Anaplasmose beim Hund
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Anaplasmose beim Hund ist eine durch Zecken übertragene bakterielle Infektion, die in Tierarztpraxen in Deutschland und Österreich (AT) zunehmend häufiger diagnostiziert wird. Verantwortlich ist das Bakterium Anaplasma phagocytophilum, ein intrazellulärer Erreger, der sich in den weißen Blutkörperchen, vor allem den Granulozyten, vermehrt. Übertragen wird er durch den Stich der Schildzecke, in Mitteleuropa vor allem durch Ixodes ricinus, den Gemeinen Holzbock. Die Erkrankung kann akut mit deutlichen Symptomen auftreten, sie verläuft aber genauso oft subklinisch oder mit unspezifischen Beschwerden, die leicht übersehen werden. Klassische Symptome sind hohes Fieber, Apathie, Inappetenz, Lahmheit, vergrößerte Lymphknoten, blasse Schleimhäute und in einigen Fällen Blutungsneigung durch eine begleitende Thrombozytopenie. Die Diagnose stützt sich auf Blutbild, Blutausstrich und Antikörper- oder PCR-Tests. Standardtherapie ist Doxycyclin über zwei bis vier Wochen, mit meist guter Prognose. Prävention besteht in konsequentem Zeckenschutz und regelmäßiger Kontrolle nach Spaziergängen in Risikogebieten. Dieser Ratgeber erklärt dir die Übertragung, die Symptome, die Diagnostik, die Therapie und die wichtigsten Vorbeugemaßnahmen. Der Inhalt ist tierärztlich überprüft.
Auf einen Blick
Anaplasmose beim Hund wird durch den Stich der Schildzecke Ixodes ricinus übertragen. Klassisch sind hohes Fieber, Apathie, Lahmheit und blasse Schleimhäute, oft begleitet von Thrombozytopenie und Blutungsneigung. Die Behandlung mit Doxycyclin über zwei bis vier Wochen ist meist erfolgreich. Konsequenter Zeckenschutz mit Tabletten oder Spot-on-Präparaten ist die wichtigste Vorbeugung. Bei Fieber, Mattigkeit oder Blutungen sofort zum Tierarzt.
Was ist Anaplasmose und wie wird sie übertragen?
Anaplasmose beim Hund wird durch das Bakterium Anaplasma phagocytophilum verursacht, einen intrazellulären Erreger aus der Familie der Anaplasmataceae. Anaplasma phagocytophilum vermehrt sich in den neutrophilen Granulozyten, einer Untergruppe der weißen Blutkörperchen. Daneben gibt es eine zweite Form, die granuläre Anaplasmose des Hundes durch Anaplasma platys, die vor allem in mediterranen Gebieten vorkommt und sich in den Blutplättchen (Thrombozyten) vermehrt. In Deutschland und Österreich ist die durch Ixodes-Zecken übertragene Anaplasma-phagocytophilum-Infektion die mit Abstand häufigste Form.
Übertragen wird der Erreger durch den Stich der Schildzecke Ixodes ricinus, in Mitteleuropa als Gemeiner Holzbock bekannt. Die Übertragung erfolgt nicht sofort beim Stich, sondern in der Regel erst nach einer Saugzeit von zwölf bis vierundzwanzig Stunden. Eine zeitnahe Entfernung der Zecke senkt das Übertragungsrisiko deutlich. Die Zecken sind in waldreichen Gebieten, an Waldrändern, auf Wiesen, in Parks und in Gärten weit verbreitet, die Hauptaktivität liegt zwischen März und November, in milden Wintern sind sie ganzjährig aktiv. Auch Wildtiere wie Rehe, Igel und Mäuse dienen als natürliche Reservoirwirte und halten den Erreger in der Population aufrecht.
Die Verbreitung der Anaplasmose hat in den letzten Jahren in Mitteleuropa deutlich zugenommen, was mit dem milderen Klima und der Ausbreitung der Zeckenpopulationen zusammenhängt. Studien zeigen, dass je nach Region bis zu fünfundzwanzig Prozent der Ixodes-Zecken in Deutschland und Österreich mit Anaplasma phagocytophilum infiziert sind. Auch die Seroprävalenz bei Hunden, also der Anteil der Tiere mit Antikörpern, liegt regional bei zehn bis dreißig Prozent, je nach Region und Lebensstil. Hunde mit viel Aufenthalt im Freien, mit Jagd- oder Wandereinsätzen oder mit langem Fell sind besonders exponiert. Mehr zu Zeckenschutz allgemein liest du im Beitrag zum Zeckenstich beim Hund.

