Herzwürmer bei Katzen
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Herzwürmer bei der Katze, in der Tiermedizin als feline Dirofilariose bezeichnet, sind ein zunehmend wichtiges Thema in der Kleintiermedizin. Auslöser ist der Fadenwurm Dirofilaria immitis, ein klassischer Hundeparasit, dessen geografische Verbreitung sich in den letzten Jahren auch nach Mitteleuropa ausgedehnt hat. Erwachsene Würmer leben in den Lungenarterien und im rechten Herzen ihres Wirts, ihre Larven werden über Stechmücken übertragen. Während die Erkrankung beim Hund seit Jahrzehnten gut bekannt ist, wurde die feline Dirofilariose lange unterschätzt. Heute weiß die Forschung, dass auch Katzen sich infizieren, dass das Krankheitsbild bei der Katze sogar schwerer und unberechenbarer verläuft als beim Hund und dass viele plötzliche Todesfälle bei jungen Wohnungskatzen retrospektiv auf eine Heartworm-assoziierte Atemwegserkrankung zurückgeführt werden konnten. Besonders relevant ist das Thema, wenn du mit deiner Katze in Mittelmeerländer reist oder eine Katze aus Italien, Spanien, Portugal, Süd-Frankreich, Griechenland oder den Balkan-Staaten adoptierst. Auch in Süd-Österreich und im Tessin sind autochthone Fälle inzwischen dokumentiert. Dieser Ratgeber erklärt dir die Biologie des Erregers, die typischen Symptome, das Heartgard-Dilemma bei Katzen und die Diagnostik mit Antikörper- und Antigentests. Der Inhalt ist tierärztlich überprüft.
Wichtig zu wissen
Bei der Katze gibt es keine sichere abtötende Therapie für erwachsene Herzwürmer. Eine Behandlung wie beim Hund ist nicht möglich. Deshalb steht die Vorbeugung im Mittelpunkt, vor allem bei Reisen ins Mittelmeer oder bei Adoption von Katzen aus Süd-Europa. Eine vorsorgliche monatliche Gabe eines milbemycin- oder ivermectin-haltigen Präparats nach tierärztlicher Verordnung ist Standard. Symptome wie Husten, Atemnot, Erbrechen oder plötzlicher Kollaps gehören umgehend in die Praxis.
Wie kommt der Herzwurm in die Katze?
Dirofilaria immitis ist ein bis zu 30 Zentimeter langer Fadenwurm, der in seiner adulten Form in den Lungenarterien und dem rechten Herzen lebt. Sein Lebenszyklus läuft über zwei Wirte. Die erwachsenen Weibchen geben Mikrofilarien (Larven der ersten Stufe) ins Blut ab. Diese werden von Stechmücken aufgenommen, die in der Mücke zwei Häutungen durchlaufen und sich zu infektiösen Larven der dritten Stufe entwickeln. Beim nächsten Stich werden sie auf einen neuen Wirt übertragen.
Beim klassischen Wirt Hund wandern diese Larven über Wochen durch das Bindegewebe, häuten sich erneut und erreichen nach etwa sechs Monaten die Lungenarterien, wo sie sich zu erwachsenen Würmern entwickeln und Mikrofilarien bilden. Bei der Katze ist die Situation anders. Katzen sind keine optimalen Wirte. Viele Larven werden vom felinen Immunsystem schon im Frühstadium abgetötet, andere erreichen die Lunge, sterben dort aber, bevor sie geschlechtsreif werden. Nur ein kleiner Teil entwickelt sich zu adulten Würmern, deren Gesamtanzahl meist bei einem bis sechs Tieren liegt, im Vergleich zu oft 30 oder mehr beim Hund.
Diese vermeintlich „bessere“ Situation ist klinisch trügerisch. Schon einzelne sterbende Larven oder adulte Würmer in der Lunge der Katze lösen massive Entzündungsreaktionen aus, die als Heartworm-Associated Respiratory Disease (HARD) bekannt sind. HARD verursacht Husten, Atemnot, asthmaartige Anfälle und kann zu plötzlichen Todesfällen führen, wenn ein adulter Wurm in der Lungenarterie stirbt und einen Embolie-ähnlichen Schock auslöst. Hinzu kommt, dass eine zuverlässige Mikrofilarienproduktion bei der Katze meist fehlt, weshalb klassische Bluttests beim Hund hier oft falsch-negativ sind. Mehr zur Atemwegsdiagnostik liest du im Ratgeber zur Differenzialdiagnose Erbrechen bei Katzen, weil HARD auch mit Erbrechen einhergehen kann.

