Schildkröte Ernährung: Was darf die Landschildkröte fressen?
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Die Schildkröten Ernährung ist die wichtigste Stellschraube für ein langes, gesundes Reptilienleben in Österreich und Deutschland. Wer eine europäische Landschildkröte hält (Griechische, Maurische, Breitrandschildkröte oder Vierzehenschildkröte), muss verstehen, dass die Tiere in der Natur ausschließlich rohfaserreiche, kalziumreiche und eiweißarme Wildkräuter und Wiesenpflanzen fressen. Eine falsche Fütterung mit Salat aus dem Supermarkt, Obst, Gemüse oder gar Hundefutter führt langfristig zu Höckerbildung am Panzer, Nierenversagen, Gicht, Leberverfettung und einem viel zu schnellen Wachstum mit weichen Knochen. In diesem ausführlichen Ratgeber für Halterinnen und Halter aus Österreich und Deutschland erfährst du genau, was deine Landschildkröte fressen darf, was tabu ist, wie viel sie braucht, wie du Wildkräuter sicher sammelst und wie du im Winter und in der Aufzuchtphase richtig fütterst. Der Inhalt ist tierärztlich überprüft und folgt den aktuellen Empfehlungen der reptilienkundigen Tiermedizin sowie der Schildkröten-Schutzgemeinschaften in Europa.
Goldene Regel der Schildkröten-Ernährung
Europäische Landschildkröten fressen in der Natur Wildkräuter, Gräser, Blüten und Blätter, kein Obst, kein Gemüse, kein Salat aus dem Beet und keine tierischen Eiweiße. Faustregel für Halter in Österreich und Deutschland: Mindestens 90 Prozent der Tagesration sollten aus frischen oder getrockneten Wildkräutern bestehen, das Kalzium-Phosphor-Verhältnis im Futter sollte bei zwei zu eins oder besser liegen. Falsche Fütterung ist die häufigste vermeidbare Krankheitsursache beim Reptil.
Was frisst eine Landschildkröte in der Natur wirklich?
Europäische Landschildkröten leben in trockenen, kargen Habitaten rund um das Mittelmeer, etwa in der Toskana, im Süden Spaniens, auf dem Balkan oder in Nordafrika. Dort wandern sie über Magerwiesen, durch Macchia und durch felsige Hänge und fressen Wildkräuter, Gräser, frische Blüten, Blattknospen und gelegentlich vertrocknete Pflanzenreste. Tierisches Eiweiß spielt in der natürlichen Ernährung praktisch keine Rolle, höchstens einmal nehmen die Tiere ein Insekt oder Schneckenstück mit auf, aber das ist ein Zufallsfund und kein gezielter Nahrungsteil.
Die natürliche Nahrung ist energiearm, ballaststoffreich und reich an Mineralstoffen, vor allem Kalzium. Genau das fehlt dem Salat aus dem Supermarkt komplett. Eine Hand voll Eisbergsalat hat fast kein Kalzium, kaum Rohfaser und einen ungünstigen Phosphor-Anteil, das führt bei langfristiger Fütterung zu Mangelerscheinungen, weichem Panzer und Stoffwechselstörungen. Wer seine Landschildkröte artgerecht ernähren will, denkt deshalb nicht an Garten- oder Küchenpflanzen, sondern an Wildkräuter und Wiese.
Auch das Trinkverhalten ist anders als bei Säugetieren. Landschildkröten trinken regelmäßig, aber wenig, sie nehmen viel Flüssigkeit über das frische Futter und über lauwarme Bäder auf. In trockenen Phasen reduzieren sie Stoffwechsel und Aktivität. Wenn du die Wildkräuter frisch und leicht feucht anbietest, deckst du den Wasserbedarf zu einem großen Teil mit. Mehr zur tiergerechten Haltung findest du im Ratgeber Landschildkröte halten.

Welche Wildkräuter sind erlaubt und sinnvoll?
Die Liste sicherer Wildkräuter für europäische Landschildkröten ist lang und vielfältig. Zu den Klassikern gehören Löwenzahn (Blätter, Blüten und Stängel), Spitzwegerich, Breitwegerich, Wegmalve, Vogelmiere, Brennnessel (am besten leicht angewelkt), Gänseblümchen, Klee in Maßen, Schafgarbe, Wiesen-Labkraut, Kletten-Labkraut, Wilde Malve, Hirtentäschel, Beifuß, Sauerampfer in kleinen Mengen, Wiesen-Pippau, Wegwarte und Distelarten. Auch Blüten von Hibiskus, Kapuzinerkresse, Ringelblume, Stiefmütterchen, Rosen (ungespritzt) und Lavendel werden gern genommen.
