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Jungpferd-Futter: Nährstoffbedarf im Wachstum

Jungpferd-Futter: Nährstoffbedarf im Wachstum

Jungpferd füttern ist eine der größten Herausforderungen in der Aufzucht. Während dein Pferd in den ersten Lebensjahren um bis zu 600 Kilogramm wächst, sein Skelett, seine Sehnen und sein gesamtes Verdauungssystem aufbaut, brauchst du eine Fütterung, die exakt zum Wachstumstempo, zum Energiebedarf und zur Konstitution passt. Falsch ernährte Jungpferde entwickeln häufig Fehlstellungen, OCD (Osteochondrosis dissecans), Sehnenproblem oder werden zu mager beziehungsweise zu rund, was beides für Skelett und Stoffwechsel langfristig problematisch ist. In diesem Ratgeber zeigen wir dir, wie sich der Nährstoffbedarf deines Jungpferdes vom Absetzfohlen über das Jährling bis zum dreijährigen Reitanfänger entwickelt, welche Komponenten in jede Ration gehören und wie du Mineralstoffe, Vitamine und Eiweiß bedarfsgerecht einsetzt. Wir besprechen die Standards in Österreich (AT) und Deutschland, gehen auf Rasseunterschiede ein und nennen typische Fütterungsfehler, die du leicht vermeiden kannst. Zusätzlich findest du Hinweise zur Fütterung während Zahnwechsel, Anreitezeit und Aufzucht in der Herde sowie konkrete Mengenangaben für Heu, Kraftfutter und Mineralstoffe. Der Inhalt ist tierärztlich überprüft.

Hinweis Jungpferd füttern

Energie und Mineralstoffe müssen passen

Übermäßige Energiezufuhr ist beim Jungpferd genauso schädlich wie Mangel. Zu viel Stärke aus Hafer, Müsli oder Pellets begünstigt Wachstumsschübe, die Sehnen, Bänder und Wachstumsfugen überfordern. Halte den Body Condition Score zwischen vier und fünf von neun und stimme Mineralstoffe immer mit deiner Tierärztin ab.

Wie verändert sich der Nährstoffbedarf in den ersten Lebensjahren?

Die Fütterung deines Jungpferdes ist keine starre Formel, sondern verändert sich mit jedem Lebensmonat. In den ersten Lebenswochen lebt dein Fohlen ausschließlich von Stutenmilch, mit etwa zehn Tagen beginnt es Heu zu knabbern. Ab dem dritten Monat steigt der Festfutteranteil deutlich an, mit dem Absetzen mit etwa sechs Monaten ist die Stutenmilch komplett ersetzt. In dieser ersten Phase ist der Bedarf an Eiweiß, Lysin, Kalzium und Phosphor besonders hoch, weil das Skelett rasch wächst. Der Energiebedarf liegt deutlich über dem eines erwachsenen Pferdes, gerechnet pro Kilogramm Körpermasse. Detaillierte Hinweise findest du in unserem Beitrag zum Fohlen absetzen.

Vom Absetzfohlen bis zum Jährling, also etwa sechs bis 18 Monate, sinkt der relative Energiebedarf, der absolute steigt aber, weil das Pferd kontinuierlich Masse zulegt. Mit zwei Jahren liegt der Wachstumshöhepunkt hinter deinem Pferd, ab drei Jahren wächst es nur noch in die Breite und in die Tiefe. Der Eiweißbedarf bleibt erhöht, weil Muskeln, Sehnen und Bänder weiter aufgebaut werden. Mineralstoffe sind in jeder Wachstumsphase entscheidend, weil das Skelett kontinuierlich modelliert. Eine Bedarfsanalyse einmal jährlich per Blutbild lohnt sich, weil Über- und Unterversorgung gleichermaßen Schaden anrichten und sich oft erst Jahre später zeigen.

Welche Komponenten gehören in jede Ration?

Die Basis jeder Pferdefütterung ist hochwertiges Raufutter, also Heu oder im Sommer Weidegras. Pferde sind Dauerfresser, ihr Magen produziert auch in Ruhephasen Magensäure. Lange Fresspausen über vier Stunden begünstigen Magengeschwüre. Plane mindestens 1,5 bis 2,0 Kilogramm Heu pro 100 Kilogramm Körpermasse pro Tag, verteilt auf mehrere Mahlzeiten. Bei Jungpferden im Wachstum darfst du eher großzügig rechnen. Achte auf gute Heuqualität, also schimmelfrei, staubarm und mit ausgewogenem Verhältnis von Energie und Struktur. Ein Heucheck im Labor ist sinnvoll, weil Energie- und Eiweißgehalt je nach Schnitt, Region und Düngung stark variieren.

