Welpen Impfplan: Alles was du wissen musst
Der Welpen Impfplan ist die Grundlage für ein gesundes Hundeleben und schützt deinen Welpen in den ersten Lebensmonaten vor lebensbedrohlichen Infektionskrankheiten. In Deutschland gibt die Ständige Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet) am Friedrich-Loeffler-Institut die offiziellen Impfempfehlungen heraus, in Österreich orientieren sich Tierärztinnen an den WSAVA-Leitlinien und den Empfehlungen der Österreichischen Tierärztekammer. Beide Schemata unterscheiden zwischen Core- und Non-Core-Impfungen, also zwischen Grundimpfungen, die jeder Hund unabhängig von Lebensumständen bekommen sollte, und Wahlimpfungen, die je nach Risiko sinnvoll sind. In diesem Ratgeber erfährst du als frischgebackener Welpenhalter genau, welche Impfungen wann anstehen, was sie kosten, welche Nebenwirkungen möglich sind und wann du auf keinen Fall improvisieren solltest. Der Inhalt ist tierärztlich überprüft.
Der Welpenschutz aus den Antikörpern der Mutterhündin verschwindet zwischen der achten und sechzehnten Lebenswoche. Genau in diesem Fenster ist eine vollständige Grundimmunisierung entscheidend, weil der Welpe sonst ungeschützt ist und sich rasch mit lebensbedrohlichen Erregern wie Parvo, Staupe oder Hepatitis ansteckt.
Wichtiger Hinweis
Der Welpenschutz endet individuell. Manche Welpen sind schon mit acht Wochen ungeschützt, andere noch mit sechzehn Wochen vor mütterlichen Antikörpern „blockiert“. Deshalb sieht das StIKo-Vet-Schema mehrere Auffrischungen zwischen der achten und sechzehnten Woche vor. Verkürze den Plan niemals eigenmächtig, auch wenn dein Welpe schon „groß“ wirkt.
Welche Impfungen gehören zu den Grundimpfungen (Core)?
Die StIKo Vet definiert vier Erreger als Core-Komponenten, also als Pflicht-Grundimpfungen für jeden Hund in Deutschland und Österreich, unabhängig von Lebensumständen, Wohnort und Reiseverhalten. Diese vier sind Staupevirus (Canine Distemper Virus, CDV), Hepatitis-Contagiosa-Canis-Virus (Canines Adenovirus Typ 1 und 2, CAV-1 / CAV-2), Parvovirus (Canines Parvovirus, CPV) und Tollwutvirus (Lyssavirus). Je nach Bundesland und Reiseverhalten gilt Tollwut zudem rechtlich als Pflicht (Heimtierausweis, Auslandsreisen).
Diese Erreger werden meist als Kombinationsimpfstoff (sogenannte SHPP- oder DHPPi-Vakzine) gegeben. Eine Spritze deckt also Staupe, Hepatitis, Parvo und Parainfluenza ab. Tollwut ist ein eigener Impfstoff und wird in der Regel mit zwölf Wochen verabreicht. Welpen, die ins Ausland reisen oder über die Grenze gebracht werden, brauchen nach EU-Recht eine gültige Tollwutimpfung mit mindestens 21 Tagen Wartezeit nach Erstimpfung. Ohne diesen Nachweis ist eine Einreise in viele EU-Staaten nicht erlaubt.
Eine Infektion mit Parvovirose oder Staupe ist bei nicht oder unvollständig geimpften Welpen oft tödlich. Beide Erkrankungen verursachen schweres Erbrechen, blutigen Durchfall, Fieber und neurologische Symptome. Selbst mit intensiver Klinikbehandlung sterben rund 20 bis 50 Prozent der erkrankten Welpen. Die Impfung ist die wirksamste und kostengünstigste Vorbeugung.
Wie sieht das StIKo-Vet-Schema im Detail aus?
