Welpe kratzt sich: Ursachen und was du dagegen tun kannst
Welpe kratzt sich ständig – das ist eine der häufigsten Sorgen, die Hundebesitzer in den ersten Lebensmonaten ihres Vierbeiners beschäftigt. Ein gelegentliches Kratzen ist völlig normal, doch wenn dein Welpe sich anhaltend oder intensiv kratzt, beißt oder leckt, steckt meistens eine konkrete Ursache dahinter. In diesem Ratgeber erfährst du, warum Welpen sich kratzen, welche Ursachen am häufigsten vorkommen und was du zuhause tun kannst – und wann unbedingt ein Tierarztbesuch nötig ist.
Gerade junge Hunde haben ein noch nicht vollständig entwickeltes Immunsystem und eine empfindlichere Haut als erwachsene Tiere. Das macht sie anfälliger für Parasiten, Allergien und Hautreizungen. Die gute Nachricht: Die meisten Ursachen lassen sich gut behandeln, wenn man sie früh erkennt.
Dieser Artikel gibt dir einen umfassenden Überblick über alle wichtigen Aspekte rund um das Thema Kratzen beim Welpen – von der Diagnose bis zur Behandlung, von Hausmitteln bis zur tierärztlichen Versorgung.
Parasiten erkennen
Flöhe, Milben und Zecken sind die häufigsten Auslöser für starkes Kratzen beim Welpen. Schon ein einzelner Floh kann bei sensiblen Tieren eine ausgeprägte Juckreizreaktion auslösen.
Allergien im Blick
Futter- und Umweltallergien können bereits im Welpenalter auftreten. Typische Symptome sind Kratzen, gerötete Haut und vermehrtes Lecken an den Pfoten.
Trockene Haut
Besonders im Winter oder bei falscher Ernährung kann die Haut des Welpen austrocknen. Schuppige, raue Haut führt zu Juckreiz ohne sichtbare Parasiten.
Tierarzt einbeziehen
Bei anhaltendem Kratzen, Hautrötungen, Haarausfall oder Wunden sollte immer ein Tierarzt aufgesucht werden – nur er kann die genaue Ursache feststellen.
Warum kratzt sich ein Welpe – was sind die häufigsten Ursachen?
Bevor du handeln kannst, musst du verstehen, warum dein Welpe sich überhaupt kratzt. Die Ursachen sind vielfältig und reichen von harmlosen vorübergehenden Reizungen bis hin zu Erkrankungen, die tierärztliche Behandlung erfordern.
Flöhe – der Klassiker unter den Juckreiz-Auslösern
Flöhe sind winzig, springen schnell und sind schwer zu sehen – dennoch sind sie eine der häufigsten Ursachen für Kratzen beim Welpen. Bereits ein einziger Flohbiss kann bei empfindlichen Tieren eine sogenannte Flohspeicheldermatitis auslösen, bei der das Immunsystem überreagiert. Der Juckreiz ist dann intensiv und betrifft oft den Rücken, den Bereich über der Schwanzwurzel und den Bauch.
Erkennungszeichen: Schwarze Punkte im Fell (Flohkot), der sich beim Befeuchten rötlich färbt, sowie das typische hektische Kratzen und Beißen. Schau dir das Fell deines Welpen systematisch mit einem Flohkamm an, besonders an den Stellen, wo das Fell dünner ist.
Wichtig: Wenn dein Welpe Flöhe hat, ist die gesamte Umgebung zu behandeln. Bis zu 95 % der Flöhe leben nicht auf dem Tier, sondern in der Umgebung (Teppiche, Sofa, Hundebett). Sprich mit deinem Tierarzt über altersgerechte Flohschutzmittel – viele Spot-on-Präparate sind erst ab einem bestimmten Alter und Gewicht zugelassen.
Milben – Räude und Demodex beim Welpen
Milben sind mikroskopisch kleine Spinnentiere, die verschiedene Hauterkrankungen beim Hund verursachen können. Beim Welpen kommen vor allem zwei Arten vor:
Demodex-Milben leben in den Haarfollikeln und werden oft von der Mutter auf die Welpen übertragen. Eine leichte Demodikose mit wenigen kahlen Stellen heilt manchmal von selbst, doch eine generalisierte Form erfordert Behandlung. Betroffene Stellen sind häufig das Gesicht und die Pfoten.