Kraftfutter ist nur dann nötig, wenn das Raufutter den Energie- oder Eiweißbedarf nicht deckt. Für viele Jungpferde reicht eine kleine Menge gequetschten Hafers oder spezielles Aufzuchtmüsli mit ausgewogenem Mineralstoffprofil. Mengen zwischen 0,5 und 2,0 Kilogramm pro Tag sind die Regel, immer in zwei bis drei kleinen Portionen. Mineralfutter ergänzt fehlende Spurenelemente, das tägliche Standardfutter reicht selten aus. Achte auf ein Aufzucht-Mineralfutter mit angepasstem Kalzium-Phosphor-Verhältnis von etwa 1,5 zu 1, ergänzt um Magnesium, Zink, Kupfer und Selen. Frisches Wasser muss jederzeit verfügbar sein, ein Jungpferd trinkt zwischen 20 und 50 Liter pro Tag. Mehr Detail zur Mengenplanung findest du in unserem Ratgeber Wie oft sollte man ein Pferd füttern.

Wie viel Eiweiß und welche Mineralstoffe braucht dein Jungpferd?

Der Eiweißbedarf eines wachsenden Pferdes liegt deutlich über dem eines erwachsenen Tieres. In den ersten zwölf Monaten brauchst du etwa 14 bis 16 Prozent Rohprotein in der Gesamtration, ab dem zweiten Lebensjahr reichen zwölf bis 14 Prozent, ab dem dritten Lebensjahr meist zehn bis zwölf Prozent. Wichtig ist nicht nur die Menge, sondern auch die Qualität. Lysin ist die limitierende Aminosäure, sie muss in ausreichender Menge enthalten sein, weil sonst die Eiweißsynthese stockt. Lupinen, Sojaextrakt, Leinsamen und Bierhefe sind gute Quellen. Mehr zu Eiweißquellen findest du in unserem Beitrag Eiweiß in der Pferdefütterung.

Die wichtigsten Mineralstoffe sind Kalzium, Phosphor, Magnesium, Zink, Kupfer und Selen. Kalzium und Phosphor sind die Bausteine des Knochens, ihr Verhältnis muss zwischen 1,5 zu 1 und 2 zu 1 liegen. Zu viel Phosphor stört die Kalziumaufnahme und kann Skelettprobleme auslösen. Zink und Kupfer sind essenziell für Sehnen, Hufe und Stoffwechsel, beide sind in vielen österreichischen Heuanalysen oft mangelhaft. Selen ist regional oft zu niedrig, gerade in Alpenregionen, eine Über- und Unterversorgung ist beide gefährlich. Vitamin A, D und E ergänzen das Bild, vor allem wenn dein Pferd wenig oder gar nicht auf der Weide steht. Eine Bedarfsanalyse über Blutbild und Heuanalyse ist die einzige seriöse Methode, um deine Ration zu planen. Mehr zu Vitaminen findest du im Ratgeber Vitamine Pferd.

Welche Fütterungsfehler treten in der Aufzucht am häufigsten auf?

Der häufigste Fehler ist Überfütterung mit Energie. Übermotivierte Halterinnen wollen das beste für ihr Jungpferd und füttern viel Hafer, Müsli oder Pellets. Das Pferd nimmt rasch zu, wirkt prächtig, doch im Inneren passiert eine Katastrophe. Wachstumsschübe überfordern Wachstumsfugen, Bänder und Sehnen, OCD und chronische Lahmheiten sind häufige Folgen. Studien aus den USA und Deutschland zeigen klar, dass Jungpferde mit moderater Energiezufuhr und langsamem, gleichmäßigem Wachstum gesünder altern und länger reitbar bleiben.

Zweiter Klassiker ist die Unterversorgung mit Mineralstoffen. Viele Halterinnen verzichten ganz auf Mineralfutter, weil sie denken, gutes Heu reicht. Tatsächlich enthält Heu in vielen Regionen Österreichs und Deutschlands zu wenig Zink, Kupfer und Selen, dazu kommt ein meist ungünstiges Kalzium-Phosphor-Verhältnis. Dritter Fehler ist die Fütterung von altem, schimmeligem oder schlecht gelagertem Heu. Schimmelpilze und Mykotoxine schaden Leber, Darm und Atemwegen. Vierter Fehler ist die zu seltene Fütterung. Pferde, die nur zweimal täglich Heu bekommen mit langen Pausen dazwischen, neigen zu Magengeschwüren. Fünfter Fehler ist die abrupte Futterumstellung. Plane jeden Wechsel über sieben bis zehn Tage, gib dem Mikrobiom im Dickdarm Zeit zur Anpassung. Sonst riskierst du Koliken, Durchfall und Stoffwechselentgleisungen.

