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Hüftgelenksdysplasie beim Hund

Hüftgelenksdysplasie beim Hund

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Hüftgelenksdysplasie beim Hund, kurz HD, ist die häufigste erblich mitbedingte orthopädische Erkrankung in der Kleintiermedizin. Sie betrifft vor allem mittelgroße bis große Rassen, aber auch kleine Rassen wie Mops oder Französische Bulldogge sind nicht ausgenommen. Bei der Erkrankung kommt es zu einer fehlerhaften Ausformung des Hüftgelenks zwischen Oberschenkelkopf und Pfanne, mit nachfolgender Instabilität, Knorpelabnutzung und schmerzhafter Sekundärarthrose. Tierärztinnen und Tierärzte in Österreich (AT), Deutschland und der Schweiz beurteilen Hüften nach standardisierten Schemata wie BVA und PennHIP, beraten Züchter:innen zur Zuchttauglichkeit und kombinieren bei betroffenen Hunden konservative Therapie mit chirurgischen Optionen wie TPO, FHO und TEP. Dieser Ratgeber führt dich durch genetische Hintergründe, Symptome je nach Alter, die wichtigsten diagnostischen Verfahren, alle gängigen Operationsoptionen und einen realistischen konservativen Therapieplan in der DACH-Region. Der Inhalt ist tierärztlich überprüft.

Hueftdysplasie Hund Icon

Auf einen Blick

Hüftgelenksdysplasie ist eine multifaktoriell vererbte Fehlentwicklung des Hüftgelenks mit Instabilität und nachfolgender Arthrose. Symptome reichen von wackeligem Gang im Welpenalter über Springvermeidung bei Junghunden bis zur klassischen Lahmheit nach Ruhe beim älteren Hund. Diagnostik erfolgt über Röntgen unter Sedierung in standardisierter Lagerung, beurteilt nach BVA, FCI oder PennHIP. Bei jungen Hunden bis circa zwölf Monate sind präventive Operationen wie Juvenile Beckenosteotomie oder Triple Pelvic Osteotomy möglich, später kommen Femurkopfresektion oder Hüfttotalendoprothese in Frage. Konservativ helfen Schmerzmedikation, Gewichtsmanagement, Physiotherapie und kontrollierte Bewegung.

Was ist Hüftgelenksdysplasie und wie entsteht sie?

Das Hüftgelenk eines gesunden Hundes ist ein präzise gearbeitetes Kugelgelenk. Der runde Oberschenkelkopf liegt tief und stabil in einer halbschalenförmigen Gelenkpfanne im Becken. Eine straffe Gelenkkapsel und das runde Hüftband halten die beiden Komponenten zusammen, ein dünner, gleichmäßig verteilter Knorpelfilm sorgt für nahezu reibungsfreie Bewegung. Bei der Hüftgelenksdysplasie ist diese Architektur gestört. Die Pfanne ist zu flach ausgebildet, der Oberschenkelkopf ist nicht ausreichend rund, die Gelenkkapsel ist überdehnt und der Halt im Gelenk fehlt. Daraus resultiert eine Mikroinstabilität bei jeder Bewegung. Schon der schrittweise erfolgende Knorpelabrieb führt im Verlauf zu einer schmerzhaften Sekundärarthrose mit Versteifung und Lahmheit.

Die Ursache ist multifaktoriell. Eine deutliche genetische Prädisposition mit polygenem Vererbungsmuster liefert die Grundlage, deshalb ist die HD-Befundung in vielen Großrassen Pflichtuntersuchung vor dem Zuchteinsatz. Auf diese genetische Disposition wirken aber Umweltfaktoren stark modulierend. Schnelles Wachstum durch zu energiereiche Welpenfütterung, Übergewicht in der Wachstumsphase, hohe Kalziumzufuhr durch übermäßige Supplementierung, ungünstige Bewegungsmuster wie häufige Treppensprünge oder unkontrollierte Sprünge aus dem Auto, sowie rutschiger Bodenbelag in der Welpenphase erhöhen das Risiko und die Schwere der Ausprägung. Eine konsequent ausgewogene Welpenernährung, kontrollierte Bewegung und gewichtskontrolliertes Wachstum sind deshalb wichtige präventive Hebel.

