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Zecken bei Katzen

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Zecken sind im DACH-Raum längst keine Sommer-Episode mehr, sondern fast ganzjährig aktiv. Milde Winter, geänderte Habitate und neu eingeschleppte Arten wie die Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus) haben die Zeckensaison in Österreich und Deutschland deutlich verlängert. Für Freigängerkatzen ist das Risiko am höchsten, aber auch reine Wohnungskatzen können sich infizieren, wenn Halterinnen und Halter Zecken über die Kleidung mit nach Hause bringen. Anders als beim Hund ist die Zeckenprophylaxe bei der Katze allerdings tückisch: Viele für Hunde übliche Wirkstoffe wie Permethrin sind für Katzen hochgiftig und können tödlich wirken. Dieser Ratgeber zeigt dir, wie du Zecken sicher entfernst, welche Krankheiten sie übertragen, welche Prophylaxe für Katzen geeignet ist und wann du in die Praxis solltest. Der Inhalt ist tierärztlich überprüft.

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Wichtig vorab

Permethrin und viele andere Pyrethroide aus Hundepräparaten sind für Katzen lebensgefährlich. Selbst kleinste Mengen können zu schweren neurologischen Symptomen und zum Tod führen. Verwende ausschließlich Zeckenmittel, die explizit für Katzen zugelassen sind, und halte Hund und Katze nach einer Behandlung des Hundes für 48 bis 72 Stunden räumlich getrennt.

Welche Zeckenarten gibt es im DACH-Raum?

In Österreich und Deutschland sind drei Zeckenarten besonders relevant. Der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus) ist die mit Abstand häufigste Art, lebt in Wäldern, Wiesen und Gärten und ist Hauptüberträger der Lyme-Borreliose und der FSME beim Menschen. Bei Katzen überträgt sie unter anderem Anaplasmen. Die Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus) ist seit den frühen 2000er-Jahren in Österreich, Süddeutschland und Tschechien stark expansiv. Sie überträgt die Babesiose, eine schwere Bluterkrankung, die bei Katzen seltener als beim Hund vorkommt, aber im Einzelfall auftreten kann.

Die Braune Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus) wurde lange Zeit nur in Mittelmeerländern gefunden, ist mittlerweile aber durch Reise- und Klimafaktoren auch in Mitteleuropa nachgewiesen. Sie kann sich in Wohnungen vermehren und ist für mehrere Hundekrankheiten verantwortlich. Bei Katzen spielt sie eine geringere Rolle, kann aber als Vektor für die Hämobartonellose (Mykoplasmen-Infektion) wirken. Eine vierte, neu beschriebene Art, die Hyalomma marginatum, wird durch Zugvögel eingeschleppt und sorgte 2018 in Deutschland für Schlagzeilen.

Die Zeckensaison verlängert sich. Klassisch galt der Zeitraum von April bis Oktober. Heute sind Zecken in Mitteleuropa schon ab Februar oder März aktiv und bleiben es bis weit in den November, in milden Wintern teilweise ganzjährig. Schon Temperaturen ab etwa sieben Grad Celsius reichen für die Aktivität. Die Auwaldzecke hat sogar zwei Aktivitätsgipfel: Frühjahr und Herbst. Plane Prophylaxe daher nicht nach Kalender, sondern nach Wetter und Risiko.

Zecken bei Katzen – go4vet

Welche Krankheiten übertragen Zecken auf Katzen?

Bei Katzen sind die zeckenübertragenen Krankheiten weniger gut erforscht als beim Hund, aber durchaus relevant. An erster Stelle steht die Anaplasmose (Anaplasma phagocytophilum), die Fieber, Apathie, Appetitlosigkeit und manchmal Gelenkschmerzen verursacht. Die Diagnose erfolgt über Blutuntersuchung, die Therapie über Doxycyclin. Eine Hämobartonellose (heute Mykoplasmen-Infektion genannt) führt zur Anämie und ist potenziell lebensbedrohlich. Sie wird über Doxycyclin und gegebenenfalls Bluttransfusionen behandelt.

Die Borreliose ist bei Katzen deutlich seltener als beim Hund. Die meisten infizierten Katzen entwickeln keine klinischen Symptome. Wenn doch, ähneln sie der Anaplasmose: Fieber, Mattigkeit, Appetitverlust. Babesien-Infektionen kommen bei Katzen vor, sind aber Ausnahmefälle. FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) wird zwar von Zecken übertragen, betrifft aber primär den Menschen. Bei Katzen sind Erkrankungen extrem selten dokumentiert. Eine Impfung gegen Lyme-Borreliose oder FSME für Katzen gibt es nicht.

