Nierendiät bei der Katze: die wichtigste Senior-Therapie
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Die chronische Niereninsuffizienz ist die häufigste Erkrankung älterer Katzen. Studien zeigen, dass jede dritte Katze über zwölf Jahre betroffen ist, ab fünfzehn Jahren sogar jede zweite. Eine Nierendiät ist die wichtigste Therapie, oft wichtiger als jedes Medikament.
Royal Canin Renal Select gehört zu den meistverordneten Veterinärdiäten in Österreich und Deutschland. Wir erklären dir, warum die Diät bei Katzen so zentral ist, welche Royal-Canin-Varianten es gibt und worauf du in der Umstellung achten solltest.
Das Wichtigste in Kürze
- ✓CNI betrifft jede dritte Katze über zwölf Jahre, sie ist die häufigste Senior-Erkrankung der Katze.
- ✓Symptome wie vermehrtes Trinken, vermehrtes Urinieren und Gewichtsverlust treten oft erst spät auf, bei 75 Prozent verlorener Nierenfunktion.
- ✓Royal Canin Renal Select ist auf wählerische Katzen optimiert und in vielen Tierarztpraxen die erste Wahl.
- ✓Die Diät reduziert Phosphor, passt das Protein an und liefert Omega-3 zur Entzündungsdämpfung.
- ✓Frühe Stadien (IRIS 1 bis 2) profitieren von Early Renal, fortgeschrittene Stadien von Renal Standard plus Phosphatbinder.
- ✓SDMA-Tests im Senior-Bluttest fangen die CNI früh ab, ein Jahr bevor das Kreatinin steigt.
- ✓Wasseraufnahme erhöhen ist genauso wichtig wie die Diät, mehrere Trinkstellen und Nassfutter helfen.

Warum sind Katzen so anfällig für CNI?
Die Katzenniere ist evolutionär auf konzentrierten Urin und niedrige Wasseraufnahme spezialisiert. Katzen stammen von Wüstentieren ab, ihr Körper kommt mit relativ wenig Wasser aus.
Diese Anpassung hat einen Preis: Die Niere arbeitet permanent unter hoher Last. Mit dem Alter ermüden die Nephrone, der Filtrationsapparat fällt aus. Schon eine leicht reduzierte Wasseraufnahme oder eine kleine Entzündung können den Prozess beschleunigen.
Hinzu kommen Risikofaktoren wie Trockenfutterhaltung ohne ausreichende Wasseraufnahme, häufige Harnwegsinfekte, Hyperthyreose oder genetische Prädisposition (Maine Coon, Perserkatze, Burma).
Wie erkennst du eine beginnende CNI?
Die klassischen Symptome sind Polyurie und Polydipsie (vermehrtes Pinkeln und Trinken). Eine Katze, die plötzlich häufiger an die Wasserschüssel geht oder das Katzenklo öfter benutzt, sollte einen Senior-Bluttest bekommen.
Weitere Hinweise: Gewichtsverlust trotz normalem Appetit, dann Appetitlosigkeit, stumpfes Fell, Erbrechen, Mundgeruch (urämischer Atem), Schwäche und Apathie.
Im Bluttest: erhöhtes Kreatinin, erhöhter Harnstoff, erhöhter Phosphor, erhöhtes SDMA. SDMA ist der frühste Marker und steigt oft ein Jahr bevor das Kreatinin reagiert. Frag in der Tierarztpraxis explizit nach SDMA, wenn deine Katze über zehn Jahre alt ist.
Im Urin: niedriges spezifisches Gewicht (unter 1,035 bei der Katze ist verdächtig), eventuell Protein im Urin.
Royal Canin Renal Select und die Varianten
Royal Canin bietet für Katzen mehrere Varianten der Nierendiät an, jede mit einem etwas anderen Schwerpunkt.
RENAL SELECT
RENAL SELECT ist die Variante für wählerische Katzen, mit besonders schmackhaftem Geschmacksprofil. In den meisten Tierarztpraxen die erste Wahl, weil Akzeptanz bei Katzen schwieriger ist als bei Hunden.
EARLY RENAL
EARLY RENAL ist für Katzen im IRIS-Stadium 1 oder bei erhöhtem SDMA ohne klinische Symptome. Die Phosphorrestriktion ist moderat, der Proteingehalt höher als bei der Standard-Diät. Sinnvoll als Vorstufe.
