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Fohlen entwurmen: Wann, wie oft und welches Mittel?

Fohlen entwurmen: Wann, wie oft und welches Mittel?

Fohlen entwurmen ist einer der wichtigsten Bausteine im Gesundheitsprogramm des ersten Lebensjahres. Anders als bei erwachsenen Pferden, wo selektive Entwurmung nach Kotprobe heute Standard ist, gilt für Fohlen ein eigenes, strikteres Schema. Der Grund liegt in der Parasitenökologie: Junge Pferde haben noch keine Immunität gegen die wichtigsten Wurmgattungen, und ein einzelner schwerer Befall mit Spulwurm, Strongyliden oder Bandwurm kann beim Fohlen binnen Tagen lebensbedrohlich werden. In Österreich, Deutschland und der Schweiz empfehlen die führenden Pferdetierärzte ein altersgestuftes Entwurmungsschema, das ab der vierten bis sechsten Lebenswoche startet, sich an klaren Wirkstoffen orientiert und immer mit Kotproben begleitet wird. In diesem Ratgeber zeigen wir dir, welcher Wirkstoff in welcher Lebensphase angezeigt ist, wie du eine Wurmpaste sicher verabreichst, welche Nebenwirkungen typisch sind und was bei Resistenzen zu tun ist. Der Inhalt ist tierärztlich überprüft.

Notfall

Spulwurm-Notfall beim Fohlen

Massiver Spulwurmbefall ist beim Fohlen ein Notfall. Symptome wie aufgegasener Bauch, Koliken, Apathie, blasse Schleimhäute oder ein Darmverschluss nach der ersten Entwurmung sind sofort tierärztlich abzuklären. In Pferdekliniken in Österreich, Deutschland und der Schweiz werden jedes Jahr Fohlen wegen lebensbedrohlicher Spulwurm-Verstopfung operiert. Die wichtigste Prävention ist ein korrektes Schema und eine Erstentwurmung im richtigen Wirkstoffspektrum.

Warum brauchen Fohlen ein eigenes Entwurmungsschema?

Fohlen werden mit einem nahezu sterilen Magen-Darm-Trakt geboren. Innerhalb der ersten Lebenswochen besiedeln sich Mikroflora und leider auch Parasiten. Der häufigste und gefährlichste Anfangsparasit ist der Pferde-Spulwurm Parascaris equorum. Seine Eier überleben jahrelang in Boxen und auf Weiden, ein Fohlen nimmt sie über das Maul auf, die Larven wandern durch Leber und Lunge zurück in den Darm, wo sie binnen weniger Wochen zu zehn bis dreißig Zentimeter langen Würmern heranwachsen. Ein hoher Spulwurm-Befall kann den Darm mechanisch verstopfen und ist eine der wenigen Wurminfektionen, die direkt zum Tod des Fohlens führen können.

Daneben treten Strongyliden, Zwergfadenwürmer Strongyloides westeri und im späteren Verlauf Bandwürmer auf. Strongyloides westeri werden über die Muttermilch übertragen und sind oft schon in den ersten Lebenstagen aktiv. Die Pferdetierärzteschaft hat deshalb klare Stufen-Schemata entwickelt, die sich an der Wurmgattung und am Lebensalter orientieren. Anders als beim erwachsenen Pferd ist die selektive Entwurmung nach reiner Kotprobe beim Fohlen nicht ausreichend, weil Spulwurmlarven bereits Schäden verursachen, bevor sie eierlegende Adulte werden und in der Probe nachweisbar sind.

Welches Entwurmungsschema ist im ersten Lebensjahr Standard?

Die meisten Pferdekliniken in Österreich, Deutschland und der Schweiz arbeiten mit folgendem Schema, das je nach Region und Befallsdruck angepasst wird.

  • Vierte bis sechste Lebenswoche: Erste Entwurmung gegen Spulwurm und Strongyloides westeri, in der Regel mit Fenbendazol oder Pyrantel.
  • Achte bis zwölfte Lebenswoche: Zweite Entwurmung gegen Spulwurm, ergänzend bei Bedarf gegen Strongyliden.
  • Vier bis fünf Monate: Dritte Entwurmung, jetzt zusätzlich gegen kleine Strongyliden, idealerweise nach Kotprobe.
  • Sechs bis acht Monate: Vierte Entwurmung mit erweitertem Wirkstoffspektrum, oft Ivermectin oder Moxidectin nach Kotprobe.
  • Zehn bis zwölf Monate: Fünfte Entwurmung, oft inklusive Bandwurmwirkstoff Praziquantel, je nach Weide- und Stallsituation.

