Ataxie beim Pferd

Kurz zusammengefasst

  • Ataxie ist eine neurologische Störung bei Pferden, die sich durch Bewegungskoordinationsschwierigkeiten manifestiert.
  • Symptome können wackeliges Gehen, Stolpern, unsichere Bewegungen, und veränderte Körperhaltung umfassen.
  • Die Therapie variiert je nach Ursache und Schweregrad der Ataxie und kann Medikamente, physiotherapeutische Übungen und Ernährungsumstellungen umfassen.

Medizinische Prüfung / Online Redaktion

Dr. Volker Moser
Dr. Volker Moser
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Nadja Sukalia
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Ataxie ist eine neurologische Störung, die durch Unkoordiniertheit und Gleichgewichtsverlust bei Pferden gekennzeichnet ist. Sie kann durch eine Vielzahl von Ursachen ausgelöst werden und reicht in ihrer Schwere von leicht bis schwer. Wie die Ataxie bei Pferden diagnostiziert und behandelt wird, erfahren Sie hier.

Was ist Ataxie beim Pferd?

Ataxie beim Pferd ist eine ernsthafte neurologische Erkrankung, die sich auf die Bewegungskoordination des Tieres auswirkt. Dieser Mangel an Kontrolle und Koordination kann sowohl an den Vorder- als auch an den Hinterbeinen auftreten. Die Ataxie wird oft als wackeliges oder unsicheres Gehen wahrgenommen, und in fortgeschrittenen Fällen kann es sogar dazu führen, dass das Pferd stolpert oder fällt.

 

 

Was genau ist Ataxie? 

Ataxie ist ein allgemeiner Begriff, der eine Gruppe von Störungen beschreibt, die die koordinierten Bewegungen eines Pferdes beeinträchtigen. Die Ataxie kann in drei Haupttypen unterteilt werden, die jeweils verschiedene Teile des Nervensystems betreffen: die spinale, zerebrale und zerebelläre Ataxie.

Spinale Ataxie

Diese Form der Ataxie betrifft das Rückenmark und die damit verbundenen Nervenbahnen. Eine Schädigung in diesem Bereich kann zu einer Beeinträchtigung der Signalübertragung zwischen Gehirn und Muskeln führen.

Zerebrale Ataxie

Bei der zerebralen Ataxie liegt das Problem im Großhirn. Das Pferd hat Schwierigkeiten, die Signale, die es von den Sinnesorganen erhält, korrekt zu interpretieren und darauf zu reagieren.

Zerebelläre Ataxie

Diese Art der Ataxie betrifft das Kleinhirn, den Teil des Gehirns, der für die Feinabstimmung von Bewegungen verantwortlich ist. Schäden in diesem Bereich können die Fähigkeit des Pferdes, seine Bewegungen zu koordinieren, ernsthaft beeinträchtigen.

Wie erkenne ich Ataxie bei einem Pferd?

Ataxie kann durch verschiedene Symptome erkannt werden, die sich in den Bewegungen und dem Verhalten des Pferdes manifestieren:

  • Das Pferd kann wackelig oder unsicher auf den Beinen erscheinen.
  • Es kann Schwierigkeiten haben, in die gewünschte Richtung zu gehen.
  • In schweren Fällen kann das Pferd sogar stolpern oder fallen.
  • Das Pferd kann ungleichmäßig oder asymmetrisch laufen, wobei ein Bein anders bewegt wird als das andere.
  • Ein ataktisches Pferd kann eine veränderte Körperhaltung haben, wie z. B. einen herabhängenden Kopf oder Schwanz.

Welche Symptome weist ein ataktisches Pferd auf?

Die Symptome können je nach Art der Ataxie variieren, aber im Allgemeinen umfassen sie:

  • Bewegungsstörungen (Balance, Gangart und Haltung)
  • Sensorische Störungen (abnorme Reaktion auf Berührungen, Schmerz oder Temperatur)
  • Verhaltensänderungen (z. B. erhöhte Ängstlichkeit oder Apathie)

Wie wird Ataxie festgestellt?

Um Ataxie bei einem Pferd festzustellen, führt der Tierarzt zunächst einfache Tests durch. Beispielsweise beobachtet er den Gang des Pferdes oder prüft, ob es Schwierigkeiten hat, seine Beine zu koordinieren. Diese ersten Anzeichen können Hinweise auf Ataxie liefern.

Die endgültige Diagnose erfordert jedoch eine gründlichere Untersuchung. Der Tierarzt wird die medizinische Vorgeschichte des Pferdes überprüfen und spezielle neurologische Tests durchführen. Dazu kann eine umfassende neurologische Untersuchung durchgeführt werden, die von einem Spezialisten (z. B. einem Tierneurologen) durchgeführt wird. In einigen Fällen können auch bildgebende Verfahren wie CT-Scans oder MRT-Untersuchungen erforderlich sein, um die genaue Ursache der Ataxie zu identifizieren.

