Leishmaniose bei Katzen
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Leishmaniose bei der Katze ist eine seltene, aber zunehmend dokumentierte Infektionskrankheit, die durch einzellige Parasiten der Gattung Leishmania ausgelöst wird. Übertragen werden die Erreger fast ausschließlich durch den Stich infizierter Sandmücken (Phlebotomus spp.), die im gesamten Mittelmeerraum heimisch sind und sich klimabedingt langsam in Richtung Mitteleuropa ausbreiten. In Deutschland, Österreich (AT) und der Schweiz wird die Erkrankung vor allem bei reise-rückkehrenden oder importierten Katzen aus Spanien, Portugal, Italien, Griechenland oder Kroatien gesehen, einzelne autochthone Fälle aus Süddeutschland und dem Tessin sind dokumentiert. Die Diagnose ist anspruchsvoll, weil das Krankheitsbild vielfältig und oft maskiert von anderen Begleiterkrankungen ist.
Dieser Ratgeber erklärt dir, wie sich Leishmaniose bei der Katze zeigt, warum sie so lange unentdeckt bleiben kann, welche Diagnostik nötig ist, welche Therapieoptionen es gibt und wie du deine Katze auf Reisen oder am Reise-Wohnsitz im Süden schützt. Du erfährst auch, wie sich die felinen Verläufe von der bekannteren Hunde-Leishmaniose unterscheiden und worauf eine erfahrene Praxis achtet. Der Inhalt ist tierärztlich überprüft.
Auf einen Blick
Leishmaniose bei Katzen ist selten, aber bei Reise-Rückkehrern aus dem Mittelmeerraum eine wichtige Differenzialdiagnose. Typische Zeichen sind hartnäckige, knotige Hautveränderungen an Ohren, Nase und Lidern, schlecht heilende Wunden, vergrößerte Lymphknoten, Gewichtsverlust und chronisches Niesen. Eine Begleiterkrankung wie FIV, FeLV oder Diabetes erhöht das Risiko deutlich. Die Diagnose stützt sich auf Zytologie, Serologie und PCR, die Therapie folgt erfahrenen Schemata aus Italien und Spanien.
Wie wird Leishmaniose auf die Katze übertragen?
Übertragen wird der Erreger fast ausschließlich durch den Stich infizierter weiblicher Sandmücken. Diese sind etwa zwei bis drei Millimeter klein, hellbeige bis gelblich gefärbt, lautlos und vor allem in der Dämmerung und nachts aktiv. Ihr Verbreitungsgebiet umfasst den gesamten Mittelmeerraum, große Teile Portugals, Spaniens, Südfrankreichs, Italiens, Maltas, Griechenlands, der Türkei, Kroatiens und Bulgariens. In den letzten 15 Jahren wurden klimabedingt vereinzelt etablierte Sandmücken-Populationen auch im südlichen Baden-Württemberg, im Tessin und im Burgenland nachgewiesen.
Bei einem Stich werden die Leishmanien als sogenannte Promastigoten in die Haut injiziert. Sie werden von körpereigenen Fresszellen aufgenommen, vermehren sich darin und verbreiten sich über die Lymphbahnen im ganzen Körper. Im Gegensatz zum Hund hat die Katze offenbar eine deutlich robustere natürliche Abwehr, die meisten infizierten Katzen entwickeln nie eine klinisch erkennbare Erkrankung. Bricht die Krankheit aus, geschieht das oft erst Monate bis Jahre nach dem Stich, häufig im Zusammenhang mit einer immunsupprimierenden Begleiterkrankung.
Andere Übertragungswege spielen eine untergeordnete Rolle, sind aber dokumentiert. Eine Übertragung von Mutter auf Welpen über die Plazenta, eine Bluttransfusion mit infiziertem Spenderblut, ein gemeinsam genutzter, kontaminierter Kratzer oder ein Biss zwischen Katzen sind theoretisch möglich, in der Praxis aber Einzelfälle. Eine Übertragung von Katze zu Mensch im Alltag ist nicht beschrieben, das Risiko geht auch für den Menschen vom Sandmückenstich aus.

Welche Symptome zeigt eine Katze bei Leishmaniose?
Das klinische Bild ist deutlich variabler als beim Hund. Eine infizierte Katze kann jahrelang unauffällig bleiben oder eine schleichende, schwer zuzuordnende Symptomatik entwickeln. Drei Verlaufsformen sind beschrieben.
