Vogelgrippe bei Katzen ist seit dem vergangenen Winter kein Thema mehr, das nur aus Polen oder den USA bekannt ist. Im Dezember 2025 starb bei Neuruppin in Brandenburg eine Katze an H5N1, weitere Katzen aus der Umgebung wurden positiv getestet. Im Februar 2026 meldete das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) drei infizierte Hauskatzen aus Baden-Württemberg. Jetzt beginnt der nächste Herbstzug der Wildvögel.
Das FLI rechnete in seiner Risikoeinschätzung vom 7. September 2026 mit einem leichten Anstieg der Nachweise bei Geflügel und Wildvögeln, eine Sprecherin warnte am 22. September vor steigendem Risiko in den kommenden Monaten. Die österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) erwartet in ihrem Tierseuchenradar mit Stichtag 3. September 2026 ebenfalls, dass die Ausbruchszahlen mit dem Vogelzug wieder deutlich steigen. Für Katzenhalter heißt das: kein Grund zur Panik, aber ein guter Zeitpunkt, Futter und Freigang zu überdenken.
Das Wichtigste in Kürze
- Katzen stecken sich mit der Vogelgrippe vor allem an, wenn sie infizierte Vögel fressen oder rohes Geflügel und Rohmilch bekommen.
- Das Risiko für eine einzelne Katze ist in Österreich und Deutschland gering, steigt aber im Herbst und Winter mit den Funden toter Wildvögel.
- Eine Infektion verläuft bei Katzen oft schwer und häufig tödlich, typisch sind Fieber, Atemnot und neurologische Ausfälle.
- Wer roh füttert, sollte in Gebieten mit Geflügelpest auf erhitztes Geflügel umstellen, Freigänger in betroffenen Regionen eher drinnen halten.
Wie steckt sich meine Katze mit Vogelgrippe an?
Der Erreger der Vogelgrippe, auch Geflügelpest oder Aviäre Influenza genannt, ist ein Influenzavirus vom Subtyp H5N1. Die Variante, die seit einigen Jahren in Europa zirkuliert, gehört zur Gruppe 2.3.4.4b und ist für Vögel hochansteckend. Säugetiere infizieren sich meist über den Magen-Darm-Trakt oder die Atemwege, wenn sie große Mengen Virus aufnehmen.
Für Katzen gibt es drei bekannte Wege. Der wichtigste ist das Fressen kranker oder toter Vögel. Ein geschwächter Wildvogel ist für eine jagende Katze leichte Beute, und genau diese Tiere tragen besonders viel Virus. Der zweite Weg ist rohes Futter aus infizierten Beständen, also rohes Geflügelfleisch, Innereien oder unbehandelte Rohmilch. Der dritte, seltenere Weg ist der enge Kontakt zu anderen infizierten Tieren, etwa in Haushalten mit vielen Katzen.
Wie gefährlich Rohmilch sein kann, zeigte sich 2024 in den USA. Auf Milchviehbetrieben mit infizierten Rindern erkrankten Katzen, die Rohmilch getrunken hatten, etwa die Hälfte von ihnen starb innerhalb weniger Tage. Auch ganz normale Kuhmilch ist für Katzen übrigens keine gute Idee, warum, steht im Beitrag Dürfen Katzen Milch trinken?
Wie gefährlich ist rohes Geflügel für meine Katze?
Den bisher größten Ausbruch bei Katzen in Europa gab es im Sommer 2023 in Polen. Damals erkrankten und starben Katzen in mehreren Städten, viele davon reine Wohnungskatzen. Die Forscher fanden bei den untersuchten Tieren fast identische Virusstämme. Als wahrscheinlichste Quelle galt rohes Geflügelfleisch, das mit dem Virus belastet war. In den USA hat die Arzneimittel- und Lebensmittelbehörde FDA im Januar 2025 verlangt, dass Hersteller von Hunde- und Katzenfutter mit rohen Geflügel- oder Rinderzutaten H5N1 als Gefahr in ihre Sicherheitspläne aufnehmen, nachdem mehrere Katzen nach dem Fressen von Rohfutter gestorben waren.
Das heißt nicht, dass jedes Stück rohes Huhn gefährlich ist. Geflügel aus Beständen mit bekanntem Ausbruch kommt in der EU nicht in den Handel. Ein Restrisiko bleibt aber, weil Tiere sich infizieren können, bevor ein Ausbruch erkannt ist. Wenn du deine Katze nach dem BARF-Prinzip fütterst, also mit rohem Fleisch, Innereien und Knochen, lohnt sich ein Blick auf die Grundlagen im Ratgeber BARF für Katzen.
In Phasen mit vielen Geflügelpest-Nachweisen in deiner Region ist es eine einfache Maßnahme, Geflügel vorübergehend durch Rind, Pferd oder Kaninchen zu ersetzen oder es durchzugaren. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt für Geflügel, es so durchzugaren, dass es auch im Kern mindestens zwei Minuten lang 70 Grad erreicht. Tiefkühlen ersetzt das nicht, Influenzaviren überstehen Kälte gut. Achte beim Umstellen darauf, dass die Ration ausgewogen bleibt, denn Katzen brauchen etwa Taurin aus Muskelfleisch und Herz. Bei der Berechnung hilft der BARF-Rechner für Katzen.

Soll ich meinen Freigänger jetzt drinnen lassen?
Für die meisten Freigänger in Österreich und Deutschland ist eine generelle Ausgangssperre nicht nötig. Die Behörden empfehlen aber, den Freigang einzuschränken, wenn in der Umgebung gehäuft tote Wildvögel gefunden werden oder eine Sperrzone wegen Geflügelpest gilt. So hat es auch der Landkreis Ostprignitz-Ruppin nach den Katzenfällen bei Neuruppin geraten.