Welche Katzen sind besonders gefährdet?
Das Infektionsrisiko hängt von zwei Faktoren ab: der Stechmücken-Belastung und der Verbreitung des Erregers in der Hundepopulation der Region. Klassische Hochrisikoregionen sind Italien (vor allem die Po-Ebene und Süden), Spanien (Mittelmeerküste, Kanarische Inseln), Portugal, Süd-Frankreich, Griechenland, Bulgarien, Kroatien, Ungarn und die Donau-Region. Auch in Süd-Österreich (Steiermark, Kärnten, Burgenland) und im Schweizer Tessin gibt es seit den 2010er-Jahren autochthone Fälle, also Infektionen, die ohne Auslandsreise entstanden sind. Die Klimaerwärmung mit längeren warmen Sommern und milderen Wintern fördert die Ausbreitung der zuständigen Stechmückenarten (vor allem Aedes albopictus, die asiatische Tigermücke) auch in höhere Breiten.
Reisekatzen, die mit ihren Halterinnen oder Haltern in den Sommermonaten ins Mittelmeer reisen, sind exponiert, sobald sie sich auch nur kurz im Freien aufhalten oder die Mücke ins Quartier kommt. Adoptierte Katzen aus Tierschutz-Organisationen in Süd-Europa, sogenannte „Auslandskatzen“, können bereits infiziert sein, wenn sie nach DACH gebracht werden. Sie sehen klinisch oft gesund aus, können aber Monate nach Adoption HARD-Symptome entwickeln. Auch Wohnungskatzen sind nicht völlig sicher, weil Stechmücken durch offene Fenster oder über die Kleidung in die Wohnung gelangen.
Begleiterkrankungen wie FeLV/FIV-Infektion, chronische Atemwegserkrankungen oder ein bestehendes felines Asthma erhöhen die Empfänglichkeit und die Schwere des Verlaufs. Junge Katzen scheinen häufiger schwere Verläufe zu zeigen als ältere Tiere, möglicherweise wegen der intensiveren Immunreaktion. Mehr zur generellen Atemwegsgesundheit findest du im Beitrag zur Symptom-Differenzialdiagnose Durchfall bei Katzen, weil Mehrfachsymptome oft zusammen auftreten.
Welche Symptome zeigen infizierte Katzen?
Die feline Dirofilariose hat ein breites Symptomspektrum, von völliger Symptomfreiheit über chronische Atemwegssymptome bis zum plötzlichen Tod. Etwa ein Drittel der infizierten Katzen bleibt asymptomatisch, das immunologische Aufräumen klappt ohne klinische Folgen.
Bei den symptomatischen Katzen dominieren respiratorische Beschwerden. Häufigste Symptome sind chronischer Husten, der oft als „Asthma“ fehlinterpretiert wird, schnelle und flache Atmung, Atemnot bei Anstrengung und manchmal asthmaartige Anfälle mit Erstickungsangst. Begleitsymptome sind Erbrechen ohne klaren Bezug zur Mahlzeit, Mattigkeit, Appetitverlust, Gewichtsverlust und gelegentlich neurologische Auffälligkeiten wie Schwanken, Blindheit oder Krampfanfälle, wenn ein Wurm aberrant in das Gehirn wandert.
Die gefürchtetste Verlaufsform ist der akute Tod. Wenn ein erwachsener Wurm in der Lungenarterie stirbt, zerfällt er und löst eine massive Entzündung mit pulmonaler Thromboembolie aus. Die Katze kollabiert, kann Schaum aus dem Maul absondern, krampft und stirbt innerhalb von Minuten. Solche Verläufe sind retrospektiv erst nach Obduktion eindeutig zuzuordnen. Manche Fälle früher als „SIDS“ („Sudden Infant Death Syndrome“) oder „Herzversagen ungeklärter Ursache“ eingeordneter junger Katzen waren wahrscheinlich Heartworm-Tod.
Eine Besonderheit ist HARD bei jungen Wohnungskatzen, deren Halterinnen oder Halter im Mittelmeerraum Urlaub gemacht haben. Auch ohne dass die Katze dabei war, können infizierte Mücken im Gepäck oder an der Kleidung mitkommen und in der Wohnung stechen. HARD-Symptome treten dann oft erst Monate nach dem Urlaub auf und werden zunächst nicht mit der Reise in Verbindung gebracht. Bei jeder neuen Atemwegssymptomatik einer Katze mit Reisebezug sollte der Tierarzt aktiv nach Heartworm fragen.
