Ratten als Haustiere: Haltung, Pflege & häufige Krankheiten
Ratten als Haustiere klingt für manche ungewöhnlich. Doch Hausratten gehören zu den intelligentesten und zutraulichsten Kleintieren überhaupt. Sie lernen ihren Namen, kommen auf Zuruf und können sogar Tricks erlernen.
Mit der richtigen Haltung werden Ratten zu echten Persönlichkeiten mit engen Bindungen zu ihren Haltern. Jedes Tier hat seinen eigenen Charakter. Manche sind abenteuerlustig und mutig, andere eher schüchtern und verschmust.
Dieser Artikel zeigt dir alles, was du für eine artgerechte Rattenhaltung wissen musst. Von der Käfiggröße über die richtige Ernährung bis hin zu häufigen Krankheiten und deren Vorbeugung. So kannst du deinen Ratten ein langes und gesundes Leben ermöglichen.
Ratten brauchen Artgenossen. Einzelhaltung ist psychisch schädlich und macht krank.
Mindestens ein Kubikmeter Käfigvolumen für zwei Ratten. Mehr ist immer besser.
Ratten brauchen tägliche Beschäftigung und Freilauf. Langeweile macht sie krank.
Wie groß muss der Käfig für Ratten sein?
Die Mindestgröße für zwei Ratten beträgt 80 mal 50 mal 100 Zentimeter (Länge mal Breite mal Höhe). Ratten klettern gerne, deshalb ist die Höhe besonders wichtig. Mehretagige Käfige nutzen den Raum optimal aus und bieten den Tieren verschiedene Ebenen zum Erkunden.
Der Gitterabstand darf maximal 1,5 Zentimeter betragen. Bei größerem Abstand können sich junge Ratten durchquetschen und entkommen. Achte darauf, dass die Gitterstäbe horizontal verlaufen, damit die Ratten daran klettern können.
Richte den Käfig abwechslungsreich ein. Hängematten, Korkröhren, Seile, Leitern und Häuschen bieten Versteck- und Klettermöglichkeiten. Wechsle die Einrichtung regelmäßig, damit keine Langeweile aufkommt. Ratten lieben Neues und erkunden begeistert veränderte Käfiglandschaften.
Täglicher Freilauf außerhalb des Käfigs ist unverzichtbar. Plane mindestens ein bis zwei Stunden ein. Rattensichere den Freilaufbereich: Kabel abdecken, giftige Pflanzen entfernen und Spalten hinter Möbeln verschließen. Ratten nagen an allem und überall.

Wie viele Ratten solltest du halten?
Ratten sind hochsoziale Rudeltiere. Einzelhaltung verursacht schwere psychische Schäden und ist tierschutzwidrig. Halte immer mindestens zwei Ratten, besser drei oder mehr. In einer größeren Gruppe zeigen die Tiere ihr natürliches Sozialverhalten und sind insgesamt ausgeglichener.
Bei der Gruppenzusammensetzung funktionieren gleichgeschlechtliche Gruppen am besten. Reine Weibchengruppen sind aktiver und lebhafter. Reine Böckchengruppen sind oft ruhiger und verschmuster. Gemischte Gruppen sind nur möglich, wenn die Männchen kastriert sind.
Die Vergesellschaftung neuer Ratten erfordert Geduld und eine bewährte Methode. Am besten funktioniert die schrittweise Zusammenführung auf neutralem Boden. Setze die Tiere nie einfach zusammen in einen Käfig. Das kann zu schweren Kämpfen und Verletzungen führen.
Was fressen Hausratten?
Ratten sind Allesfresser (Omnivoren) mit einem breiten Nahrungsspektrum. Die Basis bildet ein hochwertiges Rattentrockenfutter aus dem Fachhandel. Achte auf eine Zusammensetzung ohne zu viel Mais und Zucker. Der Proteingehalt sollte bei circa 14 bis 16 Prozent liegen.
