Ohrenentzündung

Medizinische Prüfung / Online Redaktion

Dr. Volker Moser
Dr. Volker Moser
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Nadja Sukalia
Online Redaktion

Jeder Hundebesitzer möchte das Beste für seinen vierbeinigen Freund. Die Gesundheit des Hundes steht dabei immer an erster Stelle. Ein Bereich, der oft übersehen wird, sind die Ohren des Hundes. Obwohl sie nicht immer im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen, sind sie doch anfällig für verschiedene Erkrankungen, insbesondere für Ohrenentzündungen. Diese können durch eine Vielzahl von Faktoren verursacht werden und reichen von milden Irritationen bis zu schweren Infektionen.

Was genau ist eine Ohrenentzündung beim Hund?

Eine Ohrenentzündung, medizinisch auch als Otitis bezeichnet, ist eine Entzündungsreaktion im Ohr des Hundes. Sie kann das äußere Ohr (Otitis externa), das Mittelohr (Otitis media) oder das Innenohr (Otitis interna) betreffen. Abhängig von der betroffenen Ohrregion können die Symptome und die Behandlungsansätze variieren.

Welche verschiedenen Arten von Ohrenentzündungen gibt es?

Man unterscheidet zwischen drei Arten von Ohrenentzündungen: Otitis Externa, Otitis Media und Otitis Interna. Otitis Externa betrifft den äußeren Gehörgang und ist die häufigste Form der Ohrenentzündung bei Hunden. Typische Ursachen sind Fremdkörper, Allergien oder Hauterkrankungen. Die Mittelohrentzündung (Otitis Media) kann entstehen, wenn eine Otitis externa nicht behandelt wird und die Entzündung sich ausbreitet. Eine Entzündung des Innenohrs (Otitis Interna) ist ernstzunehmend und kann zu Gleichgewichtsstörungen führen. Sie kann durch Infektionen oder durch die Ausbreitung einer Mittelohrentzündung verursacht werden.

Was sind die Hauptursachen für Ohrenentzündungen bei Hunden?

Die Hauptursachen für Ohrenentzündungen sind:

  • Bakterien sind häufige Übeltäter, besonders wenn das Ohr eines Hundes feucht oder warm wird, da sie in solchen Umgebungen gedeihen können.
  • Pilze, insbesondere Hefepilze, können bei Hunden Ohrenentzündungen auslösen. Ähnlich wie Bakterien profitieren sie von warmen, feuchten Bedingungen.
  • Parasiten wie Ohrmilben können oftmals Ohrentzündungen bei Hunden verursachen. Sie sind besonders bei Welpen häufig und können Juckreiz und einen schwarzen oder kaffeefarbenen Ausfluss verursachen.
  • Gräser, Samen, kleine Spielzeuge oder andere Fremdkörper, die ins Ohr gelangen, können Reizungen und Entzündungen verursachen.
  • Verletzungen, die durch Kratzen, Kämpfe oder Unfälle verursacht werden, können zu Entzündungen im Ohr führen.
  • Einige Hunderassen mit hängenden Ohren, wie Cocker Spaniels oder Basset Hounds, haben ein erhöhtes Risiko für Ohrenentzündungen, da ihre Ohren weniger belüftet sind und Feuchtigkeit zurückhalten können.
  • Erkrankungen wie Autoimmunerkrankungen oder hormonelle Störungen können das Risiko von Ohrenentzündungen erhöhen.

Können Allergien eine Ohrenentzündung auslösen?

Allergien sind eine häufige Ursache für Ohrenentzündungen bei Hunden. Eine allergische Reaktion kann dazu führen, dass das Ohr des Hundes anschwillt und mehr Ohrenschmalz produziert wird. Dies schafft ein feuchtes Umfeld, das für Bakterien und Pilze ideal ist. Häufige Allergene, die zu Ohrenentzündungen führen können, sind Pollen, Hausstaubmilben oder bestimmte Lebensmittel.

Wie erkenne ich eine Ohrenentzündung bei meinem Hund?

Der erste Schritt zur Erkennung einer Ohrenentzündung ist die Beobachtung des Verhaltens Ihres Hundes. Wenn Sie feststellen, dass Ihr Hund häufiger als gewöhnlich an seinen Ohren kratzt, den Kopf schüttelt oder den Kopf schief hält, könnte dies ein Anzeichen für Unbehagen oder Schmerzen im Ohr sein. Ein weiteres Anzeichen kann eine übermäßige Ohrenschmalzproduktion oder ein unangenehmer Geruch aus dem Ohr sein. Eindeutige physische Anzeichen, wie Rötungen, Schwellungen oder Ausfluss, sind ebenfalls Indikatoren.

