Zahnerkrankungen beim Hund

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Nadja Sukalia
Online Redaktion

Ein gesundes Hundegebiss ist nicht nur für das Wohlbefinden des Tieres von Bedeutung, sondern spiegelt auch die allgemeine Gesundheit des Hundes wieder. Viele Hundebesitzer sind sich jedoch nicht bewusst, welche Gefahren und Risiken Zahnerkrankungen für ihre Vierbeiner darstellen können und wie diese am besten verhindert und behandelt werden. Und genau das möchten wir in diesem Artikel beleuchten.

Welche Zahnerkrankungen sind bei Hunden häufig?

Es gibt eine Reihe von Zahnerkrankungen, die bei Hunden auftreten können:

  • Zahnstein ist eine harte, krustige Ablagerung, die sich aus Plaque entwickelt, die sich auf den Zähnen ansammelt. Unbehandelt kann es zu Zahnfleischentzündungen und schließlich zu Parodontitis führen.
  • Bei Gingivitis (Zahnfleischentzündung) handelt es sich um eine Entzündung des Zahnfleisches, die oft durch Plaque-Ablagerungen verursacht wird. Symptome können geschwollenes, rotes oder blutendes Zahnfleisch sein.
  • Parodontitis ist eine Entzündung und Infektion des Zahnhalteapparates, die sich aus unbehandelter Gingivitis entwickeln kann. Sie kann zum Zahnverlust führen.
  • Kronenfrakturen treten auf, wenn ein Teil des Zahnes, insbesondere der sichtbare Teil (die Krone), beschädigt oder gebrochen ist.
  • Manchmal fallen die Milchzähne nicht aus, wenn die permanenten Zähne nachwachsen. Dies kann zu Zahnfehlstellungen und anderen Problemen führen.
  • Feline Odontoclastic Resorptive Laesions (FORL) sind schmerzhafte Hohlräume, die sich in den Zähnen bilden. Obwohl sie „feline“ im Namen tragen, können diese schmerzhaften Läsionen auch bei Hunden auftreten.
  • Die Juvenile Gingivitis ist eine Zahnfleischentzündung, die bei jungen Hunden auftritt und kann, wenn sie nicht behandelt wird, zu dauerhaften Zahnproblemen führen.

Warum sind Zahnerkrankungen bei Hunden bedeutend?

Zahnerkrankungen betreffen nicht nur die Mundgesundheit, sondern können auch andere Organe wie Herz, Leber und Nieren beeinträchtigen. Bakterien aus entzündetem Zahnfleisch können in den Blutkreislauf gelangen und sich in anderen Teilen des Körpers ausbreiten.

Darüber hinaus können Zahnschmerzen und -beschwerden das Verhalten und die Lebensqualität des Hundes erheblich beeinflussen. Ein Hund mit Zahnschmerzen kann Schwierigkeiten beim Fressen haben, weniger spielen oder sogar aggressiver werden.

Was verursacht Zahnprobleme bei Hunden?

Die Hauptursachen für Zahnprobleme bei Hunden sind:

  • Plaque ist ein weicher, klebriger Belag, der sich ständig auf den Zähnen bildet und reich an Bakterien ist.
  • Zahnstein ist eine erhärtete Plaque, die sich fest an die Zähne bindet und schwer zu entfernen ist.
  • Eine Diät, die hauptsächlich aus weicher Nahrung besteht, kann das Risiko von Zahnproblemen erhöhen, da sie weniger dazu beiträgt, Plaque von den Zähnen zu „schrubben“.
  • Einige Hunderassen sind genetisch bedingt anfälliger für Zahnerkrankungen als andere.
  • Ältere Hunde haben ein höheres Risiko für Zahnprobleme, insbesondere für Zahnfleischerkrankungen.
  • Mangelnde Mundhygiene.

An welchen Anzeichen erkennt man, dass ein Hund Zahnschmerzen hat?

Ein Hund zeigt auf verschiedene Weise, dass er möglicherweise Zahnschmerzen oder ein orales Problem hat. Zu den häufigsten Anzeichen gehören:

  • Der Hund zögert beim Fressen, kaut nur auf einer Seite des Mundes oder verliert während des Fressens Futter aus dem Mund. In schweren Fällen kann der Hund das Fressen ganz vermeiden.
  • Ein anhaltend schlechter Atem kann ein Zeichen für eine bakterielle Infektion im Mund sein.
  • Verfärbte Zähne oder Zahnsteinbildung erkennt man anhand gelber oder brauner Ablagerungen nahe dem Zahnfleischrand.
  • Wenn Sie Blut auf den Spielzeugen Ihres Hundes oder im Wasser- oder Futternapf bemerken, könnte das ein Anzeichen für Zahnprobleme sein.
  • Ein Hund mit Zahnschmerzen kann empfindlich reagieren, wenn Sie versuchen, seinen Mund oder sein Gesicht zu berühren.
  • Schwellung, Rötung oder Bluten des Zahnfleisches sind klare Anzeichen von Zahnfleischerkrankungen.
  • Ein Hund mit Zahnschmerzen kann reizbarer, lethargischer oder sogar aggressiver als gewöhnlich sein.