Wichtig: Auch wenn die Krankheitsrisiken statistisch geringer sind als beim Hund, bedeutet ein Zeckenbiss bei der Katze immer das Risiko einer lokalen Hautinfektion, einer abszedierenden Entzündung oder einer überschießenden Immunreaktion. Außerdem können Zecken Anaemien verursachen, wenn sehr viele Tiere gleichzeitig saugen, was bei Freigängern in zeckenreichen Gebieten vorkommen kann. Die Prophylaxe ist daher auch bei Katzen sinnvoll. Mehr zu Hautproblemen findest du im Beitrag zu Flöhen und Hautparasiten bei Katzen.

So entfernst du eine Zecke richtig

Die Methode ist simpel, die Ausführung entscheidet. Du brauchst eine spitze Zeckenpinzette (kein normales Make-up-Tweezer) oder eine Zeckenkarte. Beide kosten in Apotheke oder Zoofachhandel zwei bis fünf Euro und gehören in jede Hausapotheke. Greife die Zecke so nah wie möglich an der Haut, am besten an ihren Mundwerkzeugen. Ziehe gerade nach oben, ohne zu drehen oder zu quetschen. Drehbewegungen reißen den Kopf ab, Quetschen presst Speichel und damit Erreger in die Wunde.

Verzichte auf Hausmittel wie Öl, Klebstoff, Nagellack oder ein angezündetes Streichholz. Diese Methoden gelten als überholt und gefährlich, weil sie die Zecke stressen und vermehrt Speichel und Erreger absondert. Auch Zeckenzangen mit großen Klauen sind weniger geeignet als feine Pinzetten oder Karten. Nach der Entfernung desinfiziere die Bissstelle mit einem milden, alkoholfreien Antiseptikum (Octenisept ist auch für Tiere verträglich). Beobachte die Stelle eine Woche lang. Eine kleine Rötung ist normal, eine ringförmige Wanderröte oder eine eitrige Infektion gehört in die Praxis.

Bleibt der Zeckenkopf in der Haut, ist das selten ein Drama. Der Körper stößt Reste meist innerhalb weniger Tage selbst ab, eine kleine Entzündung ist normal. Nur wenn sich die Stelle entzündet, vergrößert oder eitert, gehört sie ärztlich kontrolliert. Versuche nicht, mit der Pinzette in der Haut zu graben, das verursacht mehr Schaden als Nutzen. Schreibe Datum, Ort und ungefähre Größe der Zecke auf. Diese Information hilft, falls Wochen später Symptome auftreten.

Permethrin und Co.: Warum Hundepräparate für Katzen tödlich sein können

Der wichtigste Punkt im ganzen Ratgeber: Permethrin ist für Katzen hochgiftig. Permethrin gehört zu den Pyrethroiden, einer Wirkstoffklasse, die in vielen Spot-on-Präparaten und Halsbändern für Hunde verwendet wird. Beim Hund wird Permethrin gut vertragen, bei der Katze fehlt das Enzym Glucuronyltransferase weitgehend, das für den Abbau zuständig ist. Die Folge ist eine schwere Vergiftung mit Krämpfen, Zittern, Speichelfluss und im schlimmsten Fall Tod innerhalb weniger Stunden.

Auch andere Pyrethroide wie Deltamethrin, Cypermethrin oder Flumethrin in höherer Konzentration können bei Katzen Probleme machen. Selbst der direkte Hautkontakt mit einem behandelten Hund reicht aus, etwa wenn Hund und Katze gemeinsam schlafen. Halte beide Tiere nach einer Pyrethroid-Behandlung des Hundes für 48 bis 72 Stunden räumlich getrennt und wasche dir nach Kontakt mit dem Hund die Hände, bevor du die Katze anfasst.

Bei Verdacht auf eine Permethrin-Vergiftung (Speichelfluss, Zittern, Krämpfe, Apathie nach Kontakt) ist sofortige Tierklinik-Notfallversorgung Pflicht. Die Therapie umfasst Aktivkohle, Beruhigungsmittel, Infusionen und intensive Überwachung über mehrere Tage. Mit schneller, sachgerechter Behandlung überleben die meisten Katzen, aber jede Minute zählt. Ruf vorher die Klinik an, damit das Team vorbereitet ist. Eine Klinik in deiner Region findest du über unseren Tierarzt-Finder, in der Bundeshauptstadt unterstützt der Tierarzt in Wien.

Welche Zeckenprophylaxe ist für Katzen sicher?

