Katze und Hund aneinander gewöhnen
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Hund und Katze zusammenführen gelingt in vielen Haushalten besser als ihr Ruf. In einer israelischen Studie mit Haushalten, in denen beide Tiere lebten, beschrieben rund zwei Drittel der Halter das Verhältnis als freundlich. Ein Selbstläufer ist es trotzdem nicht. Hund und Katze sprechen eine unterschiedliche Körpersprache, und für die Katze kann ein unkontrolliertes erstes Zusammentreffen gefährlich werden.
Der Schlüssel liegt in Geduld, gutem Sicherheitsmanagement und Training über Belohnung. Die Katze braucht jederzeit sichere Rückzugsorte, der Hund lernt, dass ruhiges Verhalten in Gegenwart der Katze sich lohnt. So können die beiden Vierbeiner Schritt für Schritt zu entspannten Mitbewohnern werden, manchmal sogar zu echten Freunden.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Chancen stehen gut: In einer Studie lebten etwa zwei Drittel der Hund-Katze-Paare freundlich zusammen, ein Viertel ignorierte sich, und in weniger als zehn Prozent der Haushalte kam es zu Kämpfen.
- Je jünger die Tiere beim Kennenlernen sind, desto besser. Besonders gut klappte es, wenn die Katze zuerst im Haushalt war.
- Vorbereitung ist alles: getrennte Bereiche, erhöhte Rückzugsorte für die Katze, Futter und Katzenklo außer Reichweite des Hundes.
- Trainiere nur mit Belohnung. Strafen und Schreckreize erhöhen Stress und können die Beziehung dauerhaft verschlechtern.
Können Hund und Katze wirklich Freunde werden?
Ja, viele Hunde und Katzen verstehen sich gut. Die Forscher Neta-li Feuerstein und Joseph Terkel von der Universität Tel Aviv befragten Halter, die Hund und Katze zusammen hielten, und beobachteten die Tiere zusätzlich auf Video. In rund zwei Dritteln der Haushalte war das Verhältnis freundlich, in etwa einem Viertel gleichgültig, und in weniger als zehn Prozent kam es zu Aggressionen. Viele Tiere lernten sogar, die Signale der anderen Art richtig zu deuten. Am besten klappte es, wenn das Kennenlernen früh stattfand.
Eine britische Online-Befragung von 748 Haushalten mit Hund und Katze kam zu einem ähnlich positiven Bild. Die meisten Halter erlebten ihre Tiere als entspannt im Umgang miteinander. Wichtig war vor allem das Verhalten der Katze: Ob die Beziehung freundlich war, hing stärker davon ab, wie wohl sich die Katze fühlte, als vom Hund. Auch hier galt: Je jünger die Katze beim ersten Kontakt mit dem Hund war, desto besser.
Für dich heißt das: Du solltest bei der Zusammenführung besonders auf das Wohlbefinden der Katze achten. Sie gibt das Tempo vor.
Welcher Hund passt am besten zu Katzen?
Eine Hunderasse, die sicher mit Katzen harmoniert, gibt es nicht. Entscheidend ist der einzelne Hund mit seinem Charakter, seinen Erfahrungen und seinem Jagdverhalten. Ein Hund, der Katzen bereits kennt und gelassen auf sie reagiert, ist der einfachste Partner. Ein Hund mit starkem Jagdtrieb, der Katzen draußen verfolgt oder beim Anblick einer Katze nicht mehr ansprechbar ist, braucht deutlich mehr Training und Management. Manche Hunde werden nie verlässlich katzenverträglich.
Wenn du einen Hund aus dem Tierschutz adoptierst, frag nach, ob er schon mit Katzen getestet wurde. Viele Tierheime können das einschätzen. Bei Welpen stehen die Chancen gut, weil sie in der sensiblen Lernphase neue Tierarten leichter akzeptieren. Laut der israelischen Studie war das Zusammenleben besonders harmonisch, wenn die Katze beim Kennenlernen jünger als sechs Monate und der Hund jünger als ein Jahr war.
Auch die Katze spielt eine Rolle. Eine selbstbewusste Katze, die Hunde kennt, kommt meist besser zurecht als eine ängstliche, ältere Wohnungskatze, die noch nie einen Hund gesehen hat. Wenn du die Wahl hast, ist es oft einfacher, wenn die Katze zuerst einzieht und den Hund dann in ihrem vertrauten Revier kennenlernt.

Was muss ich vorbereiten, bevor Hund und Katze sich treffen?
Gutes Sicherheitsmanagement verhindert, dass beim ersten Treffen etwas schiefgeht. Bereite die Wohnung so vor, dass die Katze sich jederzeit zurückziehen kann und der Hund keinen Zugriff auf ihre wichtigsten Ressourcen hat.
