Hund frisst Kot: Ursachen und wie du es ihm abgewöhnst
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Wenn dein Hund Kot frisst, ist das für dich eklig, für ihn aber oft ganz normales Verhalten mit einer erklärbaren Ursache. Der Fachbegriff dafür lautet Koprophagie, und sie reicht vom harmlosen Erkundungsverhalten eines Welpen über Langeweile und Stress bis zu ernsten medizinischen Gründen wie einem Enzymmangel oder einem Parasitenbefall. Genau deshalb ist die wichtigste Regel: Bevor du deinem Hund das Kotfressen abgewöhnst, klärst du mit deinem Tierarzt ab, ob eine körperliche Ursache dahintersteckt, denn gegen einen unerkannten Verdauungs- oder Stoffwechseldefekt hilft kein Training.
Das Wichtigste in Kürze
- Kotfressen kann unterschiedliche Ursachen haben und ist nicht automatisch ein Zeichen für eine Erkrankung. Beginnt ein erwachsener Hund plötzlich damit oder zeigt weitere Beschwerden, sollte die Ursache tierärztlich abgeklärt werden.
- Durch fremden Kot können Hunde Krankheitserreger und bestimmte Parasiten aufnehmen. Auch Pferdeäpfel können nach einer Behandlung des Pferdes mit bestimmten Entwurmungsmitteln ein Gesundheitsrisiko darstellen.
- Belohne deinen Hund dafür, Kot liegen zu lassen, und trainiere ein zuverlässiges Abbruch- oder Umorientierungssignal. Bestrafung ist dagegen keine sinnvolle Trainingsmethode.
- Leine und ein gut sitzender Korbmaulkorb können verhindern, dass dein Hund unterwegs Kot aufnimmt. Sie dienen als Management, während du parallel am Verhalten arbeitest.
Hund frisst Kot: Was steckt dahinter?
Dein Hund frisst Kot aus einem von drei großen Gründen, und häufig spielen mehrere zusammen. Die erste Gruppe ist natürliches Verhalten. Welpen erkunden ihre Welt über das Maul und probieren dabei auch Kot, das legt sich meist von selbst. Hündinnen fressen in den ersten Lebenswochen den Kot ihrer Welpen, um das Nest sauber zu halten, das ist ein angeborenes Fürsorgeverhalten. Auch der Kot anderer Arten, besonders von Pferden, Wild und Katzen, riecht für viele Hunde schlicht attraktiv, weil er unverdaute Nährstoffe enthält. Diese Vorliebe ist ein Erbe der Vorfahren und für sich genommen kein Krankheitszeichen.
Kotfressen ist bei Hunden keineswegs selten. In einer großen Befragungsstudie hatten 16 Prozent der untersuchten Hunde wiederholt Kot anderer Hunde gefressen, wobei sich die Vorliebe deutlich auf frischen Kot konzentrierte.
Die zweite Gruppe sind verhaltensbedingte Ursachen. Dein Hund frisst Kot dann nicht aus einem körperlichen Defizit, sondern weil Langeweile, zu wenig geistige und körperliche Auslastung, Stress oder der Wunsch nach Aufmerksamkeit dahinterstecken. Auch viele gesunde Vierbeiner fressen Kot schlicht aus einer erlernten Gewohnheit heraus. Manche Hunde haben außerdem gelernt, ihren eigenen Kot schnell zu beseitigen, weil sie früher bei der Stubenreinheitserziehung für ein Missgeschick geschimpft wurden, sie fressen die Beweise aus Angst weg. Die dritte Gruppe sind medizinische Ursachen, und die gehören immer ausgeschlossen. Dazu zählen ein Mangel an Verdauungsenzymen wie bei der exokrinen Pankreasinsuffizienz, ein Parasitenbefall, eine gestörte Nährstoffaufnahme, eine Mangelernährung sowie Erkrankungen mit gesteigertem Hunger wie eine Schilddrüsen- oder Nebennierenstörung. Wenn dein bislang unauffälliger Hund plötzlich Kot frisst, ist das ein Grund, den Tierarzt aufzusuchen.
Wann man zuerst zum Tierarzt gehen sollte
Ein Tierarztbesuch steht am Anfang, wenn dein erwachsener Hund neu und plötzlich mit dem Kotfressen beginnt, wenn er dabei abnimmt, Durchfall, einen aufgeblähten Bauch oder stumpfes Fell zeigt, oder wenn er trotz normaler Fütterung ständig hungrig wirkt. Nimm zum Termin nach Rücksprache mit deinem Tierarzt eine Kotprobe mit. Damit lassen sich unter anderem bestimmte Parasiten untersuchen. Bei Verdacht auf Erkrankungen wie eine exokrine Pankreasinsuffizienz sind zusätzliche Untersuchungen, insbesondere Bluttests, erforderlich. Erst wenn eine körperliche Ursache ausgeschlossen oder behandelt ist, ergibt das Verhaltenstraining wirklich Sinn.
Wann ist Kotfressen normal und wann ein Warnsignal?
