BCS Body Condition Score richtig bestimmen: bei Hund und Katze
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Du legst die Hände seitlich an den Brustkorb deines Hundes und merkst: Die Rippen sind kaum zu tasten. Auch die Taille ist schwer zu erkennen. Genau dann hilft der Body Condition Score, kurz BCS. Er ist eine einfache und objektive Methode, um Übergewicht früh zu erkennen, oft bevor es auf der Waage deutlich auffällt.
Der BCS ist außerdem die Grundlage jeder seriösen Gewichtsreduktion. Erst wenn du den Körperzustand deines Hundes richtig einschätzt, lässt sich ein realistisches Idealgewicht und daraus eine passende Kalorienmenge berechnen.
Die WSAVA nutzt dafür eine neun Punkte Skala. Punkt eins steht für starkes Untergewicht, Punkt neun für hochgradiges Übergewicht. Ideal ist meist ein Wert von vier bis fünf. Jeder Punkt über fünf entspricht ungefähr zehn bis 15 Prozent zusätzlichem Körpergewicht.
Der Vorteil: Du brauchst dafür keine Spezialgeräte. Drei Minuten Zeit, deine Augen und deine Hände reichen aus, um den Körperzustand deines Hundes deutlich besser einzuschätzen.
Wie berechne ich den Diätplan für mein Tier?
Mit dem Diätrechner kommst du in wenigen Minuten zu einem realistischen Fütterungsplan. Du trägst Alter, aktuelles Gewicht und Body Condition Score deines Tieres ein. Daraus entstehen ein sinnvoller Kalorienrahmen, ein Wochenziel und eine passende Produktempfehlung.
Der Rechner basiert auf der RER-Formel der WSAVA und berücksichtigt, dass Hund und Katze unterschiedlich abnehmen müssen. Besonders bei Katzen ist Vorsicht wichtig, weil eine zu schnelle Gewichtsreduktion gefährlich werden kann.

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Wie funktioniert die WSAVA Methodik?
Die WSAVA nutzt den Body Condition Score, um den Ernährungszustand von Hunden und Katzen einheitlich zu beurteilen. Die Skala reicht von eins bis neun. Punkt eins steht für starkes Untergewicht, Punkt neun für hochgradiges Übergewicht. Ideal ist in der Regel ein Wert von vier bis fünf.
Der Body Condition Score wurde in Studien mit objektiven Fettmessungen verglichen und gilt deshalb als praxistaugliche Methode. Bei Hunden entspricht ein idealer BCS ungefähr 15 bis 25 Prozent Körperfett. Bei Katzen liegt der ideale Bereich meist etwas höher. Ein BCS von neun spricht für eine deutliche Adipositas.
Für die Beurteilung sollte dein Tier ruhig stehen. Du schaust es von oben und von der Seite an und tastest zusätzlich Rippen, Taille und Bauchlinie. Bei langhaarigen Hunden und Katzen ist das Tasten besonders wichtig, weil das Fell die Körperkontur verdecken kann.
Wie taste ich die Rippen richtig?
Die Rippenkontrolle ist der wichtigste einzelne Schritt. Lege beide Hände flach seitlich an den Brustkorb deines Tieres und streiche mit leichtem Druck über die Rippen. Die Rippen sollten fühlbar sein, aber nicht scharf hervorstehen.
Bei einem idealen BCS fühlst du die Rippen ähnlich wie die Knöchel auf deinem Handrücken, wenn deine Hand locker ausgestreckt ist. Sie sind gut tastbar, aber von einer dünnen Fettschicht bedeckt.
Sind die Rippen deutlich sichtbar oder scharf tastbar, ist dein Tier wahrscheinlich zu dünn. Sind sie nur mit starkem Druck oder gar nicht mehr zu fühlen, spricht das für Übergewicht.
Eine grobe Orientierung:
- ✓Rippen sehr deutlich sichtbar und scharf tastbar: deutlich zu dünn
- ✓Rippen leicht tastbar mit dünnem Fettmantel: schlank bis ideal
- ✓Rippen tastbar wie die Knöchel auf dem Handrücken: ideal
- ✓Rippen nur mit leichtem Druck tastbar: leicht übergewichtig
- ✓Rippen nur mit starkem Druck oder kaum tastbar: deutlich übergewichtig
Wie erkenne ich die Taille von oben?