Besonders überrepräsentiert sind Deutscher Schäferhund, Berner Sennenhund, Labrador, Golden Retriever, Rottweiler, Bernhardiner, Neufundländer, Leonberger, Riesenschnauzer und viele Molosser-Rassen. Aber auch Hütehunderassen wie Border Collie und Australian Shepherd sowie zunehmend kleinere Rassen wie Mops, Französische Bulldogge und Cavalier King Charles Spaniel sind betroffen. Eine HD-freie Hüfte beider Elterntiere reduziert das Risiko des Welpen, garantiert aber keine vollständige Ausschluss, weil die Vererbung polygen und durch Umwelt mitbestimmt ist.

Hüftgelenksdysplasie beim Hund – go4vet

Welche Symptome zeigen betroffene Hunde?

Die klinische Symptomatik unterscheidet sich deutlich nach Alter. Sehr junge Hunde zwischen vier und zwölf Monaten zeigen vor allem Symptome aus der akuten Instabilitätsphase. Typisch sind ein wackeliger Gang in der Hinterhand, Hopsen wie ein Hase beim Galopp, Schwierigkeiten beim Aufstehen aus dem Liegen, eine reduzierte Belastbarkeit nach kurzen Spaziergängen, deutlich verminderte Sprungbereitschaft auf Couch oder ins Auto sowie eine zunehmende Vermeidung von Spielen mit anderen Hunden. Manche Welpen zeigen einen sichtbar engen Gangkorridor in der Hinterhand mit eng zusammenstehenden Sprunggelenken.

Junghunde im Alter zwischen zwölf und 24 Monaten zeigen oft eine vorübergehende Phase mit deutlichen Beschwerden, ausgelöst durch die akute Knorpelschädigung in der instabilen Phase. In dieser Zeit sind Lahmheit nach Belastung, schmerzhaftes Aufstehen, vermindertes Spielverhalten und gelegentlich Gewichtsverlust zu beobachten. Nach dieser Akutphase folgt häufig ein vermeintlich besserer Zeitraum von einigen Monaten bis Jahren, in dem der Körper kompensiert. Diese ruhige Zwischenphase trügt aber, weil im Hüftgelenk weiter Arthrose entsteht.

Erwachsene und ältere Hunde zeigen das klassische Bild der sekundär arthrotischen Hüftgelenksdysplasie. Anlaufschmerz nach Ruhephasen mit Verbesserung unter Bewegung, deutliche Lahmheit nach längerer Belastung, Probleme beim Aufstehen und Hinlegen, vermindertes Treppensteigen, Vermeidung von Sprüngen, sichtbar reduzierte Muskelmasse in der Hinterhand mit ungewöhnlich starker Schultermuskulatur als Kompensation, Aggression bei Berührung der Hüftregion und in fortgeschrittenen Stadien deutliche Beeinträchtigung der Lebensqualität. Mehr zur sekundären Arthrose und ihrer Therapie liest du im Pillarartikel zur Arthrose beim Hund.

Wie erfolgen Diagnose und Graduierung?

Die Diagnostik beginnt mit einer ausführlichen klinischen Untersuchung. Die Tierärztin beurteilt das Gangbild, prüft die passive Beweglichkeit der Hüftgelenke, palpiert die umgebende Muskulatur, beurteilt Muskelumfang und Symmetrie, testet das Ortolani-Zeichen zur Beurteilung der Hüftlaxität bei sedierten Junghunden und schließt benachbarte Strukturen wie Knie und Lendenwirbelsäule aus. Der nächste Schritt ist immer das Röntgen unter Sedierung in standardisierter Lagerung, üblicherweise in der ventrodorsal gestreckten Hüftansicht (sogenannte Hüft-Übersichtslagerung).