Bei Welpen bis etwa zum sechsten Lebensmonat ist gelegentliches Kotfressen weit verbreitet und meist unbedenklich, solange der Welpe gesund ist, gut zunimmt und entwurmt wird. Viele Welpen wachsen aus dem Verhalten heraus, wenn du es ruhig managst, ohne ein großes Drama daraus zu machen. Auch das Fressen von Pferdeäpfeln oder Wildkot bei einem ansonsten kerngesunden erwachsenen Hund ist zunächst ein Verhaltens- und kein Krankheitsthema, birgt aber die weiter unten beschriebenen Gesundheitsrisiken und sollte deshalb trotzdem abtrainiert werden. Wie du deinem Welpen von Anfang an gute Gewohnheiten mitgibst, liest du im Ratgeber zum Welpen erziehen.
Zum Warnsignal wird Kotfressen, wenn es plötzlich bei einem erwachsenen Hund auftritt, wenn es von Verdauungsbeschwerden begleitet wird oder wenn dein Hund vor allem den eigenen Kot frisst und dabei auffällig hungrig ist. Das kann auf einen Enzym- oder Nährstoffmangel hindeuten, bei dem der Körper zu wenig aus dem Futter zieht und der Hund den eigenen, noch nährstoffhaltigen Kot wieder aufnimmt. In solchen Fällen ist das Verhalten ein Symptom, kein Ungehorsam. Beobachte deinen Hund genau und achte darauf, wann und welchen Kot er frisst, denn diese Beobachtungen helfen deinem Tierarzt bei der Einordnung und nehmen dir unnötige Sorgen. Wenn dein Hund Kot frisst, ist dieses Protokoll oft der schnellste Weg zur richtigen Ursache. Frisst dein Hund Kot nur draußen und gezielt den von Pferden oder Wild, während er zu Hause unauffällig ist, spricht das eher für eine reine Vorliebe als für eine Erkrankung.

Welche gesundheitlichen Risiken hat Koprophagie?
Auch wenn Kotfressen oft harmlose Ursachen hat, ist es gesundheitlich nicht ohne. Fremder Kot ist einer der häufigsten Übertragungswege für Parasiten. Fremder Kot kann Krankheitserreger und Parasiten enthalten. Hunde können beispielsweise über kontaminierten Kot Giardien oder bestimmte Wurmstadien aufnehmen, wobei das konkrete Infektionsrisiko davon abhängt, von welcher Tierart der Kot stammt und um welchen Erreger es sich handelt. Wenn dein Hund regelmäßig fremden Kot frisst, sprich mit deinem Tierarzt über ein sinnvolles Entwurmungsintervall und über Kotuntersuchungen.
Ein besonders unterschätztes Risiko sind Pferdeäpfel. Pferde werden regelmäßig entwurmt und erhalten teils weitere Medikamente, deren Rückstände über den Kot ausgeschieden werden. Manche Wirkstoffe, etwa bestimmte Entwurmungsmittel oder entzündungshemmende Medikamente, können für Hunde in größerer Menge unverträglich oder sogar giftig sein. Frisst dein Hund frische Pferdeäpfel von einem kürzlich behandelten Pferd, kann das zu Vergiftungserscheinungen führen. Zeigt dein Hund nach dem Fressen von Kot Symptome wie Erbrechen, Durchfall, Zittern, Speicheln oder Teilnahmslosigkeit, bring ihn umgehend zum Tierarzt oder in den tierärztlichen Notdienst. Für solche Situationen lohnt es sich, gut vorbereitet zu sein, wie im Ratgeber zum Erste-Hilfe-Set für Hunde beschrieben.
Wie gewöhnt man seinem Hund das Kotfressen ab?
Sobald deine Tierärztin oder dein Tierarzt mögliche medizinische Ursachen abgeklärt hat, geht es ans Training, und das setzt auf Belohnung statt auf Strafe. Wenn Hunde Kot fressen, ist konsequentes Üben mit klaren Signalen wirksamer als jedes Verbot. Der Kern ist ein zuverlässiges Anti-Fress-Signal in Verbindung mit dem Tausch-Prinzip. Bring deinem Hund bei, dass sich Verzicht lohnt: Immer wenn er im Freien etwas Interessantes am Boden findet und sich zu dir orientiert, statt es zu fressen, gibt es von dir ein besonders gutes Leckerli. So lernt dein Hund, dass ein Blick zu dir wertvoller ist als der Kot am Boden. Übe außerdem ein klares Abbruchsignal wie „Pfui“ oder „Aus“, das du zunächst in leichten Situationen aufbaust und mit einer Belohnung für das Ablassen verknüpfst. Ein sauber trainiertes Abbruch- und Umorientierungssignal aus den grundlegenden Hundekommandos ist dafür die Basis.