Sarcoptes-Milben verursachen die sogenannte Räude, die extrem starken Juckreiz verursacht. Sie graben Gänge in die Haut und sind hochansteckend – auch auf den Menschen. Typisch sind Borken und Krusten an Ohren, Ellenbogen und Bauch.
Milben lassen sich nur durch Hautgeschabsel und Untersuchung beim Tierarzt sicher nachweisen. Behandelt wird je nach Art mit speziellen Spot-ons, Shampoos oder Tabletten.
Allergien – Futter, Umwelt und Kontaktstoffe
Allergien beim Welpen werden oft unterschätzt, können aber bereits in den ersten Lebensmonaten auftreten. Man unterscheidet drei Hauptformen:
Futterallergie: Bestimmte Proteine im Futter (z. B. Rind, Weizen, Huhn) lösen eine Immunreaktion aus. Symptome sind Kratzen, Rötungen und manchmal auch Verdauungsprobleme. Die einzige gesicherte Diagnose erfolgt über eine Eliminationsdiät unter tierärztlicher Aufsicht.
Umweltallergie (Atopie): Pollen, Hausstaubmilben, Schimmelpilze – all das kann den Welpen reizen. Die Atopie beginnt oft zwischen sechs Monaten und drei Jahren und ist genetisch bedingt. Betroffene Hunde kratzen sich besonders an Pfoten, Gesicht, Ohren und Bauch.
Kontaktallergie: Seltener, aber möglich – bestimmte Materialien (Kunststoff, Waschmittel, Reinigungsmittel) können die Haut direkt reizen. Hier helfen Beobachtung und das konsequente Eliminieren potenzieller Auslöser.
Trockene Haut und Schuppenflechte
Nicht immer stecken Parasiten oder Allergien hinter dem Kratzen. Trockene Haut ist ein häufiger, aber oft übersehener Grund. Ursachen können sein:
- Zu häufiges Baden mit falschen Shampoos
- Mangel an Omega-3-Fettsäuren in der Ernährung
- Trockene Heizungsluft im Winter
- Genetische Veranlagung (manche Rassen neigen zu Schuppenbildung)
Symptome: Sichtbare Schuppen im Fell, raue oder schuppige Haut, Kratzen ohne Anzeichen von Parasiten. Hochwertige Ernährung mit ausreichend Fettsäuren und ein geeignetes Hundeshampoo können helfen.
Pilzinfektionen (Dermatophytose / Ringworm)
Ringworm ist trotz seines Namens kein Wurm, sondern ein Pilz, der kreisförmige, kahle und schuppige Stellen auf der Haut verursacht. Er ist ansteckend – auch für Menschen – und tritt besonders bei Welpen auf, die noch kein voll entwickeltes Immunsystem haben. Ein Tierarztbesuch ist bei Verdacht unbedingt nötig.

Wann solltest du mit deinem Welpen zum Tierarzt?
Ein Tierarztbesuch ist dringend empfohlen, wenn:
- Das Kratzen länger als 2–3 Tage anhält oder sehr intensiv ist
- Du Hautrötungen, Wunden, Krusten oder kahle Stellen siehst
- Dein Welpe sich blutig kratzt oder beißt
- Verdacht auf Parasiten besteht (Flöhe, Räude, Zecken)
- Dein Welpe trotz Kratzen apathisch, appetitlos oder verändert wirkt
- Andere Tiere oder Menschen im Haushalt ebenfalls Symptome zeigen
Nur ein Tierarzt kann die genaue Ursache feststellen und eine passende Behandlung einleiten. Keine Selbstdiagnose oder Eigenbehandlung ohne Rücksprache!
Wie erkennst du, ob dein Welpe Flöhe oder Milben hat?
Die Unterscheidung zwischen Flöhen und Milben ist wichtig, da die Behandlung völlig unterschiedlich ist. Hier ein praktischer Überblick:

Flöhe erkennen
Flöhe sind mit bloßem Auge sichtbar (1–3 mm), bewegen sich aber sehr schnell. Der zuverlässigste Nachweis ist der Flohkamm: Kämme das Fell über weißem Papier durch. Schwarze Krümel, die sich beim Befeuchten rötlich färben (Blut), sind eindeutiger Beweis für Flohkot – und damit für Flöhe.
Weitere Hinweise: Typisches Beißen und Kratzen besonders im Bereich der Schwanzwurzel und des Bauches, hektische Bewegungen, gelegentliches Aufspringen.
