Grauer Star bei Katzen
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Grauer Star, fachlich Katarakt, ist eine Trübung der Augenlinse, die das Sehen einer Katze schrittweise einschränkt und im Endstadium zur Erblindung des betroffenen Auges führen kann. Anders als beim Hund, bei dem die Katarakt eine der häufigsten Augenerkrankungen ist, kommt sie bei der Katze deutlich seltener vor. Wenn sie auftritt, steckt fast immer eine Grunderkrankung dahinter, am häufigsten ein Diabetes mellitus, eine chronische Uveitis (Regenbogenhautentzündung) oder ein Trauma. Ein erblich bedingter Katarakt ohne Grunderkrankung ist bei Katzen ungewöhnlich. Die Therapie ist chirurgisch, mit der Phakoemulsifikation als Goldstandard. Wichtiger als die Operation ist aber die korrekte Differenzialdiagnose, weil viele scheinbare Linsentrübungen bei älteren Katzen tatsächlich eine harmlose Kernsklerose sind, die keine Therapie braucht. In diesem Ratgeber liest du, wie du eine echte Katarakt erkennst, wie die Abklärung in Österreich abläuft und wann eine Operation Sinn ergibt. Der Inhalt ist tierärztlich überprüft.
Auf einen Blick
Eine echte Katarakt bei der Katze ist selten und fast immer Folge einer anderen Erkrankung, vor allem Diabetes mellitus, chronischer Uveitis oder eines Augentraumas. Eine bläulich-graue Eintrübung bei Senioren ist meist harmlose Kernsklerose und braucht keine Therapie. Der Tierarzt unterscheidet beides mit der Spaltlampe sicher. Therapie der Wahl ist die Phakoemulsifikation, eine schonende Linsen-Operation mit Ultraschall, die in Österreich an spezialisierten Augenkliniken angeboten wird.
Wie funktioniert die Linse der Katze?
Die Linse ist eine bikonvexe, durchsichtige Struktur hinter der Iris. Sie besteht aus eng gepackten, hochspezialisierten Linsenfasern, die in einer dünnen Kapsel liegen und über feine Aufhängebänder (Zonulafasern) am Strahlenkörper verankert sind. Ihre Aufgabe ist die Bündelung der einfallenden Lichtstrahlen auf die Netzhaut, damit ein scharfes Bild entsteht. Anders als beim Menschen kann die Linse der Katze ihre Brechkraft nur in geringem Umfang verändern, was bei der Jagd auf nahe Beute eine Rolle spielt.
Die Linsenfasern werden ein Leben lang neu gebildet, wobei alte Fasern in den Linsenkern verlagert und dort verdichtet werden. Dieser physiologische Vorgang führt im Alter zu einer leichten bläulich-grauen Schimmerung im Pupillenbereich, der sogenannten Kernsklerose. Sie ist harmlos, beeinträchtigt das Sehen kaum und wird oft fälschlich als Katarakt gedeutet.
Eine echte Katarakt ist eine pathologische Trübung des Linsengewebes selbst. Sie entsteht durch Stoffwechselstörungen, Entzündungen, Trauma oder Toxine, seltener durch genetische Ursachen. Die Trübung kann punktförmig im Linsenkern beginnen, sich entlang der Linsenfasern ausbreiten oder schalenförmig die gesamte Linse betreffen. Mit fortschreitender Trübung sinkt die Sehschärfe, im Endstadium ist das betroffene Auge funktionell blind.

Welche Ursachen sind bei Katzen typisch?
Die mit Abstand häufigste Ursache einer Katarakt bei der Katze ist die chronische Uveitis, also eine länger andauernde Entzündung der Regenbogenhaut, des Strahlenkörpers oder der Aderhaut. Eine Uveitis kann viele Auslöser haben: Infektionen mit FIV, FeLV, FIP, Toxoplasmose oder Bartonellose, Tumoren wie Lymphome, immunvermittelte Prozesse oder ein Trauma. Die Entzündung verändert das Mikromilieu in der vorderen Augenkammer, schädigt die Linsenkapsel und führt zur sekundären Katarakt.
Die zweithäufigste Ursache ist der Diabetes mellitus. Anders als beim Hund, bei dem rund 75 Prozent der diabetischen Tiere innerhalb eines Jahres eine Katarakt entwickeln, ist die diabetische Katarakt bei der Katze deutlich seltener (etwa zehn bis 15 Prozent), weil die Linse der Katze einen anderen Stoffwechsel hat. Wenn sie auftritt, schreitet sie aber rasch fort und führt innerhalb weniger Wochen zur deutlichen Sehminderung. Mehr zur Grunderkrankung liest du im Beitrag zu Diabetes bei Katzen.
