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Augenpflege bei Katzen

Augenpflege bei Katzen

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Die Augen einer gesunden Katze sind klar, glänzend, ohne Tränenfluss und ohne sichtbares Sekret. Sie ist eines der ausdrucksstärksten Sinnesorgane im Tierreich, weil Katzen rund 200 Grad Sichtfeld erfassen, in der Dämmerung sechsmal lichtempfindlicher sind als wir und Bewegungen blitzschnell verfolgen. Genau deshalb fallen Veränderungen am Auge so früh auf: ein verklebter Lidrand am Morgen, eine kleine braune Krume im Innenwinkel, ein zugekniffenes Auge oder ein vermehrter Tränenfluss sind oft die ersten Hinweise auf eine Erkrankung. Augenpflege bei der Katze bedeutet daher zwei Dinge: regelmäßige sanfte Reinigung im Alltag und das Erkennen jenes Moments, an dem aus einer harmlosen Krume eine Konjunktivitis, ein Hornhautulkus oder ein Tränenwegsverschluss wird. Dieser Ratgeber zeigt dir, wie du in Deutschland und Österreich (AT) zuhause sicher reinigst, welche Hausmittel tabu sind, was Tränenfluss bei Persern oder Britisch Kurzhaar bedeutet und wann du nicht mehr abwarten solltest. Der Inhalt ist tierärztlich überprüft.

Auge

Auf einen Blick

Reinige die Augen deiner Katze nur bei sichtbarem Sekret oder Tränenflecken, nicht prophylaktisch. Verwende körperwarmes, abgekochtes Wasser oder eine sterile Kochsalzlösung (0,9 Prozent NaCl) und ein fusselfreies Tuch je Auge. Bewege das Tuch vom inneren zum äußeren Augenwinkel. Tabu sind Kamillentee, Kosmetiktücher, Wattestäbchen und Augentropfen ohne tierärztliche Verordnung. Bei Rötung, Schwellung, Schielen, eitrigem Sekret, Blinzeln oder kratzendem Verhalten am Auge: zeitnah tierärztlich vorstellen.

Wie das Katzenauge aufgebaut ist und warum das wichtig ist

Das Auge deiner Katze hat einige Besonderheiten, die für die Pflege relevant sind. Sie hat wie wir ein Ober- und ein Unterlid, dazu aber noch eine dritte Lidstruktur, die sogenannte Nickhaut (Membrana nictitans), die vom inneren Augenwinkel diagonal über das Auge ziehen kann. Bei einer gesunden, wachen Katze siehst du die Nickhaut nicht oder nur als schmalen weißlichen Streifen am inneren Augenwinkel. Wird sie deutlich sichtbar, ist das ein Symptom: bei Erschöpfung, Dehydratation, Schmerz, Allgemeinerkrankungen oder bei einem speziellen neurologischen Bild (Horner-Syndrom).

Tränen werden in der Tränendrüse oberhalb des Augapfels produziert, halten die Hornhaut feucht und werden über kleine Tränenpünktchen an den Lidrändern in den Tränennasenkanal abgeleitet. Funktioniert dieser Kanal nicht (etwa bei brachycephalen Rassen mit verkürzten Schädelknochen), läuft die Tränenflüssigkeit über das Lid und hinterlässt die typischen rotbraunen Tränenstraßen am Fell. Das ist kosmetisch unschön, aber meist nicht schmerzhaft. Bei Persern, Britisch Kurzhaar, Exotic Shorthair oder Heiliger Birma ist dieses Phänomen besonders häufig.

Die Hornhaut (Cornea) ist das durchsichtige Fenster vor der Pupille. Sie hat keine Blutgefäße und ernährt sich aus dem Tränenfilm. Verletzungen oder Entzündungen heilen langsam und können bei verzögerter Behandlung zu dauerhaften Trübungen oder zum Verlust des Auges führen. Daher gilt: jedes plötzlich zugekniffene Auge oder jeder Verdacht auf Hornhautverletzung ist tierärztlich zu prüfen, nicht abzuwarten.

Was ist noch normal: Tränenfluss und kleine Krümel im Augenwinkel

Eine gesunde Katze hat im Innenwinkel des Auges manchmal eine kleine, dunkelbraune oder rötliche Krume aus eingetrocknetem Tränensekret. Das ist normaler Kehrricht des Auges und entsteht aus abgestorbenen Zellen, Staub und Lipiden des Tränenfilms. Du kannst die Krume mit einem feuchten Tuch sanft entfernen, sie kommt am nächsten Tag oft wieder. Solange das Auge selbst klar bleibt, das Lid offen und ohne Schwellung ist und deine Katze nicht blinzelt oder kratzt, ist das harmlos.

