressivum, älter, langsamer Wirkeintritt
- Immuntherapie / Hyposensibilisierung – kausal, langfristig, allergenspezifisch
Welches Medikament das richtige ist, hängt von der exakten Diagnose, der Krankengeschichte und dem Lebensstil deines Hundes ab. Nur der Tierarzt kann nach einer gründlichen Untersuchung – ggf. mit Allergietest – die passende Therapie empfehlen.
Wichtiger Hinweis: Nur mit tierärztlicher Verschreibung
Alle auf dieser Seite genannten Medikamente – Apoquel, Cytopoint, Kortison und Ciclosporin – sind verschreibungspflichtig. Selbstmedikation kann deinen Hund gefährden und Symptome überdecken, die einer ernsthafteren Erkrankung zugrunde liegen. Gehe bitte immer zuerst zum Tierarzt, bevor du deinem Hund irgendein Medikament gegen Allergie gibst.
Apoquel: Wie wirkt der JAK-Inhibitor bei Hunde-Allergie?
Apoquel ist seit 2013 in Europa zugelassen und hat die Behandlung allergischer Hunde revolutioniert. Der Wirkstoff Oclacitinib gehört zur Klasse der Januskinase-Inhibitoren (JAK-Inhibitoren) und greift direkt in die Signalkaskade ein, die Juckreiz und Entzündung auslöst.

Wirkweise von Apoquel im Detail
Juckreiz und allergische Entzündungen entstehen, wenn bestimmte Zytokine (Botenstoffe) wie Interleukin-31 (IL-31) an ihre Rezeptoren binden und über JAK-Enzyme eine Signalkette in Gang setzen. Apoquel blockiert gezielt die JAK1- und JAK3-Enzyme und unterbricht so diese Kette, bevor es zu starkem Juckreiz und Hautentzündung kommt.
Das Besondere: Die Wirkung setzt sehr schnell ein – erste Linderung ist oft bereits nach 4 Stunden spürbar, eine deutliche Verbesserung innerhalb von 24 Stunden. Das unterscheidet Apoquel erheblich von älteren Mitteln wie Ciclosporin, das Wochen braucht.
Dosierung und Anwendung
Apoquel wird als Tablette verabreicht, üblicherweise zweimal täglich über 14 Tage, danach einmal täglich als Erhaltungsdosis. Die genaue Dosierung richtet sich nach dem Körpergewicht des Hundes. Das Medikament kann mit oder ohne Futter gegeben werden.
Nebenwirkungen von Apoquel
Da Apoquel das Immunsystem beeinflusst, kann es in seltenen Fällen zu Nebenwirkungen kommen:
- Erhöhte Infektanfälligkeit (v. a. Harnwegsinfekte, Hautinfektionen)
- Magen-Darm-Beschwerden (Erbrechen, Durchfall – selten)
- In seltenen Fällen: Blutbildveränderungen
- Nicht empfohlen bei Hunden unter 12 Monaten oder unter 3 kg
- Vorsicht bei Hunden mit Tumorerkrankungen oder schweren Infektionen
Bei regelmäßiger Langzeitanwendung empfiehlt der Tierarzt in der Regel halbjährliche Blutuntersuchungen. Insgesamt gilt Apoquel für die meisten Hunde als gut verträglich und sicher bei korrekter Anwendung. Mehr zum Thema Juckreiz beim Hund findest du in unserem ausführlichen Ratgeber.
Cytopoint: Die monoklonale Antikörper-Injektion im Detail
Cytopoint (Wirkstoff: Lokivetmab) ist eine noch gezieltere Therapieoption. Es handelt sich um einen monoklonalen Antikörper – also ein biotechnologisch hergestelltes Eiweiß, das speziell den Botenstoff Interleukin-31 (IL-31) neutralisiert. IL-31 ist der Hauptauslöser von allergischem Juckreiz beim Hund.
Weil Lokivetmab ein Antikörper ist, der körpereigenem Eiweiß stark ähnelt, wird er vom Hundekörper abgebaut wie normales Protein – ohne dass die Leber oder Nieren belastet werden. Das macht Cytopoint besonders attraktiv für Hunde mit Vorerkrankungen.