Die kutane Form ist mit Abstand die häufigste. Typisch sind chronische, knotige Hautveränderungen an Stellen mit dünnem Haar, etwa am Nasenrücken, an den Lidrändern, den Ohrmuscheln, an den Lippen und an den Pfoten. Die Knoten sind meist schmerzlos, können aber aufbrechen, ulzerieren und sich bakteriell überinfizieren. Manchmal kommen schlecht heilende Krusten, Schuppen oder ein lokaler Haarverlust dazu. Bei intensivem Zeigen ist die Verwechslung mit Eosinophilem Granulom-Komplex, Pilzerkrankungen oder Tumoren möglich.
Die viszerale (systemische) Form ist seltener. Typisch sind ein chronisch reduziertes Allgemeinbefinden, langsame Gewichtsabnahme, struppiges Fell, vergrößerte Lymphknoten, eine vergrößerte Milz, gelegentlich eine vergrößerte Leber und Hinweise auf Anämie wie blasse Schleimhäute. Eine Beteiligung der Niere mit Eiweißverlust und schließlich ausgeprägter Niereninsuffizienz ist gefürchtet, weil sie die Prognose erheblich verschlechtert. Mehr zu Nierenproblemen findest du unter Niereninsuffizienz bei Katzen.
Die okuläre Form zeigt sich an chronisch gereizten Augen, Bindehautentzündung, einer Uveitis (Entzündung der mittleren Augenhaut), seltener auch an Lidödemen. Sie tritt häufig kombiniert mit der Hautform auf. Eine ergänzende Manifestation ist eine chronische Stomatitis mit hartnäckigen Geschwüren am Zahnfleisch und an der Zunge, die schwer auf Standardtherapien anspricht. Auch chronisches Niesen mit blutig-eitrigem Nasenausfluss bei felinen Leishmaniose-Fällen ist beschrieben.
Welche Risikofaktoren erhöhen die Wahrscheinlichkeit eines Ausbruchs?
Eine zugrundeliegende Schwächung des Immunsystems ist der wichtigste Risikofaktor. Eine Infektion mit dem Felinen Immunschwächevirus (FIV) oder mit dem Felinen Leukämievirus (FeLV) erhöht die Wahrscheinlichkeit eines klinischen Ausbruchs deutlich, weil die zelluläre Abwehr gegen Leishmanien geschwächt ist. Auch eine längere Kortison- oder Chemotherapie, ein dekompensierter Diabetes mellitus oder eine fortgeschrittene chronische Niereninsuffizienz können die Erkrankung anstoßen.
Reise-Anamnese ist der zweite Schlüsselpunkt. Katzen, die in Spanien, Portugal, Italien, Griechenland, Kroatien, der Türkei, Zypern oder im südlichen Frankreich leben oder dort längere Zeit verbracht haben, sind das Hauptkollektiv. Eine Adoption aus dem Süden, eine Mitnahme im Wohnmobil-Urlaub oder ein längerer Aufenthalt im Ferienhaus sind die häufigsten Wege, auf denen das Erregerreservoir in mitteleuropäische Wohnzimmer gelangt. Da die Inkubationszeit Jahre betragen kann, lohnt der Hinweis auf zurückliegende Reisen oder Lebensphasen im Süden auch viele Jahre nach dem letzten Aufenthalt.
Freiganghaltung in Endemiegebieten erhöht das Stichrisiko zusätzlich. Sandmücken sind nachts aktiv, sie stechen besonders an Ohren, Nasenrücken und an den unbehaarten Innenseiten der Schenkel. Eine reine Wohnungshaltung in einem Gebiet ohne Sandmücken ist ein wirksamer Schutz, eine Wohnungshaltung in einem Endemiegebiet schützt nur eingeschränkt, weil Sandmücken durch normale Insektengitter durchschlüpfen können. Spezielle Feinmaschen-Netze und Insektenschutzsteckdosen für die Nacht verbessern den Schutz erheblich.
Wie wird Leishmaniose bei der Katze diagnostiziert?
