Ohrentzündung beim Hund: Häufig durch Allergie verursacht
Eine Ohrentzündung beim Hund gehört zu den häufigsten Gründen für einen Tierarztbesuch – und dahinter steckt öfter als gedacht eine Allergie. Doch nicht nur Allergien können das Ohr deines Hundes in Mitleidenschaft ziehen: Pilze, Bakterien, Fremdkörper oder Ohrmilben spielen ebenfalls eine Rolle. In diesem Artikel erfährst du, woran du eine Ohrentzündung erkennst, wie der Tierarzt behandelt und wie du Rückfälle langfristig verhinderst.
Häufiges Problem
Bis zu 20 % aller Hunde entwickeln im Laufe ihres Lebens mindestens einmal eine Otitis externa – eine Entzündung des äußeren Gehörgangs.
Allergie als häufigste Ursache
Bei wiederkehrenden Ohrenproblemen steckt in 40–80 % der Fälle eine Umwelt- oder Futterallergie dahinter – oft lange unerkannt.
Gut behandelbar
Mit der richtigen Diagnose und Therapie heilt eine unkomplizierte Ohrentzündung meist binnen 1–2 Wochen vollständig ab.
Vorbeugung möglich
Regelmäßige Ohrenpflege und das Erkennen der Grundursache können Rückfälle deutlich reduzieren oder ganz verhindern.
Was sind die häufigsten Ursachen einer Ohrentzündung beim Hund?
Der Gehörgang deines Hundes ist ein feuchtwarmes Milieu – ideal für Keime, wenn das natürliche Gleichgewicht gestört wird. Die Ursachen lassen sich in primäre Ursachen (die die Entzündung auslösen) und sekundäre Faktoren (die sie aufrechterhalten oder verschlimmern) einteilen.
Allergien – die unterschätzte Hauptursache
Allergien sind wohl die häufigste und gleichzeitig am meisten übersehene Ursache für wiederkehrende Ohrentzündungen. Man unterscheidet zwei Haupttypen:
- Umweltallergie (Atopie): Der Hund reagiert überempfindlich auf Pollen, Hausstaubmilben, Schimmel oder Gräser. Das Immunsystem produziert überschießend Entzündungsbotenstoffe, die auch die Haut des Gehörgangs reizen.
- Futterallergie: Bestimmte Eiweißquellen – häufig Rind, Huhn, Weizen oder Milchprodukte – können ebenfalls eine allergische Entzündungsreaktion auslösen, die sich im Ohr manifestiert. Mehr dazu erfährst du in unserem Artikel zur Futterallergie beim Hund.
Besonders tückisch: Der Hund leidet scheinbar „nur“ an Ohrenproblemen, während die eigentliche Allergie im Hintergrund unbehandelt bleibt. Das erklärt, warum viele Hunde trotz korrekter Ohrbehandlung immer wieder Rückfälle haben.
Pilze – Malassezia pachydermatis
Der Hefepilz Malassezia pachydermatis lebt normalerweise harmlos auf der Hundehaut. Verändert sich das Hautmilieu – etwa durch Allergien, Feuchtigkeit oder Hormonstörungen – vermehrt er sich explosionsartig und verursacht eine Otitis. Typisch ist dabei ein süßlich-muffiger, intensiver Geruch sowie ein bräunlicher, wachsartiger Ausfluss.
Bakterien
Bakterielle Infektionen, häufig durch Staphylococcus pseudintermedius oder Pseudomonas aeruginosa, treten oft als Sekundärinfektion auf – das heißt, sie siedeln sich an, weil eine Grunderkrankung (z. B. Allergie oder Pilz) die Schutzbarriere bereits geschwächt hat. Schwere bakterielle Otitis kann zu eitrigem Ausfluss und starken Schmerzen führen.
Ohrmilben (Otodectes cynotis)
Ohrmilben sind winzige Parasiten, die vor allem bei Welpen und Junghunden häufig vorkommen, aber auch ältere Tiere befallen können. Sie verursachen starken Juckreiz und einen dunkelbraunen, krümeligen Ausfluss, der an Kaffeesatz erinnert. Ohrmilben sind hochansteckend und werden leicht von Tier zu Tier übertragen.
