Läufigkeit beim Hund: Zyklus, Dauer, Anzeichen
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Die Läufigkeit beim Hund ist die fruchtbare Phase im Zyklus einer Hündin. Umgangssprachlich heißt sie auch Hitze. Typisch sind eine geschwollene Scham, ein blutiger Ausfluss und ein Rüde, der plötzlich großes Interesse zeigt. Die gesamte Hitze aus Vorbrunst und Brunst dauert bei den meisten Hündinnen zwei bis drei Wochen und kommt im Schnitt alle sieben Monate wieder.
Der Zyklus der Hündin unterscheidet sich deutlich von dem anderer Haustiere. Hündinnen werden nur ein- bis zweimal im Jahr läufig, unabhängig von der Jahreszeit, und nach jeder Läufigkeit folgt eine lange Hormonphase, die auch ohne Trächtigkeit abläuft. Deshalb sind Scheinträchtigkeit und Gebärmutterentzündung typische Themen bei unkastrierten Hündinnen.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Zyklus hat vier Phasen: Vorbrunst (Proöstrus), Brunst (Östrus), Nachbrunst (Metöstrus oder Diöstrus) und Ruhephase (Anöstrus).
- Vorbrunst und Brunst dauern laut Merck Veterinary Manual jeweils drei Tage bis drei Wochen, im Mittel neun Tage. Der Abstand zwischen zwei Läufigkeiten liegt meist bei vier bis 13 Monaten.
- Die erste Läufigkeit kommt oft um den sechsten Lebensmonat, bei großen Rassen manchmal erst mit 18 bis 24 Monaten.
- Ob und wann eine Kastration sinnvoll ist, hängt von Rasse, Größe und Lebensumständen ab. Die Studienlage ist differenzierter, als viele annehmen.
Welche Phasen hat die Läufigkeit meiner Hündin?
Der Sexualzyklus der Hündin besteht aus vier Phasen. Die Angaben unten stammen aus dem Merck Veterinary Manual (Kapitel zur Zuchtbetreuung der Hündin, überprüft Juni 2025).
| Phase | Fachbegriff | Dauer | Was passiert |
|---|---|---|---|
| Vorbrunst | Proöstrus | 3 Tage bis 3 Wochen, im Mittel 9 Tage | Scham geschwollen, blutiger Ausfluss, Rüden werden angezogen, Hündin lässt noch nicht decken |
| Brunst | Östrus | 3 Tage bis 3 Wochen, im Mittel 9 Tage | Hündin ist paarungsbereit, Ausfluss oft heller, Eisprung |
| Nachbrunst | Metöstrus oder Diöstrus | ohne Trächtigkeit meist 2 bis 3 Monate | Hündin weist Rüden ab, Schwellung geht zurück, Gelbkörperhormon bleibt hoch |
| Ruhephase | Anöstrus | meist 1 bis 6 Monate | keine äußeren Zeichen, Gebärmutter erholt sich |
In der Vorbrunst steigen die Östrogene an. Die Scham (Vulva) schwillt an und es tritt blutiger Ausfluss aus der Gebärmutter aus. Rüden finden die Hündin jetzt sehr interessant, sie selbst wehrt aber meist noch ab.
In der Brunst ist die Hündin deckbereit. Viele Hündinnen stellen dann den Schwanz zur Seite, wenn man sie am Rücken berührt. Der Eisprung (Ovulation) folgt laut Merck zwei bis drei Tage nach dem Anstieg des Hormons LH, die Eizellen reifen danach noch zwei bis drei Tage nach. Deshalb ist die Hündin über mehrere Tage fruchtbar. Der Ausfluss wird oft heller oder weniger, die Blutung ist also kein verlässliches Zeichen dafür, dass die fruchtbare Zeit vorbei ist.
In der Nachbrunst bildet der Eierstock Gelbkörper, die das Hormon Progesteron produzieren. Diese Phase läuft bei der Hündin auch ohne Trächtigkeit fast so lang wie eine Trächtigkeit. Laut einer Übersichtsarbeit von Concannon dauert sie bei nicht tragenden Hündinnen sogar etwas länger als die rund 64 Tage einer Trächtigkeit. Danach folgt die Ruhephase.
Wann wird meine Hündin zum ersten Mal läufig?
