Tierarzt in meiner Nähe finden
Warum Silvester im Oktober beginnt: Der Trainingsplan gegen Silvesterangst
Ausbildung

Warum Silvester im Oktober beginnt: Der Trainingsplan gegen Silvesterangst

7. Oktober 2026 · 12 Min. Lesezeit · go4vet Magazin

Zwölf Wochen vor Silvester ist ein guter Zeitpunkt, um mit dem Training zu beginnen. Nicht, weil es im Oktober besonders laut wäre, sondern weil dein Hund Zeit braucht, um Feuerwerksgeräusche Schritt für Schritt anders wahrzunehmen. Wer erst am 30. Dezember anfängt, kann meist nur noch versuchen, den Abend möglichst angenehm zu gestalten. Wer dagegen schon im Oktober startet, kann seinen Hund gezielt vorbereiten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Angst vor Feuerwerk lässt sich bei vielen Hunden deutlich verringern, wenn das Training etwa zehn bis zwölf Wochen vor Silvester beginnt und langsam aufgebaut wird.
  • Der Trainingsplan besteht aus drei Phasen: Zunächst gewöhnst du deinen Hund an sehr leise Feuerwerksgeräusche. Danach steigerst du die Lautstärke langsam und führst ein Entspannungssignal ein. In den letzten Wochen folgt eine Art Generalprobe.
  • Besonders wichtig sind ein vertrauter Rückzugsort und ein Signal, das dein Hund mit Ruhe verbindet. Entscheidend ist nicht, die Geräusche möglichst laut abzuspielen.
  • Gerät dein Hund bereits bei sehr leisen Geräuschen in Panik, frisst nicht mehr oder hat sich an Silvester schon einmal selbst verletzt, solltest du frühzeitig einen Tierarzt hinzuziehen, am besten bereits im Oktober.

Warum reicht es nicht, erst im Dezember anzufangen?

Angst vor Feuerwerk ist bei Hunden weit verbreitet. In einer britischen Befragung von mehr als 3.600 Hundehaltern zeigte etwa die Hälfte der Hunde Angstreaktionen auf laute Geräusche. Feuerwerk gehörte dabei zu den häufigsten Auslösern. Gleichzeitig zeigte die Untersuchung, dass Hunde, die frühzeitig und kontrolliert an Geräusche gewöhnt wurden, seltener starke Angst entwickelten.

Beim Training kommen vor allem Desensibilisierung und Gegenkonditionierung zum Einsatz. Das klingt komplizierter, als es ist: Dein Hund hört ein Feuerwerksgeräusch zunächst so leise, dass er es zwar bemerkt, dabei aber entspannt bleibt. Gleichzeitig passiert etwas Angenehmes. Er bekommt zum Beispiel ein besonders gutes Leckerli, einen Kauartikel oder darf mit dir spielen.

Erst wenn dein Hund bei dieser Lautstärke ruhig bleibt, wird das Geräusch etwas lauter. So soll er nach und nach lernen, dass die Geräusche keine Gefahr bedeuten.

Dieser Prozess braucht Zeit. Jede neue Stufe sollte mehrfach geübt werden, bevor du die Lautstärke weiter erhöhst. Zwölf Wochen bieten dafür einen guten Rahmen. Acht Wochen solltest du nach Möglichkeit mindestens einplanen.

Hat dein Hund in den vergangenen Jahren bereits starke Angst gezeigt, lohnt sich zusätzlich ein Blick in den Ratgeber Hund an Silvester: So hilfst du deinem Hund bei Feuerwerk. Dort findest du weitere Informationen zur Silvesterangst selbst. Hier konzentrieren wir uns auf das Training in den Wochen davor.

Was brauche ich für das Training?

Viel Ausrüstung brauchst du nicht. Wichtig sind zunächst Aufnahmen von Feuerwerk und Böllern. Du findest sie zum Beispiel auf Videoplattformen oder in speziellen Geräusch-Apps für Hunde. Außerdem brauchst du einen Lautsprecher, mit dem sich die Geräusche sehr leise abspielen lassen. Gerade am Anfang sollte die Lautstärke so niedrig sein, dass dein Hund kaum darauf reagiert.

