Reiseapotheke für Hund und Katze: Was muss mit?
Eine Reiseapotheke für den Hund gehört genauso selbstverständlich ins Gepäck wie der Heimtierausweis – denn im Urlaub kann schnell etwas passieren, und ein Tierarzt ist nicht immer sofort erreichbar. Ob Wanderurlaub in den Alpen, Badeurlaub in Spanien oder eine lange Autofahrt durch Europa: Wer gut vorbereitet ist, kann in der ersten Stunde nach einem Unfall oder bei plötzlicher Erkrankung entscheidend helfen und wertvolle Zeit überbrücken.
In diesem Ratgeber erfährst du, was in keine Reiseapotheke für Hund und Katze fehlen darf, welche länderspezifischen Extras du einpacken solltest und wie du im Notfall im Ausland richtig vorgehst.
Schutz für dein Tier
Eine gut ausgestattete Reiseapotheke schützt dein Tier vor den Folgen kleiner Unfälle und Erkrankungen – und dir bleibt der Kopf frei für das Wesentliche: den Urlaub genießen.
Tierärztliche Basisversorgung
Mit dem richtigen Equipment kannst du deinem Tier erste Hilfe leisten und Zeit bis zur tierärztlichen Behandlung überbrücken. Das kann in abgelegenen Regionen lebensrettend sein.
Rechtzeitig vorbereiten
Plane deine Reiseapotheke mindestens zwei Wochen vor Reisebeginn, damit du chronische Medikamente rechtzeitig beim Tierarzt verschreiben lassen und Impfungen auffrischen kannst.
Im Notfall richtig handeln
Notiere dir vor der Abreise die Adresse der nächsten Tierklinik am Reiseziel und speichere die europäische Tierärzte-Notfallnummer in deinem Handy.
Was gehört in jede Reiseapotheke für Haustiere?
Egal ob du mit einem Hund oder einer Katze reist, egal ob Kurztrip oder langer Urlaub – es gibt einen Grundstock an Utensilien, der immer dabei sein sollte. Diese Basisausstattung deckt die häufigsten Zwischenfälle ab: Wunden, Zeckenstiche, Magen-Darm-Probleme und leichte Verletzungen.
Wundversorgung und Verbandsmaterial
- Sterile Wundauflagen (verschiedene Größen) – für offene Wunden und Schürfwunden
- Selbsthaftende Binden (Cohesive Bandage) – haften ohne Kleber, ideal für Pfoten und Beine
- Mullbinden – vielseitig einsetzbar als Verband oder Druckverband
- Heftpflaster / Wundpflaster – für kleine Schnitte und Schürfer
- Wunddesinfektionsmittel – z. B. Betaisodona-Lösung oder Chlorhexidin-Spray; beide sind für Tiere geeignet
- Sterile Einweghandschuhe – zum Schutz bei der Wundversorgung
- Schere (stumpfe Spitze) – zum Zuschneiden von Verbänden
- Pinzette – zum Entfernen von Splittern, Dornen oder Fremdkörpern
Zeckenentfernung und Parasitenabwehr
- Zeckenzange oder Zeckenhaken – unbedingt notwendig, um Zecken sachgemäß zu entfernen
- Zeckenkarte – als Alternative zur Zange, besonders für Katzen geeignet
- Zecken- und Flohschutzmittel – Spot-on oder Zeckenhalsbänder; vor der Reise mit dem Tierarzt absprechen
Messgeräte und Hilfsmittel
- Fieberthermometer (rektal) – Normtemperatur beim Hund: 38–39 °C, bei der Katze: 38–39,5 °C
- Taschenlampe oder Stirnlampe – für die Untersuchung in der Dunkelheit
- Einwegspritzen (5 ml, 10 ml) – zum Spülen von Wunden
- Augenspüllösung – bei Sand, Fremdkörpern oder Reizungen im Auge
Medikamente für die Reiseapotheke
- Aktivkohle-Tabletten oder -Paste – bei Vergiftungsverdacht als Erste-Hilfe-Maßnahme (sofort Tierarzt aufsuchen!)
- Elektrolytpulver – bei Durchfall, Erbrechen oder starkem Flüssigkeitsverlust
- Reisekrankheitsmittel – z. B. Cerenia (Maropitant) auf Tierarztrezept; hilft gegen Übelkeit und Erbrechen bei der Fahrt
- Kühlpacks (Instant-Kühlpack) – bei Prellungen, Schwellungen oder Überhitzung
- Wärmematte oder Rettungsfolie – bei Unterkühlung
Chronische Medikamente: Immer ausreichend einpacken!