Für die Beurteilung gibt es mehrere etablierte Schemata. In Europa ist die FCI-Befundung mit den Graden A bis E weit verbreitet, wobei A frei von HD bedeutet, B Übergangsform mit grenzwertiger Befundung, C leichte HD, D mittlere HD und E schwere HD. Die britische BVA-Skala arbeitet mit einem Punktesystem von 0 bis 106 für beide Hüften zusammen, wobei niedrigere Werte bessere Hüften bedeuten. PennHIP ist ein in den USA entwickeltes spezielles Verfahren mit drei Aufnahmen, das die Hüftlaxität bereits ab vier Monaten Alter quantifizieren kann und damit eine sehr frühe Risikoeinschätzung erlaubt. Es wird in Österreich, Deutschland und der Schweiz von zertifizierten PennHIP-Tierärzt:innen angeboten.

Die offizielle HD-Befundung mit Eintrag im Zuchtbuch erfolgt in den meisten Rassen ab dem vollendeten zwölften oder 18. Lebensmonat, je nach Rassenstandard. Die Aufnahmen werden an die zuständige Zuchtkommission geschickt und dort von erfahrenen Gutachter:innen unabhängig beurteilt. Die Kosten einer offiziellen HD-Befundung liegen in Österreich und Deutschland bei rund 150 bis 300 Euro inklusive Sedierung, in der Schweiz höher. Eine zusätzliche PennHIP-Untersuchung kostet ähnlich. Eine seriöse Hundeversicherung übernimmt diese Kosten in der Regel nicht, weil sie als Vorsorge bzw. Zuchtuntersuchung gelten. Sehr wohl übernommen werden therapieorientierte Diagnostik bei symptomatischen Hunden und alle daraus folgenden Therapiekosten.

Welche operativen Optionen gibt es?

Welche Operation in Frage kommt, hängt entscheidend vom Alter und vom Stadium der Erkrankung ab. Bei sehr jungen Welpen zwischen zwölf und 18 Wochen mit nachgewiesener Hüftlaxität, aber noch ohne Arthrose, ist die Juvenile Beckenosteotomie (JPS oder Juvenile Symphysiodese) eine Option. Hier wird die Wachstumsfuge der Schambeinfuge gezielt verschlossen, sodass das Becken in der weiteren Entwicklung die Pfanne über dem Oberschenkelkopf nach oben dreht. Voraussetzung ist eine sehr frühe Indikationsstellung, weshalb dieses Verfahren in der Praxis nur in spezialisierten Zentren mit aktivem Welpen-Screening regelmäßig zum Einsatz kommt.

Zwischen fünf und zwölf Monaten kommt bei nachgewiesener Hüftlaxität ohne Arthrose die Triple Pelvic Osteotomy (TPO) oder Double Pelvic Osteotomy (DPO) in Betracht. Hier werden Schambein, Sitzbein und Darmbein durchtrennt und die so freiliegende Pfanne mit speziellen Platten in eine bessere Überdachungsposition über dem Oberschenkelkopf gedreht. Voraussetzung ist eine sorgfältige präoperative Selektion mit dynamischen Aufnahmen, eine erfahrene Operateurin und eine konsequente Nachsorge mit Physiotherapie. Das Verfahren ist in spezialisierten DACH-Zentren etabliert.

Im erwachsenen Alter mit ausgeprägter Sekundärarthrose stehen zwei Optionen im Vordergrund. Die Femurkopfresektion (FHO oder Femurkopf-Hals-Resektion) entfernt den Oberschenkelkopf und Hals vollständig, sodass anstelle des Hüftgelenks eine bindegewebige Pseudoarthrose entsteht. Sie ist eine bewährte Salvage-Operation für kleinere und mittelgroße Hunde unter rund 25 Kilogramm und liefert in dieser Gewichtsklasse oft sehr gute Ergebnisse, mit deutlichem Schmerzgewinn und akzeptabler Funktion. Bei Hunden über 25 Kilogramm gilt die Hüfttotalendoprothese (TEP oder THR) als Goldstandard. Hier werden Pfanne und Oberschenkelkopf durch zementierte oder unzementierte Implantate ersetzt, ähnlich wie beim Menschen. Die Ergebnisse sind in spezialisierten Zentren ausgezeichnet, mit Erfolgsraten über 90 Prozent und nahezu normaler Funktion. Die OP gehört in die Hände erfahrener Hüftchirurg:innen, in Österreich an der Vetmeduni Wien und in einzelnen großen Privatkliniken, in Deutschland und der Schweiz an mehreren universitären und privaten Zentren verfügbar.