Milben erkennen
Milben sind mit bloßem Auge nicht zu sehen. Hinweise auf Milben sind:
- Kreisförmiger Haarausfall ohne Juckreiz (Demodex)
- Extrem starker Juckreiz, Krusten und Borken besonders an Ohren, Ellenbogen (Sarcoptes)
- Ohrenschmalz und Kopfschütteln (Ohrmilben)
Der sichere Nachweis erfolgt nur durch Hautgeschabsel beim Tierarzt. Versuche nicht, Milben selbst zu behandeln, da falsch eingesetzte Mittel den Welpen schädigen können.
Zecken – auch beim Welpen ein Thema
Zecken verursachen zwar selten direkten Juckreiz am Bisssteckplatz, können aber durch übertragene Krankheiten (z. B. Borreliose) Beschwerden auslösen. Mehr dazu findest du in unserem Artikel zu Zeckenstich beim Hund. Tasche deinen Welpen nach jedem Spaziergang im Freien ab – besonders hinter Ohren, zwischen Zehen und in der Achselhöhle.
Was kannst du zuhause tun, wenn dein Welpe sich kratzt?
Wenn dein Welpe sich leicht kratzt und keine der oben beschriebenen ernsteren Symptome vorliegen, gibt es einige Maßnahmen, die du zuhause ergreifen kannst. Diese ersetzen keinen Tierarztbesuch, können aber bei leichten Fällen helfen oder bis zum Termin Linderung bringen.
Ernährung optimieren
Eine ausgewogene, hochwertige Ernährung ist die Basis für gesunde Haut und gesundes Fell. Achte auf:
- Ausreichend Omega-3-Fettsäuren (z. B. aus Lachsöl)
- Hochwertiges Protein ohne unnötige Zusatzstoffe
- Altersgerechtes Welpenfutter
- Keine häufigen Futterwechsel, die den Magen belasten
Mehr Infos zur richtigen Ernährung für deinen Vierbeiner findest du in unserem Ratgeber zur Hundeernährung.
Baden und Pflege
Bade deinen Welpen höchstens alle 4–6 Wochen und verwende ausschließlich mildes, pH-neutrales Hundeshampoo. Menschliche Shampoos oder Duschgels können die empfindliche Hundehaut stark reizen. Nach dem Baden gut abtrocknen, um Auskühlung und feuchte Hautfalten zu vermeiden.
Regelmäßiges Bürsten
Tägliches oder regelmäßiges Bürsten fördert die Durchblutung der Haut, verteilt die natürlichen Hautfette und entfernt losen Flohkot oder abgestorbene Hautschuppen. Es ist außerdem eine gute Möglichkeit, dein Fell regelmäßig auf Veränderungen zu kontrollieren.
Umgebung sauber halten
Wasche Hundebett, Decken und Spielzeug regelmäßig bei mind. 60°C, um Parasiteneier zu vernichten. Sauge Teppiche und Polstermöbel regelmäßig. Ein sauberes Umfeld reduziert das Risiko von Parasitenbefall deutlich.

💰 Kosten: Behandlung beim Tierarzt
Die Kosten für die Behandlung eines kratzenden Welpen variieren stark je nach Ursache:
- Erstuntersuchung: ca. 30–60 € (je nach Praxis und GOT-Satz)
- Hautgeschabsel / Pilzkultur: ca. 20–50 € zusätzlich
- Flohbehandlung (Tier + Umgebung): ca. 20–80 €
- Milbenbehandlung (Räude): ca. 50–150 € je nach Mittel und Therapiedauer
- Allergietests: 150–400 € (Bluttest oder Intrakutantest)
- Eliminationsdiät: laufende Kosten für Spezialfutter, ca. 30–80 €/Monat
Tipp: Eine Hundekrankenversicherung oder OP-Versicherung kann im Welpenalter sinnvoll sein, wenn du unerwartete Tierarztkosten absichern möchtest. Informiere dich frühzeitig über die Möglichkeiten.
Welche Hausmittel helfen wirklich – und welche solltest du vermeiden?
Das Internet ist voll von Hausmittel-Tipps gegen Juckreiz beim Hund. Doch nicht alles, was für Menschen funktioniert, ist auch für Welpen sicher. Hier ein ehrlicher Überblick:
Mögliche unterstützende Maßnahmen
- Kamillenbäder: Milde Kamillenlauge kann bei leichten Hautreizungen beruhigend wirken. Vorsicht: Manche Hunde reagieren empfindlich auf Kamillenextrakt – teste erst an einer kleinen Stelle.