Tränenstraßen am Fell entstehen durch Pigmente in der Tränenflüssigkeit (Porphyrine), die bei Kontakt mit Luft rotbraun werden. Bei brachycephalen Rassen mit eingedrückter Nase ist die anatomische Tränendrainage unvollständig, daher rinnt mehr Flüssigkeit über das Lid. Eine sanfte tägliche Reinigung mit körperwarmem Wasser hält die Stelle sauber und beugt einer Sekundärinfektion durch Hefe oder Bakterien vor. Spezialprodukte aus dem Zoofachhandel wie Tränenstein-Tücher sind in der Regel überflüssig, oft zu reizend und rechtfertigen den Preis nicht.

Was nicht normal ist: schaumiger, gelber, grüner oder eitriger Ausfluss, eine Schwellung der Lider, ein gerötetes oder bläulich verfärbtes Auge, ein dauerhaft zugekniffenes Lid, vermehrtes Blinzeln, Reiben mit der Pfote oder am Möbelstück. Solche Symptome gehören in tierärztliche Hände, möglichst innerhalb von 24 Stunden.

Wie du Katzenaugen sicher reinigst

Reinigung ist nur bei Bedarf nötig, also wenn sichtbares Sekret oder Krusten vorhanden sind. Ein gesundes Katzenauge braucht keine tägliche Reinigung. Übermäßiges Wischen reizt die Bindehaut und stört den natürlichen Tränenfilm. Wenn du reinigst, halte dich an folgendes Vorgehen.

Du brauchst körperwarmes, frisch abgekochtes Wasser oder eine sterile, isotone Kochsalzlösung (0,9 Prozent NaCl) aus der Apotheke. Beides ist neutral und reizt das Auge nicht. Trage die Flüssigkeit auf ein fusselfreies, weiches Tuch oder eine Mullkompresse auf, niemals direkt aus der Flasche ins Auge. Verwende für jedes Auge ein eigenes Tuch, um eine Übertragung von Erregern zu verhindern.

Halte deine Katze ruhig auf dem Schoß oder bitte eine zweite Person, sie sanft zu fixieren. Bewege das Tuch immer vom inneren Augenwinkel nach außen, mit leichtem Druck. Wische nicht hin und her, weil du sonst Sekret zurück ins Auge ziehst. Reinige das umgebende Fell, vermeide es, mit dem Tuch direkt über die Hornhaut zu fahren. Nach der Reinigung trockne sanft tupfend, niemals reiben.

Tabu sind Wattestäbchen (Verletzungsgefahr), Kosmetiktücher mit Lotionen oder Parfüm, Augentropfen ohne tierärztliche Verordnung, Schwarzteebeutel als Hausmittel (zu adstringierend, kann die Hornhaut reizen), Kamillenkompresse (Allergiepotenzial, kann Bindehaut entzünden) und Wasserstoffperoxid. Wer ein Hausmittel suchen möchte, findet in körperwarmem Wasser oder steriler Kochsalzlösung die einzig wirklich verträgliche Variante. Mehr zur Hautpflege rund ums Auge liest du im Beitrag zur Fellpflege bei Katzen.

Konjunktivitis: das häufigste Augenproblem der Katze

Die Bindehautentzündung (Konjunktivitis) ist die mit Abstand häufigste Augenerkrankung bei Katzen, vor allem in Mehrkatzenhaushalten und bei Welpen. Auslöser sind in den meisten Fällen Infektionen mit dem felinen Herpesvirus (FHV-1), Caliciviren oder Chlamydophila felis. Auch eine bakterielle Sekundärinfektion ist häufig, wenn das Immunsystem geschwächt ist.

Typische Symptome sind ein gerötetes Auge, vermehrter Tränenfluss, eitriger oder schleimiger Ausfluss, Schwellung der Lider, vorgefallene Nickhaut und häufiges Blinzeln. Bei einer Herpesvirus-Konjunktivitis treten oft gleichzeitig Niesen, Schnupfen und Fieber auf, weil das Virus Augen und Atemwege zusammen betrifft. In der tierärztlichen Praxis werden Konjunktivitiden mit antibiotischen Augensalben oder Augentropfen, gegebenenfalls plus antiviraler Therapie (etwa Famciclovir bei Herpes) behandelt. Die Therapiedauer liegt zwischen sieben und vierzehn Tagen, in chronischen Fällen länger.

Wichtig ist, eine Konjunktivitis nicht selbst mit Resten alter Augensalben aus der Hausapotheke zu therapieren. Cortison-haltige Tropfen verschlimmern bei Herpesvirus-Infektionen oder Hornhautverletzungen die Lage drastisch und führen im schlimmsten Fall zum Verlust des Auges. Mehr zu Atemwegsinfekten liest du unter Katzenschnupfen.