Die Wirkstoffwahl ist nicht beliebig. Für die Erstentwurmung gegen Spulwürmer wird in vielen Praxen Fenbendazol oder Pyrantel bevorzugt, weil makrozyklische Laktone wie Ivermectin in stark befallenen Fohlen das Risiko einer Massentötung der Würmer und damit einer Verstopfungskolik erhöhen. Wenn du dir unsicher bist, sprich das genaue Präparat mit deiner Tierärztin ab. Eine fundierte Tierarztsuche findest du auf Go4Vet.

Wie verabreichst du eine Wurmpaste sicher?

Die meisten Wurmpräparate werden als Maul-Paste verabreicht. Junge Fohlen sind dabei oft schwieriger als erwachsene Pferde, weil sie sich nicht stillhalten lassen. Plane den Termin so, dass dein Fohlen zuvor entspannt war, also kein wildes Spiel und keine Verlade-Situation davor. Nutze einen ruhigen Platz, idealerweise mit der Mutterstute in Sichtweite.

Schritt eins: Prüfe das Gewicht des Fohlens, denn die Dosierung erfolgt strikt nach Kilogramm Körpergewicht. Eine Stockmaßmessung mit Gewichtsschätzformel reicht oft, im Zweifel benutzt du das Gewichtsband. Schritt zwei: Stelle die Spritze auf die korrekte Dosis ein. Schritt drei: Halte das Fohlen am Halfter fest, lege eine Hand sanft auf die Nasenrückenbasis, um den Kopf zu stabilisieren. Schritt vier: Führe die Spritzenspitze seitlich ins Maul, im zahnfreien Lückenraum hinter den Schneidezähnen. Schritt fünf: Drücke die Paste in einer einzigen, schnellen Bewegung ein und halte den Kopf für etwa fünf Sekunden leicht erhöht, damit die Paste nicht ausgespuckt wird.

Üben hilft. Trainiere mit deinem Fohlen schon Wochen vor der ersten Entwurmung das Annehmen einer leeren Spritze mit ein wenig Apfelmus. So verbindet das Fohlen die Spritze mit etwas Angenehmem und nicht mit Stress. Das spart bei der echten Entwurmung viel Drama. Wenn dein Fohlen die Paste komplett ausspuckt, beobachte die nächsten 30 Minuten genau und sprich vor einer eigenmächtigen zweiten Dosis mit deiner Tierärztin, denn eine versehentliche Doppeldosis ist potenziell gefährlich. Mehr zu allgemeinen Routinen zeigt unser Ratgeber Fohlen Aufzucht.

Welche Nebenwirkungen sind möglich?

Die meisten Fohlen vertragen Wurmpräparate problemlos. In seltenen Fällen treten leichter Speichelfluss, kurzzeitiger Durchfall oder ein etwas weicher Kot in den 24 bis 48 Stunden nach Verabreichung auf. Diese Symptome sind in der Regel harmlos und vergehen von selbst.

Ernster zu nehmen sind drei Szenarien. Erstens, eine Verstopfungskolik nach Erstentwurmung, vor allem bei massiver Spulwurmlast. Hier sterben viele Würmer gleichzeitig ab und können den Dünndarm mechanisch blockieren. Wenn dein Fohlen in den ersten 72 Stunden nach Entwurmung Anzeichen von Bauchschmerz zeigt, sich häufig wälzt, nicht trinkt oder die Ohren stark zur Seite legt, gehört das sofort in tierärztliche Hände. Zweitens, allergische Reaktionen, etwa Schwellung der Lippen oder der Augenpartie. Auch hier sofortige Vorstellung. Drittens, Resistenzen, die zwar nicht akut symptomatisch sind, aber das nächste Schema wirkungslos machen können. Wer den Verdacht hat, das Präparat habe nicht gewirkt, lässt zehn bis vierzehn Tage später eine Kontroll-Kotprobe machen und stimmt das weitere Vorgehen mit der Tierärztin ab.

Wie umgehst du Resistenzen und welche Rolle spielt die Kotprobe?

Wurmresistenzen sind in Mitteleuropa ein wachsendes Problem, insbesondere bei kleinen Strongyliden und Spulwürmern gegen Benzimidazole und Pyrantel. Wer immer dasselbe Präparat einsetzt und nie kontrolliert, züchtet sich auf der eigenen Weide einen resistenten Wurmstamm. Die wichtigste Gegenmaßnahme ist die Kombination aus Kotprobe und gezielter Wirkstoffwahl.