Wie passt du die Fütterung an Zahnwechsel und Anreitezeit an?

Während des Zahnwechsels zwischen zweieinhalb und fünf Jahren kann dein Jungpferd Schmerzen beim Kauen haben. Achte besonders auf weiches Futter, gut strukturiertes Heu, eingeweichte Heucobs oder Mash bei Bedarf. Vermeide harte Pellets oder grobes Stroh, die das schmerzende Maul zusätzlich belasten. Wenn dein Pferd Heuwickel ausspuckt, langsamer kaut oder Gewicht verliert, lass das Maul tierärztlich kontrollieren. Mehr zum Thema findest du in unserem Beitrag zum Zahnwechsel Pferd.

In der Anreitezeit steigt der Energiebedarf moderat. Wenn du dein Jungpferd drei- bis viermal pro Woche kurz reitest, brauchst du in der Regel keine massive Aufstockung der Kraftfuttermenge, eine kleine Erhöhung um 0,3 bis 0,5 Kilogramm Hafer pro Tag reicht meist. Zu viel Energie macht das Pferd nervös und unkonzentriert, was die Anreitephase erschwert. Wichtig sind ausreichend Pausen zwischen Mahlzeit und Reiteinheit, mindestens 60 bis 90 Minuten. Reite niemals direkt nach einer großen Kraftfuttermahlzeit, weil das Magengeschwüre und Koliken begünstigen kann. Wenn du den Trainingsumfang über die Wochen erhöhst, passe die Ration langsam an. Mehr zur Trainingsplanung findest du in unserem Beitrag zum Jungpferd anreiten.

Wie unterscheidet sich die Fütterung verschiedener Rassen?

Rassen unterscheiden sich teils erheblich in Stoffwechsel, Wachstumstempo und Konstitution. Warmblüter und Sportpferdezuchten wachsen schnell und brauchen eine ausgewogene Ration mit moderater Energie und reichlich hochwertigem Eiweiß. Kaltblüter sind robuster, brauchen weniger Energie pro Kilogramm Körpermasse, aber im absoluten Bedarf große Mengen an Raufutter. Eine Überfütterung mit Kraftfutter ist bei Kaltblütern besonders riskant, weil sie zu Hufrehe und Stoffwechselstörungen neigen.

Iberische Rassen wie Andalusier, Lusitano und PRE sind oft leichtfuttrig, sie kommen mit wenig Kraftfutter aus und neigen zu Verfettung. Vollblüter und Vollblutaraber haben dagegen oft einen hohen Energieumsatz und benötigen mehr Energie pro Kilogramm. Ponys, Haflinger, Norweger und Shetlandponys sind sogenannte schwerfuttrige Robustpferde, die zu EMS (Equines Metabolisches Syndrom) und Hufrehe neigen. Für sie ist eine extrem zurückhaltende Kraftfutterfütterung wichtig, oft reicht gutes Heu mit wenig Energie und ein angepasstes Mineralfutter. Friesen sind langsamwachsende Spätreife, die in der Aufzucht behutsam gefüttert werden müssen, mit besonderem Augenmerk auf Eiweißqualität und Mineralstoffe. Sprich vor jedem Rationsplan mit einer auf Pferde spezialisierten Tierärztin oder Futterberatung. Eine geeignete Praxis findest du im Tierärzteverzeichnis von Go4Vet.

Welche Rolle spielt die Weide für die Aufzucht?

Die Weide ist das natürlichste Aufzuchtumfeld. Junge Pferde, die viel auf der Weide stehen, bewegen sich frei, lernen Sozialverhalten, bauen Knochen und Muskeln gleichmäßig auf und nehmen ein breites Nährstoffspektrum auf. Idealerweise stehen Jungpferde in Aufzuchtgruppen mit Gleichaltrigen, im Sommer ganztags auf der Weide, im Winter mit Auslauf und Heuzufütterung. Die Fohlen-Aufzucht in der Gruppe ist nachweislich der beste Weg für die mentale und körperliche Entwicklung.

Achte auf eine ausreichend große Weidefläche, mindestens 0,5 bis 1,0 Hektar pro Pferd, sauberes Wasser und ein sicherer Zaun. Im Frühjahr und Herbst kann der Zuckergehalt im Gras stark schwanken, was bei Pferden mit Hufrehe-Neigung problematisch ist. Eine angepasste Weidezeit, Weidemaul oder Auslaufpaddock mit Heunetz sind sinnvolle Maßnahmen. Im Winter brauchst du Heu nach Bedarf, idealerweise aus engmaschigen Heunetzen, die das Pferd zwingen, langsam zu fressen. Das schont Magen, Zähne und Stoffwechsel. Mineralfutter und Salzleckstein gehören auch im Winter zur Ration. Vermeide stark gedüngte Weiden mit hohem Fruktangehalt, gerade Robustrassen reagieren empfindlich.

