Diätfutter für Pferde: Hufrehe, EMS, Magen, Senior & Co.
Diätfutter für Pferde ist längst kein Nischenprodukt mehr. Mit der wachsenden Zahl an Pferden mit EMS, Cushing, Hufrehe-Vorgeschichte oder Magengeschwüren ist Diätfutter zu einer eigenständigen Kategorie professioneller Pferdefütterung geworden. Es geht dabei nicht um „kalorienarmes Futter“ im klassischen Sinn, sondern um spezialisierte Mischungen, die exakt auf bestimmte Erkrankungen oder Stoffwechselsituationen abgestimmt sind. Wer Diätfutter pauschal mit Schlankmacher gleichsetzt, verkennt seinen eigentlichen Wert und verschenkt eine wichtige Säule der modernen Pferdefütterung.
In diesem Ratgeber erfährst du, welche Diätfutter-Kategorien es am Markt gibt, wann sie sinnvoll sind, worauf du beim Kauf achten solltest und wie du das richtige Produkt für dein Pferd findest. Zusätzlich gehen wir auf häufige Fütterungsfehler, die richtige Tagesmenge, die rechtliche Einordnung in Deutschland und Österreich (AT) und die Abgrenzung zu Mash, Müsli und Heucobs ein. Der Inhalt ist tierärztlich überprüft.
Diätfutter ist Therapie, nicht Lifestyle
Diätfutter sollte immer nach tierärztlicher Indikation gefüttert werden. Wer ein Hufrehe-Diätfutter ohne Indikation an ein gesundes Pferd verfüttert, verschwendet Geld und kann den Stoffwechsel sogar belasten. Die richtige Diagnose ist Voraussetzung für die richtige Diätfutter-Wahl, idealerweise gemeinsam mit deiner Tierärztin oder deinem Tierarzt.
Was ist Diätfutter beim Pferd?
Diätfutter sind speziell zusammengesetzte Futtermittel, die auf bestimmte Erkrankungen oder besondere Bedürfnisse abgestimmt sind. In der EU-Verordnung sind sie als Futtermittel mit besonderem Ernährungszweck definiert und müssen klare Indikationen, Wirkstoffkonzentrationen und Anwendungshinweise auf der Verpackung tragen. Beispiele für Indikationen sind die Reduktion des Risikos für Hufrehe, die Unterstützung der Leberfunktion, die Schonung der Magenschleimhaut oder der Wiederaufbau nach Erkrankung. Diese Vorgaben gelten für ganz Deutschland und Österreich (AT).
Diätfutter unterscheidet sich vom gewöhnlichen Krippenfutter durch eine spezialisierte Zusammensetzung mit gezielten Wirkstoffen wie Pufferkomponenten, Pflanzenextrakten oder spezifischen Aminosäuren, durch genau definierte Stärke- und Zuckergehalte, durch häufig hochwertigere Bioverfügbarkeit der Mineralien in Form organischer Spurenelemente und durch eine klare Indikationsangabe auf der Verpackung. Hinzu kommt eine sorgfältige Standardisierung durch Hersteller mit veterinärmedizinischem Beratungsteam, die im konventionellen Müsli oder im Mash so nicht verlangt ist.
Wichtig zu verstehen: Ein Pferd ohne medizinische Indikation profitiert in der Regel nicht von Diätfutter. Manche Komponenten, etwa stark reduzierte Stärkewerte, können bei einem Sportpferd im Hochleistungsbereich sogar kontraproduktiv sein, weil schlicht die Energie für die Muskelarbeit fehlt. Diätfutter ist Therapie, nicht Premium. Diese Unterscheidung schützt vor unnötigen Kosten und vor falschen Erwartungen.
Welche Diätfutter-Kategorien gibt es?
Hufrehe- und EMS-Diätfutter ist die meistverkaufte Kategorie. Es ist stark zucker- und stärkereduziert, häufig unter zehn Prozent Zucker und unter zehn Prozent Stärke. Die Energie kommt aus Faserstoffen wie Heucobs, Reisfaser oder Trockenrübenschnitzeln, ergänzt um pflanzliche Öle. Ziel ist eine flache Insulinkurve, damit Hufrehe-Schübe vermieden und EMS-Pferde stabilisiert werden. Diese Futter sind die Basis jeder Langzeitfütterung von Stoffwechselpferden.