Wenn dein Hund oder deine Katze regelmäßig Medikamente einnimmt – etwa bei Epilepsie, Herzerkrankungen, Schilddrüsenproblemen oder Diabetes – dann plane einen Vorrat für die gesamte Reisedauer plus mindestens 5–7 Tage Puffer ein. Im Ausland können diese Medikamente schwer oder gar nicht erhältlich sein. Bitte deinen Tierarzt auch um eine schriftliche Bestätigung (idealerweise auf Englisch oder in der Landessprache) mit Diagnose, Dosierung und Wirkstoffbezeichnung.
Die komplette Checkliste: Reiseapotheke für Hund und Katze

Die folgende Checkliste gibt dir einen schnellen Überblick. Drucke sie aus oder speichere sie auf deinem Handy – so vergisst du beim Packen garantiert nichts Wichtiges.
Checkliste: Basisausstattung (für Hund und Katze)
- ☐ Sterile Wundauflagen (5 × 5 cm, 10 × 10 cm)
- ☐ Selbsthaftende Binden (5 cm und 10 cm Breite)
- ☐ Mullbinden
- ☐ Wunddesinfektionsmittel (Betaisodona oder Chlorhexidin)
- ☐ Sterile Einweghandschuhe (mehrere Paare)
- ☐ Schere mit stumpfer Spitze
- ☐ Pinzette
- ☐ Zeckenzange oder Zeckenkarte
- ☐ Fieberthermometer (rektal)
- ☐ Aktivkohle (Tabletten oder Paste)
- ☐ Elektrolytpulver
- ☐ Reisekrankheitsmittel (auf Rezept, vom Tierarzt)
- ☐ Kühlpack (Instant)
- ☐ Rettungsfolie / Wärmematte
- ☐ Einwegspritzen (5 ml, 10 ml)
- ☐ Augenspüllösung
- ☐ Zecken- und Flohschutz (Spot-on oder Halsband)
- ☐ Chronische Medikamente des Tieres (mit Puffer)
- ☐ Tierarzt-Attest auf Englisch (bei chronischen Erkrankungen)
Dokumente, die unbedingt mit müssen
- ☐ EU-Heimtierausweis (mit aktuellem Impfstatus)
- ☐ Nachweis über Mikrochip-Nummer
- ☐ Impfpass mit Tollwutimpfung (für alle EU-Länder Pflicht)
- ☐ Ggf. Tollwut-Titer-Bescheinigung (für Drittländer und UK)
- ☐ Kopie des Versicherungsnachweises (Tierkranken- oder Auslandskrankenversicherung)
- ☐ Adresse und Telefonnummer einer Tierklinik am Reiseziel
Länderspezifische Extras für Südeuropa und Fernreisen
Je nach Reiseziel brauchst du über die Basisausstattung hinaus weitere Medikamente und Schutzmaßnahmen. Informiere dich unbedingt rechtzeitig beim Tierarzt – manche Präparate sind verschreibungspflichtig und müssen vorab organisiert werden.
Südeuropa (Spanien, Portugal, Italien, Griechenland, Kroatien)
In diesen Ländern ist Leishmaniose eine ernste Bedrohung für Hunde. Die Erkrankung wird durch Sandfliegen (Phlebotomen) übertragen und kann chronisch verlaufen. Folgende Schutzmaßnahmen sind empfehlenswert:
- Leishmaniose-Impfung (CaniLeish oder Letifend) – Grundimmunisierung mehrere Wochen vor Reiseantritt nötig
- Permethrin-haltiges Spot-on oder Halsband – hält Sandfliegen ab; nicht geeignet für Katzen!
- Unterkunft mit Mückenschutz – Sandfliegen sind nachtaktiv, besonders in den Abend- und Nachtstunden meiden
Zusätzlich solltest du auf Herzwurm-Prophylaxe achten: In Südeuropa und Teilen Mitteleuropas ist Dirofilariose durch Mücken verbreitet. Sprich mit deinem Tierarzt über eine monatliche Prophylaxe (Milbemycin, Moxidectin).