Durch das sorgfältige Beobachten der Symptome und die systematische Diagnose können Pferdebesitzer und Tierärzte frühzeitig handeln, um das betroffene Pferd angemessen zu unterstützen und zu behandeln. Dies ist wichtig, um die Lebensqualität des Pferdes zu verbessern und mögliche weitere Schäden zu minimieren.

Was sind die Ursachen von Ataxie beim Pferd?

Ataxie beim Pferd kann verschiedene Gründe haben. Zum Beispiel können traumatische Verletzungen, insbesondere am Kopf oder Rücken, dazu führen, dass das Pferd Schwierigkeiten hat, sich zu bewegen und sich zu koordinieren. Auch bestimmte Virusinfektionen wie das West-Nil-Virus oder die Herpesvirus-Myeloenzephalopathie können dazu führen, dass das Pferd ataktisch wird.

Manchmal spielen auch genetische Faktoren eine Rolle. Bestimmte Pferderassen sind aufgrund ihrer Erbanlagen anfälliger für bestimmte Formen von Ataxie. Vergiftungen sind eine weitere mögliche Ursache. Wenn Pferde giftige Stoffe aufnehmen, sei es durch die Umwelt oder durch verunreinigte Nahrung, kann dies das Nervensystem beeinträchtigen und Ataxie verursachen.

Zusätzlich dazu gibt es degenerative Erkrankungen, die im Laufe der Zeit das Nervensystem schädigen und Ataxie auslösen können.

Die genaue Ursache von Ataxie kann jedoch nur von einem Tierarzt festgestellt werden. Je nach Ursache sind unterschiedliche Behandlungsansätze erforderlich, um dem betroffenen Pferd zu helfen.

Ist eine Vererbung der Ataxie möglich?

Kurz gesagt: Ja. Wie wir schon besprochen haben, gibt es bei einigen Pferderassen eine genetische Verbindung zu bestimmten Arten von Ataxie. Obwohl nicht jede Form von Ataxie vererbt wird, sollten Züchter sich diesen Aspekt bei Ihrer Zucht bedenken.  

Wie wird Ataxie beim Pferd diagnostiziert?

Wenn der Verdacht auf Ataxie bei einem Pferd besteht, ergreift der Tierarzt verschiedene Maßnahmen zur Diagnose. Zunächst wird eine ausführliche Anamnese durchgeführt, bei der der Tierarzt Informationen zur Vorgeschichte des Pferdes sammelt. Dazu gehören Angaben zu Symptomen, Alter, Rasse, Ernährung und möglichen Risikofaktoren. Anschließend erfolgt eine gründliche körperliche Untersuchung des Pferdes, um offensichtliche Auffälligkeiten zu identifizieren. Dabei achtet der Tierarzt auf Veränderungen im Verhalten und in der Bewegung des Pferdes.

 

 

Um das Nervensystem des Pferdes genauer zu bewerten, werden spezifische neurologische Tests durchgeführt. Hierbei können Bewegungstests und Reaktionstests eingeschlossen sein. Je nach Bedarf werden bildgebende Verfahren wie Röntgenaufnahmen, Ultraschall, CT oder MRT verwendet, um eine genauere Diagnose zu ermöglichen. Diese Untersuchungen helfen dabei, eventuelle innere Probleme im Körper des Pferdes sichtbar zu machen. Zusätzlich zu diesen Schritten können Labortests wie Blutuntersuchungen und die Analyse der Hirn-Rückenmarksflüssigkeit (Liquor) durchgeführt werden. Diese spezialisierten Tests können helfen, die genaue Ursache der Ataxie zu identifizieren.

Einfacher Test bei Verdacht auf Ataxie – Was kann ich selbst tun?

Falls Sie Anzeichen von Ataxie bei Ihrem Pferd bemerken, sollten Sie sofort einen Tierarzt aufsuchen. Ein einfacher Test, den Sie durchführen können, besteht darin, Ihr Pferd geradeaus laufen zu lassen und auf Anzeichen einer gestörten Koordination zu achten. Dies ersetzt jedoch keinesfalls eine professionelle Untersuchung.

Therapie ataktischer Pferde – Was tun bei Ataxie beim Pferd?

Die Behandlung der Ataxie richtet sich nach der Ursache und dem Schweregrad der Erkrankung. Der Tierarzt kann z. B. verschiedene Medikamente zur Kontrolle von Schmerzen, Entzündungen oder Infektionen verordnen. Physiotherapeutische Übungen können helfen, die Mobilität und Balance des Pferdes zu verbessern. Zusätzlich kann auch eine Ernährungsumstellung notwendig sein. 