Im Garten lassen sich viele dieser Pflanzen gezielt aussäen, etwa über Schildkröten-Wildkräuterwiesen-Saatmischungen, die im Fachhandel in Österreich und Deutschland erhältlich sind. Wer im urbanen Raum lebt und keinen Wildkräutergarten hat, kann auf getrocknete Wiesenheu-Mischungen für Schildkröten zurückgreifen. Diese sind kalziumreich, lange haltbar und ein guter Notvorrat für Wintertage oder Reisen.
Beim Sammeln gilt die Drei-Punkte-Regel: nicht direkt am Straßenrand sammeln (Abgase und Streusalz), nicht in landwirtschaftlich gespritzten Flächen sammeln (Pestizide und Düngerrückstände) und nicht in Hundeauslaufzonen sammeln (Parasiten und Bakterien). Besonders sicher sind Wiesen im eigenen Garten, ungespritzte Streuobstwiesen und ausgewiesene Naturwiesen abseits von Straßen.
Was darf die Schildkröte nur in Maßen oder gar nicht fressen?
Strikt verboten sind alle tierischen Eiweißquellen, also Hundefutter, Katzenfutter, Käse, Milch, Joghurt, Eier, Fleisch und Wurst. Diese Lebensmittel führen zu massiver Belastung von Niere und Leber, zu Gicht und zu unkontrolliertem Wachstum mit dauerhaften Panzerschäden. Auch Brot, Kekse, Müsli, Nudeln, Reis und alle Backwaren haben in einer Schildkröten-Ernährung nichts verloren, sie sind kohlenhydratreich und kalziumarm.
Obst sollte maximal als seltene Ausnahme angeboten werden, vielleicht ein kleines Stück reife Erdbeere oder eine halbe Feige im Sommer, mehr nicht. Der Fruchtzucker fördert Hefepilze im Darm und kann Durchfall auslösen. Auch Tomate, Paprika, Gurke, Zucchini, Karotte, Kohlrabi, Sellerie und Salate aus dem Supermarkt (Eisberg, Kopfsalat, Endivien, Romana) sind keine echten Schildkröten-Lebensmittel, sondern Notlösungen, wenn gar nichts anderes verfügbar ist. Sie sollten nicht regelmäßig auf dem Speiseplan stehen.
Giftige Pflanzen, die du absolut meiden musst, sind Eibe, Oleander, Goldregen, Maiglöckchen, Tulpen, Rhododendron, Lupine, Buchsbaum, Efeu, Thuja, Eisenhut, Fingerhut, Herbstzeitlose, Avocado-Blätter und alle Nachtschattengewächse (rohe Kartoffel, Tomatenblätter, Auberginenpflanze). Auch Spinat und Mangold sollten wegen des hohen Oxalsäuregehalts nur in winzigen Mengen oder gar nicht gefüttert werden, sie binden Kalzium und fördern Nierensteine.
Wie viel und wie oft solltest du füttern?
Erwachsene europäische Landschildkröten brauchen weniger Futter, als viele denken. Eine Faustregel sagt, dass die Tagesration etwa der Größe des Kopfes entspricht. Bei adulten Tieren reicht eine Hauptmahlzeit am Vormittag, an heißen Tagen kann eine kleine Nachmittagsration dazukommen. Es ist gesund, ein bis zwei Fastentage pro Woche einzuplanen, das entspricht der natürlichen Nahrungsverfügbarkeit im Mittelmeerraum.
Jungtiere und Schlüpflinge brauchen täglich frisches Wildkrautfutter, weil sie schnell wachsen. Aber auch hier gilt: lieber kleinere Portionen über den Tag verteilt als eine große Schale auf einmal. Zu reichliche und zu eiweißreiche Aufzuchtfütterung führt zu Höckerwachstum am Panzer, das ist irreversibel und ein klares Zeichen für jahrelange Fehlernährung. Wachstumsringe am Carapax sollten flach sein, nicht aufgeworfen.
Die Tagesmenge richtet sich nach Aktivitätsphase und Temperatur. In der Hauptaktivitätszeit von Mai bis September fressen die Tiere regelmäßig, vor und nach der Winterstarre reduziert sich das Fressverhalten deutlich. Drei bis vier Wochen vor der Winterstarre wird die Fütterung schrittweise reduziert, dann ganz eingestellt, damit der Magen-Darm-Trakt vor dem Abkühlen leer ist.
