Psittakose (Papageienkrankheit): Symptome und Ansteckung
Hol dir deinen persönlichen Bereich mit gespeicherten Beiträgen, Empfehlungen und Tierarzt-Terminen.
Mein go4vet kostenlos starten
Psittakose, auch Papageienkrankheit oder Ornithose genannt, ist eine durch das Bakterium Chlamydia psittaci ausgelöste Infektionskrankheit, die von Vögeln auf den Menschen übertragen werden kann. Betroffen sind vor allem Papageien und Sittiche, also Wellensittiche, Nymphensittiche, Graupapageien oder Agaporniden, aber auch Tauben und andere Vögel tragen den Erreger. Für dich als Halter ist wichtig zu verstehen: Ein infizierter Vogel zeigt oft lange keine deutlichen Anzeichen, weil Vögel als Schwarmtiere Schwäche aus Instinkt verbergen, und genau diese unauffälligen Träger können den Erreger unbemerkt ausscheiden. Weil die Krankheit sowohl für den Vogel als auch für dich gefährlich werden kann und in Österreich wie in Deutschland meldepflichtig ist, gehört jeder Verdacht in fachkundige Hände. In diesem tierärztlich geprüften Ratgeber erfährst du sachlich und ohne Panikmache, wie Psittakose entsteht, welche Symptome Vogel und Mensch zeigen, wie Diagnose und Behandlung ablaufen, was die Meldepflicht konkret bedeutet und wie du dich und deine Tiere schützt. Vorweg das Wichtigste: Ein Vogel, der aufgeplustert dasitzt, schwer atmet, nicht mehr frisst oder auffällig abmagert, ist immer ein Notfall.
Psittakose auf einen Blick
Psittakose ist eine bakterielle Zoonose, die von infizierten Vögeln auf den Menschen übergehen kann. Beim Vogel äußert sie sich häufig durch Atemprobleme, Nasen- und Augenausfluss, grünlichen Durchfall und Teilnahmslosigkeit, oft aber auch gar nicht. Beim Menschen verläuft sie meist wie eine grippale Infektion mit Fieber und kann zu einer Lungenentzündung führen. Diagnose und Behandlung gehören zwingend in die Hand eines vogelkundigen Tierarztes, und der Verdacht ist in Österreich und Deutschland meldepflichtig.
Was ist Psittakose (Papageienkrankheit)?
Psittakose ist eine Infektionskrankheit, die durch das Bakterium Chlamydia psittaci verursacht wird. Der Name leitet sich vom lateinischen Wort für Papageien ab, weil die Krankheit zuerst bei diesen Vögeln beschrieben wurde. Weil aber nicht nur Papageienartige betroffen sind, verwendet man bei anderen Vogelarten und beim Menschen häufig den Begriff Ornithose. Gemeint ist dieselbe Erkrankung mit demselben Erreger.
Das Bakterium lebt innerhalb der Körperzellen seines Wirts und ist sehr widerstandsfähig. In eingetrocknetem Kot und Staub kann es über Wochen ansteckend bleiben. Ein infizierter Vogel scheidet die Erreger mit Kot, Nasen- und Augensekret sowie über den Federstaub aus. Andere Vögel und auch Menschen nehmen den Erreger vor allem über die Atemwege auf, wenn feiner Staub aus getrocknetem Kot oder Sekreten aufgewirbelt und eingeatmet wird.
Grundsätzlich kann jede Vogelart erkranken. Besonders häufig betroffen sind Papageien und Sittiche wie Wellensittiche, Nymphensittiche, Agaporniden und Graupapageien, außerdem Tauben, Enten und Geflügel. Gerade importierte oder unter schlechten Bedingungen gehaltene Vögel tragen ein höheres Risiko. Ein zentrales Problem ist, dass viele Vögel den Erreger in sich tragen, ohne selbst sichtbar krank zu sein. Diese sogenannten latenten Träger scheiden die Bakterien besonders dann vermehrt aus, wenn sie unter Stress geraten, etwa durch einen Umzug, einen Transport, die Zusammenführung mit neuen Tieren oder eine andere Erkrankung. Deshalb ist ein scheinbar gesunder Neuzugang ohne Quarantäne ein echtes Risiko für deinen Bestand.