Viele Hündinnen werden laut den Tierärzten der VCA Animal Hospitals um den sechsten Lebensmonat zum ersten Mal läufig. Kleine Rassen sind oft früher dran, große und sehr große Rassen manchmal erst mit 18 Monaten bis zwei Jahren. Eine Hündin kann schon bei der ersten Läufigkeit trächtig werden, auch wenn sie selbst noch nicht ausgewachsen ist. Die erste Läufigkeit verläuft manchmal unregelmäßig oder kaum sichtbar.

Wie oft und wie lange ist eine Hündin läufig?
Der Abstand zwischen zwei Läufigkeiten liegt laut Merck bei vier bis 13 Monaten, im Mittel bei sieben Monaten. Die meisten Hündinnen werden also ein- bis zweimal im Jahr läufig. Laut Merck haben manche großen Rassen wie die Deutsche Dogge nur alle neun bis zwölf Monate eine Läufigkeit. Concannon beschreibt, dass der Abstand bei manchen Hündinnen sehr regelmäßig ist, bei anderen stark schwankt. Eine Jahreszeit spielt bei Hunden, anders als bei Katzen, kaum eine Rolle.
Die sichtbare Läufigkeit aus Vorbrunst und Brunst dauert meist zwei bis drei Wochen. Bis die Hündin Rüden nicht mehr akzeptiert, musst du aufpassen. Weil die Phasen stark schwanken, gibt es keinen festen Tag, ab dem eine Hündin sicher nicht mehr deckbereit ist. Willst du gezielt züchten, kann dein Tierarzt den Eisprung über Blutwerte des Progesterons und einen Abstrich aus der Scheide eingrenzen. Notiere dir am besten jede Läufigkeit mit Beginn und Ende. So erkennst du den Rhythmus deiner Hündin und Abweichungen.
Woran erkenne ich, dass meine Hündin läufig ist?
Typische Anzeichen sind:
- geschwollene Scham
- blutiger bis fleischwasserfarbener Ausfluss
- häufiges Lecken im Genitalbereich
- häufigeres Markieren und Urinabsatz in kleinen Mengen
- großes Interesse von Rüden, auch auf Distanz
- Verhaltensänderungen wie Unruhe, Anhänglichkeit, Gereiztheit oder Ausreißen
- in der Brunst: seitlich gehaltener Schwanz, Deckbereitschaft
Manche Hündinnen halten sich so sauber, dass du kaum Blut bemerkst. Dann sind das Verhalten von Rüden und die geschwollene Scham oft die ersten Hinweise.

Wie komme ich mit meiner läufigen Hündin gut durch den Alltag?
Die wichtigste Regel: Lass deine Hündin während der Läufigkeit nicht unbeaufsichtigt und nicht ohne Leine laufen. Ein Rüde kann eine läufige Hündin über große Entfernung wahrnehmen, und eine deckbereite Hündin sucht aktiv Kontakt. Meide in dieser Zeit Hundewiesen, Hundezonen und Treffen mit unkastrierten Rüden. Plane Spaziergänge zu ruhigeren Zeiten. Gib der Hundeschule oder dem Hundesportverein Bescheid, denn viele haben eigene Regeln für läufige Hündinnen.
Für die Wohnung helfen waschbare Decken auf Sofa und Hundebett. Ein Läufigkeitshöschen hält Blutflecken fern. Lass es nicht dauerhaft an, damit sich deine Hündin weiter selbst putzen kann und die Haut trocken bleibt. Hausmittel, die die Läufigkeit verkürzen oder abschwächen, gibt es nicht. Ruhe, kurze Spaziergänge an der Leine und Beschäftigung mit Nasenarbeit helfen vielen Hündinnen, entspannt zu bleiben.
Lebt ein unkastrierter Rüde im selben Haushalt, ist die Läufigkeit für beide stressig. Eine räumliche Trennung über zwei bis drei Wochen oder ein Aufenthalt des Rüden bei Freunden verhindert eine ungeplante Trächtigkeit. Kommt es trotzdem zu einem Deckakt, sprich zeitnah mit deinem Tierarzt. Ob deine Hündin trächtig ist, erkennst du an den Hinweisen im Ratgeber Hündin trächtig: Anzeichen erkennen. Den möglichen Geburtstermin berechnet der Trächtigkeitsrechner.