Welche Symptome zeigt ein Hund mit Anaplasmose?
Die Anaplasmose verläuft sehr unterschiedlich. Viele infizierte Hunde zeigen keine oder nur sehr milde Symptome und bleiben symptomlose Träger des Erregers. Bei klinisch manifester Erkrankung treten die Symptome meist sieben bis vierzehn Tage nach dem Zeckenstich auf. Klassisch sind hohes Fieber bis vierzig Grad, deutliche Apathie, reduzierter Appetit, Mattigkeit, vergrößerte Lymphknoten und gelegentlich Erbrechen oder Durchfall. Der Verlauf ist in vielen Fällen akut über fünf bis zehn Tage und kann unbehandelt von selbst abklingen, ohne dass der Erreger dauerhaft eliminiert wird.
Ein typisches Zusatzsymptom ist die Lahmheit, oft wechselnd zwischen verschiedenen Gliedmaßen, manchmal verbunden mit Gelenkschwellungen. Hintergrund ist eine entzündliche Reaktion in den Gelenken (Polyarthritis), die durch die Immunreaktion gegen den Erreger ausgelöst wird. Manche Hunde zeigen einen steifen Gang, vermeiden Springen, ziehen sich zurück oder werden ungewöhnlich ruhig. Die Lahmheit verschwindet oft nach einigen Tagen, kann aber wiederkehren oder chronisch werden, wenn die Therapie ausbleibt.
Eine zweite wichtige Symptomgruppe entsteht durch die Thrombozytopenie, also einen deutlichen Abfall der Blutplättchen. Sichtbar wird sie durch kleine punktförmige Blutungen (Petechien) auf den Schleimhäuten, am Bauch oder am Zahnfleisch, durch Nasenbluten, durch blutige Spuren im Urin oder Kot oder durch flächige Blutergüsse in der Haut nach geringen Anstößen. In schweren Fällen können größere innere Blutungen auftreten. Eine Blutungsneigung ist immer ein wichtiges Warnsignal, das eine zeitnahe tierärztliche Abklärung erfordert.
Begleitende Symptome wie blasse Schleimhäute durch Anämie, beschleunigte Herzfrequenz, vergrößerte Milz, gelegentlich Husten oder neurologische Auffälligkeiten wie Krampfanfälle oder Bewegungsstörungen kommen in einzelnen schweren Verläufen vor. Eine Mischinfektion mit anderen zeckenübertragenen Erregern wie Borrelia burgdorferi (Borreliose) oder Babesia canis (Babesiose) kann das klinische Bild verkomplizieren und die Symptome verstärken. Mehr zur Borreliose liest du im Beitrag zur Borreliose beim Hund, mehr zur Leishmaniose im Beitrag zur Leishmaniose beim Hund.
Wie wird Anaplasmose diagnostiziert?
Die Diagnose stützt sich auf eine Kombination aus klinischer Untersuchung, Anamnese, Blutbild und spezifischen Erregertests. In der Anamnese sind Fragen nach Spaziergängen in Risikogebieten, beobachteten Zeckenstichen in den letzten zwei bis vier Wochen, Aufenthalten in zeckenexponierten Regionen und Reisen wichtig. Die klinische Untersuchung umfasst Beurteilung des Allgemeinbefindens, Messung der Körpertemperatur, Tasten der Lymphknoten, Inspektion der Schleimhäute auf Petechien, Tasten von Bauch und Milz, Beurteilung der Gelenke und Suche nach noch anhaftenden Zecken im Fell.
Das große Blutbild zeigt klassisch eine Thrombozytopenie (deutlich reduzierte Blutplättchen, oft unter hunderttausend pro Mikroliter), gelegentlich auch eine Leukopenie (reduzierte weiße Blutkörperchen) oder eine milde Anämie. Die klinische Chemie kann erhöhte Leberwerte oder gelegentlich erhöhte Nierenwerte zeigen. Im Blutausstrich (panchromatisch gefärbt) können in akuten Phasen die typischen Morulae, kleine bläuliche Einschlüsse in den neutrophilen Granulozyten, sichtbar sein. Diese Befunde sind wegweisend und liefern in vielen Fällen schon die Verdachtsdiagnose.
