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Mittelmeerkrankheiten beim Hund: Leishmaniose, Ehrlichiose und Co.

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Wenn du mit deinem Hund ans Mittelmeer fährst oder einen Hund aus dem Süden adoptierst, holst du dir nicht nur Sonne und schöne Strandtage ins Haus, sondern auch ein Gesundheitsrisiko, das in Österreich lange kaum bekannt war: die sogenannten Mittelmeerkrankheiten. Das sind Infektionen, die von Sandmücken, Zecken und Stechmücken übertragen werden und die in unseren Breiten klassisch nicht vorkommen. Mit dem Klimawandel rücken einige davon allerdings näher.

Dieser Artikel erklärt dir sachlich, welche Erkrankungen dazu zählen, wo das Risiko am höchsten ist, wie die Ansteckung passiert und wie du deinen Hund möglichst gut schützt. Wenn du gerade eine Reise planst, lies vorher auch unsere allgemeine Reisevorbereitung für den Hund sowie die übergeordnete Übersicht zum Reisen mit Hund.

Was sind Mittelmeerkrankheiten und wo treten sie auf?

Unter dem Sammelbegriff Mittelmeerkrankheiten fasst man mehrere Infektionskrankheiten zusammen, die durch Parasiten oder Bakterien verursacht und von blutsaugenden Insekten und Zecken auf den Hund übertragen werden. Gemeinsam ist ihnen, dass sie vor allem in wärmeren Regionen Südeuropas verbreitet sind, weil dort die Überträger ganzjährig oder über viele Monate aktiv sind.

Als Risikogebiete gelten klassische Urlaubsziele rund ums Mittelmeer:

  • Italien inklusive Adria, Toskana und Süden
  • Kroatien und die gesamte Adriaküste
  • Spanien und Portugal
  • Griechenland und die Inseln
  • Balkan (etwa Bosnien, Serbien, Montenegro, Albanien)
  • Teile Südfrankreichs sowie die Türkei und Nordafrika

Wichtig für dich als Hundehalterin oder Hundehalter aus Österreich: Einzelne Überträger, etwa bestimmte Zeckenarten und die Tigermücke, wandern langsam nach Norden. Auch wenn das Hauptrisiko weiterhin im Süden liegt, lohnt sich das Thema also auch ohne Fernreise. Wer einen Tierschutzhund aus dem Süden übernimmt, sollte ihn unabhängig von der eigenen Reiseplanung auf diese Erkrankungen testen lassen.

Mittelmeerkrankheiten beim Hund: Leishmaniose, Ehrlichiose u – go4vet

Die wichtigsten Mittelmeerkrankheiten im Überblick

Leishmaniose (übertragen durch Sandmücken)

Die Leishmaniose ist die bekannteste Mittelmeerkrankheit. Verursacht wird sie durch einzellige Parasiten (Leishmanien), die von der dämmerungs- und nachtaktiven Sandmücke übertragen werden. Die Erkrankung kann erst Monate bis Jahre nach der Infektion ausbrechen und verläuft chronisch. Sie ist behandelbar, aber in der Regel nicht vollständig heilbar. Mehr Details findest du in unserem Schwerpunktartikel zu Hund, Italien und Leishmaniose.

Ehrlichiose und Babesiose (übertragen durch Zecken)

Die Ehrlichiose wird durch Bakterien ausgelöst, die über die Braune Hundezecke übertragen werden und bestimmte weisse Blutzellen befallen. Die Babesiose, oft Hundemalaria genannt, wird ebenfalls durch Zecken übertragen. Dabei zerstören die Erreger rote Blutkörperchen, was zu Blutarmut führen kann. Beide Erkrankungen können akut und schwer verlaufen. Ein konsequenter Zeckenschutz ist deshalb zentral, dazu unten mehr und ausführlich im Beitrag Zeckenschutz auf Reisen.

Dirofilariose (Herzwurm, übertragen durch Stechmücken)

Die Herzwurmerkrankung wird durch Larven des Fadenwurms Dirofilaria immitis verursacht, die über Stechmücken in den Hund gelangen. Die erwachsenen Würmer siedeln sich in den grossen Blutgefäßen und im Herzen an. Eine Infektion bleibt lange unbemerkt und kann unbehandelt das Herz-Kreislauf-System schwer schädigen. Es gibt eine wirksame medikamentöse Vorbeugung, die du vor einer Reise in Risikogebiete mit deiner Tierärztin oder deinem Tierarzt besprechen solltest.