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Wie sieht eine konservative Therapie aus?

Nicht jeder HD-Hund braucht eine Operation. Viele Hunde lassen sich mit konsequenter konservativer Therapie über Jahre auf gutem Lebensqualitätsniveau halten, vor allem wenn die Arthrose nicht hochgradig ausgeprägt ist. Die Säulen sind Schmerzmedikation, Gewichtsmanagement, Physiotherapie, kontrollierte Bewegung und ergänzende Maßnahmen wie Nahrungsergänzungen.

Schmerzmedikation erfolgt meist mit nichtsteroidalen Antiphlogistika wie Carprofen, Meloxicam, Robenacoxib, Firocoxib oder Mavacoxib, immer unter regelmäßiger tierärztlicher Kontrolle der Nieren- und Leberwerte. Bei unzureichender Schmerzkontrolle kommen Adjuvantien wie Gabapentin oder Amantadin hinzu. Neue monoklonale Antikörper gegen den Nervenwachstumsfaktor wie Bedinvetmab haben in den letzten Jahren das Therapie-Spektrum erweitert und werden zunehmend bei Arthrose-Schmerz eingesetzt. Diese Therapien sind verschreibungspflichtig und brauchen tierärztliche Begleitung.

Gewichtsmanagement ist der mit Abstand wichtigste konservative Hebel. Schon ein Gewichtsverlust von zehn bis 15 Prozent bringt vielen HD-Hunden eine spürbar bessere Beweglichkeit. Eine kalorienreduzierte, eiweißreiche Diät kombiniert mit kontrollierter Bewegung ist die Grundlage. Mehr zur passenden Fütterung findest du im Pillarartikel zum Hundefutter. Physiotherapie mit Manueller Therapie, Unterwasserlaufband, Laser und gezielten Übungen baut Muskulatur auf und entlastet das Gelenk. Mehr dazu liest du im Ratgeber zur Arthrose beim Hund. Kontrollierte Bewegung in mehreren kleinen Spaziergängen, schwimmend statt sprintend, vermeidet Spitzenbelastungen und beugt akuten Schüben vor.

Welche Rolle spielt die Zucht?

Die HD ist ein Lehrstück für die Möglichkeiten und Grenzen veterinärgenetischer Selektion. Seit den späten 1960er Jahren werden in vielen Großrassen HD-Befundungen vor dem Zuchteinsatz vorgeschrieben, mit kontinuierlicher Verbesserung der Hüftqualität in vielen Populationen. Trotzdem bleibt die HD bis heute eine relevante Erkrankung, weil das polygene Vererbungsmuster, die starke Umweltkomponente und die geringe Heritabilität (rund 0,2 bis 0,4) eine schnelle Reduktion erschweren. In den vergangenen Jahren wurden zusätzliche Tools entwickelt, etwa Schätzwerte des Zuchtwertes (EBV) für die Hüftqualität, die nicht nur das eigene Befundergebnis, sondern auch die Befunde von Verwandten berücksichtigen.

Verantwortungsvolle Züchter:innen kombinieren HD-Befundung beider Elterntiere mit Schätzzuchtwerten, Berücksichtigung weiterer orthopädischer Erkrankungen wie Ellbogendysplasie und einer ausgewogenen Welpenaufzucht mit kontrollierter Energiezufuhr und ohne übermäßige Supplementierung. Wenn du einen Welpen einer prädisponierten Rasse suchst, achte auf nachweisbare HD-Befunde A oder B beider Eltern, idealerweise auf vorliegende Zuchtwerte und auf eine seriöse Welpenaufzucht in einem etablierten Zuchtverein. Eine HD-freie Familie minimiert das Risiko, ohne es auf null zu reduzieren.