Zur sicheren Bestätigung werden spezifische Tests eingesetzt. Ein Antikörpertest (IFAT oder ELISA) zeigt eine zurückliegende oder bestehende Infektion, gibt aber keine sichere Auskunft über die Akutsituation, weil Antikörper jahrelang nachweisbar bleiben können. Ein PCR-Test aus dem Vollblut weist die Erreger-DNA direkt nach und ist in der akuten Phase besonders aussagekräftig. Ein Schnelltest auf der Praxis (zum Beispiel SNAP 4Dx Plus) prüft gleichzeitig auf Antikörper gegen Anaplasma, Ehrlichia, Borrelia und Herzwurm und ist eine bewährte Erstabklärung. Eine vollständige Diagnostik kostet je nach Aufwand etwa hundertfünfzig bis dreihundert Euro.
Wie wird Anaplasmose behandelt?
Standardtherapie der Anaplasmose ist Doxycyclin in einer Dosis von fünf Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht zweimal täglich oder zehn Milligramm pro Kilogramm einmal täglich, oral verabreicht. Die Behandlungsdauer liegt bei zwei bis vier Wochen, je nach Schwere der Symptome und nach klinischem Verlauf. Eine Verbesserung tritt bei den meisten Hunden schon innerhalb von vierundzwanzig bis achtundvierzig Stunden ein, das Fieber sinkt, der Appetit kehrt zurück und die Aktivität nimmt zu. Trotzdem ist es wichtig, die volle Behandlungsdauer einzuhalten, weil eine zu kurze Therapie zu Rückfällen oder chronischen Verläufen führen kann.
Doxycyclin sollte am besten nach einer Mahlzeit verabreicht werden, um Magenreizungen vorzubeugen. Bei jungen Welpen unter zwölf Wochen wird Doxycyclin nur in Ausnahmefällen eingesetzt, weil es die Zahnentwicklung beeinflussen kann (gelbliche Verfärbung), Alternativen sind Minocyclin oder andere Tetrazykline. Bei trächtigen oder säugenden Hündinnen ist Doxycyclin ebenfalls problematisch, hier wird die Therapie individuell nach tierärztlicher Bewertung gewählt.
Begleitend zur antibiotischen Therapie kann eine symptomatische Behandlung sinnvoll sein. Bei starken Schmerzen oder Fieber kommen kurzfristig nichtsteroidale Entzündungshemmer wie Meloxicam oder Carprofen zum Einsatz. Bei deutlicher Anämie kann eine Bluttransfusion nötig werden, bei schweren Blutungen eine intensive Stabilisierung in einer Klinik. Hunde mit Polyarthritis profitieren von Schmerzmitteln und kontrollierter Bewegung in den ersten Tagen der Therapie. Eine vollständige Behandlung mit Diagnostik, Doxycyclin und Kontrollen kostet in Österreich oder Deutschland etwa zweihundert bis fünfhundert Euro, bei Komplikationen entsprechend mehr.
Die Prognose ist bei rechtzeitiger Behandlung sehr gut, die meisten Hunde erholen sich vollständig innerhalb von zwei bis vier Wochen. Eine Sterilisation des Erregers (vollständige Eliminierung) gelingt in den allermeisten Fällen, Rückfälle sind selten. Eine erneute Infektion durch einen weiteren Zeckenstich ist allerdings jederzeit möglich, weil die durchgemachte Erkrankung keine dauerhafte Immunität hinterlässt.

Wie kann ich Anaplasmose vorbeugen?
Die wichtigste Vorbeugung ist konsequenter Zeckenschutz über die gesamte Aktivitätszeit der Zecken, in Mitteleuropa praktisch das ganze Jahr über mit Schwerpunkt März bis November. Bewährt sind orale Tabletten mit Wirkstoffen aus der Gruppe der Isoxazoline (Afoxolaner, Fluralaner, Sarolaner, Lotilaner) mit einer Wirkdauer von vier Wochen bis zu drei Monaten, sie töten Zecken innerhalb weniger Stunden nach dem Stich, oft bevor eine Übertragung von Anaplasma erfolgen kann. Spot-on-Präparate mit Permethrin (nicht für Katzenhalter geeignet, weil Permethrin für Katzen toxisch ist), Fipronil oder Pyriproxyfen wirken über die Hautoberfläche und können sowohl Zeckenstiche verhindern als auch das Saugen abkürzen. Halsbänder mit Deltamethrin oder Imidacloprid sind eine weitere Option, vor allem für Hunde, die schwer Tabletten nehmen.