Welche Symptome zeigt ein Vogel mit Psittakose?
Die Anzeichen einer Psittakose sind beim Vogel leider unspezifisch, das heißt sie ähneln vielen anderen Erkrankungen. Typisch sind Atemprobleme mit hörbaren Atemgeräuschen, Niesen, Nasen- und Augenausfluss sowie ein zugekniffenes oder verklebtes Auge. Häufig kommt ein auffällig grünlicher, wässriger Durchfall dazu, weil der Erreger auch Leber und Darm angreift. Betroffene Vögel wirken müde, sitzen aufgeplustert mit gesträubtem Gefieder auf der Stange, fressen schlechter und magern trotz vollem Napf ab.
Weil Vögel Schwäche instinktiv verbergen, siehst du diese Symptome oft erst, wenn die Erkrankung schon fortgeschritten ist. Manche Tiere, vor allem robuste erwachsene Vögel, zeigen über lange Zeit gar keine Beschwerden und stecken trotzdem andere an. Bei Jungvögeln, geschwächten oder gestressten Tieren dagegen kann die Krankheit schwer und schnell verlaufen und ohne Behandlung tödlich enden. Eine sichere Unterscheidung von anderen Infektionen ist mit bloßem Auge nicht möglich. Wenn dein Vogel eines oder mehrere dieser Zeichen zeigt, findest du im Ratgeber welche Symptome zeigen, dass dein Vogel Hilfe braucht eine gute Übersicht der Warnsignale. Bist du unsicher, wie ernst die Anzeichen sind, kann dir der go4vet Symptom-Checker eine erste Einordnung geben, er ersetzt aber niemals die Untersuchung durch den Tierarzt. Weitere häufige Erkrankungen von Papageien beschreibt der Beitrag zu den häufigsten Erkrankungen beim Papagei.
Warum ein kranker Vogel immer ein Notfall ist
Vögel sind Fluchttiere und zeigen erst dann Schwäche, wenn sie sie nicht mehr verbergen können. Bis ein Wellensittich oder Papagei sichtbar kränkelt, ist er meist schon deutlich geschwächt. Sitzt dein Vogel dauerhaft aufgeplustert da, atmet schwer oder mit geöffnetem Schnabel, frisst nicht mehr, magert ab oder wirkt teilnahmslos, dann warte keinen Tag ab. Bei Verdacht auf Psittakose kommt hinzu, dass auch du selbst gefährdet bist. Lass deinen Vogel deshalb zeitnah untersuchen. Über go4vet kannst du einen vogelkundigen Tierarzt in deiner Nähe finden, der auf Ziervögel spezialisiert ist.
Wie wird Psittakose beim Vogel diagnostiziert und behandelt?
Weil die Symptome unspezifisch sind, lässt sich Psittakose nicht durch bloßes Ansehen feststellen. Der vogelkundige Tierarzt sichert die Diagnose über Laboruntersuchungen. Am zuverlässigsten ist ein Erregernachweis mittels PCR aus Kotproben, einem Rachen- oder Kloakenabstrich oder Gewebe. Weil infizierte Vögel den Erreger nicht ständig, sondern schubweise ausscheiden, werden oft Sammelkotproben über mehrere Tage untersucht, damit ein Träger nicht übersehen wird. Ergänzend geben Blutuntersuchungen und ein Röntgenbild Hinweise auf den Zustand von Leber, Milz und Atemwegen.
Die Behandlung erfolgt mit Antibiotika aus der Gruppe der Tetrazykline, in der Regel mit dem Wirkstoff Doxycyclin. Wichtig ist, dass die Therapie konsequent und lange durchgeführt wird, meist über mehrere Wochen, häufig 21 bis 45 Tage, weil das Bakterium innerhalb der Zellen sitzt und kürzere Behandlungen den Erreger nicht sicher beseitigen. Der Tierarzt legt Wirkstoff, Dosis und Dauer individuell nach Vogelart, Gewicht und Zustand fest. Setze eine solche Behandlung niemals eigenmächtig mit Mitteln aus dem Internet an, denn eine falsche Dosierung ist für den kleinen Vogelkörper schnell lebensgefährlich, und eine zu kurze oder unterdosierte Gabe züchtet unter Umständen widerstandsfähige Erreger heran. Während und nach der Behandlung sind gründliche Hygiene und meist eine Kontrolluntersuchung nötig, um den Erfolg zu bestätigen. Leben mehrere Vögel zusammen, müssen in der Regel alle Tiere des Bestands mitbehandelt werden.