RENAL + HYPOALLERGENIC
RENAL + HYPOALLERGENIC kombiniert Nierendiät mit hydrolysierten Proteinen. Für Katzen mit gleichzeitiger CNI und Futtermittelallergie.
RENAL + MOBILITY
RENAL + MOBILITY für Senior-Katzen mit CNI und Arthrose. Mit EPA und DHA aus Fischöl, Glucosamin und Chondroitin. Sehr häufige Multi-Diagnose ab vierzehn Jahren.
RENAL LIQUID
RENAL LIQUID ist eine flüssige Variante für Katzen, die nicht mehr fressen wollen oder per Zwangsernährung versorgt werden müssen. Kommt in der akuten Phase nach Diagnose oder bei terminalen Tieren zum Einsatz.
Tagesration für deine Katze
Eine 4-Kilo-Katze braucht etwa 50 bis 70 Gramm Trockenfutter pro Tag oder etwa 200 bis 300 Gramm Nassfutter. Eine 6-Kilo-Katze braucht etwa 70 bis 90 Gramm Trockenfutter.
Bei CNI ist die Wasseraufnahme so wichtig wie der Phosphorgehalt. Eine Mischfütterung aus 50 Prozent Nass und 50 Prozent Trocken ist oft sinnvoll. Manche Tierarztpraxen empfehlen bei fortgeschrittener CNI ausschließlich Nassfutter, plus zusätzliches Wasser über Brühe oder Wassersäulen.
Was du tun solltest sobald die Diagnose steht
Erstens: Diät umstellen, idealerweise schrittweise über sieben bis zehn Tage. Bei akuter CNI mit klinischen Symptomen schneller, in Absprache mit der tierärztlichen Behandlung.
Zweitens: Wasseraufnahme erhöhen. Mehrere Trinkstellen aufstellen, einen Trinkbrunnen anbieten, Nassfutter füttern, Wasser ins Trockenfutter mischen.
Drittens: Stress reduzieren. Stress aktiviert die Nebennierenachse und beschleunigt die CNI. Ruhige Plätze, feste Tagesabläufe, kein Tierwechsel im Haushalt wenn möglich.
Viertens: Kontrollen einhalten. Nach vier bis sechs Wochen erste Kontrolle, dann je nach Stadium alle drei bis sechs Monate.
Medikamentöse Begleittherapie
Steigt der Phosphorspiegel trotz Diät, kommt ein Phosphatbinder dazu (etwa Aluminiumhydroxid oder Calciumcarbonat). Der Phosphatbinder bindet Phosphor im Darm, bevor er resorbiert wird.
Bei Bluthochdruck (häufig bei CNI) wird ein ACE-Hemmer wie Benazepril oder ein Calcium-Antagonist wie Amlodipin gegeben. Den Blutdruck sollte die Tierarztpraxis halbjährlich messen.
Bei Anämie kommt manchmal Erythropoetin zum Einsatz, allerdings teuer und mit Antikörperbildung als Risiko.
Bei Übelkeit und Erbrechen helfen Maropitant (Cerenia) oder Ondansetron, oft schon in Stadium 3.
Hyperthyreose und CNI: die heimtückische Kombination
Bei Senior-Katzen sind Hyperthyreose und CNI oft gleichzeitig vorhanden. Die Hyperthyreose kann die CNI maskieren weil der erhöhte Stoffwechsel die Filterleistung der Niere künstlich anhebt.
Wenn die Hyperthyreose dann therapiert wird (etwa mit Carbimazol oder durch Radiojod), kommt die zugrundeliegende CNI ans Licht. Daher: bei Senior-Katzen mit Hyperthyreose immer auch SDMA und Kreatinin engmaschig kontrollieren.
Die Tierarztpraxis sollte dich aufklären, dass nach Hyperthyreose-Therapie eine CNI manifest werden kann. Die Renal-Diät ist dann oft erforderlich.
Subkutane Infusionen zu Hause: wie das funktioniert
Bei fortgeschrittener CNI ist die Wasseraufnahme über das Maul oft nicht mehr ausreichend. Subkutane Infusionen sind eine elegante Lösung: Die Tierarztpraxis legt einen subkutanen Verweilkatheter an oder zeigt dir wie du selbst eine Kanüle setzt, dann lässt du eine Infusion (Ringer-Laktat oder NaCl 0,9 Prozent) langsam unter die Haut laufen.