Weitere Ursachen sind ein stumpfes oder penetrierendes Augentrauma, etwa nach Sturz, Bisswunde oder Stoß gegen Kanten. Auch ionisierende Strahlung, etwa nach einer Strahlentherapie eines Tumors im Kopfbereich, kann eine Katarakt verursachen. Eine angeborene oder erblich bedingte Katarakt ist bei Katzen ungewöhnlich, kommt aber bei Birmakatzen, Perserkatzen und Himalayan vor. Neugeborene Katzen können auch eine kongenitale Katarakt durch intrauterine Infektionen oder Stoffwechselstörungen aufweisen.
An welchen Symptomen erkennst du einen Grauen Star?
Das auffälligste Symptom ist eine sichtbare weißlich-graue oder bläulich-weiße Eintrübung im Pupillenbereich. Die Trübung kann punktförmig beginnen und sich über Wochen oder Monate vergrößern, bis die gesamte Pupille milchig erscheint. Im seitlichen Licht reflektiert eine getrübte Linse anders als eine klare, was du oft als veränderten Blick wahrnimmst.
Verhaltensänderungen sind oft subtil, weil Katzen Sehminderung erstaunlich gut kompensieren. Hinweise sind ein vorsichtigeres Bewegungsmuster in unbekannten Räumen, häufigeres Anstoßen an Möbeln, zögerliches Springen auf vertraute Plätze, Unsicherheit auf Treppen oder Rückzug bei wechselnder Beleuchtung. Bei einseitiger Erblindung fällt das oft kaum auf, weil das gesunde Auge kompensiert. Bei beidseitiger fortgeschrittener Katarakt zeigt sich eine deutliche Desorientierung.
Begleitsymptome bei der Grunderkrankung sind wichtig zu beachten. Bei diabetischer Katarakt sind verstärktes Trinken, vermehrter Urinabsatz, Gewichtsverlust trotz Appetit und Schwäche der Hinterbeine typisch. Bei chronischer Uveitis sieht man oft gerötete Augen, Tränenfluss, Lichtscheu, Linsenniederschläge oder eine veränderte Pupillenform. Bei FIP-Uveitis kommen Fieber, Apathie, Bauchumfangsvermehrung oder neurologische Symptome dazu. Eine genaue Beobachtung hilft, die Differenzialdiagnose richtig zu stellen.
Was ist Kernsklerose und warum verwechselt man sie?
Die wichtigste Differenzialdiagnose zur Katarakt ist die Kernsklerose. Sie tritt bei fast allen Katzen ab dem siebten bis neunten Lebensjahr auf und ist eine physiologische Verdichtung der älteren Linsenfasern im Linsenkern. Sie zeigt sich als bläulich-graue, oft gleichmäßige Eintrübung im Pupillenbereich, die im seitlichen Licht zu sehen ist und die der Halterin oft als Katarakt erscheint.
Der entscheidende Unterschied: Bei der Kernsklerose bleibt die Linse durchscheinend. Mit der Spaltlampe sieht der Tierarzt durch die Linse hindurch in den Augenhintergrund, der Pupillenreflex bleibt normal, die Sehschärfe ist nicht oder nur minimal reduziert. Bei einer Katarakt ist die Linse undurchsichtig, der Augenhintergrund nicht beurteilbar und die Sehschärfe deutlich reduziert.
Diese Unterscheidung ist klinisch sehr wichtig, weil eine Kernsklerose keine Therapie braucht und keine Operation rechtfertigt. Eine echte Katarakt dagegen verlangt zumindest die Abklärung der Grunderkrankung und je nach Befund eine Operation. Wenn dir bei deiner älteren Katze ein bläulicher Schimmer im Auge auffällt, lohnt sich eine kurze augenärztliche Untersuchung in der nächsten Routinekontrolle, oft reicht das, um Klarheit zu schaffen.
Wie läuft die Diagnostik in der Praxis ab?
Der erste Schritt ist die augenärztliche Untersuchung mit Spaltlampe und Ophthalmoskop. Der Tierarzt beurteilt Linsenklarheit, Pupillenreaktion, Augeninnendruck (mit Tonometer), Beschaffenheit von Hornhaut und Bindehaut sowie den Augenhintergrund. Bei intakter Pupillenreaktion und einsehbarem Augenhintergrund ist eine Operation grundsätzlich möglich. Bei zerstörter Netzhaut, fortgeschrittener Uveitis oder Glaukom ist eine Linsen-Operation oft nicht sinnvoll.