Wenn dein erwachsener Hund die Diagnose HD bekommt, hast du als Halter:in keinen Anlass zur Selbstkritik, weil das Erkrankungsrisiko vor allem in der Zuchtentscheidung und der frühen Wachstumsphase liegt. Dein Hebel als Halter:in ist eine konsequente Therapie und ein gepflegter Alltag. Der wichtigste Schritt nach der Diagnose ist ein offenes Gespräch mit deiner Tierärztin über die Therapieoptionen, eine ehrliche Beurteilung der individuellen Lebenssituation deines Hundes und eine realistische Erwartung an die nächsten Monate und Jahre.

Tierärztlicher Blick: Wann musst du zum Tierarzt?

Aus tierärztlicher Sicht gibt es klare Faustregeln. Bei jedem Welpen oder Junghund einer prädisponierten Rasse mit wackeligem Gang, Hopsen in der Hinterhand, vermindertem Sprungverhalten oder ungewöhnlicher Belastungsintoleranz gehört dein Hund in eine orthopädische Untersuchung mit Sedationsröntgen. Je früher die Diagnose, desto mehr Therapieoptionen stehen offen. Bei jedem erwachsenen Hund mit Anlaufschmerz, deutlicher Lahmheit nach Belastung, vermindertem Treppen- und Sprungverhalten und sichtbar reduzierter Hinterhandmuskulatur ist ein orthopädischer Termin angezeigt, weil HD nur eine von mehreren möglichen Differentialdiagnosen ist. Auch chronische Lahmheiten, die auf einfache Schmerzmedikation immer wieder kurzzeitig ansprechen und dann wieder kommen, gehören sauber abgeklärt.

Notfallmäßig ohne Termin in die nächste Klinik gehört dein Hund nicht aufgrund einer HD allein, weil sich die Erkrankung schleichend verschlechtert. Sehr wohl notfallmäßig sind aber akute hochgradige Lahmheit nach Sturz oder Sprung mit Verdacht auf Kreuzbandriss oder Patellaluxation, akute Lähmung der Hinterhand mit Verdacht auf Bandscheibenvorfall sowie jede plötzlich aufgetretene neurologische Symptomatik. Wenn die Diagnose HD steht, gehört die nächste Etappe in spezialisierte Hände. In Österreich an die Vetmeduni Wien oder spezialisierte Privatkliniken, in Deutschland an die universitären Kleintierkliniken und einige große Privatzentren, in der Schweiz an die Kleintierkliniken Bern und Zürich. Eine wohnortnahe Erstanlaufstelle findest du über unseren Tierarzt-Finder, in der österreichischen Hauptstadt über die Tierarztsuche Wien.

Im Alltag setzt du auf eine konsequente Welpenaufzucht mit kontrollierter Energiezufuhr und ohne unnötige Supplementierung, eine kontrollierte Bewegung in der Wachstumsphase mit Vermeidung von Treppensprüngen aus dem Auto, einen griffigen Bodenbelag zuhause statt rutschiger Fliesen, ein konsequent gepflegtes Gewicht über das ganze Hundeleben, eine altersgerechte Bewegung mit mehreren kleineren Spaziergängen statt eines großen Sonntagsmarsches, regelmäßige Physiotherapie bei diagnostizierter HD und engmaschige tierärztliche Verlaufskontrollen. Mehr zur passenden Welpenfütterung liest du im Ratgeber zum Welpenfutter.

Notfall HD Hund

Wann sofort in die Klinik?

Auch wenn die HD selten ein klassischer Notfall ist, gehören akut aufgetretene hochgradige Lahmheit nach Sturz oder Sprung, plötzliche Lähmung der Hinterhand mit fehlender Belastung, neurologische Auffälligkeiten wie inkontinenter Kotabsatz oder Schwanzlähmung, sowie plötzlich aufgetretene starke Schmerzen mit Schreckhaftigkeit und Aggressivität sofort in die nächste Klinik. Differentialdiagnostisch stehen Kreuzbandriss, Patellaluxation, Bandscheibenvorfall und seltene Tumorerkrankungen wie das Osteosarkom im Raum.