In Mitteleuropa sind vor allem kleine Strongyliden, die sogenannten Cyathostominen, ein Resistenzproblem geworden. Studien aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zeigen, dass auf vielen Höfen Benzimidazole praktisch keine Wirkung mehr zeigen, und auch Pyrantel verliert zunehmend an Effekt. Ivermectin und Moxidectin sind aktuell noch wirksam, sollten aber gerade deshalb nicht als Universalwerkzeug eingesetzt werden, sonst sind auch diese Wirkstoffe in zehn Jahren verloren. Plane vor der vierten Entwurmung im Lebensjahr eine Eizahlung im Kot ein, kurz EPG für eggs per gram. Dazu sammelst du frischen Kot von zwei bis drei Haufen in einem sauberen Plastikbeutel, schickst ihn ins veterinärmedizinische Labor und bekommst nach wenigen Tagen einen Wert zurück. Liegt die Eizahl unter 200 EPG, kann auf eine Entwurmung verzichtet oder ein milderes Präparat gewählt werden. Liegt sie höher, wird gezielt behandelt. Für eine Resistenztest-Kontrolle wiederholst du die Probe zehn bis vierzehn Tage nach Behandlung. Eine Reduktion der Eizahl um weniger als neunzig Prozent gilt als Hinweis auf Resistenz, dann ist Wirkstoffwechsel angezeigt. Mehr zur allgemeinen Aufzuchthygiene findest du in Fohlen auf der Weide und Fohlen absetzen.

Welche Wirkstoffe gibt es und wie unterscheiden sie sich?

Die Pferdemedizin verfügt über vier große Wirkstoffklassen, die alle ihre eigenen Stärken, Lücken und Resistenzprobleme haben. Die erste Klasse sind die Benzimidazole, etwa Fenbendazol und Mebendazol. Sie wirken gut gegen Spulwürmer und Strongyliden, sind sehr verträglich und damit klassische Erstwahl beim Fohlen, leiden aber zunehmend unter Resistenzen bei kleinen Strongyliden. Die zweite Klasse ist Pyrantel, das gut gegen Spulwürmer, Strongyliden und in höherer Dosierung auch gegen Bandwürmer wirkt. Pyrantel ist ebenfalls sehr verträglich und eignet sich für die Erstentwurmung von Fohlen.

Die dritte Klasse sind die makrozyklischen Laktone Ivermectin und Moxidectin. Sie haben das breiteste Wirkspektrum und sind besonders wirksam gegen Strongyliden, Lungenwürmer und Magendasseln, jedoch beim massiv mit Spulwürmern befallenen Fohlen mit Vorsicht einzusetzen, weil die plötzliche Massentötung zu Verstopfungskoliken führen kann. Die vierte Klasse ist Praziquantel gegen Bandwürmer, das in der Regel ab dem zehnten Lebensmonat ergänzend eingesetzt wird, oft als Kombinationspräparat mit Ivermectin oder Moxidectin. Welcher Wirkstoff in welcher Phase richtig ist, hängt von Bestand, Region und Resistenzlage ab. Sprich die Wirkstoffwahl immer mit deiner bestandsbetreuenden Tierärztin ab, denn ein falscher Wirkstoff zur falschen Zeit kann ein Fohlen wirklich gefährden.

Welche Hygiene-Maßnahmen ergänzen die Entwurmung?

Entwurmung allein reicht nicht. Wer die Wurmlast auf seinem Hof langfristig senken möchte, kombiniert das pharmakologische Schema mit Weide- und Stallhygiene. Erstens, regelmäßiges Abäppeln der Weide, idealerweise zweimal pro Woche im Sommer, einmal pro Woche im Winter. Damit entfernst du die meisten Eier, bevor sie infektiöse Larven bilden. Zweitens, Wechselbeweidung mit Rindern oder Schafen, weil die meisten Pferdewürmer im Wiederkäuer-Magen absterben. Drittens, ausreichend große Weideflächen mit niedrigem Besatz, idealerweise unter 0,5 Pferden pro Hektar.