Checkliste für die Vorbereitung:
- ein eigener Raum für die Katze mit Futter, Wasser, Katzenklo, Kratzbaum und Versteck, in den der Hund nicht hineinkommt
- erhöhte Plätze in allen Räumen, etwa Regale, Kratzbäume oder Schränke, damit die Katze den Hund von oben beobachten kann
- Katzenklo und Katzenfutter so platzieren, dass der Hund nicht herankommt, zum Beispiel hinter einem Türgitter mit Katzenklappe
- ein Kinder- oder Türschutzgitter, durch das sich die Tiere sehen können, ohne direkt zusammenzukommen
- Leine und gut sitzendes Geschirr für den Hund bei den ersten Treffen
- besonders begehrte Leckerlis für beide Tiere
- ein gesunder Zustand beider Tiere, bei Unklarheiten vorher ein Check beim Tierarzt
Trainiere mit deinem Hund vorher ein paar Signale, die du später brauchst, zum Beispiel Blickkontakt zu dir, ruhiges Liegen auf einer Decke und ein freundliches Abbruchsignal. Das klappt gut über Markertraining, wie es der Beitrag zum Clickertraining für Hunde beschreibt. Auch Katzen lassen sich über Belohnung trainieren, siehe Clickertraining für Katzen.
Wie gewöhne ich Hund und Katze Schritt für Schritt aneinander?
Gib den Tieren für jeden Schritt so viel Zeit, wie sie brauchen. Wechsle erst zum nächsten Schritt, wenn beide entspannt bleiben. Treten Probleme auf, gehst du einen Schritt zurück.
Schritt eins: Geruch kennenlernen. In den ersten Tagen leben Hund und Katze getrennt. Tausche Decken oder Liegeplätze aus, damit sich beide an den Geruch des anderen gewöhnen. Belohne ruhiges Schnuppern mit einem Leckerli. Lass die Katze die übrige Wohnung erkunden, während der Hund spazieren ist.
Schritt zwei: Sehen auf Abstand. Die Tiere sehen sich durch ein Gitter oder eine Glastür. Der Hund ist angeleint und bekommt jedes Mal, wenn er die Katze ruhig anschaut und sich wieder dir zuwendet, eine Belohnung. Die Katze bekommt in ihrem Bereich ebenfalls etwas Leckeres. So verknüpfen beide den Anblick des anderen mit etwas Angenehmem. Starrt der Hund die Katze an, zittert oder zieht er in die Leine, ist der Abstand zu klein.
Schritt drei: kurze Treffen im selben Raum. Der Hund bleibt an der Leine oder liegt auf seiner Decke, die Katze kann sich frei bewegen und jederzeit auf erhöhte Plätze oder zurück in ihren Raum. Halte diese Treffen kurz und beende sie, solange noch alle ruhig sind. Halte die Katze nie fest, um sie dem Hund zu zeigen, und trage sie nicht zum Hund.
Schritt vier: mehr Freiheit. Bleibt der Hund in Gegenwart der Katze zuverlässig ruhig, kannst du die Leine locker lassen und später ganz abnehmen. Lass die Tiere aber noch eine ganze Zeit nur unter Aufsicht zusammen. Wenn du nicht zu Hause bist, bleiben sie getrennt, bis du dir wirklich sicher bist.
Wie lange das dauert, ist sehr unterschiedlich. Manche Tiere akzeptieren sich nach wenigen Tagen, andere brauchen Wochen oder Monate. Eine verlässliche Zahl gibt es dafür nicht.

Woran erkenne ich, ob die Zusammenführung gut läuft?
Achte bei beiden Tieren auf die Körpersprache. Hunde und Katzen drücken Stress unterschiedlich aus, und manche Signale werden von der jeweils anderen Art falsch verstanden. Mehr dazu findest du im Beitrag zur Körpersprache beim Hund.
Gute Zeichen:
- beide fressen, trinken und schlafen normal
- der Hund schaut die Katze kurz an und wendet sich dann ab oder dir zu
- die Katze bewegt sich frei im Raum und muss sich nicht verstecken
- beide liegen entspannt in einiger Entfernung oder nähern sich ruhig
- Schnuppern Nase an Nase ohne Anspannung
Warnzeichen beim Hund:
- starrer Blick, gesenkter Kopf und angespannter Körper
- Zittern, Fiepen oder Hecheln vor Aufregung
- Hinterherrennen, sobald die Katze sich bewegt
- er reagiert nicht mehr auf dich
Warnzeichen bei der Katze:
- Fauchen, Knurren, angelegte Ohren, aufgestelltes Fell
- sie versteckt sich dauerhaft oder kommt nicht mehr aus ihrem Raum
- sie frisst weniger, nutzt das Katzenklo nicht mehr oder putzt sich übermäßig
Ein kurzer Pfotenhieb der Katze, wenn der Hund zu nah kommt, ist eine normale Grenze. Wiederholt sich das ständig oder wirkt die Katze dauerhaft verängstigt, ist das Tempo zu hoch.
Was mache ich, wenn mein Hund die Katze jagt?
Verhindere, dass der Hund das Jagen überhaupt üben kann. Jedes erfolgreiche Hinterherrennen macht das Verhalten stärker. Geh deshalb einen Schritt zurück, arbeite wieder mit Leine und Gitter und vergrößere den Abstand.
