Syringomyelie Katze
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Syringomyelie bei der Katze beschreibt die Bildung von flüssigkeitsgefüllten Hohlräumen (Syringen) im Rückenmark, die zu Schmerzen, Empfindungsstörungen und Bewegungsproblemen führen können. Bei Hunden, vor allem beim Cavalier King Charles Spaniel, ist die Erkrankung gut bekannt und gut beforscht. Bei Katzen kommt sie deutlich seltener vor, ist aber klinisch ähnlich wichtig, weil sie chronische, oft schwer einzuordnende Symptome wie wiederholtes Kratzen am Hals, Berührungsempfindlichkeit, Vokalisation, Schwäche oder Lähmungserscheinungen verursacht. Die sichere Diagnose gelingt nur mit einer MRT-Untersuchung in einer spezialisierten Tierklinik. Dieser Ratgeber erklärt dir die Hintergründe, die Symptome, den Diagnostikweg und die realistische Schmerztherapie für deine Katze. Der Inhalt ist tierärztlich überprüft.
Auf einen Blick
Syringomyelie ist eine Hohlraumbildung im Rückenmark mit chronischen Schmerzen und neurologischen Ausfällen. Bei Katzen selten, aber relevant. Verdacht entsteht bei wiederholtem Halskratzen, Berührungsempfindlichkeit, Vokalisation oder fortschreitender Schwäche. Sichere Diagnose ausschließlich per MRT. Therapie kombiniert Schmerzmittel (Gabapentin, NSAIDs nach Verträglichkeitsprüfung), Diuretika gegen den Liquorstau und in Einzelfällen einen neurochirurgischen Eingriff.
Was ist Syringomyelie überhaupt?
Syringomyelie (manchmal auch Hydromyelie oder Syringohydromyelie genannt, je nach genauer anatomischer Lokalisation) beschreibt die Entwicklung von flüssigkeitsgefüllten Hohlräumen im Inneren des Rückenmarks. Normalerweise zirkuliert die Hirn- und Rückenmarksflüssigkeit (Liquor cerebrospinalis) frei zwischen Gehirn und Wirbelsäule. Wenn diese Zirkulation an einer Stelle behindert wird, baut sich ein Druckgradient auf, der Liquor gewaltsam in das Rückenmark hineindrückt. Dort bildet sich ein längliches Reservoir, das die umliegenden Nervenstrukturen verdrängt und schädigt.
Das Rückenmark trägt sowohl Bahnen für die motorische Steuerung als auch für die Empfindung. Wenn die Syringen wachsen, drücken sie auf bestimmte Nervenfasern und reizen sie. Klassisch sind es zuerst die sensorischen Bahnen für Schmerz und Temperatur, die im sogenannten Hinterhorn des Rückenmarks liegen. Daraus entstehen die typischen Schmerz- und Berührungsphänomene. Erst später greift die Schädigung auf die motorischen Bahnen über und verursacht Schwäche bis Lähmung.
Bei Hunden ist die Syringomyelie meist die Folge einer sogenannten Chiari-ähnlichen Malformation, einer angeborenen Engstelle am Übergang von Schädel zu Halswirbelsäule. Bei Katzen ist die Erkrankung erstens seltener und zweitens oft sekundär nach einem Trauma, einer Entzündung, einem Tumor oder einem angeborenen Hydrozephalus. Diese Differenz ist wichtig, weil die Therapie in jedem Einzelfall an die zugrunde liegende Ursache angepasst werden muss.

Welche Ursachen haben Hohlräume im Rückenmark bei Katzen?
Bei der Katze unterscheidet man primäre (angeborene) und sekundäre (erworbene) Formen. Die angeborene Form geht häufig auf Fehlbildungen am Übergang Schädel zu Halswirbelsäule zurück. Eine zu kleine hintere Schädelgrube kann zur Verlagerung von Kleinhirnstrukturen führen, die die Liquorpassage am Foramen magnum (dem Übergang vom Schädel ins Wirbelkanalinnere) behindert. Diese Form tritt typischerweise schon im jungen Alter klinisch zutage.
Die erworbenen Formen entstehen oft nach einem Trauma. Eine Katze, die aus dem Fenster gefallen ist, einen Autounfall überlebt hat oder von einem Hund attackiert wurde, kann Wochen bis Monate später Symptome einer Syringomyelie entwickeln, wenn das Trauma die Liquorzirkulation gestört hat. Auch eine durchgemachte Meningitis oder Myelitis (Entzündung der Rückenmarkshäute oder des Rückenmarks selbst), ein Bandscheibenvorfall mit Rückenmarkskompression oder ein langsam wachsender Tumor in der Wirbelsäule können sekundär Syringen entstehen lassen.