Im zweiten Schritt erfolgt die internistische Abklärung der Grunderkrankung. Standard sind Blutbild, klinische Chemie, Blutzucker und Urinuntersuchung zur Suche nach Diabetes, Schilddrüsenwerte, FeLV/FIV-Test und je nach Verdacht spezifische Tests auf Toxoplasmose, Bartonella oder Coronavirus (FIP-Verdacht). Bei Katzen über zehn Jahren wird ein vollständiges Senioren-Screening empfohlen, weil eine Katarakt oft das erste sichtbare Zeichen einer noch unentdeckten Erkrankung ist.
Im dritten Schritt folgt die spezialisierte Augendiagnostik. Eine Ultraschalluntersuchung des Auges (B-Scan) zeigt die Beschaffenheit von Glaskörper und Netzhaut, was bei vollständig getrübter Linse die einzige Möglichkeit ist, eine Netzhautablösung oder einen Tumor auszuschließen. Eine Elektroretinographie (ERG) prüft die Funktion der Netzhaut und ist vor jeder Katarakt-Operation Pflicht, weil ohne funktionsfähige Netzhaut auch nach erfolgreicher Linsenoperation kein Sehen möglich ist.
Diese spezialisierte Diagnostik bieten in Österreich die Vetmeduni Wien und einige spezialisierte Augenkliniken an. Die Kosten für die vollständige Abklärung liegen zwischen 250 und 500 Euro. Eine bestehende Katzenversicherung übernimmt einen Großteil davon.

Welche Therapie ist Standard?
Die einzige wirksame Therapie der Katarakt ist die operative Entfernung der getrübten Linse. Tropfen, Salben oder Nahrungsergänzungsmittel können eine bestehende Katarakt nicht rückgängig machen, auch wenn entsprechende Produkte gerne beworben werden. Vor der Operation muss die Grunderkrankung kontrolliert sein. Bei Diabetes heißt das stabile Blutzuckerwerte über mindestens vier Wochen, bei Uveitis eine vollständig abgeklungene Entzündung über mindestens drei Monate.
Goldstandard ist die Phakoemulsifikation. Über einen kleinen Schnitt wird eine Ultraschallsonde in die Vorderkammer eingeführt, die die Linse zerkleinert und absaugt. Anschließend wird eine Kunstlinse in den leeren Kapselsack implantiert, die die Brechkraft der entfernten Linse ersetzt. Der Eingriff dauert pro Auge etwa 60 bis 90 Minuten und erfolgt unter Vollnarkose.
Die Erfolgsquote liegt bei sorgfältig ausgewählten Patientinnen bei etwa 80 bis 90 Prozent für eine deutliche Sehverbesserung. Postoperative Komplikationen sind möglich: Uveitis, Glaukom, Netzhautablösung, Nachstar oder Wundheilungsstörungen. Eine engmaschige Nachsorge mit lokalen Tropfen über Wochen und Kontrolltermine alle ein bis zwei Wochen in den ersten zwei Monaten sind Pflicht.
In Österreich wird die Katarakt-Operation an der Vetmeduni Wien sowie an einigen wenigen spezialisierten Augenkliniken in Wien, Linz und Graz angeboten. Die Kosten liegen pro Auge zwischen 2.500 und 4.000 Euro inklusive Voruntersuchung, Narkose, Operation und postoperativer Betreuung in den ersten vier Wochen. Eine bilaterale Operation in einer oder zwei Sitzungen ist üblich, wenn beide Augen betroffen sind.
Wie unterstützt du deine sehbeeinträchtigte Katze?
Eine Katze mit beginnender oder fortgeschrittener Katarakt orientiert sich zunehmend über Geruch, Gehör und Tastsinn. Halte deshalb die Wohnungseinrichtung möglichst stabil und vermeide das Umstellen von Möbeln, Futternapf, Wasserstelle oder Katzentoilette. Auch Aufstiegshilfen wie Treppen oder Hocker an stark frequentierten Stellen erleichtern den Alltag. Vermeide herumliegende Gegenstände auf Bodenhöhe, weil deine Katze sie nicht mehr sicher umgehen kann.
Bei Freigängerinnen ist Vorsicht geboten. Eine sehbehinderte Katze sollte besser als Wohnungstier oder mit gesichertem Garten gehalten werden, weil sie Gefahren wie Autoverkehr, Hunde oder steile Abhänge nicht mehr rechtzeitig erkennt. Auch das Erkennen von Beutetieren oder das sichere Springen vom Kratzbaum ist eingeschränkt.
