Durchfall bei Katzen
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Durchfall bei Katzen ist eines der häufigsten Symptome, das Tierhalter:innen in die Praxis bringt. Was harmlos klingt (ein bisschen weicher Stuhl im Klo), kann schnell ernst werden, vor allem bei Kitten, Senioren und Katzen mit Vorerkrankungen. Eine Katze verliert mit Durchfall innerhalb weniger Stunden viel Flüssigkeit und Elektrolyte, sie dehydriert deutlich schneller als ein Hund. Gleichzeitig steckt hinter Durchfall ein riesiges Spektrum an Ursachen, von harmlosen Futterumstellungen bis zu chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, Parasiten oder Pankreas-Problemen. Eine kluge Einordnung ist daher der erste Schritt.
Dieser Ratgeber hilft dir, akuten von chronischem Durchfall zu unterscheiden, die wichtigsten Ursachen einzuordnen, zu erkennen, wann du selbst beobachten kannst und wann ein Tierarztbesuch dringend ist. Du bekommst klare Handlungsempfehlungen für die ersten 48 Stunden, einen Überblick über die Diagnostik und konkrete Hinweise zur unterstützenden Pflege zu Hause. Der Inhalt ist tierärztlich überprüft.
Auf einen Blick
Akuter Durchfall (unter zwei Wochen) ist meist harmlos und wird durch Futterumstellung, Stress, Parasiten oder leichte Infekte ausgelöst. Chronischer Durchfall (über drei Wochen) braucht in jedem Fall eine tierärztliche Abklärung, weil dahinter Erkrankungen wie IBD, Lymphom oder Pankreasprobleme stehen können. Bei Kitten, Senioren oder Katzen mit blutigem, sehr häufigem Durchfall, Erbrechen oder Apathie nicht abwarten, sondern rasch in die Praxis. Die Faustregel: zwei Tage akuter Durchfall ohne Verbesserung gehört abgeklärt.
Was unterscheidet akuten von chronischem Durchfall?
Die zeitliche Einordnung ist tiermedizinisch wichtig, weil Ursachen und Vorgehen unterschiedlich sind. Wer die Unterscheidung kennt, kann besser einschätzen, wie dringlich ein Tierarztbesuch ist.
Akuter Durchfall dauert weniger als vierzehn Tage. Häufige Auslöser sind Futterumstellungen ohne Sieben-Tage-Plan, Stress (Umzug, neuer Mitbewohner, Pension), milde Virusinfektionen, leichte Bakterienbesiedlung oder kleine Diätfehler (verdorbenes Futter, Kuhmilch, Reste vom Mittagstisch). Eine ansonsten gesunde, erwachsene Katze übersteht akuten Durchfall in den meisten Fällen ohne Komplikationen. Wichtig ist, ausreichend Trinkwasser bereitzustellen und das Allgemeinbefinden zu beobachten.
Chronischer Durchfall besteht über drei Wochen, mit oder ohne Unterbrechungen. Hier stecken oft ernsthafte Erkrankungen dahinter: Futtermittelunverträglichkeit, inflammatorische Darmerkrankung (IBD), niedrigmalignes intestinales Lymphom, exokrine Pankreasinsuffizienz, Schilddrüsenüberfunktion, schwere Parasitose mit Giardien oder Tritrichomonas. Eine systematische Diagnostik in der Praxis ist Pflicht, Selbstbehandlung verschleppt das Problem.
Eine Sonderform ist der intermittierende Durchfall: deine Katze hat einige Tage normalen Stuhl, dann wieder weichen oder breiigen, dann wieder normalen. Das Muster ist klassisch für IBD, niedrigmalignes Lymphom oder Futtermittelunverträglichkeit und gehört abgeklärt, auch wenn deine Katze sonst gut wirkt.

Welche Ursachen kommen am häufigsten vor?
Die Differenzialdiagnose ist breit. Eine Übersicht hilft dir, das Problem ins Bild zu setzen, ersetzt aber natürlich nicht die Diagnostik in der Praxis.