Wie wird die feline Dirofilariose festgestellt?
Die Diagnostik bei der Katze ist anspruchsvoller als beim Hund, weil viele klassische Tests bei der Katze versagen oder ungenaue Ergebnisse liefern. Sie beginnt mit Anamnese (Reisen, Adoptionsherkunft, Wohnort), klinischer Untersuchung und Auskultation von Herz und Lunge. Auffällig sind manchmal verstärkte oder veränderte Atemgeräusche, gelegentlich ein Herzgeräusch.
Im Notfall- oder Vorsorge-Setting werden zwei Bluttests kombiniert. Erstens der Antigentest, der ein Eiweiß weiblicher adulter Würmer im Blut nachweist. Bei der Katze hat er eine geringere Sensitivität als beim Hund, weil bei felinen Infektionen oft nur wenige Würmer vorhanden sind oder ausschließlich männliche Würmer (die kein Antigen produzieren). Zweitens der Antikörpertest, der die Immunantwort gegen Dirofilarien-Antigene misst. Er reagiert schon bei Larvenkontakt, also vor Entwicklung adulter Würmer, ist aber unspezifisch dafür, ob aktuell noch eine Infektion besteht. Beide Tests gemeinsam liefern das aussagekräftigste Bild. Ein einzelner negativer Test schließt eine Infektion bei der Katze nicht aus.
Bildgebende Diagnostik ergänzt das Labor. Im Röntgen des Brustkorbs zeigen sich oft erweiterte und gewundene Lungenarterien, vor allem im rechten kaudalen Lungenlappen. Eine Echokardiografie kann adulte Würmer in den Lungenarterien oder im rechten Herzen direkt darstellen, sie ist die sensitivste Methode bei klinischem Verdacht. Eine bronchoalveoläre Lavage (Spülprobe der Atemwege) kann begleitende Eosinophilie nachweisen, die bei HARD typisch ist. Ein großes Blutbild zeigt häufig eine Eosinophilie, eine klinische Chemie ist meist unauffällig. Eine PCR auf Mikrofilarien ist nur in den seltenen Fällen mit Mikrofilarämie aussagekräftig.

Warum gibt es bei Katzen ein Therapie-Dilemma?
Beim Hund ist die Adultizid-Therapie mit Melarsomin etabliert, ein arsenhaltiges Präparat, das adulte Würmer abtötet. Bei der Katze ist Melarsomin nicht zugelassen und gilt als kontraindiziert. Der Grund ist genau die Immunreaktion, die HARD verursacht. Wenn bei einer Katze mehrere adulte Würmer gleichzeitig sterben, ist das Risiko einer fatalen Lungenembolie sehr hoch. Weil keine sichere Methode existiert, das Wurmsterben kontrolliert zu verlangsamen, wird die Adultizid-Therapie in den USA wie in Europa als zu riskant eingestuft.
Stattdessen wird beim symptomatischen Tier eine supportive Therapie eingesetzt. Glukokortikoide (Prednisolon) reduzieren die Entzündungsreaktion in der Lunge und lindern Husten und Atemnot. Bei akuten Anfällen kommen Bronchodilatatoren wie Terbutalin zum Einsatz. Manche Spezialistinnen verwenden Doxycyclin in Kombination mit monatlichen Makrozyklischen Laktonen (Ivermectin, Milbemycin oder Selamectin) über mehrere Monate, weil Doxycyclin gegen Wolbachia wirkt, die Endosymbionten der Dirofilarien, was den Wurmstoffwechsel stört und das Sterben verlangsamt.
Eine chirurgische Wurmentfernung über die Vena jugularis ist in spezialisierten Zentren möglich, etwa bei einer schweren Form mit Caval-Syndrom (Verlegung der Hohlvene durch Wurmmasse), bleibt aber eine Hochrisiko-Intervention. Die Lebenserwartung infizierter Katzen ist sehr unterschiedlich. Asymptomatische Tiere können Jahre ohne Beschwerden leben, symptomatische Katzen mit HARD haben bei guter supportiver Therapie eine mediane Überlebenszeit von zwei bis vier Jahren, schwere Verläufe enden trotz Therapie tödlich. Eine bestehende Katzenversicherung trägt einen Großteil der oft langen, intensiven Versorgung.
Wie schützt du deine Katze vor Herzwürmern?
Weil eine sichere Therapie nicht existiert, ist Prävention die einzig wirklich wirksame Strategie. Sie ruht auf zwei Säulen: medikamentöse Prophylaxe und Mückenkontrolle.