Nordafrika und Fernreisen (Ägypten, Marokko, Tunesien, Asien)
Für Reisen in Länder außerhalb der EU gelten besondere Einreisebestimmungen für Tiere. Wichtig:
- Tollwut-Titer-Test (FAVN-Test) – viele Nicht-EU-Länder verlangen einen Nachweis über ausreichenden Antikörpertiter; dieser Test muss in einem zertifizierten Labor durchgeführt und die Wartezeit (meist 3 Monate) eingehalten werden
- Reisekrankheitsmittel in höherer Dosierung – bei langen Flügen oder ungewohnter Reiseroute
- Breitspektrum-Antiparasitika – vor und nach der Reise, nach Absprache mit dem Tierarzt
- Tropische Infektionskrankheiten – informiere dich beim Tierarzt über Babesiose, Ehrlichiose und Anaplasmose; ein guter Zeckenschutz ist hier noch wichtiger
Norddeutschland, Österreich, Schweiz, Skandinavien
Auch im Inland oder bei Reisen in nördliche Länder gibt es spezifische Risiken:
- FSME-Schutz – für Menschen relevant, Hunde können ebenfalls Zecken aufnehmen; guter Zeckenschutz schützt auch das Tier
- Giftpflanzen und giftige Tiere – in Teilen Skandinaviens gibt es giftige Schlangen (Kreuzotter); Antihistaminikum nach Rücksprache mit dem Tierarzt einpacken
- Kälteschutz – Wärmematte und Rettungsfolie besonders wichtig bei Winterreisen
Reisekrankheit beim Hund: Was hilft wirklich?

Viele Hunde leiden unter Reisekrankheit (Kinetose): Sie speicheln übermäßig, erbrechen sich, sind apathisch oder zittern im Auto. Das liegt an einer Überreizung des Gleichgewichtsorgans – ähnlich wie beim Menschen. Junge Hunde sind häufiger betroffen, viele wachsen mit zunehmendem Alter aus dem Problem heraus. Es gibt aber auch Hunde, die dauerhaft Probleme beim Reisen haben.
Was du tun kannst
- Maropitant (Cerenia) – der wirksamste verschreibungspflichtige Wirkstoff gegen Reisekrankheit beim Hund; hemmt den Brechreflex zentral; muss 2 Stunden vor Fahrtantritt gegeben werden; frag deinen Tierarzt nach einer Reisedosierung
- Dimenhydrinat (z. B. Vomex) – freiverkäuflich, für Hunde in angepasster Dosierung möglich; Vorsicht: kann Müdigkeit auslösen; vorher mit dem Tierarzt absprechen
- Ingwer-Präparate – bei leichter Übelkeit eine natürliche Option; wirkt bei manchen Hunden unterstützend
- Homöopathische Mittel (z. B. Nux vomica, Cocculus) – in der Wirksamkeit nicht wissenschaftlich belegt, aber von manchen Haltern als Ergänzung genutzt
Verhaltensmaßnahmen während der Fahrt
- Letztes Futter mindestens 4–6 Stunden vor Fahrtantritt
- Frische Luft und kühle Temperatur im Fahrzeug
- Regelmäßige Pausen (alle 2 Stunden)
- Hund sicher befestigen – ein geeignetes Sicherheitssystem im Auto reduziert Bewegungsreize
- Bekannte Decke oder Lieblingsspielzeug als Beruhigung mitgeben
- Den Hund auf kürzere Fahrten vorher trainieren (Desensibilisierung)
💰 Kosten: Was kostet eine vollständige Reiseapotheke?
Eine gut ausgestattete Basis-Reiseapotheke für Hund oder Katze kostet zwischen 40 und 80 Euro für die Erstausstattung – inklusive Verbandsmaterial, Desinfektionsmittel, Zeckenzange und Fieberthermometer. Verschreibungspflichtige Medikamente wie Cerenia (Reisekrankheit, ca. 15–25 Euro) oder Aktivkohle-Präparate kommen hinzu. Für Fernreisen mit Leishmania-Prophylaxe oder Herzwurm-Schutz fallen weitere 30–60 Euro pro Saison an. Der Großteil der Utensilien ist mehrfach verwendbar, sodass Folgekosten deutlich geringer ausfallen.
Im Notfall im Ausland: Tierarzt finden und Kommunikation

Im Ausland einen Tierarzt zu finden kann stressig sein – besonders wenn du die Landessprache nicht sprichst. Mit ein bisschen Vorbereitung bist du jedoch gut gerüstet.