Homöopathie und Physiotherapie als Unterstützung der Behandlung

Einige Pferdebesitzer wählen komplementäre Therapieformen wie Homöopathie und Physiotherapie in Absprache mit dem behandelnden Tierarzt. Diese Therapieansätze können die konventionelle Behandlung unterstützen, sollten jedoch niemals als alleinige Behandlungsoption betrachtet werden. 

Ataxie bei jungen Pferden – Gibt es Unterschiede?

Ataxie kann bei jungen Pferden aus verschiedenen Gründen auftreten, und ihre Anzeichen und Behandlung können sich von denen bei älteren Pferden unterscheiden. Bei jungen Pferden wird Ataxie oft durch genetische Faktoren oder Entwicklungsstörungen verursacht. Obwohl die Symptome ähnlich sein können, können die Auswirkungen auf das Wachstum und die Entwicklung des Pferdes schwerwiegender sein. Daher muss die Behandlung besonders sorgfältig angepasst werden, um die Fortschritte im Wachstum und der Entwicklung des jungen Pferdes zu berücksichtigen.

Pferdekauf trotz Ataxie – Ist das möglich und worauf sollte man achten?

Ein Pferd mit Ataxie zu kaufen, ist möglich. Jedoch sollte die Entscheidung sorgfältig überlegt sein. Informieren Sie sich genau über den Zustand des Pferdes. Sie sollten herausfinden, warum das Pferd Ataxie hat und wie schwerwiegend die Symptome sind. Außerdem sollten Sie darüber nachdenken, wofür Sie das Pferd verwenden möchten. Denn die Ataxie könnte die Fähigkeit des Pferdes in bestimmten Aktivitäten beeinträchtigen. Bedenken Sie auch, dass die Versorgung eines Pferdes mit Ataxie zusätzliche medizinische Kosten mit sich bringen kann. Bevor Sie den Kauf abschließen, sollten Sie den Kaufvertrag sorgfältig überprüfen und darauf achten, ob alle relevanten Informationen zur Ataxie des Pferdes darin enthalten sind. 

Ist ein Pferd trotz Ataxie weiterhin reitbar?

Ob ein Pferd mit Ataxie noch geritten werden kann, hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab. Zuerst einmal spielt die Schwere der Ataxie eine wichtige Rolle. Bei milden Fällen gibt es manchmal noch Hoffnung, dass das Pferd geritten werden kann, aber es kann sein, dass gewisse Einschränkungen nötig sind. Manchmal kann Reiten sogar Teil der Therapie sein, allerdings sollte das immer unter der Anleitung eines Tierarztes oder Physiotherapeuten geschehen. Das Wichtigste ist jedoch immer die Sicherheit sowohl des Reiters als auch des Pferdes. Bei schwerer Ataxie ist das Reiten normalerweise keine gute Idee.

Besonders wenn es um junge Pferde geht oder wenn Sie erwägen, ein Pferd mit Ataxie zu kaufen, gibt es besondere Herausforderungen. Die beste Entscheidung kann nur getroffen werden, wenn die individuelle Situation des Pferdes sorgfältig bewertet wird. In diesem Prozess ist die Zusammenarbeit mit einem erfahrenen Tierarzt absolut unerlässlich.

Fazit

Die Ataxie beim Pferd ist eine ernste und oft herausfordernde Erkrankung, die ein hohes Maß an Verständnis und Aufmerksamkeit sowohl von Tierärzten als auch von Pferdehaltern erfordert. Durch aufmerksame Beobachtung, rechtzeitige Diagnose und eine umfassende, individuell abgestimmte Behandlung können viele Pferde ein erfülltes und komfortables Leben führen.

Für alle, die mit einem an Ataxie erkrankten Pferd leben oder arbeiten, ist die kontinuierliche Zusammenarbeit mit einem erfahrenen Tierarzt und anderen Fachleuten der Schlüssel zum Erfolg. Die stetige Weiterbildung und das Bewusstsein für die neuesten Forschungsergebnisse und Behandlungsmethoden tragen dazu bei, das Wohl der Pferde zu wahren und ihr Potenzial voll auszuschöpfen.

Medizinische Qualitätsprüfung

Medizinischer Experte

Dr. med. vet. Volker Moser, studierte an der Veterinär-Universität Wien und schrieb seine Dissertation auf dem Gebiet Molekularmedizin (Tumorgenetik). Seit 1997 arbeitet Dr. Moser als selbstständiger Tierarzt im Bereich der Kleintiermedizin, Wiederkäuer- und Pferdemedizin. Zahlreiche Fort- und Zusatzausbildungen und seine ständige Mitarbeit in diversen Kleintierkliniken und -praxen runden seine jahrelange Berufspraxis ab. Dr. Moser engagiert sich seit 1998 in der ÖTK und VÖK und ist seit 2021 Generalsekretär bei UEVP (Union of European Veterinary Practitioners). Er ist Autor zahlreicher wissenschaftlicher und klinischer Publikationen in Fachzeitschriften.
Zuletzt geändert: November 17, 2023

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