Stelle dich über dein Tier und schau von oben auf den Körper. Hinter dem Rippenbogen sollte sich der Körper sichtbar verjüngen. Diese Einschnürung ist die Taille.
Bei einem idealen BCS ist die Taille klar, aber nicht extrem. Wirkt der Körper von oben gerade, breit oder birnenförmig, ist das ein Hinweis auf Übergewicht. Bei starkem Untergewicht ist die Taille dagegen sehr ausgeprägt, oft mit sichtbaren Hüftknochen.
Bei langhaarigen Tieren oder dichtem Winterfell solltest du dich nicht nur auf die Optik verlassen. Dann ist die Kombination aus Rippenkontrolle, Taille und seitlicher Bauchlinie zuverlässiger.
Wie beurteile ich die Bauchlinie von der Seite?
Betrachte dein Tier von der Seite. Hinter dem Rippenbogen sollte die Bauchlinie leicht nach oben ansteigen. Bei einem idealen BCS ist diese Linie gut erkennbar.
Verläuft die Bauchlinie fast gerade oder hängt der Bauch deutlich nach unten, spricht das eher für Übergewicht. Ist die Bauchlinie extrem hochgezogen und stehen Knochen deutlich hervor, kann dein Tier zu dünn sein.
Bei Katzen musst du den sogenannten Primordialbeutel beachten. Das ist eine lockere Hautfalte am Bauch zwischen den Hinterbeinen. Sie ist kein Fettpolster und kommt auch bei normalgewichtigen Katzen vor. Fett fühlt sich fester und gleichmäßiger an, der Primordialbeutel ist eher weich, hautfaltig und schwingt beim Laufen.
Was ist bei Hund und Katze unterschiedlich?
Die Methode ist bei Hund und Katze grundsätzlich gleich. Du beurteilst Rippen, Taille und Bauchlinie. Die Anatomie und das Fell machen aber Unterschiede.
Bei kurzhaarigen Hunden wie Boxer, Dobermann oder Weimaraner kannst du die Körperform oft gut sehen. Bei langhaarigen Hunden wie Collie, Golden Retriever oder Berner Sennenhund musst du stärker tasten.
Bei Katzen ist das Tasten fast immer wichtiger als das reine Anschauen. Das Fell verdeckt die Körperkontur häufig, und der Primordialbeutel darf nicht mit Fett verwechselt werden.
Auch die Risiken unterscheiden sich. Katzen können bei zu schneller Diät eine gefährliche Leberverfettung entwickeln. Deshalb dürfen sie nicht radikal reduziert werden. Hunde tragen überschüssiges Gewicht besonders stark über Gelenke und Wirbelsäule, wodurch orthopädische Probleme begünstigt werden können.

Wie oft sollte ich den Body Condition Score prüfen?
Der Body Condition Score sollte mindestens einmal jährlich kontrolliert werden, idealerweise bei jedem Tierarztbesuch. Zuhause ist eine regelmäßige Kontrolle besonders sinnvoll, wenn dein Tier zu Gewichtszunahme neigt oder bereits abnehmen soll.
Während einer aktiven Diät solltest du den BCS etwa einmal im Monat prüfen. Nach einer Kastration ist eine Kontrolle nach drei bis sechs Monaten sinnvoll, weil der Energiebedarf sinken kann.
Bei Rassen mit erhöhtem Übergewichtsrisiko lohnt sich eine vierteljährliche Kontrolle. Dazu zählen zum Beispiel Labrador, Golden Retriever, Beagle, Mops, Französische Bulldogge, Britisch Kurzhaar und Perserkatze.
Auch nach Gelenkoperationen oder bei chronischen orthopädischen Erkrankungen solltest du den Körperzustand eng im Blick behalten, weil weniger Bewegung schnell zu Gewichtszunahme führen kann.
Was sollte ich bei einem BCS von 7 oder höher tun?
Ab einem BCS von sechs besteht Handlungsbedarf. Bei einem BCS von sieben oder höher sollte die Gewichtsreduktion gezielt geplant werden. Bei einem BCS von acht oder neun ist eine tierärztliche Abklärung besonders wichtig.