Was ist eine Scheinträchtigkeit nach der Läufigkeit?
Weil die Hormonphase nach der Läufigkeit auch ohne Trächtigkeit abläuft, zeigen manche Hündinnen gegen deren Ende Anzeichen einer Trächtigkeit. Dazu gehören Gesäugeschwellung, Milchbildung, Nestbau, Bemuttern von Spielzeug und Appetitlosigkeit. Fachlich heißt das Pseudogravidität. Auslöser ist der Abfall des Progesterons, der das Hormon Prolaktin ansteigen lässt. Die meisten Scheinträchtigkeiten klingen nach einigen Wochen von selbst ab. Vermeide in dieser Zeit, am Gesäuge zu massieren oder es auszustreichen, das regt die Milchbildung weiter an. Bei starker Milchbildung, Entzündung des Gesäuges oder deutlicher Verhaltensänderung hilft dein Tierarzt. Mehr dazu im Ratgeber zur Scheinträchtigkeit beim Hund.

Wann muss ich mit meiner Hündin zum Tierarzt?
Sofort zum Tierarzt solltest du in den Wochen nach einer Läufigkeit, wenn deine Hündin
- viel mehr trinkt und häufiger Urin absetzt,
- eitrigen oder übel riechenden Ausfluss hat,
- müde ist, Fieber hat, erbricht oder nicht frisst,
- einen aufgeblähten Bauch bekommt.
Das können Zeichen einer Gebärmuttervereiterung (Pyometra) sein. Dabei füllt sich die Gebärmutter mit Eiter, unbehandelt ist das lebensgefährlich. In einer großen schwedischen Versicherungsstudie mit über 260.000 Hündinnen entwickelten 19 Prozent der unkastrierten Hündinnen bis zum zehnten Lebensjahr eine Pyometra, bei manchen Rassen deutlich mehr. Bei geschlossener Pyometra fehlt der Ausfluss, deshalb sind vermehrtes Trinken und Müdigkeit wichtige Warnsignale.
Zum Tierarzt solltest du auch, wenn die Läufigkeit deutlich länger als drei Wochen dauert, wenn deine Hündin mit zwei Jahren noch nie läufig war oder wenn die Abstände sehr kurz werden. Eine Praxis in deiner Nähe findest du über die Tierarztsuche. Außerhalb der Sprechzeiten hilft der Tierarzt-Notdienst.
Sollte ich meine Hündin kastrieren lassen?
Darauf gibt es keine allgemeingültige Antwort. Die Entscheidung hängt von Rasse, Größe, Alter, Gesundheit und Lebensumständen ab und gehört in ein Gespräch mit deinem Tierarzt. Bei der Kastration einer Hündin werden die Eierstöcke entfernt (Ovarektomie) oder Eierstöcke und Gebärmutter (Ovariohysterektomie). Danach wird sie nicht mehr läufig.
Für eine Kastration spricht, dass Läufigkeit, ungewollte Trächtigkeit, Scheinträchtigkeit und das Risiko einer Pyometra wegfallen. Lange galt sie außerdem als sicherer Schutz vor Gesäugetumoren. Eine systematische Übersichtsarbeit von Beauvais und Kollegen aus dem Jahr 2012 kam aber zu dem Schluss, dass die Belege dafür schwach sind und keine feste Empfehlung zum Kastrationsalter erlauben.
Gegen eine frühe Kastration sprechen Hinweise auf Nebenwirkungen bei manchen Rassen. Eine Auswertung von Hart und Kollegen zu 35 Rassen fand bei einigen großen Rassen nach einer Kastration im ersten Lebensjahr ein höheres Risiko für Gelenkerkrankungen wie Hüftdysplasie und Kreuzbandriss, bei einzelnen Rassen auch für bestimmte Krebsarten und Harninkontinenz. Bei kleinen Rassen fanden die Autoren kaum erhöhte Gelenkrisiken. Für viele Rassen ließ sich ein Kastrationsalter finden, das diese Risiken nicht erhöht. Weitere Folgen wie Gewichtszunahme und Fellveränderungen kommen vor, das Gewicht lässt sich über die Fütterung steuern.