Zusätzlich solltest du etwas bereithalten, das dein Hund besonders gern mag. Das können besondere Leckerlis, ein Kauartikel oder ein Lieblingsspielzeug sein. Auch eine Decke, ein Körbchen oder ein anderer geschützter Platz ist wichtig, denn daraus soll nach und nach ein vertrauter Rückzugsort werden. Hilfreich ist außerdem ein kleines Trainingsprotokoll. Notiere nach jeder Einheit, wie lange ihr trainiert habt, wie laut die Geräusche waren und wie dein Hund reagiert hat. So erkennst du leichter, wann ihr bereit für den nächsten Schritt seid und vermeidest, die Lautstärke zu schnell zu steigern.

Wie laufen die ersten vier Wochen ab?

In den ersten vier Wochen geht es vor allem darum, dass dein Hund Feuerwerksgeräusche hört, ohne dabei Angst zu bekommen.

Beginne deshalb sehr leise. Dein Hund darf das Geräusch wahrnehmen und vielleicht kurz die Ohren bewegen. Danach sollte er aber ganz normal weiterfressen, spielen oder sich entspannen. Hört er auf zu fressen, wird unruhig oder sucht Schutz, war die Lautstärke bereits zu hoch.

Lass die Aufnahme zunächst drei bis fünf Minuten laufen und verbinde sie mit etwas Angenehmem. Dein Hund kann zum Beispiel Leckerlis aus einem Beschäftigungsspielzeug suchen, an einem Kauartikel knabbern oder mit dir spielen.

Ist die Aufnahme vorbei, endet auch die besondere Beschäftigung. So entsteht nach und nach eine positive Verbindung mit dem Geräusch.

Trainiere möglichst täglich oder mindestens fünfmal pro Woche. Erhöhe die Lautstärke erst, wenn dein Hund bei drei Einheiten hintereinander völlig entspannt geblieben ist. Auch dann reicht ein kleiner Schritt.

Nach etwa vier Wochen kann dein Hund die Geräusche im Idealfall bereits in normaler Zimmerlautstärke hören, ohne sich davon stören zu lassen. Ist er noch nicht so weit, ist das völlig in Ordnung. Bleibe einfach länger bei einer niedrigeren Lautstärke. Jeder Hund lernt in seinem eigenen Tempo.

Gleichzeitig kannst du einen festen Rückzugsort aufbauen. Dafür eignet sich zum Beispiel eine offene Box, eine ruhige Ecke hinter dem Sofa oder ein geschützter Platz in einem möglichst leisen Raum.

Mach diesen Ort gemütlich und sorge dafür, dass dein Hund ihn mit etwas Positivem verbindet. Gib ihm dort regelmäßig einen Kauartikel oder etwas anderes, das er gern mag. Wichtig ist, dass er freiwillig dorthin geht und nicht hingeschickt wird.

Was passiert in den Wochen fünf bis acht?

In der zweiten Phase kannst du zusätzlich ein Entspannungssignal aufbauen. Dafür eignet sich ein kurzes, ruhiges Wort wie „Ruhig“.

Verwende das Wort zunächst nur in Situationen, in denen dein Hund sowieso entspannt ist. Liegt er beispielsweise ruhig neben dir und döst, sagst du leise „Ruhig“ und streichelst ihn langsam, wenn er Berührungen in dieser Situation mag.

Mit der Zeit kann dein Hund das Wort immer stärker mit Entspannung verbinden. Wichtig ist allerdings, dass du das Signal nicht erst dann einführst, wenn er bereits Angst hat. Es muss vorher in ruhigen Situationen aufgebaut werden.

Gleichzeitig kannst du die Feuerwerksgeräusche langsam abwechslungsreicher gestalten. Statt einer gleichmäßigen Geräuschkulisse spielst du nun beispielsweise einzelne Knaller mit längeren Pausen dazwischen ab. Gerade die plötzlich auftretenden Geräusche sind für viele Hunde besonders schwierig.

Auch der Trainingsort darf sich nun verändern. Übe gelegentlich in einem anderen Zimmer oder spiele die Aufnahme bei geöffnetem Fenster ab. Wenn dein Hund sich draußen grundsätzlich sicher fühlt, kannst du auch dort sehr vorsichtig trainieren.

Hunde übertragen Gelerntes nämlich nicht automatisch auf jede Situation. Nur weil dein Hund im Wohnzimmer entspannt auf ein Geräusch reagiert, bedeutet das nicht unbedingt, dass es ihm im Flur oder Garten genauso leichtfällt.