Fremdkörper
Grashalme, Grannen oder kleine Zweige können beim Spielen oder Toben im Freien tief in den Gehörgang eindringen. Sie reizen die Schleimhaut, können Mikroverletzungen verursachen und schnell eine Entzündung provozieren. Besonders gefährdet sind Hunde mit aufrecht stehenden Ohren, bei denen der Gehörgang weniger geschützt ist.
Feuchtigkeit und anatomische Faktoren
Hunde mit Hängeohren (Schlappohren) wie Basset Hound, Cocker Spaniel oder Beagle sind besonders anfällig, weil die herabhängende Ohrmuschel die Belüftung des Gehörgangs einschränkt und ein feuchtes, warmes Klima entsteht. Auch nach dem Baden oder Schwimmen verbleibt häufig Wasser im Ohr und fördert das Keimwachstum. Stark behaarte Gehörgänge (z. B. beim Pudel) verschlechtern die Belüftung zusätzlich.
Wiederkehrende Ohrentzündung = oft ein Allergie-Signal
Wenn dein Hund innerhalb eines Jahres zwei oder mehr Ohrentzündungen entwickelt, solltest du hellhörig werden: In solchen Fällen steckt sehr häufig eine unbehandelte Allergie dahinter. Die Ohrentzündung ist dann nicht die eigentliche Erkrankung, sondern nur ein Symptom. Ohne Behandlung der Grundursache wirst du den Kreislauf aus Entzündung, Therapie und Rückfall nicht durchbrechen können.
Welche Symptome zeigt ein Hund mit Ohrentzündung?

Eine Ohrentzündung zeigt sich meist durch eine Kombination verschiedener Anzeichen. Je früher du sie erkennst, desto einfacher und schneller ist die Behandlung:
- Häufiges Kratzen am Ohr: Dein Hund kratzt sich wiederholt mit einer Hinterpfote am Ohr oder reibt den Kopf an Möbeln, am Boden oder an deinen Beinen.
- Kopfschütteln: Kräftiges, wiederholtes Kopfschütteln – oft versucht der Hund so, den Juckreiz oder das Fremdkörpergefühl loszuwerden.
- Übler Geruch: Ein auffälliger, süßlicher, käsiger oder fauliger Geruch aus dem Ohr ist eines der eindeutigsten Zeichen einer Otitis.
- Ausfluss: Bräunlicher, gelblicher, cremiger oder gar eitriger Ausfluss aus dem Gehörgang – Farbe und Konsistenz geben Hinweise auf den Erregertyp.
- Rötung und Schwellung: Die Ohrmuschel und der sichtbare Teil des Gehörgangs erscheinen gerötet, geschwollen oder verkrustet.
- Schmerzreaktion: Der Hund reagiert empfindlich, wenn du das Ohr berührst – er weicht zurück, knurrt oder zieht den Kopf weg.
- Schiefhalten des Kopfes: Besonders bei tiefer liegenden oder chronischen Infektionen hält der Hund den Kopf permanent zur betroffenen Seite geneigt.
- Hörverlust: Im schlimmsten Fall kann eine unbehandelte Entzündung zu vorübergehendem oder dauerhaftem Hörverlust führen.
Wichtig: Einige dieser Symptome können auch auf andere Erkrankungen hinweisen. Lass das Ohr immer von einem Tierarzt untersuchen – eine Selbstbehandlung ohne Diagnose kann die Situation verschlimmern.
Welche Hunderassen sind besonders anfällig?
Grundsätzlich kann jeder Hund eine Ohrentzündung entwickeln. Manche Rassen tragen durch ihre Anatomie oder ihr Fell jedoch ein deutlich erhöhtes Risiko:
Hunde mit Hängeohren (Schlappohren)
- Basset Hound – sehr lange, schwere Ohren, minimale Belüftung
- Cocker Spaniel – stark behaartes Innenohr, feuchtes Milieu
- Beagle – Hängeohren begünstigen Feuchtigkeitsstau
- Golden Retriever / Labrador Retriever – Wasserliebe plus Hängeohren = Risikokombination
Hunde mit stark behaarten Gehörgängen
- Pudel – dichtes, krauses Fell wächst auch im Gehörgang, erschwert Belüftung
- Malteser / Bichon Frisé – ähnliche Fellstruktur, Haare im Ohr regelmäßig entfernen lassen
Hunde mit bekannter Allergieneigung
- Westie (West Highland White Terrier) – sehr häufig atopisch
- Bulldog / Französische Bulldogge – Faltenstruktur, Atopie, flacher Schädel beeinträchtigt auch die Ohren
- Dalmatiner, Boxer, Shar Pei – alle bekannt für erhöhte Allergieneigung
Wenn deine Hunderasse in dieser Liste vorkommt, lohnt es sich, die Ohren besonders regelmäßig zu kontrollieren und auf erste Anzeichen zu achten.