Das aktuell gültige Schema der StIKo Vet sieht für die Grundimmunisierung folgende Termine vor. Beachte, dass das exakte Vorgehen mit deiner Tierärztin abgestimmt wird, denn individuelle Faktoren wie Rasse, Gesundheitszustand und Risiko spielen eine Rolle.
Mit acht Wochen: erste Kombinationsimpfung gegen Staupe, Hepatitis, Parvo und Parainfluenza (SHPP / DHPPi). In manchen Schemata wird auch Zwingerhusten (Bordetella, Parainfluenza) ergänzt, vor allem für Welpen, die früh Hundekontakte haben (Welpenschule, Hundepension, Welpenspielgruppen).
Mit zwölf Wochen: zweite Kombinationsimpfung (SHPP / DHPPi) plus Erstimpfung gegen Tollwut. In Risikogebieten zusätzlich Leptospirose-Impfung (vier Stämme, sogenanntes L4-Vakzin).
Mit sechzehn Wochen: dritte Kombinationsimpfung (SHPP / DHPPi). Diese Auffrischung ist entscheidend, weil bis dahin die mütterlichen Antikörper bei den meisten Welpen vollständig abgebaut sind und der Impfschutz erst jetzt zuverlässig „greift“. Frühere Schemata, die nach der zweiten Impfung mit zwölf Wochen aufhörten, gelten heute als unzureichend.
Mit fünfzehn Monaten: erste Wiederholungsimpfung der Grundimmunisierung. Erst danach ist der Welpe vollständig immunisiert. Tollwut wird je nach Hersteller alle ein bis drei Jahre nachgeimpft. Die Kombinationskomponenten (Staupe, Hepatitis, Parvo) halten meist drei Jahre, Parainfluenza und Leptospirose werden jährlich aufgefrischt.
Wichtig: Halte alle Termine ein und verschiebe Impfungen nicht ohne Rücksprache. Welpen, die nur zweimal geimpft wurden und mit zwölf Wochen die letzte Spritze bekommen haben, gelten in vielen Praxen als unvollständig immunisiert. Eine vollständige Wiederholung mit sechzehn Wochen wird dann empfohlen.
Welche Wahlimpfungen (Non-Core) gibt es?
Non-Core-Impfungen werden je nach Lebenssituation, Reiseverhalten, Region und Risiko empfohlen. Sprich mit deiner Tierärztin offen über den Alltag deines Welpen, um die richtige Auswahl zu treffen.
Leptospirose (L4): Bakterielle Erkrankung, die über Kontakt zu Nagetier-Urin und Pfützenwasser übertragen wird. Sehr verbreitet in Deutschland und Österreich, besonders in feuchten, ländlichen Regionen und im Sommer. Auch auf den Menschen übertragbar (Zoonose). Die Impfung wird zunehmend als faktische Core-Impfung gehandhabt.
Zwingerhusten (Bordetella bronchiseptica + Parainfluenza): Empfohlen für Welpen mit häufigem Hundekontakt, in Hundepensionen, auf Hundeplätzen, in Welpenschulen oder bei Ausstellungen.
Borreliose: Durch Zecken übertragen. Empfehlung in Endemiegebieten und für Hunde, die viel im Wald, auf Wiesen oder im Freien sind. Ergänzt nicht die Zeckenprophylaxe, sondern wird parallel eingesetzt. Mehr zu Borreliose beim Hund.
Babesiose und Leishmaniose: Reise- und Mediterrankrankheiten. Für Welpen, die in den Süden mitgenommen werden, ist eine Beratung sinnvoll. Eine vorbeugende Impfung gegen Leishmaniose ist möglich, ersetzt aber nie eine konsequente Mückenprophylaxe.
Herpesvirus: Empfehlung vor allem für Zuchthündinnen, weniger für Einzelwelpen.
Was kostet ein vollständiger Welpen Impfplan in Deutschland und Österreich?
