Ab Mitte Oktober fallen viele Spaziergänge bereits in die Dämmerung, und genau dann sind auch viele Wildtiere besonders aktiv. Rehe ziehen zu ihren Futterplätzen, Wildschweine sind auf Feldern und an Waldrändern unterwegs und für deinen Hund gibt es plötzlich überall spannende Gerüche und Spuren. Ein zuverlässiger Rückruf und ein gutes Training helfen dir dabei, auch in dieser Jahreszeit sicher und entspannt unterwegs zu sein.
Das Wichtigste in Kürze
- Im Herbst kommt es häufiger zu Begegnungen mit Wild, weil viele Spaziergänge in die Dämmerung fallen und gleichzeitig mehr Tiere in Wald und Feld unterwegs sind. Gerade jetzt zeigt sich deshalb, wie zuverlässig der Rückruf wirklich funktioniert.
- Drei Dinge sind besonders wichtig: ein gut aufgebauter Rückruf mit einer besonderen Belohnung, ein Signal zur Umorientierung und die Schleppleine als zusätzliche Absicherung.
- Die Regeln zur Leinenpflicht unterscheiden sich in Österreich und Deutschland je nach Bundesland beziehungsweise Region. Informiere dich deshalb vor allem in unbekannten Gebieten über die jeweiligen Vorschriften.
- In der dunkleren Jahreszeit solltest du außerdem auf gute Sichtbarkeit achten. Ein Leuchthalsband oder reflektierendes Geschirr, eine gut sichtbare Leine und bei Bedarf ein GPS-Tracker können zusätzliche Sicherheit geben.
Warum sind Wildbegegnungen im Herbst so häufig?
Im Herbst kommen mehrere Faktoren zusammen. Die Tage werden kürzer und viele Spaziergänge finden morgens oder abends in der Dämmerung statt, also genau zu den Zeiten, in denen Rehe, Wildschweine und andere Wildtiere besonders aktiv sind. Gleichzeitig sind viele Felder abgeerntet, wodurch sich Tiere häufiger in Waldstücke, an Waldränder oder auf andere Rückzugsflächen verlagern.
Auch die Brunft verschiedener Wildarten fällt teilweise in diese Jahreszeit und sorgt für zusätzliche Bewegung. Feuchter Boden und kühle Luft können außerdem dazu beitragen, dass Geruchsspuren für Hunde besonders interessant sind. Dein Hund nimmt im Herbst deshalb möglicherweise Spuren wahr, die dir selbst völlig entgehen.
Für viele Hunde ist der Reiz durch Wild sehr stark. Hetzen gehört zu ihrem natürlichen Verhaltensrepertoire und kann sich selbst belohnen, weil bereits das Hinterherlaufen aufregend ist. Das Ziel des Trainings besteht deshalb nicht darin, den Jagdtrieb vollständig verschwinden zu lassen, sondern deinem Hund beizubringen, sich trotz eines interessanten Reizes wieder an dir zu orientieren.
Wie baue ich einen Rückruf auf, der auch bei Wild funktioniert?
Ein guter Rückruf muss sich für deinen Hund lohnen. Besonders bei starken Ablenkungen reicht ein beiläufiges Lob oft nicht aus, weshalb es sinnvoll ist, mit einer besonders attraktiven Belohnung zu arbeiten. Gleichzeitig solltest du das Rückrufsignal so aufbauen, dass dein Hund möglichst selten die Erfahrung macht, es ignorieren zu können.
Wie funktioniert der Rückruf mit einer besonderen Belohnung?
Wähle am besten ein Signal, das bisher noch nicht oft verwendet wurde, zum Beispiel einen bestimmten Pfiff. Dieses Signal verknüpfst du mit etwas, das dein Hund besonders gern mag und im Alltag nur selten bekommt. Das kann ein besonders gutes Leckerli, Käse, Fleisch oder ein kurzes Spiel mit seinem Lieblingsspielzeug sein.
Beginne zunächst zu Hause oder in einer sehr ruhigen Umgebung. Danach kannst du im Garten und später auf bekannten Spazierwegen mit wenig Ablenkung weiterüben. Nutze den Pfiff am Anfang möglichst nur dann, wenn du ziemlich sicher bist, dass dein Hund zu dir kommen wird, damit sich das Signal zuverlässig festigen kann.
Was bringt ein Umorientierungssignal?
Das Umorientierungssignal soll deinem Hund helfen, sich von einem interessanten Reiz abzuwenden und wieder zu dir zu schauen. Besonders hilfreich ist es in dem Moment, in dem dein Hund eine Spur entdeckt, aufmerksam in eine Richtung blickt oder plötzlich langsamer wird. Je früher du reagierst, desto leichter fällt es ihm meistens, seine Aufmerksamkeit wieder auf dich zu richten.