Täglich frisches Gemüse ergänzt den Speiseplan. Gut geeignet sind Gurke, Paprika, Brokkoli, Möhre, Fenchel und Zucchini. Salate und Kräuter wie Petersilie und Basilikum sind ebenfalls beliebt. Obst darf in kleinen Mengen gegeben werden, da es viel Zucker enthält.
Tierisches Eiweiß brauchen Ratten regelmäßig. Gib zwei bis drei Mal pro Woche eine kleine Portion gekochtes Ei, gekochtes Hühnchen, Quark oder Mehlwürmer. Trächtige und säugende Weibchen haben einen erhöhten Eiweißbedarf.
Verboten sind rohe Kartoffeln, Zwiebeln, Knoblauch, Avocado, Zitrusfrüchte und Schokolade. Auch stark gewürzte oder gesalzene Speisen haben auf dem Speiseplan nichts verloren.
Verstecke das Futter in Beschäftigungsspielzeug, Pappröhren oder selbstgebastelten Futterrätseln. Suchspiele und Tricks fordern die Intelligenz deiner Ratten. Geistig ausgelastete Ratten leben länger und sind deutlich gesünder.
Wie gewöhnst du deine Ratten an dich?
Neue Ratten brauchen Zeit, um sich an ihre Umgebung und an dich zu gewöhnen. Gib ihnen in den ersten zwei bis drei Tagen Ruhe und vermeide es, sie aus dem Käfig zu nehmen. Sprich ruhig mit ihnen, damit sie sich an deine Stimme gewöhnen.
Danach beginnt die Zähmung mit kleinen Schritten. Halte deine Hand in den Käfig und lasse die Ratten freiwillig auf deine Hand klettern. Belohne jeden Kontakt mit einem kleinen Leckerli wie einem Stückchen gekochtem Ei oder einem Sonnenblumenkern. Greife niemals von oben nach einer Ratte. Das löst den Fluchtinstinkt aus, da Greifvögel von oben angreifen.
Die meisten Ratten werden innerhalb von ein bis zwei Wochen handzahm. Manche Tiere brauchen länger. Geduld und Konsequenz sind der Schlüssel. Vermeide ruckartige Bewegungen und laute Geräusche in der Nähe des Käfigs.
Wenn deine Ratten Vertrauen gefasst haben, kannst du mit dem Tricktraining beginnen. Ratten lernen schnell mit Belohnungstraining (positive Verstärkung). Einfache Tricks wie Männchen machen, Drehen und durch einen Tunnel laufen sind gute Einstiegsübungen.
Was kostet die Haltung von Ratten monatlich?
Für zwei bis drei Ratten solltest du mit circa 25 bis 40 Euro pro Monat rechnen. Der größte Posten ist das Futter mit circa 10 bis 15 Euro monatlich. Einstreu kostet 5 bis 10 Euro. Frischfutter (Gemüse und Obst) liegt bei circa 10 bis 15 Euro.
Hinzu kommen Tierarztkosten, die bei Ratten leider nicht zu unterschätzen sind. Aufgrund der kurzen Lebenserwartung und der Anfälligkeit für Tumoren solltest du monatlich 15 bis 20 Euro als Tierarzt-Rücklage einplanen. Über die durchschnittliche Lebenszeit von zwei bis drei Jahren sind Gesamtkosten von 1.000 bis 2.500 Euro für zwei bis drei Tiere realistisch.
Welche Erkrankungen treten bei Ratten häufig auf?
Respiratorische Mycoplasmose (eine chronische Atemwegserkrankung durch das Bakterium Mycoplasma pulmonis) ist bei Ratten die häufigste Erkrankung. Fast alle Hausratten tragen den Erreger latent in sich. Bei Stress, schlechter Luftqualität oder einem geschwächten Immunsystem bricht die Erkrankung aus.
Symptome sind häufiges Niesen, Keuchen und rasselnde Atemgeräusche (sogenanntes Rattling). Im fortgeschrittenen Stadium atmet die Ratte schwer und zeigt Flankenatmung. Eine frühzeitige Behandlung mit Antibiotika kann die Erkrankung kontrollieren, aber nicht vollständig heilen.