Wie wird Cytopoint gegeben?
Cytopoint wird als subkutane Injektion beim Tierarzt verabreicht. Die Wirkung hält in der Regel 4 bis 8 Wochen an, je nach individuellem Ansprechen des Hundes. Viele Hunde kommen mit 6-wöchentlichen Injektionen gut aus; bei anderen reicht sogar ein monatlicher Abstand.
Nebenwirkungen von Cytopoint
Cytopoint gilt als sehr gut verträglich. Da es sich nicht um ein klassisches Medikament, sondern um ein Biologikum handelt, sind systemische Nebenwirkungen selten. Gelegentlich können auftreten:
- Vorübergehende Müdigkeit nach der Injektion
- Leichte Reaktion an der Injektionsstelle
- In sehr seltenen Fällen: Wirkungsverlust durch Antikörperbildung gegen Lokivetmab
Cytopoint ist ab 12 Wochen Lebensalter zugelassen und kann auch bei Hunden mit Niereninsuffizienz, Lebererkrankungen oder gleichzeitiger Medikation eingesetzt werden – nach tierärztlicher Rücksprache. Für viele Tierärzte ist Cytopoint mittlerweile das Mittel der ersten Wahl bei atopischer Dermatitis.
Kortison beim allergischen Hund: Wann sinnvoll, wann gefährlich?
Kortison – genauer gesagt Glukokortikoide wie Prednisolon oder Dexamethason – war jahrzehntelang die Standardtherapie gegen allergischen Juckreiz beim Hund. Es wirkt breit entzündungshemmend und juckreizstillend, ist günstig und gut verfügbar.

Sinnvoller Einsatz von Kortison
Kortison ist nach wie vor sinnvoll in folgenden Situationen:
- Akute Schübe: Kurzfristig zur schnellen Linderung bei starken Symptomen
- Überbrückung: Bis eine langsamere Therapie (z. B. Immuntherapie) anschlägt
- Lokal angewendet: Kortisonhaltige Cremes oder Ohrentropfen bei lokalen Entzündungen mit weniger systemischen Risiken
- Günstige Kosten: Wenn andere Medikamente finanziell nicht tragbar sind
Risiken bei Langzeitanwendung
Bei dauerhafter oder hochdosierter Gabe können erhebliche Nebenwirkungen entstehen:
- Polyurie/Polydipsie (vermehrtes Trinken und Urinieren)
- Gewichtszunahme und Muskelabbau
- Erhöhte Infektanfälligkeit
- Cushing-Syndrom (iatrogen) bei Langzeittherapie
- Haut- und Fellveränderungen
- Leber- und Bauchspeicheldrüsenbelastung
Kortison sollte deshalb bei chronischer Allergie nicht als Dauerlösung eingesetzt werden. Moderne Alternativen wie Apoquel oder Cytopoint haben Kortison in der Langzeittherapie der atopischen Dermatitis weitgehend abgelöst.
💰 Kosten: Apoquel vs. Cytopoint vs. Kortison im Vergleich
Apoquel: ca. 1,50–3,00 € pro Tablette, je nach Gewicht des Hundes. Bei täglicher Gabe entstehen monatliche Kosten von ca. 45–90 €.
Cytopoint: Die Injektion kostet je nach Praxis und Hundegröße ca. 60–130 € pro Behandlung (alle 4–8 Wochen). Bei 6-wöchentlichem Abstand: ca. 40–85 € pro Monat gerechnet.
Kortison (Prednisolon): Sehr günstig – wenige Euro pro Monat. Allerdings entstehen bei Langzeitanwendung versteckte Kosten durch Folgeerkrankungen und häufigere Tierarztbesuche.
Immuntherapie: Einstiegskosten für Allergietest (ca. 200–400 €) und Herstellung der Impflösung. Laufende Kosten ca. 30–60 € pro Monat, aber mit dem Ziel, das Allergen dauerhaft zu tolerieren.
Immuntherapie: Der einzige Weg zur langfristigen Lösung?