Ist Psittakose für den Menschen ansteckend?
Ja. Psittakose ist eine Zoonose, das heißt sie kann vom Vogel auf den Menschen übertragen werden. Die Ansteckung erfolgt fast immer über die Atemwege, wenn du feinen Staub aus eingetrocknetem Kot, Federstaub oder Sekreten eines infizierten Vogels einatmest. Auch der enge Kontakt beim Schnäbeln oder das Reinigen eines verschmutzten Käfigs ohne Schutz kann eine Rolle spielen. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist möglich, aber sehr selten. Du musst dir also keine übertriebenen Sorgen machen, solltest die Krankheit aber ernst nehmen.
Beim Menschen beginnt die Erkrankung nach einer Inkubationszeit von meist einer bis vier Wochen, wobei die Spanne laut Gesundheitsbehörden von wenigen Tagen bis zu rund 100 Tagen reichen kann. Typisch ist ein grippeähnliches Bild mit plötzlichem Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, trockenem Husten und ausgeprägtem Krankheitsgefühl. In schwereren Fällen entwickelt sich eine Lungenentzündung, die ärztlich behandelt werden muss. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, Schwangere und Personen mit geschwächtem Immunsystem. Behandelt wird die Psittakose beim Menschen wie beim Vogel mit Antibiotika aus der Gruppe der Tetrazykline, und bei rechtzeitiger Therapie heilt sie in aller Regel folgenlos aus. Wichtig ist, dass du deinen Hausarzt aktiv über den Kontakt zu Vögeln informierst, denn ohne diesen Hinweis wird eine banale Sommergrippe leicht mit einer Papageienkrankheit verwechselt. Erkrankt ein Mensch im Haushalt und lebt ein Vogel mit im Haus, sollten Human- und Tiermedizin zusammenarbeiten.
Ist Psittakose in Österreich und Deutschland meldepflichtig?
Ja, in beiden Ländern bestehen Meldepflichten, sowohl für den erkrankten Menschen als auch für den betroffenen Vogelbestand. Das klingt zunächst bürokratisch, dient aber deinem Schutz und dem der Allgemeinheit, weil sich so Infektionsquellen zurückverfolgen und weitere Ansteckungen verhindern lassen. Du selbst musst dabei nichts an eine Behörde melden, das übernehmen dein Arzt und dein Tierarzt.
In Österreich zählt die Psittakose beim Menschen nach dem Epidemiegesetz zu den anzeigepflichtigen Krankheiten. Verdachts-, Erkrankungs- und Todesfälle sind zu melden, sodass die Gesundheitsbehörde tätig werden kann. Auf der Tierseite besteht nach dem Tiergesundheitsgesetz eine Meldepflicht für Papageien und Sittiche: Der begründete Verdacht auf Psittakose ist dem Amtstierarzt der zuständigen Bezirksverwaltungsbehörde zu melden. Die Behörde ordnet dann die nötigen Maßnahmen an, etwa Untersuchung, Behandlung und Hygienevorkehrungen. In der Praxis erledigt dein vogelkundiger Tierarzt diese Meldung, wenn sich der Verdacht bestätigt.