Besonders gefährdet sind Katzen, die an Seen, Flüssen oder Feldern jagen, denn dort rasten Gänse, Schwäne, Enten und Kraniche. Im Herbst 2025 fanden die Behörden in Deutschland Tausende verendete Wildvögel, darunter sehr viele Kraniche. Wenn deine Katze regelmäßig Vögel heimbringt und in deiner Gegend Geflügelpest nachgewiesen wurde, ist Wohnungshaltung für einige Wochen die sicherste Lösung. Tipps zur Umgewöhnung findest du im Beitrag Katze an Freigang gewöhnen, der auch den umgekehrten Weg erklärt.
Ob es in deiner Region aktuell Fälle gibt, erfährst du in Deutschland über das FLI und die Veterinärämter der Landkreise. In Österreich veröffentlicht die AGES die Lage, die AHDS-Zonenkarte zeigt seit 2026 in Echtzeit, wo Schutz- und Überwachungszonen gelten. Seit 9. Juni 2026 sind in Österreich keine Risikogebiete mehr ausgewiesen, das kann sich mit dem Vogelzug aber schnell ändern.
Welche Symptome zeigt eine Katze mit Vogelgrippe?
Die Krankheit beginnt oft unspezifisch und verschlechtert sich dann innerhalb von Stunden bis wenigen Tagen. In den dokumentierten Fällen aus Polen und den USA standen Atemwegsprobleme und neurologische Störungen im Vordergrund. Typische Anzeichen sind:
- hohes Fieber, Mattigkeit und plötzliche Appetitlosigkeit
- Atemnot, schnelle oder angestrengte Atmung, Nasen- und Augenausfluss
- Zittern, Krämpfe, Taumeln, Kreislaufen oder Blindheit
- Speicheln, Erbrechen oder Durchfall
- Gelbfärbung der Schleimhäute
Viele dieser Symptome passen auch zu anderen Erkrankungen, zum Beispiel zum Katzenschnupfen. Hinweise auf Vogelgrippe sind vor allem der schnelle Verlauf und ein möglicher Kontakt zu toten Vögeln oder rohem Geflügel. Sofort zum Tierarzt solltest du, wenn deine Katze mit offenem Maul atmet, krampft oder plötzlich nicht mehr richtig laufen kann. Was bei akuter Atemnot zu tun ist, beschreibt der Ratgeber Atemnot bei Katzen. Nachts und am Wochenende hilft der tierärztliche Notdienst.

Was mache ich bei Verdacht auf Vogelgrippe?
Ruf vorher in der Praxis an und erwähne den Verdacht. So kann das Team die Katze getrennt von anderen Patienten untersuchen. Trenne die Katze zu Hause von anderen Tieren, wasch dir nach dem Kontakt gründlich die Hände und reinige Näpfe und Katzenklo mit Handschuhen. Eine gezielte Behandlung gegen das Virus gibt es für Katzen nicht, die Therapie stützt Kreislauf, Atmung und Flüssigkeitshaushalt.
Den Nachweis führt ein Labor über einen Abstrich. Bei einem positiven Befund werden die Veterinärbehörden eingebunden, in Deutschland das Veterinäramt des Landkreises, in Österreich der Amtstierarzt der Bezirkshauptmannschaft. Einen Tierarzt in deiner Nähe findest du über die Tierarztsuche von go4vet.
Tote Wildvögel solltest du in beiden Ländern nicht anfassen. Die AGES rät, tote Wasser- und Greifvögel am Fundort zu lassen und der Bezirksverwaltungsbehörde zu melden. In Deutschland nimmt das örtliche Veterinäramt solche Meldungen entgegen.
Kann ich mich bei meiner Katze anstecken?
Das Risiko für Menschen gilt als sehr gering. Laut AGES wurde eine Übertragung von Mensch zu Mensch bisher nicht beobachtet, Infektionen beim Menschen gehen fast immer auf engen Kontakt mit krankem Geflügel zurück. Weder in Österreich noch in Deutschland sind bisher Erkrankungen durch H5N1 beim Menschen nachgewiesen worden. Trotzdem gilt bei einer kranken Katze mit Verdacht: Handschuhe beim Reinigen, kein Kuscheln am Gesicht, gründliches Händewaschen.
Häufige Fragen
Quellen
Friedrich-Loeffler-Institut: Aviäre Influenza (AI), Geflügelpest, Risikoeinschätzung Stand 07.09.2026. https://www.fli.de/de/aktuelles/tierseuchengeschehen/aviaere-influenza-ai-gefluegelpest/
AGES: Tierseuchenradar August 2026 (Stichtag 03.09.2026). https://www.ages.at/tier/tiergesundheit/tierseuchenradar/detail/tierseuchenradar-august-2026
AGES: Aviäre Influenza (Vogelgrippe), Stand 11.06.2026. https://www.ages.at/tier/schwerpunkte/gefluegelpest
Bundesinstitut für Risikobewertung: Vogelgrippe (H5N1): Infektion des Menschen durch den Verzehr von Lebensmitteln nicht zu erwarten, Mitteilung 048/2025. https://www.bfr.bund.de/mitteilung/vogelgrippe-h5n1-infektion-des-menschen-durch-den-verzehr-von-lebensmitteln-nicht-zu-erwarten/
Landkreis Ostprignitz-Ruppin, berichtet von t-online: Geflügelpest in Brandenburg, Katzen infiziert (04.12.2025). https://www.t-online.de/nachrichten/panorama/id_101029638/gefluegelpest-in-brandenburg-katzen-infiziert-halter-sollten-aufpassen.html