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Pfotenpflege beim Hund

Pfotenpflege beim Hund

Die Pfoten deines Hundes tragen ihn jeden Tag durch heiße Sommerstraßen, gestreuten Winterboden, scharfkantigen Schotter, nasses Gras und über raue Waldwege. Sie sind das am stärksten beanspruchte Körperteil, gleichzeitig aber am wenigsten beachtet, solange alles funktioniert. Sobald deine Hündin oder dein Rüde aber zu lahmen beginnt, ständig an einer Pfote leckt, eingerissene Krallen zeigt oder Streusalz-bedingte Ballenentzündungen entwickelt, wird klar, wie viel von einer routinierten Pfotenpflege abhängt. Eine gute Pflegeroutine besteht aus drei Säulen: Krallen regelmäßig schneiden oder schleifen, Ballen prüfen und einfetten und nach jedem Spaziergang kontrollieren, was sich zwischen den Zehen verfangen hat. Wenn du diese drei Schritte zur Gewohnheit machst, vermeidest du die meisten Pfotenprobleme, die in Österreich und Deutschland Tierarztpraxen täglich beschäftigen. Dieser Ratgeber zeigt dir Schritt für Schritt, wie du die Pfoten deines Hundes professionell betreust, welche Produkte sich bewährt haben, wie du Verletzungen erstversorgst und wann der Tierarztbesuch nötig ist. Der Inhalt ist tierärztlich überprüft.

Wichtiger Hinweis

Wichtiger Hinweis

Pfotenpflege beginnt im Welpenalter, nicht erst beim ersten Problem. Gewöhne deinen Welpen schon im Alter von acht bis zwölf Wochen daran, dass jede Pfote in die Hand genommen, jede Zehe einzeln berührt und die Krallen abgetastet werden dürfen. Das spart dir und deinem Hund später viel Stress und macht jede Pflegeaktion zur Routine statt zum Kampf.

Wie ist die Hundepfote überhaupt aufgebaut?

Die Hundepfote besteht aus mehreren Strukturen, deren Funktionen ineinandergreifen. Vier (oder bei einigen Rassen fünf) Zehen tragen jeweils eine Kralle, einen Krallenballen, einen Zehenballen und ein Knochen-Sehnen-System. Zentral liegt der große Mittelfußballen, der das Hauptgewicht aufnimmt. Der Karpalballen oben am Vorderbein dient als Stoßdämpfer beim Bremsen. Die Ballen bestehen aus dicker, hornartig verdichteter Haut mit starker Pigmentierung, einer Fettpolsterung und zahlreichen Schweißdrüsen. Über diese Schweißdrüsen reguliert dein Hund einen kleinen Teil seiner Wärmeabgabe und hinterlässt Duftmarken.

Zwischen den Zehen verläuft die Schwimmhaut, eine zarte, gut durchblutete Hautfalte. Genau hier sammeln sich Schmutz, Grannen, Streusalz und Eisklumpen, hier entstehen Pilzinfektionen und interdigitale Furunkel. Die Krallen wachsen lebenslang nach, weil sie im Idealfall durch Bewegung auf festem Untergrund abgenutzt werden. Bei reinen Wohnungs- oder Wiesenhunden, bei Senioren mit weniger Auslauf und bei manchen Rassen mit sehr fest sitzenden Krallen ist diese natürliche Abnutzung nicht ausreichend, sodass du regelmäßig nachhelfen musst.

Eine gesunde Pfote zeigt sich an glatten, geschmeidigen Ballen ohne Risse, sauberen Zwischenzehenräumen, Krallen, die im Stand auf hartem Boden gerade noch klicken, und einer normalen Belastung beim Stehen und Laufen. Jede Veränderung ist ein Hinweis, dem du nachgehen solltest.

Wie schneidest oder schleifst du die Krallen richtig?

Die Krallen sind zu lang, wenn du sie auf festem Boden klicken hörst, wenn der Hund die Zehen beim Laufen spreizt oder wenn die Krallen sich seitlich krümmen. Zu lange Krallen verändern die Pfotenstellung, belasten Sehnen und Gelenke fehl und können in extremen Fällen ins Ballenleder wachsen. Ziel ist daher eine regelmäßige Kürzung im Abstand von drei bis sechs Wochen, je nach Wachstumsgeschwindigkeit und Bewegungsintensität.