Eine besondere Untergruppe sind Katzen mit angeborenem Hydrozephalus oder mit einer früh aufgetretenen Erkrankung der Schädelbasis, die sich bis ins Rückenmark fortsetzt. Auch wenn diese Konstellation vergleichsweise selten ist, gehört sie zu jeder differenzialdiagnostischen Überlegung. Mehr Hintergrund zu Bandscheibenproblemen findest du in unserem Beitrag zu allgemeinen Lahmheits-Symptomen bei der Katze, sofern verlinkbar; alternativ auf der Übersicht Krankheiten Katze.
Welche Symptome zeigen betroffene Katzen?
Die Symptome der Syringomyelie sind oft schwer einzuordnen, weil sie schubweise auftreten, schwanken und manchmal mit anderen Erkrankungen verwechselt werden. Halte das Verhalten deiner Katze schriftlich fest, am besten mit kurzem Tagebuch und ergänzenden Videoaufnahmen.
Das wichtigste Frühsymptom ist eine ungewöhnliche Empfindlichkeit am Hals oder Nacken. Deine Katze kratzt sich wiederholt an einer bestimmten Stelle, ohne dass dort Wunden oder Parasiten zu finden sind. Sie zeigt mitunter starke Reaktion auf Berührung in dieser Region, weicht zurück, faucht oder reagiert aggressiv. Das sogenannte Phantom-Kratzen, bei dem das Bein in der Luft eine Kratzbewegung macht, ohne tatsächlich die Haut zu erreichen, ist ein klassisches Zeichen der Syringomyelie und gilt als sehr verdächtig.
Hinzu kommen Verhaltensänderungen. Manche Katzen vokalisieren plötzlich nachts oder beim Aufstehen aus dem Liegen. Sie suchen Verstecke auf, wirken apathisch oder verändern ihr Sozialverhalten. Andere zeigen eine zunehmende Gangunsicherheit, knicken in den Hinterläufen ein, vermeiden Sprünge oder reagieren plötzlich nicht mehr auf das Klappern des Futternapfs.
In fortgeschrittenen Fällen kommen motorische Ausfälle bis hin zur Lähmung der Hintergliedmaßen, Inkontinenz, Schluckbeschwerden oder eine veränderte Stimmlage hinzu. Bei manchen Tieren stehen die Schmerzen so stark im Vordergrund, dass die Halterin und der Halter glauben, das Tier habe eine Bissverletzung, einen Abszess oder eine andere lokal begrenzte Erkrankung. Eine genaue neurologische Untersuchung ist deshalb Pflicht, wenn diese Symptome länger als wenige Tage bestehen.
Wie wird Syringomyelie diagnostiziert?
Die Diagnostik braucht einen klar strukturierten Stufenplan. Im ersten Schritt steht eine ausführliche Anamnese und ein neurologischer Status mit Beurteilung von Gangbild, Reflexen, Schmerzempfindung, Pfotenstellungs-Test und Kopfhaltungs-Test. Hilfreich sind Stichpunkte zu Verlauf und Symptomschwankungen sowie Videoaufnahmen vom Phantom-Kratzen oder anderen typischen Verhaltensweisen.
Im zweiten Schritt werden allgemeine Bluttests durchgeführt, um andere Ursachen auszuschließen. Standard sind ein Blutbild, klinische Chemie, FeLV/FIV-Test, Schilddrüsenwerte und gegebenenfalls Borreliose- oder Toxoplasmose-Tests. Diese Untersuchungen liefern selten einen direkten Hinweis auf eine Syringomyelie, helfen aber, andere Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen abzugrenzen.
Im dritten Schritt ist die MRT-Untersuchung der Wirbelsäule und des Schädels Goldstandard. Nur sie zeigt zuverlässig, ob im Rückenmark Hohlräume vorhanden sind, wie groß sie sind, wo sie liegen und ob eine zugrunde liegende Engstelle, ein Tumor, ein Bandscheibenvorfall oder eine Schädelbasis-Anomalie vorliegt. Die MRT-Untersuchung erfolgt in einer Vollnarkose, weil das Tier mehrere Minuten bewegungslos liegen muss. In Österreich bieten dies die Vetmeduni Wien sowie einige private Kleintierkliniken in Wien, Graz, Linz, Salzburg und Innsbruck an.
Begleitend kann eine Liquor-Untersuchung sinnvoll sein, vor allem bei Verdacht auf eine entzündliche Grundursache. Hier wird unter Narkose eine geringe Menge Liquor aus dem Bereich der Lendenwirbelsäule gewonnen und auf Zellen, Eiweiß, Erreger und Antikörper untersucht.
Welche Therapie hilft am besten?
Die Therapie der Syringomyelie verfolgt zwei Ziele. Erstens die Schmerz- und Symptomreduktion, zweitens nach Möglichkeit die Behandlung der zugrunde liegenden Ursache.