Auch die Reinigung von Stall und Boxen ist wichtiger als viele denken. Spulwurmeier sind extrem widerstandsfähig und überleben in Ritzen, Fugen und porösen Holzoberflächen jahrelang. Eine gründliche Heißwasserreinigung der Box vor dem Einzug einer tragenden Stute, kombiniert mit schwarzem Lichtcheck, kann den Reinfektionsdruck spürbar reduzieren. Im Stall sind Boxenhygiene, sauberes Heu vom Boden statt aus tiefer Streu und regelmäßige Reinigung der Tränken die wichtigsten Maßnahmen. Fohlen sind Saugmäuler, sie nehmen Wurmeier nicht nur über Gras, sondern auch über Boxenwände, Tröge und Stallgeräte auf. Mehr zur Stallhygiene findest du im Ratgeber Desinfektion im Pferdestall sowie zur Stallluft im Stallklima-Ratgeber. Ergänzend zu Wurmproblemen interessant ist auch der Ratgeber Durchfall beim Pferd, weil Wurmbefall einer der häufigsten Auslöser für Durchfall im Fohlenalter ist.

Tierärztlicher Blick auf die Fohlen-Entwurmung

Aus tierärztlicher Sicht ist die Fohlen-Entwurmung der Lehrbuchfall für strukturierte, altersgestufte Prävention. Wer das Schema einhält, vermeidet 95 Prozent aller schweren Wurmprobleme. Wer es nicht einhält, hat im ersten Lebensjahr ein vielfach erhöhtes Risiko für Spulwurmkoliken, Wachstumsstörungen, Durchfall und Folgeerkrankungen wie Anämie. Die zweite zentrale Botschaft ist, dass jede Aufzucht ihre eigene Wurmflora hat. Es gibt nicht das eine perfekte Schema für alle Höfe in Österreich, Deutschland oder der Schweiz, sondern eine an die Bestandshistorie angepasste Strategie, die mit der bestandsbetreuenden Tierärztin abgestimmt wird.

Die dritte Botschaft betrifft die Resistenzen. Pferdehalter, die jährlich kalendarisch und ohne Kotprobe entwurmen, sind hauptverantwortlich für die wachsende Resistenzproblematik in Mitteleuropa. Spätestens ab dem vierten Lebensjahr eines Pferdes sollte selektiv entwurmt werden, also nur dann, wenn die Kotprobe einen relevanten Befall zeigt. Im Fohlenalter dagegen ist das strikte Stufenschema medizinisch klar begründet und sollte nicht eigenmächtig verkürzt werden. Eine empfehlenswerte erste Anlaufstelle für Schemata ist die Go4Vet Tierarztsuche, ergänzend zu Aufzucht-Themen helfen die Ratgeber Fohlen Aufzucht und Fohlen absetzen.

Häufige Fragen zur Fohlen-Entwurmung

Wann muss ein Fohlen das erste Mal entwurmt werden?
In der Regel zwischen der vierten und sechsten Lebenswoche, gezielt gegen Spulwürmer und Strongyloides westeri. Der genaue Zeitpunkt richtet sich nach Bestandssituation und tierärztlicher Empfehlung.
Welche Wirkstoffe sind beim Fohlen geeignet?
Für die Erstentwurmung werden meist Fenbendazol oder Pyrantel verwendet, weil sie das Risiko einer Massentötung von Spulwürmern reduzieren. Ivermectin und Moxidectin kommen meist erst ab dem fünften oder sechsten Lebensmonat zum Einsatz, Praziquantel gegen Bandwürmer ab dem zehnten Monat.
Wie oft muss ein Fohlen im ersten Jahr entwurmt werden?
Im klassischen Schema vier- bis fünfmal im ersten Lebensjahr, jeweils altersgerecht und mit unterschiedlichem Wirkstoffspektrum. Ab dem zweiten Lebensjahr darf auf selektive Entwurmung nach Kotprobe umgestellt werden.
Was kostet die Entwurmung eines Fohlens?
Eine einzelne Wurmkur kostet in Österreich und Deutschland je nach Wirkstoff 12 bis 30 Euro, in der Schweiz etwas mehr. Inklusive Kotprobe und tierärztlicher Visite kommen pro Termin etwa 40 bis 80 Euro zusammen. Im ersten Lebensjahr summiert sich das auf rund 200 bis 400 Euro.
Mein Fohlen hat nach der Entwurmung Bauchschmerzen. Was tun?
Sofort Tierarzt rufen. Eine Verstopfungskolik durch massenweise abgetötete Spulwürmer ist ein Notfall und kann eine Operation erfordern. Beobachte dein Fohlen in den ersten 72 Stunden nach Erstentwurmung besonders aufmerksam.
Brauche ich vor jeder Entwurmung eine Kotprobe?
Bei Fohlen unter sechs Monaten ist das strikte kalendarische Schema wichtiger als die Kotprobe, weil Spulwurmlarven Schäden verursachen, bevor sie nachweisbar sind. Ab dem sechsten Monat lohnt sich eine Kotprobe vor der Behandlung, um Resistenzen zu vermeiden.

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