Hepatozoonose

Die Hepatozoonose ist weniger bekannt. Die Ansteckung passiert hier nicht über einen Stich, sondern wenn der Hund eine infizierte Zecke (Braune Hundezecke) verschluckt, etwa beim Belecken oder Knabbern. Auch diese Erkrankung kann den Allgemeinzustand des Hundes deutlich beeinträchtigen. Der beste Schutz besteht darin, einen Zeckenbefall von vornherein zu vermeiden.

Kurz gemerkt: Sandmücken übertragen Leishmaniose, Zecken die Ehrlichiose, Babesiose und Hepatozoonose, Stechmücken den Herzwurm. Ein Schutz, der gegen alle Überträger gleichzeitig wirkt, gibt es nicht. Deshalb braucht es immer eine Kombination aus Massnahmen.

Überträger und wie die Ansteckung passiert

Die meisten Mittelmeerkrankheiten werden übertragen, wenn ein infiziertes Insekt oder eine infizierte Zecke deinen Hund sticht beziehungsweise saugt. Das Tückische daran: Die Überträger sind klein, oft dämmerungs- oder nachtaktiv und ein einziger Stich kann ausreichen.

  • Sandmücken sind vor allem in der Dämmerung und nachts aktiv, von etwa Mai bis Oktober. Sie sind so klein, dass sie durch viele herkömmliche Insektennetze passen.
  • Zecken sind im Süden über weite Teile des Jahres aktiv. Die Braune Hundezecke kann sich sogar in Innenräumen und Zwingern vermehren.
  • Stechmücken sind in den Abend- und Nachtstunden besonders aktiv, gerne in der Nähe von stehenden Gewässern.

Weil die Aktivitätszeiten der Überträger sich unterscheiden, hilft kein einzelner Trick. Sinnvoll ist, die Außenaktivitäten in den Hauptaktivitätszeiten der Insekten zu reduzieren und gleichzeitig auf wirksame Schutzpräparate zu setzen.

Symptome erkennen

Die Beschwerden bei Mittelmeerkrankheiten sind oft unspezifisch und können erst Wochen bis Monate nach dem Urlaub auftreten. Genau das macht sie so leicht übersehbar. Die folgenden Hinweise sind allgemein gehalten und ersetzen keine Untersuchung. Sie sollen dir nur helfen, aufmerksam zu bleiben.

Mögliche allgemeine Anzeichen, die du im Blick behalten solltest:

  • Müdigkeit, Schlappheit und nachlassende Leistungsfähigkeit
  • Gewichtsverlust trotz normalem Fressverhalten
  • Hautveränderungen, Haarausfall oder schlecht heilende Stellen, oft rund um Kopf und Ohren
  • Fieber, Lahmheit oder geschwollene Lymphknoten
  • blasse Schleimhäute als möglicher Hinweis auf Blutarmut
  • vermehrtes Trinken oder veränderter Appetit

Wichtig: Stelle bei deinem Hund keine eigene Diagnose. Diese Anzeichen können viele Ursachen haben. Wenn dir etwas auffällt und dein Hund in einem Risikogebiet war, sprich mit deiner Tierärztin oder deinem Tierarzt und erwähne die Reise ausdrücklich. Nur eine gezielte Untersuchung und ein Bluttest bringen Klarheit.

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Vorbeugung: So schützt du deinen Hund

Den hundertprozentigen Schutz gibt es nicht, aber ein durchdachtes Vorbeugen senkt das Risiko deutlich. Plane das am besten einige Wochen vor der Abreise mit deiner Tierarztpraxis. Diese vier Bausteine gehören zusammen:

1. Sandmücken- und Stechmückenschutz

Gegen Sandmücken und Stechmücken helfen sogenannte Repellentien, also Mittel mit abschreckender Wirkung. Es gibt Halsbänder und Spot-on-Präparate mit entsprechenden Wirkstoffen. Wichtig ist, dass das Mittel rechtzeitig vor der Reise aufgetragen wird, damit der Schutz schon zu Reisebeginn voll wirkt. Welches Präparat für deinen Hund geeignet ist, klärst du mit der Tierarztpraxis.