Die medikamentöse Prophylaxe erfolgt mit monatlich verabreichten Wirkstoffen aus der Gruppe der Makrozyklischen Laktone, die abgegebene Larven der dritten und vierten Stufe abtöten, bevor sie zu adulten Würmern werden. Für Katzen sind in Österreich Spot-on-Präparate mit Selamectin (Stronghold), Moxidectin/Imidacloprid (Advocate) und milbemycin-haltige Tabletten erhältlich. Wichtig: Die Prophylaxe muss in Risikoregionen während der Mückensaison von April bis November lückenlos monatlich erfolgen, weil eine vergessene Dosis ein Übertragungsfenster öffnet. Bei Reisen in den Mittelmeerraum beginnt die Prophylaxe einen Monat vor Abreise und wird einen Monat nach Rückkehr fortgesetzt. Lass dich in der Tierarztpraxis individuell beraten, weil Wirkstoffwahl und Dosierung von Alter, Gewicht und Begleiterkrankungen abhängen.
Mückenkontrolle ergänzt die medikamentöse Prophylaxe. Im Urlaubsquartier helfen Moskitonetze an Fenstern und Türen, Insektenschutzmittel im Raum (am besten katzensichere Verdampfer ohne Permethrin) und das Vermeiden offener Fenster in der Dämmerung, wenn Mücken am aktivsten sind. Niemals Hundespots oder Mückensprays für Menschen direkt auf die Katze auftragen, weil viele Wirkstoffe (vor allem Permethrin, DEET in hoher Konzentration) für Katzen toxisch sind. Vor jeder Adoption einer Auslandskatze ist ein Heartworm-Test mit Antigen und Antikörper Standard, idealerweise zwei Tests im Abstand von sechs Monaten, weil eine Frischinfektion erst nach Wochen serokonvertiert. Eine reine Wohnungshaltung ohne Reise ist das wirksamste Risikomanagement, mehr im Beitrag zur artgerechten Wohnungshaltung.
Tierärztlicher Blick: was bei Verdacht und Reise zählt
Aus tierärztlicher Sicht sind drei Situationen rund um Herzwürmer bei der Katze besonders relevant. Erstens die Reiseplanung. Wenn du mit deiner Katze in den Mittelmeerraum fährst, plane vier bis sechs Wochen Vorlauf ein, um die Prophylaxe zu starten, einen aktuellen Antikörper- und Antigentest zu machen (als Ausgangswert für eine spätere Kontrolle) und das passende Reise- und Mückenschutz-Paket zu besprechen.
Zweitens die Adoption einer Auslandskatze. Vor Übernahme idealerweise zwei Heartworm-Tests im Abstand von sechs Monaten, ein Test allein reicht bei einer Frischinfektion oft nicht. Beobachte das Tier in den ersten zwölf Monaten nach Adoption sehr genau auf Husten, Atemnot, Erbrechen oder Erschöpfung. Drittens die unklare Atemwegssymptomatik einer DACH-Katze mit Reisebezug der Halterin oder des Halters. Auch ohne dass die Katze selbst gereist ist, kann eine infizierte Mücke ins Quartier mitgekommen sein. Bei chronischem Husten oder asthmaartigen Anfällen einer jungen Wohnungskatze gehört Heartworm in die Differenzialdiagnose.
Eine geeignete Praxis findest du über den Tierarzt-Finder, in der Bundeshauptstadt unter Tierarzt Wien. Bei komplexen Fällen ist die Überweisung an die Universitätsklinik für Kleintiere der Vetmeduni Wien oder an eine spezialisierte Kardiologie-Praxis sinnvoll. Plane finanziell ein. Eine Erstvorstellung mit Anamnese, Status, Antigen- und Antikörpertest liegt erfahrungsgemäß zwischen 150 und 280 Euro. Eine Echokardiografie kostet 150 bis 250 Euro, ein Röntgen 80 bis 150 Euro, eine bronchoalveoläre Lavage 300 bis 500 Euro. Eine monatliche Prophylaxe liegt je nach Präparat zwischen acht und 18 Euro pro Dosis. Was du nie tun solltest: ohne tierärztliche Verordnung Hunde-Heartworm-Mittel umwidmen oder auf eine Prophylaxe verzichten, weil deine Katze „eh nur kurz im Süden ist“. Eine einzige Mückenstunde reicht für eine Infektion.
Häufige Fragen zu Herzwürmern bei der Katze
Quellen
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