Rechtlich ist die Kastration in beiden Ländern erlaubt. In Österreich sind Eingriffe am Tier nach § 7 Abs. 2 Z 1 Tierschutzgesetz zur Verhütung der Fortpflanzung ausdrücklich zulässig (Stand 09.10.2026). In Deutschland erlaubt § 6 Abs. 1 Satz 2 Nr. 5 Tierschutzgesetz die Unfruchtbarmachung zur Verhinderung der unkontrollierten Fortpflanzung oder, wenn keine tierärztlichen Bedenken bestehen, zur weiteren Haltung des Tieres. Sie muss von einem Tierarzt vorgenommen werden (Stand 09.10.2026). Eine allgemeine Kastrationspflicht für Hunde gibt es weder in Österreich noch in Deutschland. Vor- und Nachteile, Ablauf und Zeitpunkt beschreibt der Ratgeber zur Kastration beim Hund.
Medikamente, die die Läufigkeit unterdrücken, gibt es ebenfalls. Sie haben eigene Nebenwirkungen und eignen sich nicht für jede Hündin. Lass dich dazu von deinem Tierarzt beraten.
Was kostet die Kastration einer Hündin?
Deutschland: Die Kosten richten sich nach der Gebührenordnung für Tierärzte (GOT, Fassung vom 22.11.2022, Stand der letzten Änderung 15.03.2023). Abgerechnet wird der einfache bis dreifache Satz. Narkose, Voruntersuchung, Medikamente, Material, Nachkontrollen und 19 Prozent Umsatzsteuer kommen dazu.
| GOT-Nr. | Leistung | einfacher Satz | dreifacher Satz |
|---|---|---|---|
| 16 | Allgemeine Untersuchung mit Beratung, Hund | 23,62 € | 70,86 € |
| 600 | Ovarektomie Hündin (Entfernung der Eierstöcke) | 128,27 € | 384,81 € |
| 604 | Ovariohysterektomie Hündin (Eierstöcke und Gebärmutter) | 192,00 € | 576,00 € |
| 607 | Zuschlag bei endoskopischer Kastration | 98,96 € | 296,88 € |
| 337 | Inhalationsnarkose Hund | 61,57 € | 184,71 € |
| 618 | Großes Blutbild, maschinell | 23,52 € | 70,56 € |
Im Notdienst, etwa bei einer Pyometra, gilt der zweifache bis vierfache Satz plus 50 Euro Notdienstgebühr. Eine OP-Versicherung für Hunde übernimmt eine Notoperation bei Pyometra oft, eine geplante Kastration ohne medizinischen Grund meist nicht. Prüf das in den Bedingungen.
Österreich: Es gibt keine verbindliche Gebührenordnung. Die Österreichische Tierärztekammer veröffentlicht seit 24.11.2025 einen kalkulatorischen Stundensatz von 172 Euro netto als Orientierung. Frag vor dem Eingriff:
- Was kostet die Kastration inklusive Narkose und Überwachung?
- Ist eine Blutuntersuchung vorab enthalten?
- Sind Schmerzmittel, Halskragen oder Body und Fädenziehen inbegriffen?
- Wie viele Nachkontrollen sind eingeplant?
- Wird offen oder endoskopisch operiert, und was kostet der Unterschied?
Häufige Fragen
Quellen
Davidson AP: Breeding Management of Bitches. Merck Veterinary Manual, überprüft 06/2025. https://www.merckvetmanual.com/management-and-nutrition/management-of-reproduction-dogs-and-cats/breeding-management-of-bitches
Merck Veterinary Manual, Dog Owners: Management of Reproduction in Dogs, aktualisiert 06/2026. https://www.merckvetmanual.com/dog-owners/reproductive-disorders-of-dogs/management-of-reproduction-in-dogs
Weir M, Llera R, Yuill C: Estrous Cycles in Dogs. VCA Animal Hospitals. https://vcahospitals.com/know-your-pet/estrus-cycles-in-dogs
Österreich: Tierschutzgesetz (TSchG), § 7, BGBl. I Nr. 118/2004 idgF, Stand 09.10.2026. https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=20003541
Deutschland: Tierschutzgesetz (TierSchG), § 6, Stand 09.10.2026. https://www.gesetze-im-internet.de/tierschg/__6.html
Gebührenordnung für Tierärztinnen und Tierärzte (GOT), Gebührenverzeichnis, Stand 09.10.2026
Österreichische Tierärztekammer: Verlautbarung des Stundensatzes, gültig ab 24.11.2025
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