Im Bereich der Schmerztherapie ist Gabapentin Mittel der ersten Wahl. Es wirkt auf die nervalen Calciumkanäle und reduziert sowohl Schmerz als auch das Phantom-Kratzen. Die Dosierung wird individuell angepasst, viele Tiere zeigen binnen weniger Tage eine deutliche Besserung. Pregabalin ist eine Alternative mit ähnlichem Wirkmechanismus, in Österreich aber teurer und seltener eingesetzt. Trizyklische Antidepressiva wie Amitriptylin können bei chronischen neuropathischen Schmerzen ergänzend wirken.
NSAIDs (entzündungshemmende Schmerzmittel wie Meloxicam oder Robenacoxib) helfen bei begleitender Entzündung, sind aber bei Katzen nur nach gründlicher Verträglichkeitsprüfung einzusetzen. Eine Nierenfunktionsprüfung ist Pflicht, weil NSAIDs bei vorbelasteten Katzen die Nierenfunktion verschlechtern können. Mehr zur sensiblen Nierenproblematik in unserem Beitrag zu Niereninsuffizienz bei der Katze. Opioide wie Buprenorphin werden in der akuten Schmerzphase, etwa nach einem MRT-Termin oder nach einer Operation, eingesetzt.
Diuretika (entwässernde Medikamente wie Furosemid oder Acetazolamid) versuchen, die Liquorproduktion zu senken und damit den Druck auf das Rückenmark zu reduzieren. Bei manchen Tieren bringen sie eine deutliche Symptomverbesserung, bei anderen ist der Effekt gering. Glukokortikoide (Prednisolon) reduzieren die Entzündung um die Syringen herum und kommen vor allem in Akutsituationen zum Einsatz.
Eine neurochirurgische Operation ist bei Katzen sehr selten, kann aber im Ausnahmefall sinnvoll sein. Dabei wird etwa eine Engstelle am Foramen magnum dekomprimiert oder ein Tumor entfernt. Solche Eingriffe sind hochspezialisiert und in Österreich nur an wenigen Kliniken (vor allem Vetmeduni Wien) etabliert.
Wie sieht der Alltag mit einer Syringomyelie-Katze aus?
Eine Katze mit Syringomyelie braucht eine ruhige, reizarme Umgebung. Vermeide laute Geräusche, hektische Bewegungen und plötzliche Berührungen am Hals oder Nacken. Wenn deine Katze einen Lieblingsplatz hoch oben hat, hilf ihr mit Rampen oder Stufen, weil das Springen schmerzhaft sein kann. Eine flache Katzentoilette mit niedrigem Einstieg ist sinnvoll, weil Beuge- und Drehbewegungen schmerzauslösend sein können.
Halsbänder oder enge Geschirre solltest du komplett vermeiden. Sie üben Druck auf den empfindlichen Bereich aus und können Schmerzen verstärken. Bei Wohnungskatzen ist ohnehin kein Halsband nötig, bei Freigängerinnen lohnt sich ein gesichertes Außengehege oder ein katzensicherer Garten als Alternative.
Achte auf rutschfeste Böden in den Bereichen, in denen sich deine Katze regelmäßig aufhält. Glatte Fliesen oder Parkett werden für ein neurologisch eingeschränktes Tier riskant. Teppiche, Yoga-Matten oder rutschfeste Läufer bieten Halt. Mehr zur sensorischen Pflege im Beitrag zur Pflege der Katze.
Bei der Fütterung lohnt sich Nassfutter, weil die Wasseraufnahme die Nieren entlastet, wenn deine Katze NSAIDs bekommt. Eine Übersicht in unserem Beitrag zu Nassfutter für Katzen. Achte zusätzlich auf das Gewicht, weil jedes überschüssige Kilo die Belastung auf die Wirbelsäule erhöht. Eine Beratung zur artgerechten Ernährung hilft, wenn deine Katze abnehmen muss.

Wie ist die Prognose bei einer Syringomyelie?
Die Prognose hängt stark von der Ursache, der Lokalisation der Syringen und der Geschwindigkeit der Diagnose ab. Bei Katzen mit kleinen, früh erkannten Syringen, einer behandelbaren Grundursache (etwa einer Engstelle, die operativ dekomprimiert werden kann) und guter Schmerztherapie ist eine deutliche Lebensqualität-Verbesserung über Jahre möglich.
Bei großen, fortgeschrittenen Syringen mit motorischen Ausfällen ist die Prognose vorsichtiger. Eine vollständige Heilung ist selten, eine Stabilisierung mit guter Lebensqualität aber oft möglich. Die Symptome können schwanken, Schübe wechseln sich mit ruhigen Phasen ab. Eine konsequente Schmerzbeobachtung und Therapieanpassung sind essenziell.