Wie manifestieren sich spezifische Zahnprobleme, wie Zahnfleischentzündung, beim Hund?

Zahnfleischentzündung, auch als Gingivitis bekannt, ist eine der häufigsten Zahnerkrankungen bei Hunden. Rotes und geschwollenes Zahnfleisch ist eines der ersten Anzeichen einer Zahnfleischentzündung. Das Zahnfleisch kann empfindlicher als gewöhnlich sein und leicht bluten, besonders wenn es berührt wird oder wenn der Hund kaut. Wie bereits erwähnt, ist ein anhaltend schlechter Atem oft ein Zeichen für eine orale bakterielle Infektion, die durch Gingivitis verursacht werden kann. Bei fortgeschrittener Gingivitis kann sich Zahnstein bilden, eine harte gelblich-braune Kruste an den Zähnen, besonders nahe am Zahnfleischrand. Wenn die Gingivitis fortschreitet, kann das Zahnfleisch beginnen, sich von den Zähnen zurückzuziehen, wodurch mehr von der Zahnwurzel freigelegt wird. Ein Hund mit Gingivitis kann Schmerzen oder Empfindlichkeit im Mundbereich zeigen, besonders beim Fressen oder Kauen.

Wie werden Zahnfleischentzündungen beim Hund behandelt und welche Medikamente sind empfehlenswert?

Die Behandlung kann je nach Schweregrad variieren. Bei einer milden Zahnfleischentzündung kann eine professionelle Zahnreinigung beim Tierarzt ausreichen, um den Zustand zu verbessern. Bei einer fortgeschrittenen Zahnfleischentzündung oder wenn Bakterien die Ursache sind, kann der Tierarzt eine antibakterielle Mundspülung oder ein orales Antibiotikum verschreiben. Entzündungshemmende Medikamente oder Schmerzmittel können ebenfalls verschrieben werden, um Schmerzen und Schwellungen zu lindern. Regelmäßiges Zähneputzen und spezielle Kauartikel können helfen, die Bildung von Plaque und Zahnstein zu reduzieren und eine erneute Entzündung zu verhindern.

Wie wird eine Zahnentzündung bei Hunden therapiert?

In schweren Fällen, insbesondere wenn der Zahn nicht gerettet werden kann, kann eine Zahnextraktion erforderlich sein. Bei weniger schweren Fällen kann eine Wurzelkanalbehandlung durchgeführt werden, um den entzündeten oder infizierten Zahnnerv zu entfernen und den Zahn zu erhalten. Wenn eine bakterielle Infektion vorliegt, können Antibiotika erforderlich sein.

Was ist Parodontitis und wie wird sie bei Hunden behandelt?

Parodontitis ist eine Entzündung und Infektion des Zahnhalteapparates. Sie entsteht oft als Fortschreiten einer unbehandelten Gingivitis. Entfernung von Zahnstein unterhalb des Zahnfleischrandes ist oft der erste Schritt in der Behandlung. Antibiotika und Mundspülungen können verwendet werden, um die bakterielle Infektion zu behandeln. Schwer beschädigte Zähne, die nicht gerettet werden können, müssen möglicherweise entfernt werden.

Wie viel kostet eine typische Zahnbehandlung, wie die Zahnsteinentfernung, beim Hund?

Die Kosten für eine typische Zahnbehandlung, wie die Entfernung von Zahnstein, beim Hund können stark variieren und hängen von verschiedenen Faktoren ab. In städtischen Gebieten oder Regionen mit höheren Lebenshaltungskosten sind veterinärmedizinische Dienstleistungen oft teurer als in ländlichen Gebieten.

Die Größe des Hundes spielt ebenfalls eine Rolle, da größere Hunde oft mehr Anästhetikum benötigen, was die Gesamtkosten beeinflusst. Ein Hund mit regelmäßiger Zahnpflege und geringem Zahnstein wird in der Regel weniger kosten als ein Hund mit schweren Zahnproblemen.