Achte deshalb weiterhin genau auf seine Körpersprache. Frühe Stresszeichen können zum Beispiel häufiges Gähnen, Lecken über die Nase, Wegschauen oder langsameres Fressen sein. Zeigt dein Hund solche Signale, gehst du im Training wieder einen Schritt zurück.

Im Ratgeber zum Angsthund erfährst du außerdem, woran du Angst und Unsicherheit erkennen kannst, bevor dein Hund deutlich zittert oder sich versteckt.

Wie sieht die Generalprobe in den letzten Wochen aus?

In den Wochen neun bis zwölf werden die einzelnen Bausteine miteinander verbunden. Die Feuerwerksaufnahmen dürfen nun realistischer klingen, sofern dein Hund damit weiterhin entspannt umgehen kann. Du kannst die Geräusche zum Beispiel aus einem anderen Raum oder von draußen durch eine geschlossene Tür abspielen. Gleichzeitig nutzt du den vertrauten Rückzugsort und dein Entspannungssignal. Im besten Fall sucht dein Hund seinen sicheren Platz inzwischen von selbst auf und kann sich dort wieder beruhigen. Jetzt lohnt es sich auch, den späteren Silvesterabend ein paar Mal nachzustellen. Schließe Fenster und Rollläden, schalte Musik oder den Fernseher ein und gib deinem Hund etwas zum Kauen oder ein gefülltes Beschäftigungsspielzeug. Im Hintergrund läuft in einer Lautstärke, die dein Hund gut verkraftet, die Feuerwerksaufnahme. Übe diesen Ablauf zwei- bis dreimal. So kennt dein Hund viele Elemente der Situation bereits, wenn Silvester tatsächlich da ist.

Falls die Generalprobe noch nicht gut funktioniert, ist das kein Grund, das Training aufzugeben. Du weißt dann immerhin, dass du am Silvesterabend stärker auf Schutz und Management setzen solltest. Viele passende Maßnahmen findest du auch im Ratgeber Hund hat Angst vor Gewitter, denn einige Strategien lassen sich gut auf Silvester übertragen.

Bei Welpen und Junghunden steht vor allem die Vorbeugung im Vordergrund. Sie haben möglicherweise noch keine ausgeprägte Angst vor Feuerwerk entwickelt, können durch schlechte Erfahrungen aber besonders nachhaltig geprägt werden. Deshalb solltest du bei jungen Hunden noch vorsichtiger vorgehen und sehr kleine Schritte wählen. Mehr dazu findest du im Ratgeber Welpe hat Angst.

Welche Fehler solltest du beim Training vermeiden?

Einer der häufigsten Fehler ist, zu schnell vorzugehen. Nur weil dein Hund heute ruhig geblieben ist, muss die Aufnahme morgen nicht gleich deutlich lauter werden. Zu große Sprünge können ihn überfordern und das Training zurückwerfen. Auch unerwartete echte Feuerwerksgeräusche können das Training erschweren. Findet in deiner Umgebung beispielsweise ein Stadtfest mit Feuerwerk statt, kann es sinnvoll sein, mit deinem Hund Abstand zu halten. Ein plötzliches sehr lautes Erlebnis lässt sich schließlich nicht so gut kontrollieren wie eine Aufnahme zu Hause.

Achte außerdem auf dein eigenes Verhalten. Hunde nehmen unsere Körpersprache und Stimmung sehr genau wahr. Wenn du bei jedem Knall zusammenzuckst und sofort angespannt reagierst, kann dein Hund diese Unsicherheit ebenfalls bemerken. Du darfst deinen Hund natürlich trösten und ihm Nähe anbieten. Angst wird nicht dadurch verstärkt, dass du freundlich mit ihm umgehst. Versuche dabei einfach, selbst möglichst ruhig und gelassen zu bleiben.

Strafen sind dagegen völlig fehl am Platz. Ein Hund, der aus Angst bellt, zittert oder flüchten möchte, macht das nicht absichtlich. Wird er dafür bestraft, erhöht das nur den Stress und kann die Angst noch verstärken.

Wann sollte ich einen Tierarzt oder Verhaltenstherapeuten einbeziehen?

Manche Hunde haben so große Angst vor Feuerwerk, dass ein normales Training allein nicht ausreicht. Wenn dein Hund bereits bei sehr leisen Übungsgeräuschen kein Futter mehr annimmt, stark hechelt oder panisch flüchten möchte, solltest du dir Unterstützung holen. Das gilt besonders, wenn er sich in früheren Jahren verletzt, Türen zerkratzt oder über Stunden nicht mehr beruhigt hat.