Wie ergänzt du Kalzium und Mineralien sinnvoll?
Kalzium ist für Landschildkröten der zentrale Baustoff, sowohl für Panzer als auch für Skelett und Eierschalen bei Weibchen. Auch wenn dein Wildkräuterfutter schon kalziumreich ist, brauchst du eine zusätzliche Quelle in Form von Sepiaschulp, Kalkstein, Eierschale (gewaschen, getrocknet, gemörsert) oder kommerziellem Kalziumpulver für Reptilien. Ein flacher Schalenrand mit Sepia steht dauerhaft im Gehege, die Tiere bedienen sich nach Bedarf.
Vitamin D3 produziert die Schildkröte selbst, wenn sie unter UV-B-Strahlung sonnt, entweder echte Sonne im Freilandgehege oder eine geeignete UV-B-Lampe im Frühbeet. Ohne UV-B kann das Kalzium nicht in den Knochen eingebaut werden, das führt zu Rachitis und weichem Panzer. Eine Vitamin-Überdosierung über das Futter ist riskant, deshalb verzichtest du auf hochdosierte D3-Präparate, wenn die Beleuchtung stimmt.
Sinnvoll sind außerdem Spurenelemente aus mineralreichen Erden wie roter Heilerde oder gemahlenem Kalkstein, die du in kleinen Mengen über das Futter streust. Eine permanente Wasserschale mit lauwarmem Trinkwasser, in der die Tiere auch baden können, gehört zur Grundausstattung. Bade dein Tier zusätzlich zwei bis dreimal pro Woche zehn bis fünfzehn Minuten in lauwarmem Wasser, das fördert Verdauung, Häutung und Wasseraufnahme.

Wie unterscheidet sich die Fütterung im Sommer und vor der Winterstarre?
Im Frühjahr nach der Winterstarre brauchen Landschildkröten leichte, ballaststoffreiche Kost, um den Stoffwechsel langsam wieder hochzufahren. Beginne mit kleinen Mengen Wildkräuter und biete täglich ein lauwarmes Bad an, damit die Tiere trinken und ihre Darmtätigkeit anregen können. In den ersten Wochen frisst die Schildkröte oft wenig, das ist normal.
Im Sommer bei voller Aktivität ist der Bedarf am höchsten. Du fütterst täglich frische Wildkräuter, achtest auf abwechslungsreiche Auswahl und sorgst für Schatten, Wasserstelle und Sonnenplätze. An sehr heißen Tagen reduzieren die Tiere von selbst die Aktivität, das ist gesund.
Vor der Winterstarre, in der Regel im Oktober und November in Österreich und Deutschland, wird die Futtermenge reduziert. Etwa drei Wochen vor dem Einwintern stellst du das Futter ganz ein, bietest aber weiter Wasser an. Der Magen-Darm-Trakt muss leer sein, sonst gärt es während der Winterstarre und führt zu schweren Erkrankungen. Wer unsicher ist, holt vor der ersten Überwinterung tierärztlichen Rat ein, mehr dazu im Ratgeber Schildkröten-Krankheiten.
Welche Fütterungs-Fehler musst du unbedingt vermeiden?
Die typischen Fehler in deutschen und österreichischen Haushalten sind sehr ähnlich. An erster Stelle steht die zu eiweißreiche Aufzuchtfütterung mit Trockenpellets, Hundefutter oder häufigem Obst, was zu Höckerpanzer und schnellem Wachstum führt. Ein zweiter Klassiker ist die einseitige Salat-Tomate-Gurke-Kost aus dem Supermarkt, die zu Kalziummangel und weichen Panzern führt. Auch das ständige Anbieten von Erdbeeren, Bananen und Melonen, weil die Tiere das gerne fressen, ist ein Klassiker, der zu Durchfall und Hefe-Überwucherung im Darm führt.
Ein häufiger Fehler ist auch die unzureichende Kalziumversorgung, etwa weil keine Sepia angeboten wird oder weil das Tier ohne UV-B-Strahlung gehalten wird. Ohne UV-B kann selbst kalziumreiches Futter nicht verarbeitet werden. Auch zu viel Wasser im Futter, etwa durch reichlich Tomate, Gurke und Salat, kann den Wasserhaushalt durcheinanderbringen, weil die Tiere an karge Bedingungen angepasst sind.