Diätfehler und Futterumstellung: der häufigste Grund für akuten Durchfall. Ein zu schneller Wechsel von Futter oder Hersteller, verdorbenes Nassfutter aus offener Dose, Kuhmilch (siehe Dürfen Katzen Milch trinken) oder Reste vom Mittagstisch reichen oft schon. Ein strukturierter Sieben-Tage-Plan beim Wechsel und ein Verzicht auf Tisch-Reste vermeiden die meisten Fälle. Mehr unter Futterumstellung bei der Katze.
Parasiten: Würmer (Spulwurm, Hakenwurm, Bandwurm), Protozoen wie Giardien (siehe Giardien Katze) oder Tritrichomonas, seltener Kokzidien. Vor allem Kitten und Freigänger sind betroffen. Ein einfacher Kotcheck (drei Sammelproben über drei Tage) klärt die Frage in der Praxis. Mehr unter Würmer bei Katzen.
Stress: Umzug, Renovierung, neuer Hund, Praxisbesuch, Pension. Stress wirkt direkt auf den Darm und kann innerhalb von Stunden Durchfall auslösen. Stresshafter Durchfall geht meist innerhalb von zwei bis drei Tagen wieder weg, wenn die Belastung wegfällt.
Infektionen: Feline Panleukopenie (Katzenseuche), Coronavirus, Salmonellen, Campylobacter, Clostridien. Manche dieser Erreger sind bei jungen oder ungeimpften Katzen lebensbedrohlich. Ein konsequenter Impfschutz schützt vor den schwersten Verläufen. Mehr unter Tierarzt-Finder für eine Praxis in deiner Nähe.
Chronisch entzündliche Darmerkrankung (IBD): häufigste Ursache von chronischem Durchfall bei Katzen mittleren Alters. Die Diagnose erfolgt nach Ausschluss anderer Ursachen, oft mit endoskopischer Biopsie. Therapie mit Diät, Probiotika, Glukokortikoiden oder Immunmodulatoren je nach Schweregrad.
Pankreaserkrankungen: chronische Pankreatitis und exokrine Pankreasinsuffizienz (EPI) verursachen oft fettigen, hellen, voluminösen Stuhl bei gleichzeitigem Gewichtsverlust. Diagnose über fPLI-Test im Blut beziehungsweise TLI-Test. Therapie mit Pankreas-Enzymen, Vitamin-B12-Substitution und angepasster Diät.
Was kannst du in den ersten 48 Stunden zu Hause tun?
Bei akutem Durchfall ohne weitere Symptome bei einer ansonsten gesunden, erwachsenen Katze kannst du zunächst zu Hause beobachten. Drei einfache Maßnahmen unterstützen deine Katze und helfen, die Situation einzuschätzen.
Ausreichend Wasser anbieten. Stell mehrere Wassernäpfe in der Wohnung auf, optional einen Trinkbrunnen. Eine leichte Brühe (ungewürzt, ohne Zwiebel oder Knoblauch, aus reinem Hühnchen oder Pute) verdünnt mit Wasser kann den Konsum erhöhen. Eine Katze mit Durchfall verliert pro flüssigem Stuhl etwa zehn bis fünfzehn Milliliter pro Kilogramm Körpergewicht, sodass eine vier-Kilo-Katze mit drei bis vier Stuhlabsätzen schnell einen halben Liter Flüssigkeit verliert.
Schonkost füttern. Eine bewährte Schonkost ist gekochtes, mageres Hühnerbrustfleisch (ohne Salz, ohne Gewürze) mit etwas gekochtem Reis oder gekochtem Kürbis. Statt selbst kochen: ein hochwertiges hydrolysiertes Diätnassfutter (Hill’s z/d, Royal Canin Hypoallergenic, Purina HA) ist eine Alternative. Füttere kleine Portionen alle vier bis sechs Stunden, statt einer großen Mahlzeit. Die Schonkost wird in der Regel über drei bis fünf Tage gegeben, dann schrittweise zurück auf das normale Futter.
Probiotikum geben. Ein katzenspezifisches Probiotikum aus der Praxis (etwa Enterococcus faecium SF68 in Produkten wie Fortiflora oder Prokolin) kann die Darmflora stabilisieren. Joghurt oder andere Milchprodukte sind nicht geeignet, weil die Bakterien den Magen nicht überleben und Milchzucker Durchfall sogar verstärken kann.