Hornhautulkus, Fremdkörper und andere Notfälle

Ein Hornhautulkus, also eine offene Wunde der Hornhaut, ist ein Notfall. Er entsteht durch Trauma (Kratzer durch andere Katze, Pflanzenteile, Gras), durch Fremdkörper unter dem Lid oder als Komplikation einer Herpesvirus-Infektion. Typisches Zeichen ist ein plötzlich zugekniffenes Auge, vermehrter Tränenfluss, lichtscheues Verhalten und manchmal eine sichtbare Trübung der Hornhaut. Deine Katze kann nach 30 Minuten Wartezeit blinder werden, wenn ein tiefer Ulkus unbehandelt bleibt.

Auch Fremdkörper wie Grashalme, Sandkörner, Wimpern oder Insektenteile können sich unter dem Lid festsetzen und die Hornhaut bei jedem Lidschlag aufkratzen. Symptome sind ähnlich: Blinzeln, Tränenfluss, Schmerz. In der Praxis wird das Auge mit einem Lokalanästhetikum betäubt, das Lid wird umgestülpt und der Fremdkörper entfernt. Je nach Schaden kommt eine Therapie mit antibiotischen Tropfen und schmerzlindernden Augentropfen dazu.

Weitere Notfälle sind Augenverletzungen durch Bissverletzungen (besonders bei Freigängerinnen), Vorfälle des Augapfels nach Trauma, plötzlich auftretendes Schielen und akut einseitig erweiterte Pupille (kann auf Hirnerkrankung oder Glaukom hinweisen). All diese Bilder sind kein Fall für „mal abwarten“, sondern für einen Anruf in der Praxis innerhalb der nächsten Stunden, gegebenenfalls in einer Tierklinik mit Augenheilkunde-Sprechstunde. Mehr unter Augenkrankheiten bei der Katze.

Rassen mit erhöhtem Augenpflege-Bedarf

Brachycephale Rassen mit verkürztem Schädelbau wie Perser, Exotic Shorthair, Heilige Birma oder Britisch Kurzhaar haben anatomisch bedingt einen verminderten Tränenabfluss. Die Tränenflüssigkeit kann nicht ausreichend in den Tränennasenkanal abgeleitet werden und läuft stattdessen über das Lid. Bei diesen Rassen ist eine tägliche, sanfte Reinigung der Augenwinkel sinnvoll, um Tränenstraßen zu reduzieren und Hautirritationen zu vermeiden.

Auch sind diese Rassen anfälliger für eingerollte Lider (Entropium), Wimpern, die nach innen wachsen (Trichiasis), und Hornhautulzera, weil die anatomische Tränenfilm-Verteilung schlechter funktioniert. Bei wiederkehrenden Augenproblemen lohnt sich ein Termin in einer auf Augenheilkunde spezialisierten Praxis, weil chirurgische Korrekturen (Lidplastik, Tränenpunkt-Eröffnung) langfristig die Lebensqualität deutlich verbessern.

Senior-Katzen ab etwa zwölf Jahren entwickeln häufig Linsentrübungen (Katarakt) oder eine Iris-Pigmentveränderung, die altersbedingt sind. Manche dieser Veränderungen sind harmlos, andere weisen auf Erkrankungen wie Diabetes mellitus oder einen Bluthochdruck als Folge einer Niereninsuffizienz hin. Eine jährliche Augenkontrolle im Rahmen des Senior-Checks ist sinnvoll. Mehr zur Gesundheit alter Katzen unter Senior-Katze und zur Niereninsuffizienz.

Vorbeugung und Alltagstipps

Viele Augenprobleme lassen sich durch konsequente Pflege und ein gut geführtes Umfeld vermindern. Eine vollständige Impfung gegen Katzenseuche, Katzenschnupfen und Tollwut reduziert das Risiko viraler Konjunktivitiden deutlich. Mehr unter Impfung bei der Katze. In Mehrkatzenhaushalten lohnt sich getrennte Quarantäne neuer Tiere für mindestens zehn bis vierzehn Tage, um Infektionen mit Caliciviren oder Chlamydien nicht in den Bestand zu tragen.

Vermeide Zigarettenrauch in der Wohnung, weil dieser die Bindehäute reizt. Achte auf eine ausreichende Luftfeuchtigkeit (40 bis 60 Prozent), vor allem im Winter, wenn trockene Heizungsluft die Tränenfilm-Stabilität beeinträchtigt. Bei Freigängerinnen lohnt sich ein wachsames Auge nach Streifzügen durch hohes Gras oder Gestrüpp, weil sich Pflanzenteile im Auge verfangen können.