Schließlich passieren Fehler beim Sammeln. Wer Wildkräuter direkt am Straßenrand, an Hundewiesen oder in gespritzten Feldern erntet, schleppt Pestizide, Schwermetalle und Parasiten ein. Auch giftige Pflanzen werden manchmal versehentlich mitgesammelt, etwa wenn Hahnenfuß oder Jakobskreuzkraut zwischen den Wildkräutern wachsen. Wer unsicher ist, kauft kontrollierte Wildkräuter-Saatmischungen und legt eine eigene Schildkröten-Wiese im Garten an.
Der tierärztliche Blick: Was sagt die reptilienkundige Tierärztin?
Aus reptilienmedizinischer Sicht entstehen die meisten chronischen Erkrankungen bei europäischen Landschildkröten durch jahrelange Fehlernährung. Höckerpanzer, weiche Schale, Nierengicht, Eilegestörungen und Leberverfettung sind keine Schicksalsschläge, sondern fast immer Folge falscher Fütterung in der Wachstumsphase. Wer von Anfang an konsequent Wildkräuter, Sepia, ausreichend UV-B und eine kühle Winterstarre einhält, hat ein robustes Tier mit einer Lebenserwartung von siebzig bis hundert Jahren.
Aus Sicht der Tierärztin ist die jährliche Vorsorge wichtig. Eine Kotuntersuchung auf Würmer und Kokzidien einmal im Jahr, eine Sichtkontrolle des Panzers und der Augen, eine Wiegung mit Längenvermessung (Jackson-Ratio) und ein Blick auf die Schnabel- und Krallenstruktur reichen aus, um Probleme früh zu erkennen. Vor der Winterstarre sollte ein Pre-Hibernation-Check stattfinden, der sicherstellt, dass das Tier in gutem Zustand einwintert.
Hands-on-Tipp: Lege ein Futtertagebuch an. Notiere für vier Wochen, was deine Schildkröte täglich frisst. Du wirst überrascht sein, wie schnell sich Lieblingsnahrung einschleicht und Vielfalt verloren geht. Mit einer Liste von zwanzig sicheren Wildkräutern, die du saisonal rotierst, deckst du den Bedarf zuverlässig ab. Mehr Hintergrund findest du in unserer Exoten-Übersicht sowie im Schwesterartikel Bartagame halten, der die Unterschiede in der Reptilienfütterung zeigt.
Ein weiterer Punkt aus der Praxis ist die Anpassung der Fütterung an die individuelle Aktivität deines Tieres. Schildkröten in einem großen, naturnahen Freilandgehege mit echter Sonne, viel Bewegung und vielfältiger Vegetation regulieren ihren Energiebedarf ganz von selbst. Tiere in zu engen, reizarmen Innenhaltungen werden oft zu fett, weil sie die natürliche Aktivität nicht ausleben können. Wenn du also bemerkst, dass dein Tier sehr schwer wird oder die Hautfalten am Hals und an den Beinen wulstig erscheinen, ist nicht nur die Futtermenge, sondern auch die Haltung zu überprüfen.
Aus tiermedizinischer Sicht ist außerdem die Sommer-Außenhaltung der entscheidende Faktor für gesunde europäische Landschildkröten. Die echte Sonne bietet das volle UV-Spektrum, das keine Lampe vollständig ersetzen kann, und die natürlichen Wildkräuter im Garten liefern die Vielfalt, die du im Innenterrarium kaum nachstellen kannst. Wenn du in Österreich oder Deutschland einen Garten hast, plane ein eingezäuntes Schildkrötengehege mit Frühbeet als Sonnenfalle, mit kühlen Rückzugsbereichen und mit einer mehrjährigen Wildkräuterwiese. Diese Investition zahlt sich in einem langen, gesunden Schildkrötenleben aus.
Häufige Fragen zur Schildkröten-Ernährung
Quellen
MSD Veterinary Manual: Nutrition of Reptiles. (2024) (letzter Zugriff: 2.5.2026)
Vetmeduni Wien: Klinik für Kleintiere und Heimtiere (Reptilien). (2025) (letzter Zugriff: 2.5.2026)
Donoghue S: Nutrition of Pet Reptiles. PubMed (2017) (letzter Zugriff: 2.5.2026)
Österreichische Tierärztekammer: Reptilien-Empfehlungen. (2025) (letzter Zugriff: 2.5.2026)
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