- Kokosöl: Kann bei trockener Haut als feuchtigkeitsspendende Behandlung aufgetragen werden. Nur in kleinen Mengen und nicht häufig, da es das Fell schwer und klebrig machen kann.
- Lachsöl ins Futter: Eine der besten natürlichen Methoden zur Förderung von Hautgesundheit und Fellglanz. Dosierung nach Körpergewicht, typisch ca. 1 ml pro 5 kg KGW täglich.
Was du vermeiden solltest
- Cortisonhaltige Menschencremes: Können bei Hunden Nebenwirkungen haben und das Immunsystem schädigen – nur auf tierärztliche Anweisung verwenden.
- Essig oder Teebaum-Öl unverdünnt: Starke Reizung der Schleimhäute, bei Welpen besonders gefährlich.
- Flohschutz-Produkte für Katzen: Können für Hunde giftig sein – niemals verwechseln!
- Selbst gekaufte Antiparasitika aus dem Internet: Qualität und Wirksamkeit oft nicht kontrolliert, im schlimmsten Fall schädlich für den Welpen.
Wie hängen Kratzen und andere Verhaltensprobleme beim Welpen zusammen?
Manchmal kratzt sich ein Welpe nicht nur aus körperlichen Gründen, sondern auch aus Stress, Langeweile oder Unsicherheit. Verhaltensbedingtes Kratzen ist seltener, aber möglich – besonders wenn:
- Der Welpe gerade in einer neuen Umgebung ist (z. B. nach dem Einzug)
- Er übermäßig viel Zeit allein verbringt
- Er sich bei Besuchen oder lauten Geräuschen ängstigt
In solchen Fällen hilft es, dem Welpen mehr Zuwendung, Beschäftigung und eine sichere Rückzugsmöglichkeit zu bieten. Kratzen, Beißen und Lecken können auch Selbstberuhigungsverhalten sein. Wenn du vermutest, dass Verhaltensursachen eine Rolle spielen, lohnt sich die Konsultation eines Tierverhaltensspezialisten.
Auch Erziehung und ein stabiler Tagesablauf spielen eine wichtige Rolle für das Wohlbefinden deines Welpen. Unser Artikel zu Welpen erziehen gibt dir wertvolle Tipps dazu.
Wie kannst du Kratzen beim Welpen langfristig vorbeugen?
Prävention ist der beste Schutz. Mit den folgenden Maßnahmen kannst du das Risiko von Juckreiz und Hautproblemen bei deinem Welpen deutlich senken:
Regelmäßige Parasitenvorbeugung
Sprich mit deinem Tierarzt über ein geeignetes Floh- und Zeckenschutzprogramm, das zum Alter und Gewicht deines Welpen passt. Halte die Abstände für die Entwurmung ein und führe ein Impftagebuch. Alle wichtigen Informationen zum Thema findest du in unserem Ratgeber zum Welpen-Impfplan.
Hochwertige Ernährung von Anfang an
Eine artgerechte, ausgewogene Ernährung stärkt das Immunsystem und unterstützt eine gesunde Haut. Meide günstige Massenware mit vielen Füllstoffen und setze auf Futter mit hohem Fleischanteil und natürlichen Zutaten. Informiere dich in unserem Artikel zur Hundeernährung.
Regelmäßige Fellpflege
Bürste deinen Welpen regelmäßig und kontrolliere dabei Haut und Fell auf Veränderungen. Früherkennung ist der Schlüssel zu einfacher Behandlung. Pflege auch die Ohren und Zähne – ein gesunder Hund beginnt beim Gesamtpaket. Unsere Anleitung zur Hund-Zahnpflege hilft dir dabei.
Tierarzt-Checks einhalten
Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen ermöglichen es dem Tierarzt, Probleme frühzeitig zu erkennen – bevor sie sich verschlimmern. Gerade im ersten Lebensjahr sind mehrere Kontrolltermine empfehlenswert. Falls mal ein Notfall eintreten sollte, ist unser Ratgeber zur Ersten Hilfe beim Welpen hilfreich.
Stressreduktion und Sozialisation
Ein gut sozialisierter, ausgeglichener Welpe ist insgesamt weniger anfällig für stressbedingte Beschwerden. Achte auf positive Erfahrungen, ausreichend Ruhezeiten und eine liebevolle, konsequente Erziehung. Problematisches Beißen und Zwicken, das manchmal mit Juckreiz verwechselt wird, bespricht unser Artikel zu Welpe beißt.