Die Kosten richten sich nach der Gebührenordnung (in Deutschland GOT 2022, in Österreich freie Honorargestaltung), nach Praxis, Region und Impfstoff. Als grobe Orientierung gilt: Eine einzelne Kombinationsimpfung (SHPP / DHPPi) kostet inklusive Beratung und Untersuchung in Deutschland zwischen 60 und 95 Euro, in Österreich meist 50 bis 90 Euro. Eine Tollwutimpfung schlägt mit zusätzlich 30 bis 60 Euro zu Buche, eine Leptospirose-Impfung mit 30 bis 50 Euro.
Insgesamt liegen die Kosten für die komplette Grundimmunisierung mit drei Kombinationsimpfungen, einer Tollwutimpfung und gegebenenfalls Leptospirose bei rund 250 bis 450 Euro im ersten Lebensjahr. Hinzu kommen Wurmkuren, Allgemeinuntersuchungen, das Setzen des Mikrochips (Pflicht in Deutschland und Österreich) und der Eintrag in den EU-Heimtierausweis. Für die Anschaffung eines Welpen ist es sinnvoll, von Beginn an mit jährlichen Tierarztkosten von 300 bis 500 Euro zu rechnen, in den ersten zwei Jahren etwas mehr.
Wer hier sparen möchte, sollte nicht an den Impfungen sparen. Eine einzige Parvovirose-Behandlung in der Klinik kostet 1.500 bis 4.000 Euro und endet trotzdem oft tödlich. Die Impfungen sind verglichen damit ein Bruchteil und schützen dein Tier zuverlässig.
Welche Nebenwirkungen sind nach der Impfung möglich?
Moderne Impfstoffe sind sehr sicher, dennoch reagiert das Immunsystem deines Welpen auf den Reiz. Leichte Nebenwirkungen sind in den ersten ein bis drei Tagen nach der Impfung normal und kein Grund zur Sorge. Dazu gehören leichte Mattigkeit, etwas reduzierter Appetit, leichte Schwellung an der Injektionsstelle, kurzzeitig leicht erhöhte Temperatur. Diese Symptome klingen ohne Behandlung ab.
Selten treten stärkere Reaktionen auf. Bei Erbrechen, Durchfall, anhaltendem Fieber, Atemnot, Schwellung im Gesicht, Hautquaddeln oder Apathie nach der Impfung solltest du sofort die Praxis kontaktieren. Eine echte Impfanaphylaxie ist sehr selten, aber ein Notfall, der innerhalb weniger Minuten bis Stunden nach der Spritze auftritt. Bleibe deshalb am Tag der Impfung in der Nähe und beobachte deinen Welpen aufmerksam.
Die Impfreaktion sollte in keinem Fall mit „nicht impfen“ verwechselt werden. Die Risiken einer Nicht-Impfung sind um Größenordnungen höher als die Risiken einer Impfreaktion. Wer dennoch Bedenken hat, sollte mit der Tierärztin ein individuelles Schema und gegebenenfalls eine Antikörper-Titer-Bestimmung vor Auffrischungen besprechen, anstatt komplett auf den Schutz zu verzichten.
Wann darf dein Welpe nach den Impfungen Hundekontakt haben?
Eine der häufigsten Fragen frischer Welpenhalter. Die Empfehlungen sind klar: Komplett isolieren ist nicht sinnvoll, denn die Sozialisierungsphase eines Welpen (etwa drei bis vierzehn Wochen) ist begrenzt und entscheidend für die spätere Verträglichkeit. Welpen, die in dieser Phase nicht ausreichend Sozialkontakte hatten, entwickeln häufiger Verhaltensauffälligkeiten und Ängste. Mehr Hintergrund findest du im Ratgeber zur Welpenerziehung.
Praxisempfehlung: Nach der ersten Impfung mit acht Wochen sind kontrollierte Kontakte zu nachweislich geimpften, gesunden Hunden erlaubt (zum Beispiel Welpenspielgruppe in einer seriösen Hundeschule, befreundete Hunde im eigenen Garten). Vermeide stark frequentierte Hundeplätze, Hundewiesen, Tierheime, Tierarztwartezimmer (Boden!) und Wildkot, bis die Grundimmunisierung mit sechzehn Wochen abgeschlossen ist und die Schutzwirkung greift. Spaziergänge an wenig frequentierten Orten sind ab der ersten Impfung möglich.