Du hast zwei Werkzeugoptionen. Eine Krallenzange (Guillotine- oder Scherentyp) schneidet schnell, erfordert aber Präzision, weil die Pulpa, also die durchblutete Krallenmitte, nicht verletzt werden darf. Bei hellen Krallen siehst du die rosa Pulpa als rosafarbenen Streifen, schneide knapp davor. Bei schwarzen Krallen siehst du nichts und musst dich in kleinen Schritten nähern, bis im Querschnitt ein dunkler Punkt sichtbar wird. Dann sofort stoppen. Alternativ schleift ein elektrischer Krallenschleifer (zum Beispiel Dremel mit feiner Schleifscheibe) die Kralle behutsam ab. Diese Methode ist meist stressärmer für den Hund, dauert aber länger.

Bewährter Ablauf: ruhige Umgebung, eventuell ein Helfer, eine gute Lichtquelle, hochwertige Leckerli direkt nach jedem Schnitt, immer nur eine Pfote pro Sitzung, falls dein Hund noch unsicher ist. Detaillierte Schritt-für-Schritt-Anleitungen findest du im Ratgeber zum Krallen schneiden beim Hund. Sollte einmal die Pulpa angeschnitten sein und es bluten, drücke ein sauberes Tuch fest auf die Kralle, alternativ nutzt du Stypticpulver oder etwas Kartoffelmehl.

Was tust du im Winter gegen Streusalz und Eis?

Der Winter ist die anstrengendste Jahreszeit für Hundepfoten. Streusalz wirkt wie ein scharfes Reinigungsmittel, entzieht den Ballen Feuchtigkeit, verursacht feine Risse und entzündete Stellen. Splitt und kleine Steine schmirgeln zusätzlich, eingefrorene Schneeklumpen klemmen sich zwischen die Zehen und verursachen mechanische Schmerzen. Manche Hunde lecken aus Stress oder Schmerz an den Pfoten, was die Reizung weiter verstärkt.

Schutz beginnt mit einer Pflege vor dem Spaziergang. Dünn aufgetragene Pfotenbalsame mit Bienenwachs, Sheabutter, Kokosöl oder lebensmittelechtem Vaseline-Anteil bilden eine Barriereschicht, die Streusalz fernhält. Für sehr empfindliche oder bereits geschädigte Pfoten lohnen sich gut sitzende Hundeschuhe mit rutschfester Sohle, die anfangs Eingewöhnung brauchen. Nach jedem Spaziergang spülst du die Pfoten mit lauwarmem Wasser ab, trocknest sie gründlich und kontrollierst sie auf Risse, Schwellungen oder verklemmte Splittchen. Regelmäßiges Eincremen nach dem Trocknen hält die Ballen geschmeidig und reduziert Risse.

Im Sommer ist die Hauptgefahr die heiße Asphaltfläche. Bei einer Lufttemperatur von 30 Grad heizt sich Asphalt schnell auf 60 Grad und mehr auf, was nach wenigen Sekunden Verbrennungen verursachen kann. Lege als Test fünf Sekunden den eigenen Handrücken auf den Boden. Hältst du es nicht aus, ist es für die Pfoten zu heiß. Plane Spaziergänge dann in den frühen Morgen oder späten Abend, weiche auf Wiesen oder Schotterwege aus.

Welche Verletzungen treten häufig auf und wie versorgst du sie?

Die häufigsten Pfotenverletzungen sind Schnittwunden durch Glas oder scharfe Steine, eingerissene Krallen, eingespießte Grannen oder Splitter, Risse in den Ballen und interdigitale Entzündungen (Furunkel). Eine kleine, oberflächliche Schnittwunde am Ballen, die nicht mehr blutet, kannst du selbst versorgen: Wunde mit lauwarmem Wasser ausspülen, mit einem milden, jodhaltigen Antiseptikum desinfizieren (zum Beispiel verdünntes Jod oder Octenisept), trocknen und mit einem leichten Verband schützen, falls du in den nächsten Stunden noch spazieren gehst.

Tiefere Schnittwunden, blutende Krallenrisse, eingespießte Fremdkörper, die du nicht herausziehen kannst, Schwellungen mit Wärme oder schmerzhafte Lahmheit gehören in deine Tierarztpraxis. Manche Wunden müssen genäht oder geklebt werden, abgebrochene Krallen werden in Sedierung sauber gekürzt und versorgt. Bei interdigitalen Furunkeln (oft eitrige, schmerzhafte Knubbel zwischen den Zehen) ist eine längere Therapie mit Antibiotika, lokaler Pflege, Allergie-Abklärung und manchmal auch chirurgischer Eröffnung nötig. Diese Furunkel haben häufig eine zugrunde liegende Ursache wie eine atopische Dermatitis, deren Behandlung oft entscheidend ist. Mehr dazu im Ratgeber zur atopischen Dermatitis.