Das Volumen liegt meist bei 50 bis 150 Milliliter pro Tag, je nach Stadium und Bedarf. Die Katze toleriert das meist gut, der Beutel mit Lösung wird unter der Haut wie ein Hügel sichtbar und resorbiert sich über vier bis acht Stunden.
Subkutane Infusionen sind eine der lebensverlängerndsten Maßnahmen bei terminaler CNI. Viele Senior-Katzen werden mit täglichen Infusionen über Monate stabil gehalten.
Was bedeutet IRIS-Stadium für deine Katze?
Die IRIS-Stadien beschreiben den Schweregrad der CNI über den Kreatininwert.
Stadium 1: Kreatinin unter 1,6 mg/dl (Katze), keine klinischen Symptome, oft Zufallsbefund. Therapie: Beobachtung, eventuell Early Renal.
Stadium 2: Kreatinin 1,6 bis 2,8 mg/dl. Erste klinische Symptome möglich. Renal-Diät beginnen.
Stadium 3: Kreatinin 2,8 bis 5,0 mg/dl. Klinische Symptome deutlich, Polyurie, Gewichtsverlust. Diät plus Phosphatbinder, gegebenenfalls Bluthochdruckbehandlung.
Stadium 4: Kreatinin über 5,0 mg/dl. Endphase, urämische Symptome, Mundgeschwüre, Anorexie. Intensive Therapie inklusive Infusionen, Mirtazapin als Appetitanreger, Lebenserwartung Wochen bis Monate.
Die Stadien werden ergänzt durch Substaging nach Proteinurie (Protein-Kreatinin-Quotient) und Bluthochdruck. Die Tierarztpraxis sollte das vollständige Substaging vornehmen.

Häusliche Pflege bei fortgeschrittener CNI
Eine Katze mit Stadium 3 oder 4 CNI braucht intensive Betreuung. Was du tun kannst:
Mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt anbieten, damit die Katze auch bei reduziertem Appetit etwas frisst. Das Nassfutter leicht erwärmen, das verstärkt den Geruch.
Trinkwasser an mehreren Stellen, Trinkbrunnen, gegebenenfalls subkutane Infusionen.
Schmerztherapie wenn nötig (Mundgeschwüre können sehr schmerzhaft sein, Buprenorphin sublingual hilft).
Mundpflege bei urämischem Atem, weiche Bürste oder Wattetupfer mit milder Mundspülung.
Wärme und Komfort, eine ruhige Schlafstelle in der Nähe der Familie.
Akzeptiere den Krankheitsverlauf: CNI ist nicht heilbar, das Ziel ist Lebensqualität, nicht Lebensverlängerung um jeden Preis. Sprich mit der Tierarztpraxis offen über Lebensqualität und Euthanasie wenn die Zeit gekommen ist.
Senior-Bluttest bei Katzen: was wirklich rein sollte
Ein vollständiger Senior-Bluttest bei Katzen umfasst mehr als nur Kreatinin. Das ideale Profil:
Komplettes Blutbild mit Differential. Erfasst Anämie (häufig bei CNI), Entzündungszeichen, Thrombozytenzahl.
Klinische Chemie: Kreatinin, Harnstoff, SDMA, Phosphor, Calcium, Albumin, Total Protein, ALT, AST, Glukose, Cholesterin, Bilirubin, Elektrolyte (Natrium, Kalium, Chlorid).
Schilddrüse: Total T4. Hyperthyreose ist die häufigste Senior-Erkrankung der Katze und kann CNI maskieren oder verstärken.
Urinanalyse: spezifisches Gewicht (Maß für Konzentrationsfähigkeit der Niere), Protein, Glukose, Sediment. Wichtig: Spontanurin oder Cystocentese.
Blutdruck: oft unterschätzt, aber bei jeder CNI-Senior-Katze sollte einmal jährlich der Blutdruck gemessen werden. Hypertonie kann Netzhautablösung verursachen, Erblindung droht.