In Deutschland ist die Ornithose beziehungsweise Psittakose beim Menschen nach dem Infektionsschutzgesetz meldepflichtig. Konkret muss das Labor den Nachweis von Chlamydia psittaci an das Gesundheitsamt melden, wenn er auf eine akute Infektion hinweist. Bei den Vögeln ist die Lage etwas anders als in Österreich: Seit dem Jahr 2011 gilt die Psittakose in Deutschland nicht mehr generell als anzeigepflichtige Tierseuche, sondern ist meldepflichtig. Eine wichtige Ausnahme bleibt bestehen, denn in Beständen von Züchtern und Händlern, die mit Papageienartigen handeln, ist ein Ausbruch weiterhin anzeigepflichtig. Für dich als privaten Halter heißt das vor allem: Bestätigt der Tierarzt bei deinem Vogel eine Psittakose, läuft die Meldung über die zuständigen Stellen, und du wirst über die notwendigen Schritte informiert. Ziel ist nie, dir dein Tier wegzunehmen, sondern eine Ausbreitung zu verhindern und dich zu schützen.

Wie schützt du dich und beugst einer Psittakose vor?
Die wirksamste Vorbeugung ist die Quarantäne neuer Vögel. Setze ein neu gekauftes oder aufgenommenes Tier niemals sofort zu deinem Bestand, sondern halte es einige Wochen getrennt in einem eigenen Raum und beobachte es genau. Ein Erstbesuch beim vogelkundigen Tierarzt mit Kotuntersuchung deckt viele Probleme früh auf und gibt Sicherheit, gerade bei Vögeln aus unklarer Herkunft oder von Börsen. Kaufe deine Vögel nur bei seriösen Züchtern oder aus dem Tierschutz und meide Tiere aus zweifelhaften Quellen.
Im Alltag hilft konsequente Hygiene. Reinige den Käfig regelmäßig, damit sich kein staubiger, eingetrockneter Kot ansammelt. Feuchte den Käfigboden vor dem Säubern leicht an, statt trockenen Kot aufzuwirbeln, denn genau dieser Staub ist der Hauptübertragungsweg. Sorge für frische Luft, vermeide aber Zugluft. Wasche dir nach dem Umgang mit deinen Vögeln und dem Käfig gründlich die Hände. Bei einem bestätigten Krankheitsfall, beim Reinigen stark verschmutzter Käfige oder beim Umgang mit vielen Vögeln ist zusätzlich eine gut sitzende Atemschutzmaske sinnvoll. Halte den Bestand außerdem stressarm und artgerecht, denn Stress schwächt das Immunsystem und lässt latente Träger vermehrt Erreger ausscheiden. Eine ausgewogene Fütterung unterstützt die Abwehrkräfte zusätzlich, Hinweise dazu findest du im Ratgeber zur artgerechten Papageienernährung. Wenn du unsicher bist, welcher Tierarzt sich mit Ziervögeln wirklich auskennt, hilft dir der Überblick im Ratgeber wie du einen vogelkundigen Tierarzt findest weiter.
💰 Kosten: Was kostet die Diagnose und Behandlung von Psittakose in Österreich und Deutschland?
Die Allgemeinuntersuchung beim vogelkundigen Tierarzt kostet in Österreich und Deutschland meist 40 bis 70 Euro. Der entscheidende Kostenpunkt ist der Labornachweis: Eine PCR-Untersuchung auf Chlamydia psittaci schlägt je nach Labor und Probenzahl mit etwa 40 bis 90 Euro zu Buche, ergänzende Blutuntersuchungen oder ein Röntgenbild kosten weitere 30 bis 80 Euro. Die eigentliche Behandlung mit Doxycyclin über mehrere Wochen ist beim Medikament vergleichsweise günstig, verursacht aber durch die lange Dauer, Kontrolltermine und gegebenenfalls die Mitbehandlung mehrerer Vögel spürbare Folgekosten. Für einen kompletten Fall von der Diagnose bis zur ausgeheilten Infektion solltest du grob mit 150 bis 400 Euro rechnen, bei mehreren Tieren entsprechend mehr. Ein Termin im Notdienst am Wochenende ist deutlich teurer. Einen genaueren Überblick über die Preise gibt der Beitrag was Untersuchung und Behandlung beim Vogel-Tierarzt kosten.
Passend dazu erklären wir dir auch PBFD bei Wellensittich und Papagei.
Häufige Fragen zur Psittakose
Quellen
Hol dir deinen persönlichen Bereich mit gespeicherten Beiträgen, Empfehlungen und Tierarzt-Terminen.
Mein go4vet kostenlos starten