Ein gut bestückter Erste-Hilfe-Set zu Hause enthält: Mullkompressen, selbstklebende Verbandsbinde (Vetwrap), saubere Schere mit abgerundeter Spitze, Pinzette, Stypticpulver oder Kartoffelmehl, Antiseptikum, Pfotenbalsam und Hundeschuhe für den Heimweg.

Wie pflegst du das Fell zwischen den Zehen?

Bei vielen Rassen wächst zwischen den Zehen langes Fell, das Schmutz, Eisklumpen, Grasgrannen und Salz aufnimmt und festhält. Besonders Cocker Spaniel, Golden Retriever, Labradoodle, Bernhardiner, Berner Sennenhund und viele Mischlinge mit langem Fell brauchen hier regelmäßiges Trimmen. Mit einer kleinen, gut sichtbaren Schere mit abgerundeter Spitze schneidest du das Fell zwischen den Ballen kürzer als die Zehen, sodass keine Schlaufen mehr aus der Pfote ragen.

Bewähren tut sich auch ein elektrischer Trimmer mit Sicherheitsaufsatz, der das Fell schnell und ohne Schnittgefahr kürzt. Achte auf eine gute Beleuchtung und einen rutschfesten Untergrund. Regelmäßiges Trimmen reduziert die Wahrscheinlichkeit für Entzündungen, Verfilzungen und festsitzende Fremdkörper deutlich. Im Sommer hat das saubere Fell einen weiteren Vorteil: Wasser trocknet schneller, Pilzinfektionen werden weniger wahrscheinlich. Mehr Detailtipps zum Fellpflege beim Hund findest du im verlinkten Ratgeber.

Wie kontrollierst du nach jedem Spaziergang?

Eine zwei- bis dreiminütige Pfotenkontrolle nach jedem Spaziergang ist Goldstandard. Setze deinen Hund ruhig hin, hebe jede Pfote, schau dir die Ober- und Unterseite an, spreize die Zehen und sieh in die Zwischenzehenräume, prüfe jede Kralle auf Brüche und Risse, fühle den Karpalballen und die Mittelfußballen mit dem Daumen ab. Achte auf Wärme, Schwellung, Rötung, Krusten oder den Geruch nach Eiter.

Mit dieser Routine entdeckst du frühzeitig festsitzende Grannen (im Sommer und Frühherbst besonders kritisch, weil sie ins Gewebe wandern), Steinchen, eingerissene Krallen oder Risse im Ballen. Eine Granne, die du sofort entfernen kannst, ist ein Pfennigartikel, eine Granne, die nach drei Tagen unter die Haut wandert und bis ins Mittelfußgelenk vordringt, ist ein chirurgischer Eingriff. Im Hochsommer prüfst du auch Zecken zwischen den Zehen und am Karpalballen. Mehr zum Vorgehen findest du unter Zeckenstich beim Hund.

Tierärztlicher Blick auf Pfotenpflege

In unserer täglichen Sprechstunde sehen wir extrem viele Pfotenfälle, die mit einer einfachen Routine vermeidbar gewesen wären. Eingerissene Krallen, weil zu lang gewachsen, Streusalz-Ekzeme, weil nach dem Spaziergang nicht abgespült wurde, Grannen-Operationen, weil die Kontrolle nach dem Wiesenlauf vergessen wurde, interdigitale Furunkel, deren atopische Grundlage übersehen wurde. Pfotenpflege ist eine kleine, regelmäßige Aufgabe mit großem Nutzen. Beobachte das Leck-Verhalten deines Hundes, weil ständiges Lecken an einer Stelle ein verlässliches Frühsignal für Schmerz, Juckreiz oder Allergie ist. Bei wiederkehrenden Pfotenproblemen lohnt es sich, eine Allergiediagnostik einzuleiten, weil viele dermatologische Erkrankungen sich genau hier zuerst zeigen. Eine spezialisierte Tierarztpraxis findest du über die Tierarztsuche.

Notfall

Wann zum Notdienst?

Sofort in den Notdienst, wenn die Pfote stark blutet und der Druckverband die Blutung nicht stoppt, wenn ein großer Fremdkörper tief eingespießt ist, bei akuter, sehr schmerzhafter Schwellung mit Bewegungsunfähigkeit oder bei Verdacht auf Verbrennung durch heißen Asphalt oder Streusalz mit großflächiger Hautschädigung. Hier zählt jede Stunde.

Welche Produkte sind sinnvoll und welche nicht?