Nach jedem Spaziergang in zeckenexponierten Gebieten ist eine gründliche Kontrolle des Hundes Pflicht, vor allem an den prädilektionsstellen Kopf, Hals, Achseln, Brust, Bauch, Innenseite der Schenkel und zwischen den Zehen. Eine entdeckte Zecke wird mit einer Zeckenzange oder Zeckenkarte am Kopfteil, möglichst nahe der Haut, gefasst und vorsichtig gerade herausgezogen. Drehen oder Quetschen sollte vermieden werden, weil dadurch Erregermaterial vom Zeckenkörper in die Wunde gelangen kann. Anschließend Hände waschen und die Stichstelle desinfizieren.
Eine Impfung gegen Anaplasmose existiert in Österreich und Deutschland aktuell nicht. Es gibt eine Impfung gegen Borreliose, die in einigen Risikoregionen empfohlen wird, sie schützt aber nicht vor Anaplasmose. Eine jährliche Schnelltestung mit dem SNAP 4Dx Plus oder einem ähnlichen Test ist sinnvoll, um eine subklinische Infektion frühzeitig zu erkennen, vor allem bei Hunden mit hohem Zeckenkontakt. Mehr zu allgemeiner Zeckenprophylaxe liest du im Beitrag zum Zeckenstich beim Hund, mehr zur Ernährung als Basis der Immunabwehr im Beitrag zu Hundefutter.
Tierärztlicher Blick: Wann muss ich zum Tierarzt?
Ein Tierarztbesuch ist bei jedem unklaren Fieber, jeder anhaltenden Apathie, jeder unerklärten Lahmheit, jeder Blutung aus Maul, Nase oder im Urin und bei jeder ungewohnten Mattigkeit sinnvoll, vor allem wenn dein Hund in den vergangenen zwei bis vier Wochen einen Zeckenstich hatte oder regelmäßig in Risikogebieten unterwegs ist. Eine zeitnahe Vorstellung innerhalb von vierundzwanzig bis achtundvierzig Stunden ist Standard, bei deutlicher Verschlechterung früher.
Eine sofortige Vorstellung in der Tierklinik ist nötig bei massiver Blutungsneigung mit größeren Hämatomen, Nasenbluten, Bluterbrechen oder blutigem Stuhlgang, bei deutlich blassen Schleimhäuten als Hinweis auf schwere Anämie, bei Atemnot, Kollaps, Krampfanfällen oder Bewusstseinstrübung. In dieser Konstellation kann eine schwere Anaplasmose oder eine Mischinfektion vorliegen, die intensivmedizinische Versorgung mit Bluttransfusion, Infusionstherapie und stationärer Überwachung erfordert.
Bis zur Ankunft in der Klinik halte deinen Hund ruhig, vermeide Anstrengung und Aufregung, gib keine Schmerzmittel aus eigener Hand. Wenn möglich, nimm bei einem aktuellen Zeckenfund die Zecke in einem verschlossenen Gefäß mit, sie kann später mittels PCR auf Anaplasma und andere Erreger untersucht werden. Bei Rassen mit erhöhtem Aufenthalt im Freien wie Jagdhunden, Wanderbegleitern oder Hütehunden ist eine jährliche Routineabklärung mit Schnelltest empfehlenswert. Eine wohnortnahe Praxis findest du über unseren Tierarzt-Finder, in der Bundeshauptstadt unterstützt der Tierarzt in Wien. Eine Hundeversicherung deckt einen großen Teil der Diagnostik- und Behandlungskosten, was bei wiederholten oder komplizierten Verläufen finanziell entlastet.
Notfall erkennen
Massive Blutungsneigung mit Nasenbluten, Bluterbrechen oder blutigem Stuhl, deutlich blasse Schleimhäute, plötzlicher Kollaps, Krampfanfälle oder Bewusstseinstrübung sind ein Notfall. Hinter diesen Symptomen kann eine schwere Anaplasmose mit ausgeprägter Thrombozytopenie oder eine Mischinfektion mit Borreliose oder Babesiose stehen. Sofort in die nächste Tierklinik mit telefonischer Voranmeldung. Hund ruhig und warm transportieren, keine Schmerzmittel aus eigener Hand.
Häufige Fragen zu Anaplasmose beim Hund
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