Häufige Fragen zur Hüftgelenksdysplasie beim Hund

Ab welchem Alter ist HD sicher diagnostizierbar?
Eine offizielle HD-Befundung mit Eintrag im Zuchtbuch erfolgt in den meisten Rassen ab dem vollendeten zwölften oder 18. Lebensmonat. Eine sehr frühe Risikoeinschätzung ist mit dem PennHIP-Verfahren bereits ab vier Monaten möglich. Erste klinische Hinweise wie wackeliger Gang oder vermindertes Sprungverhalten zeigen sich bei vielen Welpen schon zwischen vier und acht Monaten. Bei Verdacht ist eine frühe orthopädische Vorstellung mit Sedationsröntgen sinnvoll, weil bei sehr jungen Hunden noch präventive Operationen möglich sind.
Welche Operation eignet sich für welchen Hund?
Bei sehr jungen Welpen zwischen zwölf und 18 Wochen mit nachgewiesener Laxität ist die Juvenile Beckenosteotomie eine Option. Zwischen fünf und zwölf Monaten kommt die Triple Pelvic Osteotomy in Frage. Im erwachsenen Alter mit ausgeprägter Arthrose ist die Femurkopfresektion bei Hunden unter 25 Kilogramm bewährt, die Hüfttotalendoprothese gilt bei Hunden über 25 Kilogramm als Goldstandard. Die Auswahl gehört in spezialisierte Hände nach gründlicher Befundung.
Was kostet eine HD-Behandlung in Österreich?
Die offizielle HD-Befundung kostet 150 bis 300 Euro. Eine Triple Pelvic Osteotomy liegt zwischen 2.500 und 4.500 Euro pro Seite, eine Femurkopfresektion zwischen 1.500 und 3.000 Euro pro Seite, eine Hüfttotalendoprothese zwischen 4.500 und 7.500 Euro pro Seite. Konservative Therapie mit Schmerzmedikation, Physiotherapie und Nahrungsergänzungen bewegt sich in einer Größenordnung von 80 bis 250 Euro pro Monat. Eine seriöse Hundeversicherung übernimmt einen Großteil bei tierärztlicher Indikation.
Kann mein HD-Hund noch normal Sport machen?
Bei guter konservativer oder operativer Therapie und stabilem Allgemeinzustand sind viele moderate Sport- und Bewegungsaktivitäten möglich, bevorzugt schonende Disziplinen wie kontrolliertes Schwimmen, Nasenarbeit, Mantrailing oder gezielte Reha-Übungen. Vermeide Hochbelastung wie Agility mit hohen Sprüngen, schnelle Wendebewegungen oder lange Spurtsequenzen, weil diese Belastungen die Sekundärarthrose beschleunigen. Eine individuelle Belastungsempfehlung gehört in tierärztliche und physiotherapeutische Hände.
Sind beide Hüften gleich häufig betroffen?
In der Mehrzahl der Fälle ist die Hüftgelenksdysplasie beidseitig ausgeprägt, oft mit unterschiedlicher Schwere zwischen den Seiten. Eine einseitig deutlich stärkere Hüfte ist häufig die klinisch lautere Seite, während die schwächer ausgeprägte Hüfte symptomarm bleiben kann. Bei chirurgischer Therapie wird in der Regel zuerst die schwerer betroffene Seite operiert, bei Bedarf folgt die andere Seite zeitversetzt. Eine seitenspezifische Therapieplanung gehört in die Hand spezialisierter Orthopäd:innen.
Hilft Schwimmen wirklich bei HD?
Schwimmen ist eine sehr gelenkschonende Bewegung, weil das Wasser den Großteil des Körpergewichts trägt. Es trainiert die Hinterhand- und Rumpfmuskulatur, fördert die Ausdauer und ist bei den meisten HD-Hunden sehr empfehlenswert. Noch besser ist das kontrollierte Unterwasserlaufband in spezialisierten Physiotherapie-Praxen, weil es ein physiologischeres Bewegungsmuster trainiert. Lass dich von deiner Tierärztin oder Physiotherapeutin individuell beraten.
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