Die Diagnose stützt sich auf eine Kombination mehrerer Verfahren, weil ein einzelner Test alleine in vielen Fällen nicht ausreicht. Eine sorgfältige Anamnese inklusive Reisehistorie, Vorbesitzern, Adoption aus dem Ausland, Begleiterkrankungen und Vorbehandlungen ist die Basis. Ergänze sie um Fotos der Hautveränderungen aus den letzten Wochen, das hilft der Praxis bei der Einschätzung.
Auf Laborebene gehören Blutbild, klinische Chemie inklusive Gesamteiweiß und Proteinelektrophorese (Hinweis auf Hyperglobulinämie), Nieren- und Leberwerte, Urinanalyse mit Protein-Kreatinin-Verhältnis sowie ein FIV- und FeLV-Test zur Standarddiagnostik. Eine Hyperglobulinämie mit Albumin-Globulin-Verschiebung ist ein klassischer Hinweis. Bei Hautveränderungen wird eine Feinnadelaspiration oder eine kleine Biopsie aus einer Hautläsion oder einem Lymphknoten entnommen und zytologisch und histopathologisch auf intrazelluläre Amastigoten untersucht. Eine PCR aus dem Knochenmark, einem Lymphknoten oder direkt aus einer Hautläsion ist die sensitivste Methode zur Erregeridentifikation.
Serologisch wird mit IFAT (Indirekter Immunfluoreszenz-Antikörpertest) oder ELISA gearbeitet, wobei die Aussagekraft bei der Katze geringer ist als beim Hund, weil Antikörperspiegel oft niedrig bleiben. Ein negativer Serologie-Befund schließt eine Infektion bei klinisch verdächtiger Katze nicht aus. Spezialisierte Häuser wie die Vetmeduni Wien oder die Universitäten in München und Zürich bieten kombinierte Untersuchungspakete an und werten die Befunde im Zusammenhang aus. Eine sorgfältige Differenzialdiagnose inklusive bakterieller Hautinfekte, Dermatomykosen, Eosinophilem Granulom-Komplex, Plattenepithelkarzinom und Mykobakteriose ist Pflicht.

Welche Therapieoptionen gibt es bei Leishmaniose der Katze?
Eine echte Heilung im Sinne einer kompletten Erregerelimination ist auch bei der Katze nicht möglich. Ziel der Therapie ist die klinische Remission, die Reduktion der Erregerlast und eine möglichst lange beschwerdefreie Lebensphase. Die Therapieschemata orientieren sich an den Erfahrungen aus der Hundemedizin in Italien und Spanien, weil eigene felinen Studien noch begrenzt sind.
Standard ist eine Kombination aus Allopurinol (10 mg pro Kilogramm zweimal täglich oral) und einem leishmaniziden Wirkstoff wie Meglumin-Antimoniat (Glucantime, subkutan) oder Miltefosin (oral). Allopurinol allein kommt bei sehr milden Fällen in Frage, eine Kombination ist die Regel. Die akute Therapiephase dauert vier bis acht Wochen, danach folgt eine Erhaltungsphase mit Allopurinol über sechs bis 24 Monate, die individuell anhand klinischer Befunde, Blutwerte und Antikörperverlauf gesteuert wird. Eine engmaschige Kontrolle der Nieren- und Leberwerte sowie eine regelmäßige Urinanalyse sind essentiell.
Bei Begleiterkrankungen wird parallel behandelt. Eine FIV- oder FeLV-Infektion verschlechtert die Prognose, ist aber kein zwingender Grund für einen Therapieverzicht. Eine bestehende Niereninsuffizienz wird parallel mit angepasster Diät, Phosphatbindern und Blutdruckkontrolle behandelt. Hautläsionen profitieren von einer ergänzenden lokalen Therapie mit antiseptischen Lösungen und gegebenenfalls antibiotischer Mitabdeckung sekundärer Infektionen. Eine erfahrene Praxis arbeitet eng mit einer Dermatologin oder Internistin zusammen, weil die Komplexität hoch ist.
Die Prognose ist individuell sehr unterschiedlich. Eine Katze mit kutaner Form ohne Niereneinschränkung und ohne FIV- oder FeLV-Infektion kann viele Jahre stabil leben. Eine Katze mit ausgeprägter viszeraler Form, Anämie und renalem Eiweißverlust hat eine deutlich schlechtere Aussicht, weil die Niereneinschränkung den Verlauf bestimmt. Realistische Erwartungen werden in einem ehrlichen Erstgespräch besprochen.