Beobachte deine Katze täglich. Trinkt sie? Frisst sie wenigstens etwas? Ist sie aktiv, putzt sie sich, kommt sie auf den Schoß? Wirkt sie ruhig und im Allgemeinzustand stabil, kannst du die 48 Stunden abwarten. Treten Erbrechen, Apathie, Fieber, Blut im Stuhl oder Verschlechterung des Allgemeinzustandes auf, gehst du sofort in die Praxis.
Wann musst du sofort zum Tierarzt?
Ein paar Situationen erlauben kein Abwarten. Wer sie kennt, vermeidet schwerwiegende Verläufe.
- Kitten unter sechs Monaten mit Durchfall, vor allem bei mehrmaligem Stuhlabsatz pro Tag, sind wegen rascher Dehydratation gefährdet.
- Senioren ab zwölf Jahren oder Katzen mit Vorerkrankungen (Niereninsuffizienz, Diabetes, Hyperthyreose) brauchen früher tierärztliche Hilfe.
- Blut im Stuhl (frisch rot oder schwarz/teerartig), eitriger oder schleimiger Stuhl gehören innerhalb von Stunden abgeklärt.
- Erbrechen zusätzlich zum Durchfall, vor allem über mehr als zwölf Stunden, beschleunigt die Dehydratation. Mehr unter Erbrechen bei Katzen.
- Apathie, Schwäche, Fieber, Futterverweigerung sind Zeichen einer Allgemeinerkrankung und keine harmlose Magenverstimmung mehr.
- Anhaltender Durchfall über 48 Stunden ohne Besserung trotz Schonkost gehört abgeklärt.
- Bauch ist hart oder schmerzhaft beim sanften Abtasten, deine Katze nimmt eine Schonhaltung mit gekrümmtem Rücken ein.
Bring zum Termin idealerweise eine frische Stuhlprobe in einem sauberen Behälter mit, das spart einen zweiten Termin und beschleunigt die Diagnostik. Notiere kurz, seit wann der Durchfall besteht, wie oft, mit welcher Konsistenz, ob deine Katze frisst und trinkt und ob es Begleitsymptome gibt.

Wie läuft die Diagnostik in der Praxis ab?
Die tierärztliche Abklärung folgt einem stufigen Schema. Welche Untersuchungen nötig sind, hängt von Alter, Vorgeschichte, Schweregrad und Dauer ab.
Die Anamnese ist der wichtigste Baustein. Welches Futter, welche Umstellungen, welche Reisen, welche Mit-Tiere, welche Vorerkrankungen, welche Medikamente, welche Impfungen, welche Symptome neben dem Durchfall? Die klinische Untersuchung beurteilt Allgemeinbefinden, Körpertemperatur, Hydratationsstatus, Schleimhäute, Bauchbefund und Lymphknoten.
Bei akutem, mildem Durchfall reicht oft ein Kotcheck (parasitologisch, ggf. mit PCR auf Giardien und Tritrichomonas). Bei schwereren oder chronischen Fällen kommen Blutbild, Organwerte (vor allem Leber, Niere, Pankreas-Marker), TLI/cobalamin/Folat sowie Bilddiagnostik (Sonographie des Bauches) dazu. Ist die Bauchsonographie auffällig, etwa mit verdickten Darmwänden oder vergrößerten Lymphknoten, folgt oft eine endoskopische Biopsie unter Kurznarkose.
Bei Verdacht auf Futtermittelunverträglichkeit kann eine Eliminationsdiät über sechs bis acht Wochen mit hydrolysiertem Futter oder Monoprotein-Diät den Verdacht klären. Eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) wird über T4 im Blut ausgeschlossen, vor allem bei älteren Katzen mit Durchfall, Gewichtsverlust und Polydipsie. Bei der Therapieplanung helfen die Befunde, gezielt vorzugehen statt symptomatisch herumzuprobieren. Eine endokrinologisch oder gastroenterologisch erfahrene Praxis findest du über den Tierarzt-Finder, in der Hauptstadt über Tierarzt Wien.
Wie unterstützt du deine Katze während der Genesung?
Auch nach Diagnose und Therapie braucht deine Katze gute Pflege zu Hause. Drei Bereiche sind besonders wichtig.