Zuerst sollten mögliche medizinische Ursachen ausgeschlossen werden. Beim Hund können zum Beispiel eine Schilddrüsenunterfunktion oder Cushing eine Rolle spielen. Bei Katzen kommen unter anderem Diabetes, Akromegalie oder andere Stoffwechselprobleme infrage.
Danach wird das Zielgewicht festgelegt. Häufig wird grob geschätzt, dass jeder BCS Punkt über fünf etwa zehn bis 15 Prozent zusätzliches Körpergewicht bedeutet. Auf dieser Basis kann der Tierarzt oder der Rechner einen realistischen Kalorienrahmen bestimmen.
Für die Diät wird meist mit dem Ruheenergiebedarf des Zielgewichts gearbeitet. Daraus ergibt sich die Tagesration. Bei stärkerem Übergewicht sind spezielle Diätfutter oft sinnvoller als einfach weniger normales Futter zu geben, weil sie trotz Kalorienreduktion besser sättigen und die Nährstoffversorgung sichern.
Das Ziel ist ein langsamer, kontrollierter Gewichtsverlust. Beim Hund sind meist ein bis zwei Prozent Körpergewicht pro Woche realistisch. Bei Katzen sollte es langsamer gehen, meist maximal etwa ein Prozent pro Woche.
Monatliche Gewichtskontrollen reichen in der Regel aus. Häufigeres Wiegen kann durch normale Tagesschwankungen irritieren. Entscheidend ist der Trend über mehrere Wochen.
Der vollständige Ablauf mit RER-Formel, Futtervergleich und Kalorienrechner wird im Artikel zur Gewichtskontrolle bei Hund und Katze ausführlich erklärt.
Welche Fehler sollte ich bei der Selbstbeurteilung vermeiden?
Bei der Einschätzung des Body Condition Scores passieren häufig dieselben Fehler. Diese Punkte solltest du vermeiden:
Nur die Waage benutzen
Die Waage zeigt das Gewicht, aber nicht die Körperzusammensetzung. Ein muskulöser Hund kann schwerer sein, ohne übergewichtig zu sein.
Nur den Bauch ansehen
Der Primordialbeutel der Katze oder ein hängender Bauch nach Trächtigkeit und Geburt können Übergewicht vortäuschen. Entscheidend sind Rippen, Taille und Bauchlinie zusammen.
Nicht tasten
Langhaarige Tiere lassen sich optisch kaum zuverlässig beurteilen. Bei ihnen ist das Abtasten besonders wichtig.
Direkt nach der Mahlzeit prüfen
Ein satt gefressenes Tier kann vorübergehend einen volleren Bauch haben. Beurteile den BCS am besten morgens vor der ersten Fütterung.
Nur eine Einzelmessung bewerten
Ein einmaliger BCS ist weniger aussagekräftig als der Verlauf. Wichtiger ist, wie sich Körperform und Gewicht über drei bis sechs Monate entwickeln.
Warum sollte ich bei Übergewicht auch an Versicherungsschutz denken?
Übergewicht erhöht das Risiko für Folgeerkrankungen. Bei Hunden zählen dazu unter anderem Kreuzbandrisse, Bandscheibenprobleme und Arthrose. Bei Katzen steigt das Risiko für Diabetes mellitus und damit für regelmäßige Medikamenten und Kontrollkosten.
Eine Kranken oder OP Versicherung kann solche Kosten teilweise auffangen, wenn der Vertrag rechtzeitig abgeschlossen wurde. Bereits diagnostizierte Erkrankungen oder bekannte Beschwerden können je nach Anbieter ausgeschlossen sein.
Häufige Fragen zum Body Condition Score
Quellen
WSAVA Global Nutrition Committee, Body Condition Score Charts (Hund und Katze)
Laflamme DP, Development and Validation of a Body Condition Score System for Dogs, Canine Practice 1997;22(4):10-15
Freeman LM et al., AAHA Nutritional Assessment Guidelines for Dogs and Cats, J Am Anim Hosp Assoc 2011;47:285-296
Bundestierärztekammer, Stellungnahme zu Adipositas bei Heimtieren
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