Während alle bisher genannten Medikamente die Symptome kontrollieren, aber nicht die Ursache behandeln, verfolgt die allergenspezifische Immuntherapie (ASIT) – auch Hyposensibilisierung genannt – einen anderen Ansatz: Sie trainiert das Immunsystem, auf das auslösende Allergen nicht mehr überzureagieren.

So funktioniert die Hyposensibilisierung
Zunächst wird durch einen Allergietest (Bluttest oder intradermaler Hauttest) ermittelt, auf welche spezifischen Allergene – z. B. Hausstaubmilben, Gräserpollen oder bestimmte Pilzsporen – der Hund reagiert. Anschließend wird eine individuelle Impflösung hergestellt, die diese Allergene in aufsteigenden Konzentrationen enthält.
Diese Lösung wird dem Hund regelmäßig injiziert (oder als Sublingualtropfen/-tablette gegeben), beginnend mit sehr kleinen Mengen, die schrittweise erhöht werden. Das Immunsystem lernt so, mit dem Allergen umzugehen, ohne eine überschießende Reaktion auszulösen.
Wann lohnt sich die Immuntherapie?
Die Immuntherapie ist besonders empfehlenswert, wenn:
- Die Allergie auf Umweltallergene zurückzuführen ist (Pollen, Milben, Schimmelpilze)
- Der Hund noch jung ist und viele Jahre vor sich hat
- Andere Medikamente keine ausreichende Kontrolle bringen oder schlecht vertragen werden
- Der Halter eine nachhaltige, kausal wirksame Therapie anstrebt
Die Erfolgsrate liegt bei etwa 50–80 %, ist aber stark vom Allergen, dem individuellen Hund und der konsequenten Durchführung abhängig. Die Therapie dauert in der Regel 1–3 Jahre. Eine Kombination mit symptomatischen Mitteln (z. B. Apoquel oder Cytopoint) ist in der Anfangsphase häufig notwendig. Für eine ausgewogene Hundeernährung als Begleitmaßnahme findest du ebenfalls hilfreiche Tipps auf Go4Vet.
Welches Allergie-Medikament passt zu meinem Hund?
Die Wahl des richtigen Allergie-Medikaments ist keine Entscheidung, die du allein treffen solltest – aber es hilft, gut informiert in das Gespräch mit deinem Tierarzt zu gehen. Hier ist eine Übersicht, welche Faktoren bei der Entscheidung eine Rolle spielen:
Apoquel ist oft die richtige Wahl, wenn…
- …dein Hund schnelle tägliche Kontrolle braucht
- …du eine flexible, dosierbare Tablettengabe bevorzugst
- …der Hund älter als 12 Monate und mindestens 3 kg schwer ist
- …keine relevanten Vorerkrankungen (Tumore, Infektionen) bestehen
Cytopoint ist oft die richtige Wahl, wenn…
- …du keine tägliche Tablettengabe möchtest oder kannst
- …dein Hund Vorerkrankungen an Leber, Niere oder anderen Organen hat
- …du eine sehr gut verträgliche, nebenwirkungsarme Therapie suchst
- …die Allergie klar auf IL-31 als Juckreiztreiber zurückzuführen ist
Kortison ist sinnvoll, wenn…
- …eine kurzfristige Überbrückung in einer akuten Phase nötig ist
- …andere Medikamente nicht verfügbar oder zu teuer sind
- …lokale Anwendung (Creme, Tropfen) ausreichend ist
Immuntherapie ist die beste Option, wenn…
- …die Allergie auf identifizierbare Umweltallergene zurückgeht
- …du langfristig die Ursache behandeln möchtest statt nur Symptome
- …dein Hund noch jung und gesund genug für eine mehrjährige Therapie ist
Ergänzend zur Medikation solltest du auch andere Aspekte bedenken: Gibt es eine Futterkomponente? Ist der Impfschutz aktuell? Ist dein Hund gegen Parasiten geschützt? Hast du bereits über eine Hundekrankenversicherung nachgedacht, die Behandlungskosten abdeckt? Und bitte denk auch daran, deinen Hund chippen zu lassen – auch wenn das kein Allergiekomplex ist, ist es ein wichtiger Grundschutz. Wenn dein Hund unter starkem Juckreiz leidet, solltest du keine Zeit verlieren und frühzeitig zum Tierarzt.