Als Signal kann zum Beispiel ein kurzes Schnalzen oder ein anderes eindeutig erkennbares Geräusch dienen. Übe zunächst mit eher kleinen Ablenkungen, etwa einem Vogel in einiger Entfernung, einem Jogger oder einem anderen Hund. Sobald dein Hund zu dir schaut, belohnst du ihn direkt und großzügig, sodass sich die Orientierung an dir nach und nach lohnt.
Warum ist die Schleppleine so wichtig?
Eine Schleppleine gibt deinem Hund mehr Bewegungsfreiheit, ohne dass er bei einer plötzlichen Wildsichtung sofort weglaufen kann. Für viele Hunde eignen sich etwa zehn Meter lange Leinen, die am gut sitzenden Geschirr und nicht am Halsband befestigt werden. So kannst du Rückruf und Umorientierung auch draußen trainieren, ohne unnötige Risiken einzugehen.
Die Schleppleine sollte so lange genutzt werden, bis dein Hund auch bei stärkerer Ablenkung zuverlässig reagiert. Das kann mehrere Wochen oder auch deutlich länger dauern und hängt stark vom einzelnen Hund ab. Für Hunde, die bisher kaum auf einen Rückruf reagieren, erklärt der Ratgeber Hund hört nicht: Rückruf zuverlässig trainieren die Grundlagen noch einmal ausführlich.
Wie kann Beschäftigung beim Jagdtrieb helfen?
Auch passende Beschäftigung kann dabei helfen, den Spaziergang interessanter zu machen. Suchspiele, kleine Fährten oder Dummyarbeit greifen Verhaltensweisen auf, die viele Hunde gerne zeigen, und geben ihnen eine kontrollierte Aufgabe. Dadurch verschwindet der Jagdtrieb zwar nicht, aber dein Hund bekommt eine Alternative, auf die er sich gemeinsam mit dir konzentrieren kann.
Welche Hunde besonders ausgeprägtes Jagdverhalten zeigen und wie Jagdhunde ausgebildet werden, erfährst du im Beitrag Jagdhund Ausbildung. Gerade bei Hunden mit starkem Jagdtrieb lohnt es sich, Beschäftigung und Rückruftraining miteinander zu verbinden. So wird der Spaziergang abwechslungsreicher und gleichzeitig sicherer.
Wo gilt im Wald Leinenpflicht?
Die Regeln zur Leinenpflicht sind weder in Österreich noch in Deutschland überall gleich. Sie unterscheiden sich je nach Bundesland, Gemeinde, Waldgebiet und teilweise auch nach Jahreszeit. Deshalb solltest du dich vor allem in unbekannten Regionen immer über die örtlichen Vorschriften informieren.
In Österreich spielen neben den Bestimmungen der Bundesländer auch Jagd- und Forstrecht eine Rolle. Für Hunde können je nach Gebiet unterschiedliche Leinen- oder Maulkorbregeln gelten, und besonders bei jagenden oder Wild verfolgenden Hunden können zusätzliche jagdrechtliche Bestimmungen greifen. Wer mit seinem Hund regelmäßig in Wald und Flur unterwegs ist, sollte deshalb die Regeln des jeweiligen Bundeslandes und der Gemeinde kennen.
Auch in Deutschland gelten unterschiedliche Vorschriften. Einige Bundesländer haben strengere Regelungen für Hunde im Wald, andere überlassen vieles den Gemeinden oder einzelnen Schutzgebieten. Zusätzlich können während der Brut- und Setzzeit oder in Naturschutzgebieten besondere Vorgaben gelten.
Was bei Reisen ins Ausland zu beachten ist, findest du im Ratgeber Maulkorb- und Leinenpflicht im Ausland. Unabhängig von der Rechtslage ist eine Leine in der Dämmerung immer dann sinnvoll, wenn dein Hund bei Wild noch nicht zuverlässig abrufbar ist. Damit schützt du sowohl deinen Hund als auch die Wildtiere.
Wie bleibe ich mit meinem Hund in der Dämmerung sichtbar?
Im Herbst wird es früh dunkel, und besonders dunkle Hunde sind auf Waldwegen schon am späten Nachmittag nur schwer zu erkennen. Ein Leuchthalsband, ein Leuchtanhänger oder reflektierende Elemente am Geschirr sorgen dafür, dass du deinen Hund besser im Blick behältst. Gleichzeitig können auch Radfahrer, Spaziergänger oder andere Menschen ihn früher sehen.
Für dich selbst sind eine Stirnlampe und reflektierende Kleidung ebenfalls sinnvoll. So wirst du auf unbeleuchteten Wegen schneller erkannt und kannst Unebenheiten oder Hindernisse besser sehen. Gerade im Wald trägt gute Sichtbarkeit dazu bei, Begegnungen für alle Beteiligten sicherer zu machen.