Genauso wichtig ist ein guter Rückruf, damit du deinen Hund abrufen kannst, bevor er den Kot überhaupt erreicht. Wie du diesen aufbaust, erklärt der Ratgeber dazu, was du tun kannst, wenn dein Hund nicht hört und der Rückruf trainiert werden muss. In der Übergangszeit arbeitest du zusätzlich mit Management: In Gebieten mit vielen Pferdeäpfeln oder Wildkot führst du deinen Hund an der Leine und hältst Abstand zu bekannten Fundstellen. Sorge parallel für mehr Auslastung, denn ein geistig und körperlich ausgelasteter Hund frisst seltener aus Langeweile. Baue das Training kleinschrittig und geduldig auf, wie es der allgemeine Ratgeber zum Hund erziehen vermittelt. Bleib konsequent, dann wird aus dem Kotfresser mit der Zeit ein Hund, der an dir orientiert bleibt.

Wie hilft ein Maulkorb beim Management?
Ein Maulkorb ist kein Zeichen von Versagen, sondern ein sinnvolles Management-Werkzeug für die Übergangszeit, bis das Training greift, und für Hunde, die zuverlässig vom Kotfressen abgehalten werden müssen. Wichtig ist ein sogenannter Korbmaulkorb aus stabilem Kunststoff oder Draht, der so geformt ist, dass dein Hund darin hecheln, trinken und Leckerlis annehmen kann, aber nicht an Kot herankommt. Ein gut sitzender Korbmaulkorb schränkt deinen Hund kaum ein und lässt ihm die nötige Bewegungsfreiheit. Von Maulschlaufen, die die Schnauze eng zubinden, ist dagegen abzuraten, weil sie das Hecheln verhindern und deinen Hund überhitzen lassen können.
Damit der Maulkorb hilft und nicht zur Belastung wird, gewöhnst du deinen Hund langsam und positiv daran. Beginne zu Hause, halte den Maulkorb hin und belohne jedes Interesse, füttere anfangs Leckerlis durch die Öffnung und steigere die Tragedauer in kleinen Schritten. So verknüpft dein Hund den Maulkorb mit etwas Angenehmem und trägt ihn später entspannt. Setze ihn dann gezielt in Risikogebieten ein, etwa auf Wegen mit vielen Pferdeäpfeln. Den passenden Maulkorb und weiteres Zubehör findest du in der Übersicht im Ratgeber zur Grundausstattung für den Hund. Wichtig: Der Maulkorb ersetzt das Training nicht, sondern verschafft dir Sicherheit, während du parallel das Anti-Fress-Signal aufbaust.

Was hilft nicht gegen Kotfressen?
Der größte Fehler ist, deinen Hund für das Kotfressen zu bestrafen. Schimpfst oder strafst du, verbindet dein Hund die Strafe oft mit deiner Anwesenheit statt mit dem Kot und frisst ihn beim nächsten Mal nur schneller und heimlicher. Bei Hunden, die aus Angst den eigenen Kot beseitigen, verstärkt Strafe genau diese Angst. Ebenso wenig hilft es, deinen Hund hektisch wegzuzerren, denn das erzeugt Aufregung und macht den Kot in seinen Augen erst recht interessant. Ruhiges Umlenken und Belohnen für Verzicht ist immer wirksamer als jede Form von Druck.
Auch die vielen Hausmittel, die dem Futter beigemischt werden sollen, um den eigenen Kot unattraktiv zu machen, etwa Ananas, Kürbis oder spezielle Pulver, sind wissenschaftlich kaum belegt und wirken bestenfalls beim eigenen Kot, nie beim Kot anderer Tiere. Sie ersetzen weder die tierärztliche Abklärung noch das Training. Verlass dich nicht darauf, dass sich das Problem durch einen Zusatz im Napf von allein löst. Setze stattdessen auf die Kombination aus medizinischer Abklärung, gutem Management mit Leine und Maulkorb sowie geduldigem, belohnungsbasiertem Training. Wenn du damit allein nicht weiterkommst oder dein Hund sehr hartnäckig ist, hol dir Unterstützung von einem qualifizierten Hundetrainer, der gewaltfrei arbeitet.
Was kostet die Abklärung und Training?
Die tierärztliche Abklärung beginnt meist mit einer Kotuntersuchung, die in Österreich wie in Deutschland grob 20 bis 50 Euro kostet, je nach Umfang und ob eine Sammelprobe über drei Tage untersucht wird. Ein Bluttest zur Prüfung von Enzymen und Stoffwechsel, etwa auf eine exokrine Pankreasinsuffizienz, liegt je nach Parametern ungefähr bei 40 bis 120 Euro. Die Allgemeinuntersuchung in der Sprechstunde kostet in Österreich etwa 40 bis 70 Euro, in Deutschland rund 30 bis 60 Euro. Ein gut sitzender, auf deinen Hund angepasster Maulkorb ist ab etwa 15 bis 40 Euro zu haben. Möchtest du das Anti-Fress-Training mit professioneller Begleitung angehen, kostet eine Einzelstunde beim Hundetrainer in beiden Ländern rund 50 bis 100 Euro. Diese Ausgaben sind gut investiert, weil sie deinen Hund vor Parasiten und Vergiftungen schützen.
Häufige Fragen
Quellen
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