Magen-Diätfutter ist die zweite große Gruppe. Hier wird mit Pufferkomponenten wie Magnesium, Kalzium und pflanzlichen Schleimstoffen die Magenschleimhaut entlastet. Sehr wichtig sind eine niedrige Stärkemenge pro Mahlzeit, eine lange Kauzeit und Zusätze wie Lecithin, Pektine oder Bierhefe. Magen-Diätfutter ist sinnvoll als Begleitung einer tierärztlichen Therapie bei equinem Magen-Ulkus-Syndrom (EGUS) und als Vorbeugung bei stress- oder turnierbelasteten Pferden.
Senior-Diätfutter ist auf alte Pferde mit nachlassender Verdauungsleistung, schlechten Zähnen und Muskelabbau zugeschnitten. Typisch sind eine hohe Eiweißqualität mit zugesetztem Lysin und Methionin, eine sehr feine Struktur zum Einweichen, leicht verdauliche Faserstoffe und eine angepasste Mineralstoff- und Vitaminversorgung. Daneben gibt es Leber- und Nieren-Diätfutter, Diätfutter für Allergiker mit reduzierter Komponentenliste sowie Aufbaufutter für Rekonvaleszenten und untergewichtige Pferde.
Wie wählst du das passende Diätfutter aus?
Vor jeder Diätfutter-Entscheidung steht die Diagnose. Ohne klare Indikation tappst du im Dunkeln, weil viele Produkte gegensätzliche Ziele verfolgen. Ein EMS-Pferd braucht ein zucker- und stärkearmes Futter, ein abgemagerter Senior dagegen ein energiedichtes Aufbaufutter. Bestätigt deine Tierärztin oder dein Tierarzt eine Diagnose, ergibt sich daraus die passende Kategorie meist von selbst.
Im zweiten Schritt schaust du auf das Etikett. Achte auf den ausgewiesenen Stärke- und Zuckergehalt, auf die Eiweiß- und Mineralstoffanalyse, auf die Form (Müsli, Pellets, Mash) und auf die Fütterungsempfehlung in Gramm pro hundert Kilogramm Körpergewicht. Verlässliche Hersteller geben außerdem an, welche Indikation das Produkt abdeckt, welche Wirkstoffe pro Tagesration enthalten sind und ob ein veterinärmedizinisches Beratungsteam hinter der Rezeptur steht.
Im dritten Schritt prüfst du die Praxistauglichkeit. Frisst dein Pferd das Futter freiwillig? Lässt es sich in der vorgesehenen Menge verabreichen, ohne den Stoffwechsel mit zu viel Energie zu überfrachten? Ist es im Sommer wie im Winter lagerbar? Häufig lohnt es sich, mit einer kleinen Probierpackung zu starten, bevor du den 25-Kilo-Sack kaufst. Eine vier- bis sechswöchige Testphase ist meist nötig, um eine echte Wirkung zu beurteilen.
Welche Fütterungsfehler treten typisch auf?
Der häufigste Fehler ist die Selbstdiagnose. Ein leicht runder Bauch ist noch lange kein EMS, ein kurzer Durchfall noch keine Magenschleimhautentzündung. Wer Diätfutter ohne Diagnose einsetzt, riskiert, das eigentliche Problem zu kaschieren oder zu verschlimmern. Vor dem Sack steht also immer der Befund deiner Tierärztin oder deines Tierarztes.
Der zweite typische Fehler ist die falsche Menge. Diätfutter wird oft als Müslibeigabe gefüttert, obwohl es als Hauptkrippenfutter konzipiert ist, oder umgekehrt in viel zu großer Menge gegeben, weil das Pferd „die Energie ja braucht“. Halte dich strikt an die Hersteller-Empfehlung pro hundert Kilogramm Körpergewicht und passe die Menge an die tatsächliche Arbeitsbelastung an. Bei Hufrehe- und EMS-Pferden ist die Mengenkontrolle besonders wichtig, denn auch ein zucker- und stärkearmes Futter liefert Energie.