Welche Symptome sind typisch für eine Ohrenentzündung beim Hund?

Das Erkennen der Symptome ist der erste Schritt, um Ihrem Hund die notwendige Hilfe zu bieten. Typische Symptome einer Ohrenentzündung beim Hund sind:

  • Eines der häufigsten Anzeichen ist, wenn der Hund seinen Kopf häufig schüttelt oder neigt.
  • Der Hund kratzt sich intensiv am betroffenen Ohr oder reibt es an Möbeln oder dem Boden
  • Das Innere des Ohres kann gerötet, geschwollen und wärmer als gewöhnlich erscheinen.
  • Ein klarer, gelber, grüner oder sogar blutiger Ausfluss kann aus dem Ohr kommen. Bei einer Pilzinfektion kann der Ausfluss auch einen bräunlichen Ton haben und einen unangenehmen Geruch aufweisen
  • Ein übler oder auffällig starker Geruch aus dem Ohr kann auf eine bakterielle oder pilzliche Infektion hinweisen.
  • Der Hund zeigt Schmerz oder Unbehagen, wenn man in die Nähe seines Ohres kommt oder es berührt. Er könnte auch aggressiv reagieren, wenn man versucht, sein Ohr zu untersuchen.
  • In schweren Fällen oder wenn die Entzündung das Mittel- oder Innenohr betrifft, kann der Hund Anzeichen von Hörverlust zeigen.
  • Bei tiefgreifenden Ohrenentzündungen, insbesondere solchen, die das Innenohr betreffen, kann der Hund Schwierigkeiten mit dem Gleichgewicht haben oder sogar taumeln.
  • Der Hund legt die Ohren häufiger an den Kopf an als sonst.
  • Bei chronischen Entzündungen kann der Ohrkanal verdickt und verengt werden, was weitere Entzündungen begünstigt.

Wie wird die Diagnose einer Ohrenentzündung gestellt?

Wenn Sie vermuten, dass Ihr Hund an einer Ohrenentzündung leidet, ist es wichtig, einen Tierarzt aufzusuchen. Der Tierarzt wird zuerst eine gründliche Anamnese durchführen und Fragen zum Verhalten und zu den Symptomen Ihres Hundes stellen.

Anschließend wird der Tierarzt eine körperliche Untersuchung durchführen, wobei er insbesondere das betroffene Ohr genau betrachtet. Mit Hilfe eines Otoskops kann der Tierarzt den Gehörgang und das Trommelfell auf Anzeichen von Entzündungen, Fremdkörpern oder anderen Problemen untersuchen.

In einigen Fällen kann der Tierarzt auch Proben aus dem Ohr entnehmen, um sie mikroskopisch zu untersuchen oder sie auf Bakterien und Pilze zu testen. Dies hilft dabei, die genaue Ursache der Ohrenentzündung zu bestimmen und eine gezielte Behandlung zu planen.

Wie wird eine Ohrenentzündung beim Hund medizinisch behandelt?

Die medizinische Behandlung einer Ohrenentzündung richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache. In vielen Fällen beginnt die Behandlung mit einer gründlichen Reinigung des Ohres, um Schmutz, Ohrenschmalz und Sekrete zu entfernen. Bei bakteriellen Infektionen können topische oder orale Antibiotika verschrieben werden. Hingegen können bei einer durch Pilze verursachten Ohrenentzündung antifungale Medikamente notwendig sein. Um Schwellungen und Schmerzen zu lindern, können entzündungshemmende Medikamente eingesetzt werden. In manchen Fällen, beispielsweise bei Allergien, kann es notwendig sein, die Ursache selbst zu behandeln.

Welche Medikamente sind für die Behandlung von Ohrenentzündungen bei Hunden zugelassen?

Es gibt eine Vielzahl von Medikamenten, die für die Behandlung von Ohrenentzündungen bei Hunden zugelassen sind. Hierzu gehören:

  • Topische Antibiotika, zum Beispiel Neomycin, Polymyxin B, Enrofloxacin
  • Antimykotika, beispielsweise Miconazol oder Clotrimazol
  • Entzündungshemmer wie Hydrocortison oder Prednisolon
  • Antiparasitäre Medikamente

Diese Medikamente sollten immer in Absprache mit Ihrem Tierarzt verabreicht werden.

Gibt es wirksame Hausmittel zur Behandlung von Ohrenentzündungen?