Für Katzen gibt es mehrere zugelassene Wirkstoffgruppen. Fipronil (zum Beispiel Frontline) ist seit Jahren bewährt und wird als Spot-on einmal monatlich appliziert. Es wirkt gegen Zecken und Flöhe. Selamectin (Stronghold) und Imidacloprid (Advantix gibt es nur für Hunde, Advantage ist für Katzen geeignet) sind weitere Optionen. Neuere Wirkstoffe wie Fluralaner (Bravecto Plus) oder Sarolaner (Stronghold Plus) wirken systemisch und schützen über mehrere Monate. Sie werden als Spot-on aufgetragen oder seit Kurzem teilweise auch oral verabreicht.

Halsbänder mit Flumethrin und Imidacloprid (Seresto für Katzen) bieten Langzeitschutz über bis zu acht Monate. Sie sind für Katzen geeignet, weil die Wirkstoffkonzentration angepasst ist. Wichtig ist die richtige Anwendung: Das Halsband muss einen Sicherheitsverschluss haben, der bei Hängenbleiben aufreißt, weil sich Katzen sonst strangulieren können. Halsbänder ohne Notlöser sind für Freigänger lebensgefährlich.

Welches Präparat das richtige ist, hängt vom Risiko, vom Lebensraum und von Verträglichkeit ab. Für reine Wohnungskatzen ohne Kontakt zu Hunden reicht oft eine niedrigere Dosis oder eine seltenere Anwendung. Für Freigänger in zeckenreichen Gebieten ist eine konsequente, monatliche Prophylaxe sinnvoll. Sprich die Wahl mit der Tierärztin ab, weil manche Wirkstoffe bei Katzen mit Niereninsuffizienz, Trächtigkeit oder unter einem Kilo Körpergewicht nicht eingesetzt werden dürfen. Niemals selbst Hundepräparate auf Katzen anwenden, auch nicht in „kleinerer Dosis“.

Zecken bei Katzen – go4vet

Was du im Garten und in der Wohnung tun kannst

Die Zecke wartet im Gras oder im Unterholz und springt nicht aktiv. Ein gepflegter Garten reduziert das Risiko deutlich. Mähe Wiesen regelmäßig, halte Sträucher zurück und entferne Laubhaufen, weil sich darunter Mäuse als Wirte verstecken. Eine Mulchschicht aus Holzschnitzel zwischen Rasen und Wald wirkt als Barriere. Wer Hühner hält, hat oft weniger Zecken im Garten, weil Hühner sie aktiv fressen.

In der Wohnung sind Zecken selten ein Problem, weil sie auf bestimmte Luftfeuchtigkeit angewiesen sind. Eine Ausnahme ist die Braune Hundezecke, die Wohnungen kolonisieren kann. Wenn du in einem Befall bist (mehrere Zecken über Wochen), brauchst du eine professionelle Schädlingsbekämpfung. Reine Hausmittel reichen nicht, weil die Eier in Ritzen und Polstern sehr widerstandsfähig sind.

Nach jedem Freigang lohnt sich ein kurzer Check deiner Katze, vor allem im Sommerhalbjahr. Streiche durchs Fell, achte auf kleine Knubbel, kontrolliere besonders Kopf, Hals, Achseln und Bauchunterseite. Frische Zecken sind klein wie ein Stecknadelkopf, vollgesogene Zecken können erbsengroß werden. Je früher du eine Zecke entfernst, desto geringer ist das Risiko einer Krankheitsübertragung. Beim Holzbock dauert es etwa 24 Stunden, bis Borrelien übertragen werden, bei anderen Erregern oft kürzer. Mehr zur regelmäßigen Pflege findest du im Beitrag zur Katzenpflege.

Kosten der Prophylaxe und Diagnostik

Eine monatliche Spot-on-Behandlung mit einem zugelassenen Katzenpräparat kostet in Österreich etwa zehn bis fünfzehn Euro pro Anwendung, also rund hundertzwanzig bis hundertachtzig Euro pro Jahr für eine durchgehend geschützte Katze. Halsbänder mit acht Monaten Schutzdauer kosten einmalig etwa vierzig bis fünfzig Euro, also auf den Monat gerechnet weniger. Tabletten und Langzeit-Spot-ons liegen oft preislich dazwischen.

Eine Diagnostik bei Verdacht auf eine zeckenübertragene Erkrankung umfasst eine Allgemeinuntersuchung, ein Blutbild und gegebenenfalls einen spezifischen Antikörper- oder PCR-Test. In Österreich sind das etwa hundert bis dreihundert Euro je nach Aufwand. Die Therapie mit Doxycyclin über drei bis vier Wochen kostet zusätzlich etwa fünfzig bis hundert Euro. Eine Katzenversicherung kann diese Kosten je nach Tarif teilweise abdecken, prüfe vor Abschluss die Bedingungen für Parasitenerkrankungen.