Der dritte Fehler ist die unzureichende Raufutterbasis. Diätfutter ersetzt niemals das Heu. Pro hundert Kilogramm Körpergewicht solltest du mindestens eineinhalb Kilogramm Heu pro Tag rechnen, bei Stoffwechselpferden idealerweise mit überprüftem Zuckergehalt. Erst auf dieser Basis greift das Diätfutter wie vorgesehen.
Wie grenzt sich Diätfutter von Mash, Müsli und Heucobs ab?
Mash ist eine warme, eingeweichte Mischung aus Weizenkleie, Leinsamen, Hafer und manchmal Apfeltrester. Es eignet sich als gelegentliche Beigabe zur Verdauungsförderung, ist aber keine spezialisierte Diät. Wer Mash täglich als Hauptfutter einsetzt, schiebt der Magen- und Darmflora oft mehr Stärke und Zucker zu, als ein EMS- oder Rehe-Pferd verträgt.
Müsli ist ein klassisches strukturreiches Krippenfutter, meist mit gequetschten Getreidekörnern, Pellets und Melasse. Es ist als Erhaltungs- oder Sportfutter konzipiert, nicht als Diät. Heucobs sind komprimierte, getrocknete Heuwürfel, die als Raufutterersatz oder -ergänzung dienen. Sie sind sehr wertvoll für Pferde mit schlechten Zähnen oder mit erhöhtem Heubedarf, ersetzen aber keine vollwertige Diätfutterration.
Die klare Unterscheidung lautet: Diätfutter ist medizinisch indiziert, Mash und Müsli sind alltägliche Futtermittel, Heucobs sind eine Raufutterform. Wer diese Kategorien sauber trennt, vermeidet teure Doppelfütterungen und füttert sein Pferd zielgerichtet.
Was kostet Diätfutter und wie lange wird es eingesetzt?
Diätfutter ist in der Regel teurer als konventionelles Krippenfutter. In Deutschland und Österreich (AT) liegen die Preise je nach Hersteller und Indikation zwischen rund eins fünfzig und drei Euro pro Kilogramm. Bei einer typischen Tagesmenge von eineinhalb bis drei Kilogramm bedeutet das eine monatliche Mehrausgabe zwischen vierzig und zweihundert Euro pro Pferd, je nach Produkt und Belastung.
Die Einsatzdauer hängt von der Indikation ab. Magen-Diätfutter wird häufig acht bis zwölf Wochen gefüttert, parallel zur tierärztlichen Therapie. Hufrehe- und EMS-Diätfutter ist in vielen Fällen Dauerfütterung, weil die Stoffwechselsituation lebenslang stabil gehalten werden muss. Senior-Diätfutter begleitet das Pferd ab dem Punkt, an dem die normale Verwertung nachlässt, ebenfalls oft dauerhaft. Eine regelmäßige Kontrolle des Body Condition Scores und gelegentliche Blut- und Insulin-Tests helfen, die Strategie laufend zu prüfen.
Welche Krankheiten profitieren am meisten von Diätfutter?
Hufrehe und EMS gehören zu den am häufigsten dokumentierten Indikationen. Studien aus den vergangenen Jahren zeigen, dass eine konsequente Reduktion von Stärke und Zucker in Kombination mit Bewegung die Insulinwerte deutlich senken kann. Diätfutter mit ausgewiesenen Werten unter zehn Prozent Stärke und unter zehn Prozent Zucker ist hier Standard. Begleitend wird das Heu auf seinen Zuckergehalt analysiert, idealerweise im Labor in Deutschland oder Österreich (AT), und bei Bedarf gewässert oder gegen zuckerarmes Heu getauscht.
Magengeschwüre (EGUS) sind die zweite große Gruppe. Diätfutter wirkt hier in Kombination mit einer tierärztlichen Therapie, etwa mit Omeprazol, und mit einem konsequenten Mahlzeiten- und Haltungsmanagement. Wichtig sind kleine Portionen, lange Kauzeiten und der Verzicht auf längere Fresspausen. Pufferkomponenten wie Calcium, Magnesium oder pflanzliche Schleimstoffe schonen die Schleimhaut und können Rezidive verringern.