Eine tierärztliche Untersuchung ist dabei ein sinnvoller erster Schritt. Schmerzen können Geräuschangst verstärken. Das gilt zum Beispiel für Gelenkbeschwerden, die bei einer plötzlichen Schreckreaktion zusätzlich unangenehm sein können.

Bei starker Angst kann außerdem ein auf Verhalten spezialisierter Tierarzt oder ein entsprechend qualifizierter Hundetrainer das Training begleiten. In schweren Fällen können auch Medikamente sinnvoll sein. Diese sollen die Angst verringern und werden individuell vom Tierarzt ausgewählt. Manche Präparate müssen frühzeitig eingeplant werden, andere werden erst einige Stunden vor dem erwarteten Feuerwerk gegeben. Deshalb solltest du dieses Thema möglichst schon im Oktober mit deinem Tierarzt besprechen und nicht erst am 30. Dezember.

Einen Tierarzt in deiner Nähe findest du über die Tierarztsuche von go4vet. Auch einige Hundeschulen in Österreich und Deutschland bieten im Herbst spezielle Kurse zur Vorbereitung auf Silvester an.

Was kostet ein Silvestertraining?

Wenn du zu Hause trainierst, entstehen kaum zusätzliche Kosten. Aufnahmen von Feuerwerksgeräuschen findest du häufig kostenlos, und für das Training brauchst du ansonsten hauptsächlich Futter, Kauartikel oder andere Dinge, die dein Hund besonders gerne mag.

Möchtest du professionelle Unterstützung, hängen die Kosten vom Anbieter ab. Eine Einzelstunde bei einem Hundetrainer kostet in Österreich und Deutschland häufig zwischen 50 und 90 Euro. Gruppenkurse zum Thema Geräuschangst liegen oft bei etwa 80 bis 150 Euro für vier bis sechs Termine.

Eine verhaltenstherapeutische Erstberatung beim Tierarzt kann je nach Dauer etwa 100 bis 200 Euro kosten. Werden zusätzlich Medikamente benötigt, kommen deren Kosten noch hinzu.

Was Hundeschulen generell kosten können, erfährst du im Überblick zu den Kosten einer Hundeschule.

Häufige Fragen

Kann ich im November noch anfangen?
Ja. Auch im November lohnt es sich noch, mit dem Training zu beginnen. Acht Wochen sind ein guter Mindestzeitraum, um mehrere Trainingsstufen aufzubauen. Je später du startest, desto wichtiger wird allerdings zusätzlich ein gutes Management am Silvesterabend. Auch wenn ihr bis dahin nicht alle Trainingsschritte schafft, kann jede ruhige und positive Übung deinem Hund helfen.
Hilft es, Silvester aufs Land zu fahren?
Das kann sinnvoll sein, wenn es dort tatsächlich deutlich ruhiger ist und dein Hund die Umgebung bereits kennt. Eine völlig fremde Unterkunft kann für einen ängstlichen Hund dagegen zusätzlichen Stress bedeuten. Außerdem wird auch auf dem Land vielerorts Feuerwerk gezündet. Ein vertrauter, gut vorbereiteter Rückzugsort zu Hause kann deshalb die bessere Wahl sein.
Soll ich meinen Hund trösten, wenn er Angst hat?
Ja. Wenn dein Hund deine Nähe sucht, darfst du ihn selbstverständlich trösten. Du verstärkst seine Angst nicht einfach dadurch, dass du ihn streichelst oder bei ihm bleibst. Wichtiger ist, dass du selbst möglichst ruhig bleibst und deinem Hund Sicherheit vermittelst. Möchte er sich lieber zurückziehen und nicht angefasst werden, solltest du das ebenfalls respektieren.
Funktioniert der Plan auch bei Katzen?
Das Grundprinzip lässt sich teilweise übertragen. Allerdings reagieren Katzen anders auf Training und lassen sich während unangenehmer Geräusche oft weniger gut mit Futter oder Spiel beschäftigen. Für Katzen sind deshalb vor allem mehrere sichere Rückzugsorte wichtig. Sie sollten selbst entscheiden können, wo sie sich verstecken möchten. Am Silvesterabend sollten Freigängerkatzen außerdem rechtzeitig ins Haus geholt werden.

VETTY — Dein Tier-Assistent

Hallo! Ich bin VETTY, dein KI-Assistent rund ums Tier. Wie kann ich dir helfen?