Wie behandelt der Tierarzt eine Ohrentzündung?

Beim Verdacht auf eine Ohrentzündung wird der Tierarzt zunächst eine gründliche Untersuchung durchführen, bevor er mit der Behandlung beginnt. Das ist wichtig, weil die Therapie je nach Erreger und Ursache sehr unterschiedlich aussieht.
Diagnose: Was macht der Tierarzt?
- Otoskopie: Mit einem Otoskop (Ohrenspekulum) beurteilt der Arzt den Gehörgang, sucht nach Fremdkörpern, prüft den Zustand des Trommelfells und schätzt den Schweregrad der Entzündung ein.
- Zytologie: Ein Abstrich aus dem Ohr wird unter dem Mikroskop untersucht. So lässt sich feststellen, ob Bakterien, Pilze oder Milben die Ursache sind – und in welchem Verhältnis sie vorliegen.
- Kultur und Resistenztest: Bei schweren oder wiederkehrenden Entzündungen wird eine Bakterienkultur angelegt, um festzustellen, welche Antibiotika wirksam sind.
- Allergiediagnostik: Bei chronischen Fällen empfiehlt der Tierarzt häufig einen Allergietest (Intrakutantest oder Serumtest) sowie eine Ausschlussdiät, um eine Futtermittelallergie auszuschließen.
Therapie: Was wird eingesetzt?
- Ohrentropfen: Je nach Erreger werden antibiotische, antimykotische (gegen Pilze) oder parasitizide (gegen Milben) Ohrentropfen verschrieben – häufig in Kombination mit einem entzündungshemmenden Kortikoid.
- Professionelle Ohrenreinigung: Der Tierarzt reinigt den Gehörgang, um Ausfluss, Krusten und Debris zu entfernen, damit die Medikamente wirken können. Bei starker Entzündung geschieht dies manchmal unter Narkose.
- Systemische Antibiotika: Bei Beteiligung des Mittelohrs oder schweren bakteriellen Infektionen werden Antibiotika auch oral oder als Injektion gegeben.
- Behandlung der Grundursache: Ohne Therapie der Ursache (z. B. Allergie-Management, Hormonstörung abklären) wird die Entzündung wiederkehren. Die Grunderkrankung zu behandeln ist daher der wichtigste Schritt für die Langzeitprognose.
Trommelfell prüfen lassen! Ist das Trommelfell perforiert, dürfen bestimmte Ohrentropfen (z. B. einige Aminoglykoside) nicht verwendet werden. Deshalb gilt: Niemals einfach Ohrentropfen aus der Apotheke verwenden, ohne vorherige tierärztliche Untersuchung.
💰 Kosten: Ohrentzündung beim Hund behandeln lassen
Die Kosten einer Ohrentzündungs-Behandlung variieren je nach Schweregrad und Aufwand erheblich. Eine einfache Untersuchung inklusive Ohrentropfen liegt oft zwischen 50 und 120 Euro. Kommt eine Zytologie oder Kultur dazu, steigen die Kosten auf 120–250 Euro. Chronische Otitis mit Allergiediagnostik, mehreren Kontrollterminen und systemischer Therapie kann schnell 300–600 Euro oder mehr kosten. Eine Hundekrankenversicherung kann hier erheblich entlasten, da Ohrentzündungen zu den häufigen Leistungsfällen gehören.
Ohrenpflege zu Hause: Wie reinigst du die Ohren richtig?

Regelmäßige Ohrenpflege ist ein wichtiger Baustein, um Ohrentzündungen vorzubeugen – besonders bei anfälligen Rassen. Hier erfährst du, wie du es richtig machst:
Schritt-für-Schritt: Ohren richtig reinigen
- Ohrmuschel inspizieren: Sieh dir wöchentlich die Ohrmuschel und den sichtbaren Gehörgangseingang an. Normale Ohren sind leicht rosafarben, ohne Rötung, Beläge oder Geruch.