Bei Cushing-Pferden, bei Senioren mit Muskelabbau und bei Allergikern unterstützt Diätfutter ebenfalls den Therapieerfolg. Cushing-Pferde profitieren von einer angepassten Mineral- und Vitaminversorgung sowie von hochwertigem Eiweiß, Senioren von feiner Struktur und gut verdaulichen Faserstoffen, Allergiker von einer reduzierten, klar deklarierten Zutatenliste. Bei jeder dieser Indikationen lohnt sich eine schriftliche Rationsberechnung, damit Diätfutter, Heu und Mineralstoffe als Gesamtpaket aufgehen.
Tierärztlicher Blick auf Diätfutter
Aus tierärztlicher Sicht ist Diätfutter ein wertvolles Werkzeug, das zu oft am Befund vorbei eingesetzt wird. Wir sehen in der Praxis zwei typische Muster: Pferde mit klarer Indikation, die viel zu spät auf ein passendes Diätfutter umgestellt werden, und gesunde Pferde, die ohne Anlass auf teure Spezialprodukte gesetzt werden. Beides lässt sich mit einer ehrlichen Anamnese, einer klinischen Untersuchung und gegebenenfalls einem Insulin- oder ACTH-Test innerhalb weniger Tage klären.
Bevor du also einen 25-Kilo-Sack Spezialfutter bestellst, sprich kurz mit deiner Tierärztin oder deinem Tierarzt. Bei Bedarf findest du über unsere Tierarztsuche eine spezialisierte Pferdepraxis in deiner Nähe in Deutschland oder Österreich (AT). Eine fundierte Diagnose vor der Diätentscheidung erspart dir oft monatelange Fehlfütterung und schützt das Pferd vor unnötigen Stoffwechselbelastungen.
Häufige Fragen zu Diätfutter beim Pferd
Wie stellst du behutsam auf Diätfutter um?
Eine Futterumstellung ist beim Pferd kein Schalter, sondern ein Prozess. Die Mikrobiota im Dickdarm braucht zwei bis drei Wochen, um sich an eine neue Komponente zu gewöhnen. Wenn du von einem konventionellen Müsli oder Mash auf ein Diätfutter wechselst, beginnst du mit etwa einem Viertel der Zielmenge und steigerst alle drei bis vier Tage um ein weiteres Viertel. Parallel reduzierst du das alte Futter im selben Tempo. Innerhalb von vierzehn Tagen ist die Umstellung abgeschlossen, die Verdauung bleibt stabil und das Risiko für Koliken sinkt.
Beobachte während der Umstellung Kotbild, Fressverhalten, Wasseraufnahme und Verhalten. Veränderungen wie weicherer Kot, Durchfall, Mattigkeit oder Verweigerung sind Warnsignale, die einen langsameren Aufbau erfordern oder eine Rücksprache mit der Tierärztin oder dem Tierarzt rechtfertigen. Wer sauber umstellt, vermeidet die typischen Anfangsprobleme und gibt dem Diätfutter eine faire Chance, seine Wirkung zu entfalten. Ein kurzes Fütterungstagebuch über die ersten vier Wochen hilft enorm, später die Effekte sauber zu beurteilen und im Gespräch mit der Tierärztin oder dem Tierarzt nachvollziehbar zu argumentieren.
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Diätfutter ist Teil eines größeren Fütterungskonzepts. Lies dazu auch unsere Ratgeber zur allgemeinen Fütterungsempfehlung fürs Pferd, zu Raufutter als Basis, zur Senior-Fütterung, zur Winterfütterung und zu Eiweiß in der Pferdefütterung. Auch der Beitrag Wie oft solltest du dein Pferd füttern? liefert wichtige Hintergründe für eine stoffwechselschonende Mahlzeitenstruktur.
Quellen
MSD Vet Manual: Equine Metabolic Syndrome (2024) (letzter Zugriff: 4.5.2026)
MSD Vet Manual: Gastric Ulcers in Horses (2024) (letzter Zugriff: 4.5.2026)
Vetmeduni Wien: Universitätsklinik für Pferde (2025) (letzter Zugriff: 4.5.2026)
FN Deutsche Reiterliche Vereinigung: Pferdefütterung (2024) (letzter Zugriff: 4.5.2026)