Bei Tumor- oder schweren entzündlichen Ursachen folgt die Prognose der Grunderkrankung. Eine Liquor-Untersuchung und gegebenenfalls eine Biopsie helfen hier, die Aussichten realistisch einzuschätzen. Wichtig ist, dass deine Katze nicht in einen Dauerschmerz-Zustand gerät. Bei zunehmender Schwäche, Inkontinenz oder Schmerzen, die sich auch unter optimaler Therapie nicht mehr beherrschen lassen, ist eine ehrliche Diskussion mit deinem Tierarzt über die Lebensqualität wichtig.
Womit kann Syringomyelie verwechselt werden?
Die Symptome der Syringomyelie überlappen mit einer Reihe anderer Erkrankungen, die du differenzialdiagnostisch im Hinterkopf haben solltest. Hier die wichtigsten Abgrenzungen.
Erstens Hauterkrankungen oder Parasitenbefall am Hals und Nacken. Eine Räude, eine Pilzinfektion oder ein Flohbefall können starkes Kratzen auslösen. Eine genaue Hautuntersuchung mit Geschabsel und Wood-Lampen-Test schließt diese Ursachen aus. Mehr im Beitrag zu Würmer und Parasiten bei Katzen.
Zweitens Bandscheibenprobleme, vor allem bei älteren Katzen oder nach Trauma. Ein Bandscheibenvorfall im Halsbereich verursacht ähnliche Schmerzen und Ausfälle wie eine Syringomyelie. Die MRT-Untersuchung trennt beide Diagnosen klar.
Drittens Mittelohrentzündungen, die bis ins Innenohr und auf den Vestibularapparat übergreifen können und zu Kopfschiefhaltung, Taumeln und Schmerzen führen. Eine Otoskopie und eventuelle Bildgebung schließen diese Ursache aus.
Viertens Gelenkerkrankungen wie Arthrose, vor allem bei Senioren. Sie verursachen Bewegungsunlust und Vermeidungsverhalten, aber selten Phantom-Kratzen oder lokale Berührungsempfindlichkeit am Hals. Eine sorgfältige neurologische und orthopädische Untersuchung trennt die Diagnosen.
Tierärztlicher Blick: wann zur Spezialklinik?
Aus tierärztlicher Sicht ist die wichtigste Frage bei Verdacht auf Syringomyelie nicht „was tun?“, sondern „wo abklären?“. Eine niedergelassene Praxis kann den ersten neurologischen Status erheben, eine Schmerztherapie mit Gabapentin starten und gegebenenfalls eine Probetherapie über zwei Wochen versuchen. Wenn die Symptome darunter besser werden, festigt sich der Verdacht und die Überweisung in eine spezialisierte Tierklinik mit MRT-Möglichkeit ist der nächste Schritt.
In Österreich sind das vor allem die Vetmeduni Wien sowie einige neurologisch spezialisierte Privatkliniken in Wien, Graz, Linz, Salzburg und Innsbruck. Eine MRT-Untersuchung kostet zwischen 600 und 1.500 Euro je nach Ausführlichkeit, die Vollnarkose, Liquoruntersuchung und Spezialdiagnostik können den Gesamtpreis auf 1.500 bis 2.500 Euro bringen. Eine bestehende Katzenversicherung deckt einen großen Teil dieser Diagnostikkosten ab.
Eine geeignete neurologisch erfahrene Praxis findest du über den Tierarzt-Finder, in der Bundeshauptstadt direkt unter Tierarzt Wien. Was du nie tun solltest: eigenmächtig Schmerzmittel aus der Hausapotheke verabreichen. Ibuprofen und Paracetamol sind für Katzen toxisch, eine einzige Tablette kann tödlich sein. Auch Gabapentin und Pregabalin gehören in tierärztliche Hand, weil die Dosierung individuell und die Nebenwirkungsprofile relevant sind.
Halte zudem ein Schmerztagebuch. Notiere täglich Verhalten, Aktivität, Appetit, Sprungbereitschaft und Vokalisation. Diese Daten helfen, die Therapie über Wochen sinnvoll zu steuern und Therapieerfolge oder Rückschläge sichtbar zu machen.
Häufige Fragen zur Syringomyelie der Katze
Quellen
MSD Veterinary Manual: Syringomyelia and Hydromyelia in Animals (2024) (letzter Zugriff: 30.04.2026)
WSAVA: Global Veterinary Guidelines (letzter Zugriff: 30.04.2026)
Österreichische Tierärztekammer: Patienteninformation Neurologie (letzter Zugriff: 30.04.2026)
Vetmeduni Wien: Universitätsklinik für Kleintiere, Neurologie (letzter Zugriff: 30.04.2026)
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