Tierärztlicher Blick auf die Jungpferdefütterung

Aus tierärztlicher Sicht ist die Fütterungsphase zwischen sechs Monaten und vier Jahren die wichtigste Weichenstellung für die spätere Gesundheit deines Pferdes. Wir sehen in der Praxis täglich Pferde, deren Skelettprobleme, Hufprobleme und Stoffwechselstörungen ihre Ursache in einer falschen Aufzuchtfütterung haben. OCD, Hufrehe-Neigung, chronische Sehnenüberbelastung, EMS und PSSM sind oft direkte Folgen einer ungeeigneten Ration in den ersten Lebensjahren. Die gute Nachricht, mit fundierter Planung und regelmäßiger Kontrolle lassen sich die meisten dieser Probleme verhindern.

Wir empfehlen dir folgendes Vorgehen. Lass das Heu deiner Hauptfutterquelle einmal jährlich im Labor analysieren, plane gemeinsam mit deiner Tierärztin oder einer geprüften Futterberaterin eine bedarfsgerechte Ration, lass jährlich ein Blutbild mit Mineralstoffstatus erstellen, kontrolliere den Body Condition Score regelmäßig und passe die Ration an Wachstumstempo, Bewegung und Jahreszeit an. Achte besonders auf langsame Futterumstellungen, immer über sieben bis zehn Tage. Plane mehrere kleine Mahlzeiten statt zwei großen, biete jederzeit sauberes Wasser und qualitativ hochwertiges Raufutter. Bei Auffälligkeiten wie Wachstumsschüben, Lahmheit, Gewichtsverlust oder Verhaltensänderungen wendest du dich frühzeitig an deine Tierärztin. Eine Pferdekrankenversicherung kann dabei helfen, Diagnostik und Behandlung planbar zu halten. Mehr Infos findest du auf unserer Seite zur Pferdekrankenversicherung. Eine Praxis in deiner Nähe findest du im Tierärzteverzeichnis von Go4Vet.

Häufige Fragen zur Fütterung von Jungpferden

Wie viel Heu braucht ein Jungpferd pro Tag?
Plane mindestens 1,5 bis 2,0 Kilogramm Heu pro 100 Kilogramm Körpermasse pro Tag, verteilt auf mehrere Mahlzeiten. Ein 400-Kilogramm-Jungpferd braucht also sechs bis acht Kilogramm Heu täglich. Bei viel Bewegung oder kalter Witterung darfst du eher großzügig rechnen.
Soll ich meinem Jungpferd Hafer geben?
Hafer ist ein gut verdauliches, energiereiches Kraftfutter, ideal als Ergänzung in kleinen Mengen von 0,5 bis 1,5 Kilogramm pro Tag. Bei guter Heuqualität und mäßiger Bewegung reicht oft auch eine reine Heu-Mineralfutter-Ration. Sprich die Menge mit deiner Tierärztin ab.
Brauche ich ein spezielles Aufzucht-Mineralfutter?
Ja. Aufzucht-Mineralfutter ist auf den höheren Bedarf an Kalzium, Phosphor, Zink, Kupfer und Selen abgestimmt und hat ein günstiges Kalzium-Phosphor-Verhältnis von etwa 1,5 zu 1. Ein normales Erhaltungsfutter reicht für wachsende Pferde meist nicht aus.
Wie erkenne ich, ob mein Jungpferd richtig gefüttert ist?
Achte auf einen Body Condition Score zwischen vier und fünf von neun, glänzendes Fell, gute Hufqualität, gleichmäßiges Wachstum und stabile Sehnen. Ein jährliches Blutbild zeigt versteckte Mängel oder Überschüsse. Bei Wachstumsschüben oder Lahmheit sofort tierärztlich abklären lassen.
Was kostet die Fütterung eines Jungpferdes pro Monat in Österreich?
Die Futterkosten liegen in Österreich und Deutschland je nach Heuqualität, Region und Kraftfuttermenge meist zwischen 80 und 200 Euro pro Monat. Hochwertiges Mineralfutter und gelegentliche Heuanalysen sowie Blutbilder kommen einmalig oder jährlich dazu.
Darf mein Jungpferd den ganzen Tag auf der Weide stehen?
Ja, bei guter Weide und gesundem Pferd ist Ganztagsweide ideal. Achte auf Hufrehe-Risiken im Frühjahr und Herbst, biete im Sommer Schatten, sauberes Wasser und Mineralfutter. Robustrassen brauchen oft eingeschränkte Weidezeiten, weil sie schnell verfetten.

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