Die Investition in Prophylaxe lohnt sich auch finanziell. Eine schwere Vergiftung oder eine systemische Anaplasmose mit mehrtägigem Klinikaufenthalt kostet leicht achthundert bis zweitausend Euro und bringt das Tier in akute Lebensgefahr. Eine konsequente, jahresweite Prophylaxe für etwa hundertfünfzig Euro ist im Vergleich günstig. Bei Mehrkatzenhaushalten lohnen sich Sammelpackungen und ein gemeinsamer Abholtermin in der Praxis.

Tierärztlicher Blick: Wann musst du in die Praxis?

Sofort in die Klinik, wenn deine Katze nach Kontakt mit einem behandelten Hund oder einem Spot-on aus dem Hundebereich Speichelfluss, Zittern oder Krämpfe zeigt. Das ist ein Permethrin-Notfall und nicht abzuwarten. Auch eine Bissstelle, die sich stark entzündet, vergrößert oder eitert, eine ringförmige Wanderröte oder anhaltende Mattigkeit nach Zeckenbiss gehören in die Praxis. Bring, wenn möglich, die entfernte Zecke in einem kleinen Gefäß mit, sie kann untersucht werden.

Für die geplante Prophylaxe-Beratung reicht ein normaler Termin. Sprich mit der Tierärztin offen darüber, welches Präparat zur Lebensweise deiner Katze passt, ob orale oder externe Anwendung sinnvoller ist und welche Wartezeiten oder Begleitmedikamente zu beachten sind. Bei Trächtigkeit, Senior-Status, Niereninsuffizienz oder unter einem Kilogramm Körpergewicht sind viele Standardpräparate nicht geeignet, hier sind Spezialwege nötig.

Plane einmal pro Jahr eine Vorsorgeuntersuchung mit Blutbild, vor allem für Freigängerkatzen. So fängst du Anaplasmosen oder Mykoplasmen-Infektionen früh ab. Notiere dir Beobachtungen zu Zeckenstichen über das Jahr in einem kleinen Tagebuch oder in einer Notiz-App, das hilft enorm bei jeder Folgekontrolle und beim Verständnis von saisonalen Mustern.

Notfall

Permethrin-Notfall

Zeigt deine Katze nach Kontakt mit einem Pyrethroid-Spot-on aus dem Hundebereich Speichelfluss, Zittern, Krämpfe oder Apathie, ist das ein lebensbedrohlicher Notfall. Sofort in die nächste Tierklinik fahren, vorher anrufen. Mit schneller Behandlung sind die Überlebenschancen gut, ohne Behandlung verläuft die Vergiftung oft tödlich.

Häufige Fragen zu Zecken bei Katzen

Wie entferne ich eine Zecke richtig?
Mit einer spitzen Zeckenpinzette oder Zeckenkarte. Greife die Zecke so nah wie möglich an der Haut und ziehe gerade nach oben, ohne zu drehen oder zu quetschen. Hausmittel wie Öl oder Klebstoff sind kontraproduktiv und erhöhen das Infektionsrisiko.
Darf ich Hundepräparate für meine Katze verwenden?
Auf keinen Fall, wenn sie Permethrin oder andere Pyrethroide enthalten. Für Katzen ist das hochgiftig und kann tödlich sein. Verwende ausschließlich Mittel, die explizit für Katzen zugelassen sind.
Welche Krankheiten übertragen Zecken auf Katzen?
Vor allem Anaplasmose und Mykoplasmen-Infektionen. Borreliose ist bei Katzen seltener als beim Hund, kann aber vorkommen. Symptome sind Fieber, Mattigkeit, Appetitverlust und Anämie.
Wann ist Zeckensaison?
Klassisch April bis Oktober, heute durch milde Winter oft Februar bis November oder ganzjährig. Schon ab sieben Grad Celsius werden Zecken aktiv. Plane Prophylaxe nach Wetter, nicht nach Kalender.
Was kostet die Prophylaxe pro Jahr?
Etwa hundertzwanzig bis hundertachtzig Euro pro Jahr für monatliche Spot-ons, vierzig bis fünfzig Euro für ein Halsband mit acht Monaten Schutz. Tabletten und Langzeitpräparate liegen dazwischen.
Sind reine Wohnungskatzen vor Zecken sicher?
Weitgehend, aber nicht vollständig. Halterinnen und Halter können Zecken über Kleidung mitbringen, andere Tiere im Haushalt ebenfalls. Eine Prophylaxe ist bei reinen Wohnungskatzen meist optional, ein regelmäßiger Fellcheck schadet trotzdem nicht.
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