Auch Giardien und Parasiten verbreiten sich über Hundekot. Halte deshalb Welpen von Kothaufen fremder Hunde fern und entsorge eigene Häufchen sofort. Eine konsequente Wurmkur nach Schema des ESCCAP (alle zwei Wochen bis zur zwölften Lebenswoche, danach monatlich bis sechs Monate) ergänzt den Impfschutz sinnvoll.
Wie sieht das Auffrischungsschema nach dem ersten Lebensjahr aus?
Mit der Impfung im Alter von rund fünfzehn Monaten gilt die Grundimmunisierung als abgeschlossen. Danach beginnt die Phase der regelmäßigen Auffrischungen. Hier hat sich die tierärztliche Praxis in den letzten zehn Jahren grundlegend verändert. Während früher pauschal jedes Jahr eine Komplettimpfung gegeben wurde, unterscheidet die StIKo Vet heute klar nach Erreger.
Die Komponenten gegen Staupe, Hepatitis und Parvo bieten in der Regel einen Schutz für drei Jahre, in vielen Fällen sogar deutlich länger. Eine Auffrischung im Drei-Jahres-Rhythmus reicht hier aus. Tollwut wird je nach Hersteller und Zulassung im Ein-, Zwei- oder Drei-Jahres-Rhythmus aufgefrischt. Bei Auslandsreisen empfiehlt sich, vorher den Impfstatus zu prüfen, da manche Länder strengere Vorgaben haben als das EU-Recht.
Anders ist die Lage bei Leptospirose, Zwingerhusten und Borreliose. Diese Impfungen schützen meist nur etwa zwölf Monate und müssen jährlich aufgefrischt werden. Auch Parainfluenza wird häufig jährlich verabreicht, da der Schutz nach einem Jahr deutlich nachlässt. Lass dich von deiner Tierärztin individuell beraten, welcher Auffrischungsrhythmus für deinen Hund sinnvoll ist. Manche Praxen bieten zudem die Bestimmung des Antikörpertiters an, um zu prüfen, ob eine Auffrischung der Core-Impfungen wirklich nötig ist.
Wichtig ist auch der lückenlose Eintrag im EU-Heimtierausweis. Jede Impfung wird mit Datum, Charge und Stempel dokumentiert. Verlierst du den Pass, bekommst du ein Duplikat oft nur mit erneuter Komplettimpfung, was Zeit und Geld kostet. Bewahre den Pass deshalb sicher auf und mache zur Not ein Foto aller Seiten als Backup.
Tierärztlicher Blick
Aus tierärztlicher Sicht ist der Welpen Impfplan einer der wirkungsvollsten Schritte für ein langes, gesundes Hundeleben. Wir sehen leider immer wieder Welpen mit Parvovirose oder Staupe, die mit konsequenter Impfung sicher geschützt gewesen wären. Halte dich strikt ans StIKo-Vet-Schema mit Impfungen mit acht, zwölf und sechzehn Wochen sowie der Auffrischung mit fünfzehn Monaten. Auch die Tollwutimpfung ist Pflicht, wenn du verreisen willst, und sollte spätestens mit zwölf Wochen erfolgen. Spare nicht an Impfungen, sondern eher an Spielzeug, denn die Behandlung einer Parvovirose kostet hundertfach mehr als die Vorsorge. Sprich mit deiner Tierärztin über die für deinen Welpen passenden Non-Core-Impfungen wie Leptospirose, Zwingerhusten oder Borreliose. Über die Tierarztsuche findest du Praxen mit Welpensprechstunde in Deutschland und Österreich. Eine gute Welpensprechstunde bietet neben der Impfung auch Beratung zu Ernährung, Erziehung, Sozialisierung und Parasitenschutz aus einer Hand und nimmt sich Zeit, deine Fragen ausführlich zu beantworten.