Tumoren sind die zweithäufigste Erkrankung bei Ratten, besonders bei Weibchen ab dem achtzehnten Lebensmonat. Mammatumoren (Gesäugetumoren) wachsen oft sehr schnell und können faustgroß werden. Die gute Nachricht: Die meisten Mammatumoren bei Ratten sind gutartig und lassen sich operativ entfernen.
Weitere häufige Erkrankungen sind Mittelohrinfektionen (erkennbar an Kopfschiefhaltung und Gleichgewichtsstörungen), Nierenerkrankungen bei älteren Ratten, Parasiten (Milben, Haarlinge) und Hautentzündungen.

Wie kannst du Krankheiten bei Ratten vorbeugen?
Gute Luftqualität ist der wichtigste Faktor zur Vorbeugung von Atemwegserkrankungen. Stelle den Käfig in einen gut belüfteten Raum, aber nicht in Zugluft. Vermeide staubige Einstreu und reinige den Käfig regelmäßig. Ammoniakdämpfe aus dem Urin reizen die Atemwege und begünstigen Infektionen.
Verwende als Einstreu staubarme Materialien wie Hanfstreu, Maisstreu oder Zeitungspapier. Hobelspäne aus Nadelholz (Kiefer, Fichte) können ätherische Öle enthalten, die die Atemwege reizen. Wechsle die Einstreu mindestens zweimal pro Woche.
Regelmäßiges Wiegen hilft, Erkrankungen frühzeitig zu erkennen. Wiege deine Ratten einmal pro Woche. Ein plötzlicher Gewichtsverlust oder eine schnelle Gewichtszunahme sind Warnsignale und sollten vom Tierarzt abgeklärt werden.
Was kostet der Tierarzt für Ratten?
Die Grunduntersuchung kostet 25 bis 40 Euro. Da Ratten anfällig für Atemwegserkrankungen und Tumoren sind, solltest du mit regelmäßigen Tierarztkosten rechnen. Eine Antibiotika-Kur bei Atemwegsinfekten kostet 20 bis 40 Euro für die Medikamente.
Die Entfernung eines Tumors kostet je nach Größe und Lage 80 bis 200 Euro. Bei älteren Ratten mit mehreren Tumoren können die Kosten höher liegen. Die Kastration eines Männchens kostet 60 bis 100 Euro und kann bei aggressivem Verhalten oder zur Vergesellschaftung mit Weibchen sinnvoll sein.
Nicht jeder Tierarzt hat Erfahrung mit Ratten. Suche gezielt nach einem Tierarzt, der sich mit Nagetieren (Rodentologe) auskennt. Die Narkose bei Ratten erfordert besonderes Fachwissen und spezielle Ausrüstung.
Männliche Ratten entwickeln ab dem zwölften bis achtzehnten Lebensmonat oft Hodentumoren. Die Kastration ist ein kleiner Eingriff und reduziert das Risiko erheblich. Kastrierte Männchen werden oft ruhiger und anhänglicher.
Wie lange leben Hausratten und was brauchen ältere Tiere?
Hausratten werden durchschnittlich zwei bis drei Jahre alt. Mit ausgezeichneter Versorgung können einzelne Tiere bis zu vier Jahre alt werden. Die kurze Lebenserwartung ist für viele Halter die größte Herausforderung.
Ältere Ratten ab dem zweiten Lebensjahr haben besondere Bedürfnisse. Sie werden oft langsamer und brauchen leichter erreichbare Schlafplätze und Futterstellen. Rampen statt steiler Leitern erleichtern das Klettern. Weicheres Futter kann nötig sein, wenn die Zähne abgenutzt sind.
Kontrolliere ältere Ratten besonders aufmerksam auf Knoten unter der Haut. Mammatumoren und andere Wucherungen treten ab dem achtzehnten Lebensmonat gehäuft auf. Früh erkannt und operiert, haben die meisten Ratten noch viele gute Monate vor sich.