Wie schützt du deine Katze auf Reisen und am Wohnsitz im Süden?
Der wichtigste Schutz ist die konsequente Vermeidung von Sandmückenstichen, vor allem in der Dämmerung und nachts während der warmen Monate (Mai bis Oktober). Bei Hunden gibt es speziell zugelassene Halsbänder und Spot-Ons mit deltamethrin- oder permethrinhaltigen Wirkstoffen, die für Hunde wirksam, für Katzen aber giftig sind. Permethrin ist für Katzen hochtoxisch, ein Hund-Spot-On darf niemals an einer Katze angewendet werden, weil schon ein Tropfen schwere neurologische Symptome bis zum Tod auslösen kann.
Für Katzen gibt es derzeit kein zugelassenes Insektenschutz-Halsband mit nachgewiesener Wirkung gegen Sandmücken. Die wirksamsten Schutzmaßnahmen sind deshalb mechanisch und ortsbezogen. Halte deine Katze während der Sandmücken-Saison nachts ausschließlich im Haus, schließe Fenster und Türen oder nutze sehr feinmaschige Insektengitter mit Maschenweite unter zwei Millimetern. Klassische Fliegengitter halten Sandmücken nicht ab. Insektenschutzsteckdosen mit pyrethroidhaltigen Plättchen sollten nur in Räumen genutzt werden, in denen die Katze sich nicht dauerhaft aufhält.
Bei Importkatzen aus dem Süden ist eine sorgfältige Eingangsuntersuchung mit Serologie und PCR auf Leishmanien Standard. Eine Wiederholung nach sechs Monaten ist sinnvoll, weil die Inkubationszeit lang sein kann. Eine ehrliche Beratung vor Adoption über mögliche lebenslange Folgekosten ist Pflicht, mehr Hintergrund unter Katzenversicherung zur möglichen Kostendeckung von Diagnostik, Therapie und Folgeerkrankungen.
Tierärztlicher Blick: Was die Katze vom Hund unterscheidet
Die Hunde-Leishmaniose ist seit Jahrzehnten gut erforscht, mit klaren Therapieleitlinien (LeishVet) und kommerziell verfügbaren Impfstoffen. Bei der Katze ist die Datenlage deutlich dünner. Eine zugelassene Impfung gegen feline Leishmaniose gibt es nicht. Die meisten klinischen Erfahrungen stammen aus retrospektiven Studien an spanischen, italienischen und französischen Universitäten, dazu kommen Fallserien aus der Schweiz und Deutschland. Eine Übertragung der Hunde-Schemata auf die Katze ist deshalb mit Vorsicht und individueller Anpassung verbunden.
Eine Besonderheit ist die hohe Koinzidenz mit anderen chronischen Erkrankungen. In bis zu 50 Prozent der diagnostizierten felinen Leishmaniose-Fälle besteht parallel eine FIV- oder FeLV-Infektion, ein Diabetes mellitus, eine fortgeschrittene Niereninsuffizienz oder eine maligne Erkrankung. Diese Begleiterkrankungen müssen mit erfasst und mitbehandelt werden, weil sie den Verlauf maßgeblich prägen. Eine erfahrene Praxis denkt deshalb bei jeder unklaren chronischen Hauterkrankung einer reise-erfahrenen oder importierten Katze auch an Leishmaniose.
Die Dokumentation der Verläufe in einem strukturierten Befundbogen über mehrere Jahre erleichtert die Steuerung. Eine spezialisierte internistische Praxis findest du über den Tierarzt-Finder, in der Hauptstadt direkt über Tierarzt Wien. Bei Begleitparasitosen bietet auch der Ratgeber zu Würmern bei Katzen und Giardien bei Katzen ergänzende Informationen für die Eingangsuntersuchung von Importkatzen.
Niemals Hunde-Spot-On an der Katze anwenden
Permethrin- und deltamethrinhaltige Spot-Ons für Hunde sind hochtoxisch für Katzen. Schon kleine Mengen lösen massive neurologische Symptome bis zum Tod aus. Bei versehentlicher Anwendung sofort in die nächste Tierklinik mit Notdienst, parallel Mund und Pfoten der Katze nicht ablecken lassen.
Häufige Fragen zur Leishmaniose bei Katzen
Quellen
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