- Reinigungslösung verwenden: Nutze ausschließlich einen veterinärmedizinisch zugelassenen Ohrenreiniger. Niemals Wasser, Alkohol oder Q-Tips verwenden – diese können das empfindliche Gewebe verletzen oder Wasser einschließen.
- Lösung einfüllen: Fülle etwas Reinigungslösung in den Gehörgang und massiere sanft die Ohrbasis von außen für 20–30 Sekunden. Du hörst dabei ein quietschendes Geräusch – das ist normal.
- Schütteln lassen: Lass deinen Hund den Kopf schütteln – so wird das gelöste Material nach außen befördert.
- Abwischen: Wische den sichtbaren Bereich der Ohrmuschel mit einem Wattepad oder einem weichen Tuch ab. Nie tief in den Gehörgang stochern.
Wie oft reinigen?
- Gesunde Ohren: alle 2–4 Wochen
- Anfällige Rassen (z. B. Cocker Spaniel): wöchentlich
- Nach dem Baden oder Schwimmen: immer unmittelbar danach
- Nicht bei aktiver Entzündung – dann nur nach tierärztlicher Anweisung!
Was du vermeiden solltest
- Keine Wattestäbchen tief in den Gehörgang
- Kein Wasser ohne anschließende gründliche Trocknung
- Keine menschlichen Ohrenreiniger oder Hausmittel (z. B. Essig, Olivenöl) ohne Rücksprache mit dem Tierarzt
- Nicht zu häufig reinigen – das zerstört den natürlichen Schutzfilm
Wiederkehrende Ohrentzündung: Wann auf Allergie testen lassen?
Wenn dein Hund regelmäßig an Ohrentzündungen leidet, solltest du die Frage nach der Grundursache stellen. Die wichtigsten Warnsignale, die auf eine Allergie hindeuten:
- Mehr als zwei Ohrentzündungen pro Jahr
- Beide Ohren gleichzeitig betroffen
- Begleitende Hautsymptome: Juckreiz an Pfoten, Bauch, Leiste oder Augen
- Saisonale Schwankungen (Pollen-Allergie) oder ganzjährige Beschwerden (Hausstaubmilben, Futter)
- Rasseprädisposition (Westie, Cocker Spaniel, Bulldogge, Golden Retriever)
Welche Allergie-Tests gibt es?
Der Tierarzt oder ein Dermatologiespezialist kann folgende Tests durchführen:
- Intrakutantest: Allergene werden in die Haut injiziert und die Reaktion beobachtet – Goldstandard für Umweltallergien.
- Serumtest (ELISA/RAST): Blutuntersuchung auf spezifische IgE-Antikörper gegen verschiedene Allergene.
- Ausschlussdiät (Eliminationsdiät): Über 8–12 Wochen bekommt der Hund ausschließlich eine neue, nie zuvor gefressene Proteinquelle – so lässt sich eine Futterallergie nachweisen oder ausschließen. Die Ernährung spielt dabei eine zentrale Rolle; mehr dazu findest du in unserem Ratgeber zur Hundeernährung.
Was passiert nach der Diagnose?
Bei bestätigter Allergie stehen verschiedene Optionen zur Verfügung:
- Hyposensibilisierung (Immuntherapie): Langfristige Desensibilisierung gegen Umweltallergene durch regelmäßige Injektionen oder Tropfen – wirksam bei ca. 60–70 % der Hunde.
- Medikamentöse Kontrolle: Apoquel (Oclacitinib), Cytopoint (Lokivetmab) oder Kortikosteroide können den Juckreiz und die Entzündungsreaktion dauerhaft kontrollieren.
- Futterumstellung: Bei Futterallergie genügt oft ein konsequenter Wechsel auf eine hypoallergene oder Monoprotein-Diät.
Es lohnt sich auch, andere Gesundheitsaspekte im Blick zu behalten: Regelmäßige Vorsorge, der richtige Impfschutz und die Sicherheit durch einen Mikrochip gehören zur ganzheitlichen Gesundheitsvorsorge für deinen Hund. Gerade bei Allergikern ist auch der Schutz vor Zecken wichtig, da Zeckenbisse zusätzliche Entzündungsreaktionen begünstigen können.