Hydratation: Stell mehrere Wassernäpfe an verschiedenen Orten auf, biete eventuell einen Trinkbrunnen. Wenn deine Katze schlecht trinkt, kann ein Schluck ungewürzter Hühner- oder Putenbrühe als Anreiz wirken. Eine zusätzliche Nassfutter-Mahlzeit (statt Trockenfutter) erhöht den Flüssigkeitsanteil. Bei stärker dehydrierten Katzen verschreibt die Tierärztin Infusionen, manchmal auch in Form subkutaner Heim-Flüssigkeitstherapie, die du nach Anleitung selbst durchführst.
Ernährung: Bleibe zunächst bei der vorgeschriebenen Schon- oder Diätnahrung, auch wenn deine Katze nach zwei Tagen wieder fit wirkt. Eine zu schnelle Rückkehr zum Standardfutter führt häufig zu Rückfällen. Erst nach mindestens fünf bis sieben Tagen Stuhlnormalisierung beginnst du die schrittweise Rückumstellung über sieben Tage. Mehr unter Artgerechte Ernährung Katze.
Hygiene: Reinige das Katzenklo mehrmals täglich, weil viele Erreger über den Stuhl ausgeschieden werden und eine erneute Aufnahme den Heilungsverlauf verzögern kann. Mehr zur richtigen Reinigung unter Blasenentzündung Katze, wo das Thema Hygiene ähnlich relevant ist. Wasch dir nach dem Klo-Reinigen die Hände gründlich, vor allem bei Verdacht auf Giardien oder Salmonellen, weil einzelne dieser Erreger zoonotisch übertragbar sind.
Tierärztlicher Blick: Wann wird Durchfall chronisch und was tut die Praxis?
Chronischer Durchfall verändert die Lebensqualität deiner Katze deutlich und ist oft Symptom einer komplexen Grunderkrankung. Die Praxis arbeitet sich in solchen Fällen schrittweise durch eine differenzierte Diagnostik. Eine systematische Vorgehensweise verhindert, dass deine Katze monatelang erfolglos behandelt wird.
Standardmäßig läuft das so ab: nach umfassender Anamnese und klinischer Untersuchung folgen Stuhluntersuchung, Blutbild mit erweitertem Profil (TLI, cobalamin, Folat, fPLI, T4) und Sonographie des Bauches. Sind diese Schritte negativ oder unspezifisch, folgt eine Eliminationsdiät über sechs bis acht Wochen. Erst danach, bei weiterhin bestehender Symptomatik, wird eine endoskopische Biopsie zur Differenzierung zwischen IBD und niedrigmalignem intestinalen Lymphom in Betracht gezogen.
Die Therapie ist je nach Diagnose unterschiedlich: bei IBD eine Kombination aus Diät, Probiotika, Vitamin-B12-Substitution und gegebenenfalls Glukokortikoiden oder Cyclosporin. Bei niedrigmalignem Lymphom eine orale Chemo mit Chlorambucil und Prednisolon, die in der Regel sehr gut vertragen wird (mehr unter Lymphdrüsenkrebs bei der Katze). Bei exokriner Pankreasinsuffizienz die lebenslange Substitution mit Pankreasenzymen und B12. Bei Hyperthyreose entweder Carbimazol oral, Radiojodtherapie oder Ernährungsumstellung auf jodarmes Diätfutter, mehr siehe spezialisierte Endokrinologie an der Vetmeduni Wien.
Eine Katzenversicherung kann die Kosten von Diagnostik (Endoskopie, Biopsien, Spezialdiäten) und langfristiger Therapie deutlich abfedern. Lies dazu auch Diabetes bei Katzen und Niereninsuffizienz Katze, weil Senior-Katzen oft mehrere chronische Erkrankungen parallel zeigen, die sich gegenseitig beeinflussen.
Sofort in die Klinik
Blutiger oder teerartiger Stuhl, anhaltendes Erbrechen zusätzlich zu Durchfall, Apathie, Schwäche, Fieber über 39,5 Grad, hartem oder schmerzhaftem Bauch, sowie Durchfall bei Kitten oder geschwächten Senior-Katzen sind Notfallzeichen. Fahre direkt in eine Tierklinik mit Notdienst, in Wien etwa zur Vetmeduni oder zu spezialisierten Privatkliniken. Eine schnelle Infusionstherapie und gezielte Diagnostik retten in solchen Fällen Leben.
Häufige Fragen zu Durchfall bei Katzen
Quellen
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