Es gibt einige Hausmittel, die zur Linderung der Symptome von Ohrenentzündungen beitragen können. Zum Beispiel kann eine Mischung aus gleichen Teilen Apfelessig und Wasser helfen, das Ohr zu reinigen und Bakterien und Pilze zu bekämpfen.

Abgekühlte Beutel von Grünem Tee können als sanfte Kompresse verwendet werden, um Entzündungen zu lindern.

Diese Hausmittel dienen jedoch nicht als Ersatz für eine professionelle tierärztliche Behandlung. Bei anhaltenden oder schweren Symptomen sollte immer ein Tierarzt konsultiert werden.

Wie unterstütze ich meinen Hund während der Heilungsphase?

Sie können Ihren Hund während der Heilungsphase unterstützen, indem Sie sicherstellen, dass Sie alle vom Tierarzt verschriebenen Medikamente genau nach Anweisung verabreichen. Es kann verlockend sein, die Medikation abzubrechen, sobald die Symptome nachlassen, aber es ist wichtig, den gesamten Behandlungsverlauf zu befolgen, damit die Infektion vollständig ausheilen kann.

Da Feuchtigkeit das Wachstum von Bakterien und Pilzen fördern kann, sollten Sie darauf achten, dass das Ohr Ihres Hundes trocken bleibt. Vermeiden Sie es, Ihren Hund schwimmen zu lassen, und seien Sie vorsichtig beim Baden. Reinigen Sie lediglich das Ohr sanft mit einer vom Tierarzt empfohlenen Lösung, um Schmutz und Sekret zu entfernen. Verhindern Sie auch, dass Ihr Hund an seinem Ohr kratzt, was die Heilung beeinträchtigen könnte. Hierfür kann ein Halskragen oder ein spezieller Schutz nützlich sein.

Eine ausgewogene Ernährung trägt zur allgemeinen Gesundheit und zum Immunsystem Ihres Hundes bei. Fragen Sie Ihren Tierarzt nach speziellen Nahrungsergänzungsmitteln oder Diäten, die die Heilung unterstützen können.

Bedenken Sie auch, dass Stress die Heilung beeinträchtigen kann. Sorgen Sie für eine ruhige Umgebung, in der sich Ihr Hund erholen kann, und vermeiden Sie laute Geräusche oder hektische Aktivitäten. Es mag zwar offensichtlich erscheinen, aber Zuneigung und Komfort können Wunder wirken und Ihrem Hund helfen, sich schneller zu erholen.

Beobachten Sie die Symptome und achten Sie auf Anzeichen einer erneuten Entzündung, wie Rötung, Ausfluss oder übermäßiges Kratzen. Halten Sie regelmäßigen Kontakt zu Ihrem Tierarzt, insbesondere wenn Sie Veränderungen im Zustand Ihres Hundes bemerken oder bemerken, dass die Symptome zurückkehren.

Was sind die möglichen Komplikationen einer unbehandelten Ohrenentzündung?

Eine unbehandelte Ohrenentzündung kann zu schwerwiegenderen Problemen führen, darunter:

  • Chronische Ohrenentzündung, was zu dauerhaften Veränderungen im Ohr und Hörverlust führen kann.
  • Bei Nichtbehandlung kann sich die Infektion auf das Mittel- und Innenohr ausbreiten.
  • Bei schweren Entzündungen kann das Trommelfell beschädigt werden (Trommelfellperforation).
  • Gleichgewichtsprobleme und Koordinationsstörungen, besonders wenn das Innenohr betroffen ist.

Wie kann ich einer Ohrenentzündung bei meinem Hund vorbeugen?

Prävention beginnt mit regelmäßiger Ohrenpflege und Aufmerksamkeit für die allgemeine Gesundheit Ihres Hundes:

  • Überprüfen Sie die Ohren Ihres Hundes regelmäßig auf Anzeichen von Rötung, Schwellung, ungewöhnlichem Geruch oder Ausfluss.
  • Trocknen Sie die Ohren nach dem Baden oder Schwimmen, um ein feuchtes Milieu zu vermeiden, in dem Bakterien und Pilze gedeihen können.
  • Schützen Sie die Ohren vor Fremdkörpern, insbesondere wenn Ihr Hund in dichtem Gebüsch oder hohem Gras spielt.

Welche Rolle spielt die Ernährung bei der Prävention von Ohrenentzündungen?

Manche Hunde entwickeln Allergien gegen bestimmte Lebensmittel, die dann Entzündungen im Körper, auch in den Ohren, auslösen können. Zu den häufigen Auslösern gehören Rindfleisch, Huhn, Milch, Eier, Mais, Weizen und Soja. Eine Methode, um diese Allergene zu identifizieren, ist das Weglassen einzelner Lebensmittel und das Beobachten der Reaktion.