Bei diabetischer Katarakt ist die konsequente Insulin-Therapie zentral, weil eine instabile Blutzuckerlage die Katarakt schneller voranschreiten lässt und auch andere Komplikationen wie Niereninsuffizienz oder Neuropathie verstärkt. Halte regelmäßige Tierarzt-Termine zur Blutzucker- und Fructosamin-Kontrolle ein und arbeite eng mit deiner Tierärztin zusammen.
Bei chronischer Uveitis als Grunderkrankung ist die antientzündliche Therapie mit kortisonhaltigen Augentropfen und gegebenenfalls oralen Medikamenten Pflicht. Setze die Tropfen konsequent über die volle verordnete Dauer ein, auch wenn das Auge schon nach wenigen Tagen ruhiger wirkt. Eine zu früh abgesetzte Therapie führt fast immer zum Rückfall mit weiterer Linsenschädigung.
Tierärztlicher Blick: warum die Differenzialdiagnose über alles entscheidet
Aus tierärztlicher Sicht ist der häufigste Fehler bei der Katarakt-Verdachtsdiagnose die Verwechslung mit Kernsklerose. Eine ältere Katze mit bläulich-grauem Schimmer im Pupillenbereich hat in über 80 Prozent der Fälle eine harmlose Kernsklerose, keine echte Katarakt. Eine sichere Unterscheidung gelingt nur mit der Spaltlampe in der Tierarztpraxis. Wenn dir ein veränderter Blick auffällt, lohnt sich ein kurzer Termin in einer Praxis mit augenheilkundlicher Erfahrung.
Der zweite zentrale Punkt ist die Suche nach der Grunderkrankung. Eine Katarakt bei der Katze ist fast nie eine isolierte Erkrankung. Sie ist Hinweis auf Diabetes, chronische Uveitis, FIV/FeLV, FIP, Toxoplasmose oder ein Trauma, und genau diese Grunderkrankung bestimmt Therapie und Prognose. Eine Linsenoperation ohne kontrollierte Grunderkrankung scheitert fast immer.
Eine niedergelassene Praxis kann die Erstuntersuchung und die internistische Abklärung der Grunderkrankung leisten. Für spezialisierte Augendiagnostik (ERG, B-Scan, Spaltlampe in höchster Vergrößerung) und für die Phakoemulsifikation ist die Überweisung an die Vetmeduni Wien oder eine spezialisierte Augenklinik nötig. Geeignete Adressen findest du über den Tierarzt-Finder, in der Bundeshauptstadt direkt unter Tierarzt Wien.
Plane finanziell ein. Die Erstuntersuchung mit Spaltlampe und Tonometrie liegt bei 80 bis 150 Euro. Die vollständige Voruntersuchung inklusive Blutbild, Klinik, Augenultraschall und ERG bei 400 bis 600 Euro. Eine Phakoemulsifikation pro Auge bei 2.500 bis 4.000 Euro. Bei beidseitigem Befall verdoppeln sich die Kosten entsprechend. Eine Katzenversicherung deckt einen Großteil ab und ist gerade für Diabetiker-Katzen mit Folgerisiken eine sinnvolle Investition. Mehr zu Routinekontrollen liest du im Beitrag zu Zahnpflege bei Katzen, der Beispiele für sinnvolle Senioren-Routinen aufzeigt.
Was du nie tun solltest: Augentropfen nach Erfahrungswerten, pflanzliche Präparate „zur Linsenklärung“ oder homöopathische Globuli ohne Diagnose verabreichen. Eine echte Katarakt lässt sich medikamentös nicht rückgängig machen, und falsche Tropfen können eine bestehende Uveitis verschlimmern.
Häufige Fragen zum Grauen Star bei Katzen
Quellen
MSD Veterinary Manual: Cataracts in Animals (2024) (letzter Zugriff: 30.04.2026)
Williams DL et al: Feline cataract: a review. J Feline Med Surg (2009) (letzter Zugriff: 30.04.2026)
WSAVA: Global Veterinary Guidelines, Ophthalmology (letzter Zugriff: 30.04.2026)
Vetmeduni Wien: Universitätsklinik für Kleintiere, Augenheilkunde (letzter Zugriff: 30.04.2026)
Hol dir deinen persönlichen Bereich mit gespeicherten Beiträgen, Empfehlungen und Tierarzt-Terminen.
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