Sinnvoll sind hochwertige Pfotenbalsame ohne ätherische Öle (viele ätherische Öle reizen Hundehaut), gut sitzende Hundeschuhe mit rutschfester Sohle, eine ergonomische Krallenzange oder ein leiser Krallenschleifer, eine kleine abgerundete Schere für das Zehenfell, Hundehandtücher zum schnellen Abwischen und ein erste-Hilfe-Set mit Mullkompressen, selbstklebenden Bandagen und Antiseptikum. Eine richtige Hundeernährung mit ausgewogenen Fettsäuren unterstützt die Hautbarriere und Ballengesundheit. Mehr zur passenden Fütterung liest du im Ratgeber Hundefutter.

Weniger sinnvoll oder sogar schädlich sind menschliche Hautcremes mit Parfümstoffen, Vaseline ohne Lebensmittelqualität, sehr ölige Produkte, die der Hund vollständig ableckt und dadurch verdaut, sowie Streusalzersatz auf Harnstoffbasis, der ebenfalls reizt. Auch sehr enge Pfotenbandagen, die du selbst gewickelt hast und über Stunden vergisst, können die Durchblutung abdrücken und Druckschäden verursachen. Im Zweifel kurzer Anruf in deiner Praxis, bevor du etwas Aufwendiges aufträgst.

Eine sinnvolle Investition ist auch ein orthopädisches Hundebett, das die Ballen entlastet und vor allem bei älteren Hunden mit beginnender Arthrose das Wundliegen an den Karpalballen verhindert. Diese Wundstellen entstehen oft unbemerkt und werden zu schmerzhaften Hyperkeratosen, die später aufwendig behandelt werden müssen. Mehr zur Folgeerkrankung Arthrose findest du im Ratgeber zu Arthrose beim Hund. Eine umfassende Hundeversicherung deckt zudem unfallbedingte Pfotenverletzungen, Krallenoperationen und chirurgische Granne-Entfernungen ab und entlastet bei der Behandlung deutlich. Eine kleine, gut gepflegte Pfote ist die Eintrittskarte für ein bewegungsfreudiges, schmerzfreies Hundeleben in Österreich und Deutschland.

Häufige Fragen zur Pfotenpflege

Wie oft muss ich die Krallen meines Hundes schneiden?
Im Schnitt alle drei bis sechs Wochen. Hunde mit viel Auslauf auf Asphalt oder Schotter brauchen seltener einen Schnitt, Wohnungshunde, Senioren oder Hunde mit eingeschränkter Bewegung dagegen häufiger. Wenn du die Krallen auf Fliesen klicken hörst, ist es Zeit.
Kann ich Hundepfoten mit menschlicher Creme einfetten?
Nein, lieber nicht. Menschliche Cremes enthalten oft Parfüm, Konservierungsstoffe oder ätherische Öle, die Hundehaut reizen oder beim Ablecken Beschwerden verursachen können. Greife zu speziellen Pfotenbalsamen, die für Hunde formuliert sind.
Mein Hund leckt ständig an einer Pfote, was tun?
Ständiges Lecken ist immer ein Hinweis auf Schmerz, Juckreiz, Allergie oder Pilzinfektion. Kontrolliere die Pfote sorgfältig, suche nach Rötungen, Schwellungen oder Fremdkörpern. Bleibt das Verhalten länger als zwei Tage, ist eine tierärztliche Vorstellung sinnvoll.
Sind Hundeschuhe wirklich nötig?
Für viele Hunde reicht eine gute Pflege mit Pfotenbalsam aus. Sinnvoll sind Schuhe bei extremen Bedingungen wie heißem Asphalt, viel Streusalz, scharfem Schotter, im Hochgebirge oder nach Verletzungen mit Wundschutz-Indikation.
Wie erkenne ich eine Granne in der Pfote rechtzeitig?
Typisch ist plötzliches, stechendes Lahmen nach einem Wiesenspaziergang in der Granne-Saison (Juni bis September), oft mit hektischem Lecken an einer Pfote. Sichtbare Eintrittsstelle, leichte Schwellung. Schnell entfernen oder zur Praxis, da Grannen wandern.
Wann blutet eine Kralle so stark, dass ich zum Tierarzt muss?
Wenn die Blutung nach fünf bis zehn Minuten Druck mit einem sauberen Tuch und Stypticpulver nicht steht, wenn die Kralle abgebrochen und das Krallenbett freiliegt, oder wenn der Hund vor Schmerz nicht belastet, gehört das in die Praxis.

VETTY — Dein Tier-Assistent

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