2. Schutz vor Zecken

Gegen Ehrlichiose, Babesiose und Hepatozoonose ist ein lückenloser Zeckenschutz entscheidend. Such deinen Hund nach jedem Spaziergang gründlich ab und entferne Zecken sofort. Eine ausführliche Anleitung findest du im Beitrag Zeckenschutz auf Reisen.

3. Reise in der Hochrisikozeit vermeiden

Die Sandmücken sind in den warmen Monaten am aktivsten. Wenn es deine Pläne zulassen, meide Reisen ans Mittelmeer in der Hochsaison der Überträger oder verbringe die Dämmerungs- und Nachtstunden mit deinem Hund drinnen. Halte Fenster und Türen in der Unterkunft möglichst geschlossen oder nutze engmaschige Netze.

4. Test nach der Reise

Weil viele Mittelmeerkrankheiten erst später ausbrechen, ist ein Bluttest nach dem Urlaub sinnvoll. Da manche Erreger eine Zeit lang brauchen, bis sie nachweisbar sind, erfolgt der Test üblicherweise einige Wochen bis Monate nach der Rückkehr. Den passenden Zeitpunkt legst du gemeinsam mit deiner Tierärztin oder deinem Tierarzt fest. Das gilt ganz besonders, wenn du einen Hund aus einem südlichen Land adoptiert hast.

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Was tun bei Verdacht nach dem Urlaub?

Wenn dein Hund nach einer Reise in den Süden Symptome zeigt oder du einfach sichergehen willst, gilt: lieber einmal mehr abklären lassen. So gehst du vor:

  • Notiere dir, wann und wo ihr unterwegs wart und ob dir Stiche oder Zecken aufgefallen sind.
  • Vereinbare einen Termin in deiner Tierarztpraxis und erwähne die Reise von dir aus.
  • Lass den empfohlenen Bluttest durchführen, auch wenn dein Hund aktuell gesund wirkt.
  • Halte bei einem adoptierten Hund alle vorhandenen Gesundheitsunterlagen bereit.

Je früher eine Infektion erkannt wird, desto besser lässt sie sich in der Regel behandeln und im Verlauf kontrollieren. Wer häufiger in den Süden reist, sollte das Thema fix in die Reiseroutine aufnehmen, etwa zusammen mit den Hinweisen aus unseren Beiträgen zum Urlaub mit Hund in Kroatien und zum Urlaub mit Hund in Italien. Eine durchdachte Reisevorbereitung nimmt dir am Ende viel Sorge ab.

Häufige Fragen zu Mittelmeerkrankheiten beim Hund

Welche Mittelmeerkrankheiten gibt es beim Hund?
Zu den wichtigsten zählen die Leishmaniose (übertragen durch Sandmücken), die Ehrlichiose und die Babesiose (übertragen durch Zecken), die Dirofilariose oder Herzwurmerkrankung (übertragen durch Stechmücken) sowie die Hepatozoonose (durch Verschlucken einer infizierten Zecke).
Wie kann ich meinen Hund auf Reisen schützen?
Mit einer Kombination aus mehreren Massnahmen: Repellentien gegen Sand- und Stechmücken, lückenloser Zeckenschutz, das Meiden der Dämmerungs- und Nachtstunden im Freien sowie wenn möglich das Meiden der Hochrisikozeit. Welche Präparate passen, besprichst du am besten mit deiner Tierarztpraxis.
Sollte ich meinen Hund nach dem Urlaub testen lassen?
Ja. Viele Mittelmeerkrankheiten brechen erst Wochen bis Monate später aus und manche Erreger sind anfangs nicht nachweisbar. Ein Bluttest einige Zeit nach der Rückkehr schafft Klarheit. Den passenden Zeitpunkt legst du mit deiner Tierärztin oder deinem Tierarzt fest.
Sind Mittelmeerkrankheiten auch in Österreich ein Thema?
Das Hauptrisiko liegt weiterhin im Süden. Durch den Klimawandel wandern einzelne Überträger aber langsam nach Norden. Besonders relevant wird das Thema, wenn du einen Hund aus einem südlichen Land adoptierst, denn er kann sich bereits dort infiziert haben.
Sind Mittelmeerkrankheiten heilbar?
Das hängt von der Erkrankung ab. Manche lassen sich gut behandeln, die Leishmaniose verläuft dagegen meist chronisch und ist oft nicht vollständig heilbar, aber kontrollierbar. Eine frühe Diagnose verbessert die Aussichten deutlich. Die Behandlung gehört in jedem Fall in tierärztliche Hand.
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