Tierarzt im Ausland finden
- Google Maps – Suche nach „veterinarian“, „veterinario“, „vétérinaire“, „ветеринар“ je nach Land
- FCI-Website – der Weltverband der Kynologen verlinkt nationale Tierärzteverbände
- Tierkliniken in großen Städten – oft englischsprachig und rund um die Uhr erreichbar
- Camping- oder Ferienhausanbieter – fragen nach lokalen Tierärzten; oft gibt es Listen für Gäste
- Tierarzt-App oder Telemedizin – manche deutschen Tierarzt-Telemedizinanbieter beraten auch im Ausland per Video
Kommunikation mit dem ausländischen Tierarzt
Bereite dir folgende Informationen auf Englisch (und ggf. in der Landessprache) vor:
- Name und Rasse des Tieres
- Alter, Gewicht, Geschlecht
- Aktuelle Symptome mit Beginn der Beschwerden
- Chronische Erkrankungen und aktuelle Medikamente (Wirkstoffname, nicht Handelsname!)
- Letzte Impfungen und Parasitenbehandlungen
- Bekannte Allergien
Viele Tierärzte in Europa sprechen Englisch. Einfache Phrasen wie „My dog is vomiting since this morning“ oder „She has a deep cut on her paw“ werden verstanden. Im Zweifel helfen Übersetzungs-Apps wie DeepL oder Google Translate.
Notfallnummern und Apps
- Europäischer Notruf 112 – kann auch bei Tiernotfällen weiterhelfen (Verweis an Tiernotdienst)
- Giftnotruf – in Deutschland: 030 19240 (Berlin) oder 0761 19240 (Freiburg); informiert auch über ausländische Vergiftungen
- Reise-Krankenversicherung prüfen – manche Policen decken auch Tierarztkosten im Ausland ab; hier mehr zur Tierkrankenversicherung
Vor der Reise: Was du mit dem Tierarzt besprechen solltest
Eine gute Reisevorbereitung beginnt beim Tierarzt. Idealerweise vereinbarst du einen Termin 4–6 Wochen vor Reisebeginn, damit genug Zeit für Impfungen, Testergebnisse und Rezepte bleibt.
Diese Punkte solltest du besprechen
- Impfstatus prüfen und auffrischen – Tollwut muss aktuell sein; für Südeuropa ggf. Leishmaniose-Impfung; den EU-Heimtierausweis aktuell halten
- Parasitenschutz für das Reiseziel – welcher Zecken- und Flohschutz ist in der Zielregion sinnvoll?
- Reisekrankheitsmittel verschreiben lassen – Cerenia auf Rezept, Dosierung nach Gewicht
- Chronische Medikamente – ausreichend verschreiben lassen, Attest auf Englisch anfertigen
- Erste-Hilfe-Schulung – viele Tierarztpraxen bieten kurze Erste-Hilfe-Kurse für Tierbesitzer an
- Einreisebestimmungen prüfen – manche Länder verlangen spezielle Dokumente oder Behandlungen (z. B. Bandwurmbehandlung bei Einreise nach Finnland, Norwegen, Irland, UK)
- Chip-Nummer prüfen – der Mikrochip sollte lesbar sein und im europäischen Register hinterlegt sein
Nützliche interne Links zur Vorbereitung
- EU-Heimtierausweis: Alles, was du wissen musst
- Erste-Hilfe-Set für Hunde: Ausrüstung und Anwendung
- Hund chippen: Warum, wann und wie?
- Zeckenstich beim Hund: Richtig entfernen und was danach zu tun ist
- Autofahrt mit dem Hund: Sicher und stressfrei reisen
- Hunde-Krankenversicherung: Lohnt sie sich für Reisende?
Häufige Fragen zur Reiseapotheke für Haustiere
Quellen
Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft: Reisen mit Heimtieren (2024)
ESCCAP Deutschland: Parasitenkontrolle bei Hund und Katze – Empfehlungen für Reisende (2023)
LeishVet Group: Guidelines for Practical Management of Canine Leishmaniosis (2022)
Bundestierärztekammer: Hinweise zur Reisevorbereitung mit Tieren (2024)
Europäische Union: Verordnung (EU) Nr. 576/2013 über die Verbringung von Heimtieren (2013)