Omega-3-Fettsäuren, die vor allem in Fischöl und einigen pflanzlichen Ölen stecken, haben entzündungshemmende Eigenschaften. Wenn Sie Ihrem Hund Omega-3 zuführen, sei es durch Nahrungsergänzung oder durch Fisch wie Lachs, kann das helfen, Entzündungen zu reduzieren und somit das Risiko von Ohrenentzündungen zu mindern.

Probiotika können das Immunsystem stärken und die Darmgesundheit fördern, was wiederum das Risiko von Allergien und Entzündungen reduzieren kann. Vitamine wie C und E sowie andere Antioxidantien aus Obst, Gemüse oder Nahrungsergänzungsmitteln können dazu beitragen, Entzündungen zu bekämpfen.

Es ist wichtig, dass Ihr Hund immer genug Wasser zur Verfügung hat, um die Schleimhäute feucht zu halten und das Infektionsrisiko zu verringern.

Manche Hunde reagieren allergisch auf Konservierungsstoffe, Farbstoffe und künstliche Zusätze. Daher ist die Wahl von naturbelassenem und hochwertigem Hundefutter ohne diese Zusätze eine gute Möglichkeit, allergische Reaktionen zu vermeiden.

Wie reinige und pflege ich die Ohren meines Hundes richtig?

Die richtige Ohrenpflege ist essentiell:

  • Verwenden Sie einen feuchten, weichen Lappen oder Wattebausch, um das Ohr vorsichtig zu reinigen.
  • Reinigen Sie nur den sichtbaren Teil des Ohres. Vermeiden Sie das Einführen von Gegenständen tief ins Ohr.
  • Trocknen Sie das Ohr nach der Reinigung gründlich, um Feuchtigkeit zu entfernen.

Welche Produkte eignen sich am besten zur Ohrenreinigung?

Es gibt spezielle Ohrenreiniger für Hunde, die:

  • Schmutz und Ohrenschmalz lösen, um das Ohr sauber zu halten.
  • Eine antiseptische Wirkung haben, um das Wachstum von Bakterien und Pilzen zu verhindern.
  • Sanft und nicht reizend sind.
  • Es ist ratsam, Produkte zu wählen, die vom Tierarzt empfohlen werden oder speziell für Hunde entwickelt wurden.

Gibt es bestimmte Dinge, die ich bei der Ohrenpflege vermeiden sollte?

Beim Reinigen der Ohren sollten Sie:

  • Keine Wattestäbchen verwenden, da sie das Risiko haben, Ohrenschmalz tiefer ins Ohr zu schieben oder das Ohr zu verletzen.
  • Keine scharfen oder spitzen Gegenstände verwenden.
  • Vermeiden Sie aggressive Reinigungsmittel oder solche, die Alkohol enthalten, da sie das Ohr reizen können.

Fazit

Ohrenentzündungen bei Hunden sind ein häufiges und oft schmerzhaftes Problem, das jedoch mit der richtigen Information, Sorgfalt und regelmäßiger Pflege gut handhabbar ist. Es ist wichtig, als verantwortungsbewusster Hundebesitzer die Anzeichen zu kennen und bei ersten Verdachtsmomenten zeitnah einen Tierarzt aufzusuchen. Mit der richtigen Vorsorge und der Beachtung einiger einfacher Richtlinien kann das Risiko von Ohrenentzündungen deutlich reduziert werden. Letztendlich geht es darum, sicherzustellen, dass unser vierbeiniger Begleiter ein glückliches, gesundes und komfortables Leben führt. Denn nur ein gesunder Hund ist auch ein glücklicher Hund.

 

 

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Medizinischer Experte

Dr. med. vet. Volker Moser, studierte an der Veterinär-Universität Wien und schrieb seine Dissertation auf dem Gebiet Molekularmedizin (Tumorgenetik). Seit 1997 arbeitet Dr. Moser als selbstständiger Tierarzt im Bereich der Kleintiermedizin, Wiederkäuer- und Pferdemedizin. Zahlreiche Fort- und Zusatzausbildungen und seine ständige Mitarbeit in diversen Kleintierkliniken und -praxen runden seine jahrelange Berufspraxis ab. Dr. Moser engagiert sich seit 1998 in der ÖTK und VÖK und ist seit 2021 Generalsekretär bei UEVP (Union of European Veterinary Practitioners). Er ist Autor zahlreicher wissenschaftlicher und klinischer Publikationen in Fachzeitschriften.
Zuletzt geändert: Januar 8, 2024

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