Die meisten Zahnsteinentfernungen werden unter Vollnarkose durchgeführt, was die Kosten erhöht. Es gibt jedoch neuere, nicht-narkotische Verfahren, die unter bestimmten Umständen angeboten werden können. Wenn während der Behandlung zusätzliche Probleme wie Zahnextraktionen oder die Behandlung von Zahnfleischerkrankungen auftreten, können weitere Kosten anfallen.

Einige Tierarztpraxen verwenden fortschrittlichere Technologien und Ausrüstungen, was zu höheren Kosten führen kann. Um eine genauere Schätzung zu erhalten, empfiehlt es sich, direkt eine lokale Tierarztpraxis zu kontaktieren und einen Kostenvoranschlag einzuholen. Grob geschätzt können die Kosten in Österreich für eine einfache Zahnsteinentfernung zwischen 100 € und 500 € oder mehr liegen.

Warum sind insbesondere kleine Hunde anfällig für Zahnprobleme?

Kleine Hunderassen haben oft besondere anatomische Eigenschaften, die sie anfälliger für Zahnprobleme machen. Aufgrund ihrer geringen Größe haben sie häufig einen überfüllten Kiefer. Das bedeutet, dass ihre Zähne dicht beieinander liegen, was die Ansammlung von Zahnbelag und Zahnstein begünstigt. Einige Studien haben gezeigt, dass kleinere Hunderassen schneller Zahnbelag entwickeln können als größere Rassen. Kleine Hunde werden oft mit weichem Futter gefüttert, das sich leichter zwischen den Zähnen ansammeln kann und das Risiko von Zahnbelag und Zahnstein erhöht. Kleinere Hunde kauen oft weniger intensiv als größere Rassen, wodurch natürliche Reinigungsprozesse, die beim Kauen auftreten, reduziert werden. Kleinere Hunderassen neigen dazu, länger zu leben als größere Rassen. Das gibt ihnen mehr Zeit, Zahnprobleme zu entwickeln, wenn nicht regelmäßig vorgesorgt wird.

Welche Konsequenzen hat es, wenn Zahnerkrankungen beim Hund nicht behandelt werden?

Zahnerkrankungen bei Hunden, die unbehandelt bleiben, können zu einer Reihe von gesundheitlichen Problemen führen:

  • Schmerzen und Unbehagen können die Lebensqualität des Hundes erheblich beeinträchtigen und zu Verhaltensänderungen führen.
  • Fortgeschrittene Zahnerkrankungen können zum Verlust von Zähnen führen, was die Fähigkeit des Hundes beeinträchtigen kann, richtig zu kauen.
  • Bakterien aus dem Mund können in den Blutkreislauf gelangen und zu Infektionen in anderen Teilen des Körpers führen, einschließlich des Herzens, der Lungen und der Nieren.
  • Ein Hund mit Zahnschmerzen kann Schwierigkeiten beim Kauen haben und möglicherweise weniger fressen oder sein Futter verweigern.
  • Schlechter Atem kann ein Zeichen für eine fortgeschrittene Zahnerkrankung und eine bakterielle Infektion sein.
  • Ein ständig entzündeter Mund kann das Immunsystem des Hundes belasten und ihn anfälliger für andere Krankheiten machen.

Zusammengefasst sind Zahnerkrankungen nicht nur ein kosmetisches Problem. Sie können ernsthafte gesundheitliche Auswirkungen auf Ihren Hund haben und sollten so früh wie möglich behandelt werden.

Wie können Hundebesitzer Zahnproblemen bei ihren Tieren vorbeugen?

Die Vorbeugung von Zahnproblemen bei Hunden erfordert eine kontinuierliche Pflege und Aufmerksamkeit seitens der Besitzer. Lassen Sie mindestens einmal im Jahr einen Zahncheck beim Tierarzt durchführen, um frühzeitig Probleme zu erkennen und professionelle Zahnreinigungen durchführen zu lassen, wenn notwendig. Ähnlich wie bei Menschen kann das tägliche Zähneputzen Ihres Hundes dazu beitragen, Plaque und Zahnsteinbildung zu reduzieren.

Eine ausgewogene Ernährung spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. Füttern Sie Ihren Hund mit hochwertigem Trockenfutter, das zur natürlichen Reinigung der Zähne beiträgt. Vermeiden Sie zuckerhaltige Leckerlis und Snacks, da diese die Entstehung von Plaque begünstigen können. Spezielle Kauspielzeuge und -leckerlis können dazu beitragen, Zahnbelag zu entfernen und das Zahnfleisch zu massieren, was die Mundgesundheit Ihres Hundes fördert.