Lebensende-Pflege bei einer CNI-Katze
Die letzte Phase der CNI ist oft eine Zeit der intensiven Pflege. Symptome wie Mundgeschwüre, urämischer Atem, Anämie, Krampfanfälle und schwere Anorexie können das Tier belasten.
Lebensqualitäts-Bewertung: Frisst die Katze? Trinkt sie? Bewegt sie sich freiwillig? Reagiert sie auf Familie? Hat sie Schmerzen? Wenn mehrere dieser Fragen mit Nein beantwortet werden, ist Euthanasie ein Akt der Tierliebe.
Häusliche Euthanasie ist in Österreich und Deutschland möglich, manche Tierarztpraxen bieten Hausbesuche an. Das ist oft die ruhigste Form für eine Senior-Katze, die den Praxisstress nicht mehr will.
Vorbereitung: ein letzter Spazier-Stunde im Lieblingsplatz, Lieblingsfutter (auch wenn nicht renal-konform), Kontakt zur Familie, dann ruhige Sedierung gefolgt vom Anästhetikum.
Häufige Mythen rund um die Nierendiät bei der Katze
Mythos: ‚Renal-Diäten enthalten zu wenig Protein, die Katze magert ab.‘ Falsch. Royal Canin Renal Select hat 28 bis 32 Prozent Protein, das ist moderat und reicht für den Erhalt der Muskelmasse.
Mythos: ‚Nassfutter ist immer besser als Trockenfutter bei CNI.‘ Teilweise wahr. Nassfutter erhöht die Wasseraufnahme, das hilft. Aber Trockenfutter mit ausreichend Wassergaben ist auch okay.
Mythos: ‚Wenn meine Katze die Diät nicht akzeptiert, soll sie lieber normales Futter fressen als gar nichts.‘ Tatsächlich richtig. Bei akzeptanz-bedingter Anorexie ist Lipidose ein größeres Risiko als Phosphor-Belastung. Aber sprich mit der Tierarztpraxis, manchmal ist Sondenfütterung besser.
Mythos: ‚Niereninsuffizienz ist ein Todesurteil.‘ Nein. IRIS-Stadium 2-Katzen mit guter Therapie leben oft noch zwei bis vier Jahre. Stadium 3 ein bis zwei Jahre. Auch Stadium 4 kann mit guter Pflege Monate sein.
Royal Canin und österreichische Tierarztpraxen: Marktposition
In Österreich ist Royal Canin in über 80 Prozent der Tierarztpraxen vertreten. Die Marke arbeitet mit Hochschulen, Tierkliniken und Großtierärzten zusammen, was eine breite Verfügbarkeit garantiert.
Bei Senior-Katzen wird Royal Canin Renal Select besonders häufig verordnet, weil die Akzeptanz unter wählerischen Senior-Katzen vergleichsweise gut ist.
Online-Versand: in Österreich über zooplus.at, Fressnapf, medpets.at oder direkt über Tierarzt-Portale. Lieferzeiten meist ein bis drei Werktage.
Wie Senior-Katzen die Diät besser akzeptieren
Wählerische Senior-Katzen brauchen oft mehrere Versuche um eine neue Diät zu akzeptieren. Königsweg: erste Tage Mischung 10 zu 90, dann 25 zu 75, dann 50 zu 50, dann 75 zu 25, dann komplett.
Ergänzend hilft Erwärmung des Nassfutters auf Körpertemperatur, mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt, ruhige Fütterungsumgebung ohne Mitkatze als Konkurrenz, Aussichtspunkt am Futterplatz, eventuell Hand füttern.
Bei dauerhafter Verweigerung gemeinsam mit der Tierarztpraxis Mirtazapin als Appetitanreger oder Wechsel auf andere Marke prüfen.
Cross-Linking und Royal-Canin-Veterinary-Übersicht
Die Royal-Canin-Veterinary-Übersicht zeigt dir alle Diäten im Vergleich. Wenn deine Katze zusätzlich Harnwegsprobleme hat, ist der Artikel zur Harnsteinfütterung bei der Katze relevant. Bei Mehrfachdiagnose Niere plus Allergie hilft der Artikel zur hypoallergenen Fütterung der Katze.
Welche Royal-Canin-Diät passt zu deinem Tier?
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Häufige Fragen zu Nierendiät bei der Katze
Quellen
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