Trainiere gezielt ein Alternativverhalten: Der Hund lernt, beim Anblick der Katze zu dir zu schauen oder sich auf seine Decke zu legen, und bekommt dafür eine hochwertige Belohnung. Ein freundliches, gut aufgebautes Abbruchsignal hilft im Alltag.
Verzichte auf Strafen wie Anschreien, Leinenruck, Wasserspritzer oder Schreckreize. Die Amerikanische Gesellschaft für tierärztliche Verhaltensmedizin (AVSAB) empfiehlt in ihrem Positionspapier ausschließlich belohnungsbasiertes Training. Studien zeigen, dass aversive Methoden mit mehr Stress und schlechterem Wohlbefinden von Hunden verbunden sind. Bei der Zusammenführung kommt hinzu, dass der Hund die Strafe mit der Katze verknüpfen kann. Dann wird die Katze für ihn zum Auslöser für etwas Unangenehmes, und die Beziehung verschlechtert sich.
Hilft das alles nicht, hol dir Unterstützung bei einem Hundetrainer, der nachweislich belohnungsbasiert arbeitet, oder bei einem Tierarzt mit Zusatzqualifikation in Verhaltensmedizin.

Was gilt bei Welpen und Kitten?
Junge Tiere gewöhnen sich meist leichter aneinander. Trotzdem gelten dieselben Regeln. Ein Welpe ist verspielt und ungestüm und kann ein Kitten unabsichtlich verletzen. Ein Kitten braucht daher besonders sichere Rückzugsorte und kurze, beaufsichtigte Begegnungen. Wie du ein Kitten in den ersten Tagen eingewöhnst, beschreibt der Beitrag Kitten eingewöhnen.
Ziehen ein erwachsener Hund und ein Kitten zusammen, achte darauf, dass der Hund das Kitten nicht als Beute sieht. Bei einem Welpen und einer älteren Katze ist es oft umgekehrt: Die Katze braucht Schutz vor dem stürmischen Welpen, der noch lernen muss, dass sie kein Spielzeug ist. Möchtest du zwei Katzen zusammenführen, findest du Tipps im Beitrag Kitten und ältere Katze zusammenführen.
Was hat es mit der 3-3-3-Regel auf sich?
Die 3-3-3-Regel wird häufig im Tierschutz genannt. Sie beschreibt, wie sich ein adoptiertes Tier oft eingewöhnt: In den ersten drei Tagen ist es überfordert, nach drei Wochen kennt es die Abläufe, nach drei Monaten fühlt es sich zu Hause. Die Regel wird für Hunde und für Katzen genannt. Sie ist eine grobe Orientierung, keine wissenschaftlich überprüfte Zeitangabe. Für die Zusammenführung von Hund und Katze heißt das vor allem: Plane genug Zeit ein und erwarte keine Freundschaft in den ersten Tagen.
Wann sollte ich zum Tierarzt oder Hilfe holen?
Hat die Katze Kratz- oder Bisswunden, bring sie zum Tierarzt, auch wenn die Wunden klein aussehen. Bisswunden können sich unter der Haut entzünden. Frisst deine Katze über längere Zeit kaum, wird sie unsauber oder zieht sie sich völlig zurück, lass sie ebenfalls untersuchen, denn Stress kann zu gesundheitlichen Problemen führen. Eine passende Praxis findest du über die Tierarztsuche.
Was kostet Hilfe beim Zusammenführen?
Wenn du Unterstützung brauchst, kommen vor allem eine Verhaltensberatung beim Tierarzt oder Stunden bei einem Hundetrainer infrage. In Deutschland rechnet der Tierarzt nach der Gebührenordnung für Tierärzte ab (GOT, Fassung vom 15. März 2023). Der einfache Satz ist der Mindestpreis, üblich ist eine Spanne bis zum dreifachen Satz.
| Leistung | GOT-Nummer | einfacher Satz | dreifacher Satz |
|---|---|---|---|
| Eingehende Anamnese oder Beratung über das gewöhnliche Maß hinaus, z. B. bei Verhaltensstörungen | 2 | 30,78 € | 92,34 € |
| Allgemeine Untersuchung mit Beratung, Hund, Katze | 16 | 23,62 € | 70,86 € |
| Beratung ohne Untersuchung, auch telefonisch | 1 | 11,26 € | 33,78 € |
Für Hundetrainer gibt es weder in Deutschland noch in Österreich eine Gebührenordnung. In Österreich gilt auch für Tierärzte keine verbindliche Gebührenordnung. Frag vorab nach:
- Preis pro Einheit und Dauer einer Einheit
- Hausbesuch oder Training in der Hundeschule, Anfahrtskosten
- Qualifikation und Trainingsmethoden, also ausschließlich belohnungsbasiert
- Nachbetreuung per Telefon oder E-Mail
Häufige Fragen
Quellen
American Veterinary Society of Animal Behavior (AVSAB): Position statement on humane dog training (2021). https://avsab.org/wp-content/uploads/2021/08/AVSAB-Humane-Dog-Training-Position-Statement-2021.pdf
Deutschland, Gebührenordnung für Tierärzte (GOT), Anlage, zuletzt geändert am 15.03.2023. https://www.gesetze-im-internet.de/got_2022/
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