Welche häuslichen Pflegemaßnahmen sind für die Zahngesundheit des Hundes empfehlenswert?

Zusätzlich zu den zuvor genannten präventiven Maßnahmen gibt es spezifische häusliche Pflegepraktiken, die die Zahngesundheit Ihres Hundes unterstützen können. Es ist ratsam, Ihren Hund bereits im Welpenalter an das Zähneputzen zu gewöhnen, um es als Teil seiner Routine zu etablieren. Die Verwendung von enzymatischer Zahnpasta, speziell für Hunde entwickelt, kann dazu beitragen, Plaque zu reduzieren und seinen Atem zu erfrischen.

Es gibt auch spezielle Mundspülungen, die dazu dienen können, die Bakterien im Mund Ihres Hundes zu reduzieren. Ein regelmäßiger Blick in den Mund Ihres Hundes ist ebenfalls wichtig, um nach Anzeichen von Zahnstein, entzündetem Zahnfleisch oder anderen Problemen Ausschau zu halten. Diese häuslichen Pflegemaßnahmen ergänzen die tierärztlichen Untersuchungen und professionellen Zahnreinigungen, um die Gesundheit der Zähne Ihres Hundes bestmöglich zu unterstützen.

Gibt es spezielle Produkte oder Hilfsmittel zur Pflege der Hundegebisse?

Es gibt so einige Produkte auf dem Markt, die speziell für die Zahnpflege von Hunden entwickelt wurden:

  • Hundezahnbürsten und -pasten sind speziell für die Anatomie des Hundemauls entwickelt und enthalten oft geschmackliche Anreize, um das Putzen angenehmer zu gestalten.
  • Zahnputzfingerlinge stellen eine alternative Methode zum Zähneputzen dar, die besonders für Hunde geeignet ist, die sich gegen eine Bürste wehren.
  • Kauknochen und Dentasticks sind so konzipiert, dass sie beim Kauen helfen, den Zahnbelag zu reduzieren.
  • Einige Trockenfuttermarken bieten Formulierungen an, die speziell zur Reduzierung von Plaque und Zahnstein beitragen.
  • Zahnspülungen und Gele können helfen, Bakterien im Mund zu reduzieren und die Zahnreinigung zu unterstützen.

Jedoch reicht die Verwendung dieser Produkte allein nicht aus. Eine Kombination aus regelmäßiger tierärztlicher Kontrolle, täglicher Mundpflege und der richtigen Ernährung wird die besten Ergebnisse liefern.

Fazit:

Die Zahngesundheit eines Hundes ist ein oft übersehener, aber entscheidend wichtiger Aspekt des allgemeinen Wohlbefindens des Tieres. Durch Verständnis und Anerkennung der Zeichen und Symptome von Zahnerkrankungen, gepaart mit vorbeugenden Maßnahmen und regelmäßigen tierärztlichen Kontrollen, können Hundebesitzer dazu beitragen, viele dieser Erkrankungen zu verhindern oder frühzeitig zu behandeln. Es ist wichtig zu erkennen, dass ein proaktiver Ansatz in Bezug auf die Zahngesundheit Ihres Hundes nicht nur dazu beiträgt, schmerzhafte und potenziell gefährliche Zustände zu vermeiden, sondern auch dazu, die Lebensqualität und -dauer Ihres Vierbeiners zu erhöhen. Mit dem in diesem Ratgeber vermittelten Wissen sind Sie nun bestens gerüstet, um die Zahngesundheit Ihres Hundes in den besten Händen zu wissen.

Qualitätsprüfung

Experte

Dr. med. vet. Volker Moser, studierte an der Veterinär-Universität Wien und schrieb seine Dissertation auf dem Gebiet Molekularmedizin (Tumorgenetik). Seit 1997 arbeitet Dr. Moser als selbstständiger Tierarzt im Bereich der Kleintiermedizin, Wiederkäuer- und Pferdemedizin. Zahlreiche Fort- und Zusatzausbildungen und seine ständige Mitarbeit in diversen Kleintierkliniken und -praxen runden seine jahrelange Berufspraxis ab. Dr. Moser engagiert sich seit 1998 in der ÖTK und VÖK und ist seit 2021 Generalsekretär bei UEVP (Union of European Veterinary Practitioners). Er ist Autor zahlreicher wissenschaftlicher und klinischer Publikationen in Fachzeitschriften.
Zuletzt geändert: Mai 7, 2024

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