Zusätzliche Sicherheit kann ein GPS-Tracker am Geschirr bieten. Falls dein Hund trotz aller Vorsichtsmaßnahmen wegläuft, kannst du über das Smartphone sehen, wo er sich befindet. Welche Ausrüstung sich sonst für längere Touren eignet, erfährst du im Ratgeber Wandern mit Hund.
Was tue ich, wenn mein Hund weggelaufen ist?
Wenn dein Hund Wild hinterhergelaufen ist, solltest du zunächst möglichst ruhig bleiben und an der Stelle warten, an der ihr euch zuletzt gesehen habt. Rufe ihn in deinem normalen Ton und vermeide hektisches Hinterherlaufen, denn viele Hunde orientieren sich nach einer Hetzsequenz wieder an dem Ort, an dem sie ihren Menschen zuletzt wahrgenommen haben. Auch ein Kleidungsstück von dir kann dort abgelegt werden und deinem Hund durch den vertrauten Geruch zusätzliche Orientierung geben.
Ist dein Hund nach längerer Zeit nicht zurück, solltest du die örtliche Jägerschaft, das Forstamt oder die Gemeinde informieren. Dadurch wissen die zuständigen Personen, dass ein Hund vermisst wird, und können dich gegebenenfalls unterstützen. Auch eine Meldung bei einem Haustierregister ist sinnvoll, sofern dein Hund dort registriert ist.
Kommt dein Hund zurück, solltest du ihn nicht schimpfen, auch wenn du lange gewartet hast. Für ihn muss das Zurückkommen weiterhin etwas Positives bleiben, damit der Rückruf nicht zusätzlich geschwächt wird. Kontrolliere stattdessen Pfoten, Beine und Fell auf mögliche Verletzungen, Zecken oder andere Auffälligkeiten.
Erste-Hilfe-Hinweise für Verletzungen findest du im Ratgeber Jagdhund Verletzung im Einsatz. Einen Tierarzt in deiner Nähe findest du außerdem über die Tierarztsuche von go4vet. Bei stärkeren Verletzungen oder auffälligem Verhalten nach dem Ausflug solltest du deinen Hund tierärztlich untersuchen lassen.
Wann hilft ein Trainer?
Professionelle Unterstützung ist besonders sinnvoll, wenn dein Hund bereits mehrfach Wild gehetzt hat oder beim Anblick eines Tieres kaum noch ansprechbar ist. Auch wenn sich trotz konsequentem Training an der Schleppleine über mehrere Wochen kaum eine Verbesserung zeigt, kann ein Trainer mit Erfahrung im Antijagdtraining weiterhelfen. Gemeinsam könnt ihr genauer herausfinden, welche Situationen deinen Hund besonders stark auslösen und wie sich das Training passend aufbauen lässt.
Gute Trainer arbeiten mit kontrollierbaren Reizen und steigern die Schwierigkeit langsam. Dabei können zum Beispiel Wildgerüche, Bewegungsreize oder andere geeignete Trainingssituationen eingesetzt werden. Wichtig ist, dass dein Hund lernt, sich trotz des Reizes wieder an dir zu orientieren, anstatt nur daran gehindert zu werden, ihm nachzugehen.
Von Trainingsmethoden mit starken Strafreizen solltest du Abstand nehmen. Sie können zusätzlichen Stress und Unsicherheit auslösen und verbessern die Orientierung am Menschen nicht zuverlässig. Achte deshalb bei der Wahl des Trainers darauf, dass mit belohnungsbasierten und nachvollziehbaren Methoden gearbeitet wird.
Was kostet Antijagdtraining?
Gruppenkurse zum Thema Jagdverhalten kosten in Österreich und Deutschland häufig zwischen 120 und 250 Euro für sechs bis acht Einheiten. Einzelstunden liegen meist bei etwa 60 bis 100 Euro, wobei die Preise je nach Region und Qualifikation des Trainers unterschiedlich ausfallen können. Vor der Buchung lohnt es sich deshalb, genau nach Trainingsaufbau, Gruppengröße und Erfahrung mit jagdlich motivierten Hunden zu fragen.
Für die Ausrüstung kommen weitere Kosten hinzu. Eine Schleppleine kostet etwa 15 bis 40 Euro, ein gut sitzendes Geschirr ungefähr 30 bis 80 Euro und ein Leuchthalsband etwa zehn bis 30 Euro. GPS-Tracker liegen häufig zwischen 40 und 100 Euro, wobei je nach Modell zusätzlich ein Abo notwendig sein kann.
Was Hundetraining allgemein kostet, erfährst du im Überblick zu den Kosten einer Hundeschule. Bei starkem Jagdverhalten kann eine gute Einzelberatung besonders sinnvoll sein, weil das Training dann gezielt an deinen Hund angepasst werden kann. Die Investition lohnt sich vor allem dann, wenn du dadurch langfristig sicherer und entspannter mit deinem Hund unterwegs bist.