Eine wöchentliche kurze Sichtkontrolle im Rahmen der Fellpflege reicht, um Veränderungen früh zu erkennen. Halte dafür deine Katze in gutem Licht, schau dir beide Augen im Vergleich an und achte auf Symmetrie der Pupillen, Klarheit der Hornhaut und Tränenmenge. Eine kleine Routine, die im Krankheitsfall viel Diagnostikzeit spart.

Wer mit einem Welpen oder einer Tierheim-Katze startet, gewöhnt das Tier am besten von Anfang an an die Berührung im Augenbereich. Eine kurze, ruhige Berührung der Lider mit Belohnung danach reicht, um die Akzeptanz langfristig aufzubauen. Im Notfall ist die Katze dann nicht mehr panisch, wenn ein Tropfen ins Auge muss oder eine Wunde gespült wird. Auch der Transport in einer ruhigen Box ohne Stresssituation ist Teil dieser Vorbereitung. Mehr Tipps unter Transport der Katze.

Tierärztlicher Blick: wann der Termin Pflicht ist

Es gibt klare Warnzeichen, bei denen ein tierärztlicher Termin nicht aufschiebbar ist. Ein plötzlich zugekniffenes Auge, eitriger oder grünlicher Ausfluss, deutliche Rötung der Bindehaut, Schwellung der Lider, sichtbare Hornhauttrübung, vorgefallener Augapfel oder vorgefallene Nickhaut, lichtscheues Verhalten oder häufiges Reiben mit der Pfote: all diese Symptome verdienen eine Untersuchung innerhalb von 24 Stunden, manche innerhalb weniger Stunden.

In der Praxis kommen Färbetests mit Fluorescein zur Darstellung von Hornhautwunden, Tränen-Tests (Schirmer-Test) zur Beurteilung der Tränenmenge, Spaltlampenuntersuchung und gegebenenfalls eine Druckmessung (Tonometrie) zum Einsatz. Die Diagnostik ist meist innerhalb einer Stunde abgeschlossen und führt direkt zur passenden Therapie. Eine Praxis findest du im Tierarzt-Finder, in der Bundeshauptstadt direkt unter Tierarzt Wien. Eine Katzenversicherung hilft, augenärztliche Diagnostik und gegebenenfalls Hornhaut-Operationen ohne lange Wartezeit angehen zu können, weil die Kosten für eine Spaltlampenuntersuchung plus Therapie schnell drei- bis vierstellig werden.

Häufige Fragen zur Augenpflege bei Katzen

Womit darf ich die Augen meiner Katze reinigen?
Mit körperwarmem, frisch abgekochtem Wasser oder steriler isotoner Kochsalzlösung (0,9 Prozent NaCl) aus der Apotheke. Trage die Flüssigkeit auf ein fusselfreies Tuch auf und wische vom inneren zum äußeren Augenwinkel. Verwende für jedes Auge ein eigenes Tuch.
Darf ich Kamillentee oder schwarzen Tee als Hausmittel verwenden?
Nein. Kamille hat ein hohes Allergiepotenzial und kann Bindehaut und Hornhaut reizen. Schwarzer Tee ist zu adstringierend und stört den Tränenfilm. Bleibe bei sterilem Wasser oder Kochsalzlösung.
Mein Perser hat ständig Tränenstraßen, ist das ein Problem?
Bei brachycephalen Rassen ist der Tränenabfluss anatomisch eingeschränkt, daher sind Tränenstraßen häufig. Eine sanfte tägliche Reinigung hält die Stelle sauber. Bei sehr starkem Tränenfluss, Hautirritationen oder ständigen Entzündungen lohnt sich eine augenärztliche Untersuchung.
Wann muss ich mit dem Auge meiner Katze sofort zum Tierarzt?
Bei plötzlich zugekniffenem Auge, eitrigem oder grünlichem Ausfluss, sichtbarer Schwellung, Hornhauttrübung, Schielen, vorgefallener Nickhaut oder häufigem Reiben mit der Pfote. Solche Bilder gehören innerhalb von 24 Stunden in eine Praxis.
Was ist die Nickhaut und wann sehe ich sie?
Die Nickhaut ist ein drittes Lid am inneren Augenwinkel. Bei einer gesunden Katze siehst du sie nicht oder nur als schmalen weißlichen Streifen. Wird sie deutlich sichtbar, ist das ein Symptom für Erschöpfung, Dehydratation, Schmerz, Allgemeinerkrankungen oder ein neurologisches Bild und gehört abgeklärt.
Wie oft soll ich die Augen meiner Katze überhaupt reinigen?
Nur bei Bedarf. Eine gesunde Katze braucht keine tägliche Augenreinigung. Übermäßiges Wischen reizt die Bindehaut. Bei brachycephalen Rassen mit Tränenstraßen ist eine sanfte tägliche Reinigung der Augenwinkel sinnvoll, das war’s.
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