Nassfutter für Katzen
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Nassfutter für Katzen ist die natürlichste Form der Fertigfütterung, weil es in seinem Wassergehalt der Beute am nächsten kommt, die eine Katze in freier Wildbahn frisst. Eine durchschnittliche Maus besteht zu rund siebzig Prozent aus Wasser, hochwertiges Nassfutter ebenfalls. Damit deckst du in einer einzigen Mahlzeit gleichzeitig den Energie- und einen großen Teil des Wasserbedarfs ab. Das ist gerade in Deutschland und Österreich (AT) wichtig, weil viele Wohnungskatzen mit reiner Trockenfütterung chronisch zu wenig trinken und so das Risiko für Harnsteine, Blasenentzündungen oder eine eingeschränkte Nierenfunktion steigt. Dieser Ratgeber erklärt dir, wie du gutes Nassfutter erkennst, welche Inhaltsstoffe sinnvoll sind, was du im Kleingedruckten lesen solltest und wie viel deine Katze tatsächlich pro Tag braucht. Du erfährst außerdem, wann Mischfütterung sinnvoll ist und welche Sonderfälle besondere Aufmerksamkeit verlangen. Der Inhalt ist tierärztlich überprüft.
Auf einen Blick
Hochwertiges Nassfutter hat einen Fleischanteil von mindestens sechzig Prozent, deklariert die tierischen Bestandteile genau, verzichtet auf Zucker und ist als Alleinfuttermittel gekennzeichnet. Eine adulte Katze mit etwa vier Kilogramm Körpergewicht braucht ungefähr 200 bis 250 Gramm Nassfutter pro Tag. Mischfütterung mit hochwertigem Trockenfutter ist möglich, sollte aber gut geplant sein.
Warum ist Nassfutter für Katzen so wichtig?
Katzen stammen evolutionär von Wüstentieren ab und haben einen schwach ausgeprägten Durstreflex. In der Natur decken sie ihren Wasserbedarf vor allem über die Beute. Eine Maus, eine kleine Eidechse oder ein Insekt besteht zu mehr als zwei Dritteln aus Wasser. Wenn du eine Katze ausschließlich mit Trockenfutter ernährst, das nur sieben bis zehn Prozent Wasser enthält, müsste sie diese Differenz aus dem Wassernapf decken. Genau das tun viele Katzen aber nicht ausreichend. Studien aus dem Journal of Feline Medicine and Surgery zeigen, dass Katzen mit Nassfütterung im Schnitt deutlich konzentrierten Harn produzieren als Tiere, die hauptsächlich Trockenfutter bekommen.
Eine konstant gute Hydratation wirkt wie ein natürlicher Schutz für Blase und Nieren. Sie senkt das Risiko für Harnsteine wie Struvit oder Calciumoxalat, beugt Entzündungen der unteren Harnwege vor und entlastet die Nieren bei der Schadstoffausscheidung. Vor allem für Senioren, kastrierte Kater und Wohnungskatzen ist Nassfutter daher die erste Wahl. Mehr zu konkreten Erkrankungen liest du in den Beiträgen zur Blasenentzündung bei der Katze und zur Niereninsuffizienz bei der Katze.
Ein zweiter Vorteil ist die Sättigung. Nassfutter hat pro Gramm weniger Kalorien als Trockenfutter, weil ein großer Teil des Volumens aus Wasser besteht. Deine Katze fühlt sich nach einer Mahlzeit länger satt und nimmt insgesamt weniger Energie auf. Das ist besonders bei der Gewichtsregulation wichtig, weil rund die Hälfte aller Wohnungskatzen in Mitteleuropa Übergewicht hat.
Welche Qualitätskriterien sollte gutes Nassfutter erfüllen?
Die Verpackung verrät dir mehr, als die Werbung vorne vermuten lässt. Drei Dinge gehören auf jede gute Dose: ein klar deklarierter Fleischanteil von mindestens sechzig Prozent, eine genaue Angabe der Tierart (also nicht „tierische Nebenerzeugnisse“, sondern „Hühnerherz“, „Rinderleber“, „Lachs“), und der Hinweis „Alleinfuttermittel“ mit Angabe der Lebensphase (Kitten, Adult, Senior). Ein bloßes „Ergänzungsfuttermittel“ reicht nicht aus, um deine Katze ausgewogen zu versorgen.
Achte auf den Aschegehalt unter zwei Prozent, weil ein hoher Aschegehalt auf zu viele Knochen oder schlechte Rohstoffe hindeutet. Der Phosphorgehalt sollte bei gesunden Adulten zwischen 0,8 und 1,3 Prozent in der Trockenmasse liegen, bei Senioren oder Tieren mit beginnender Niereninsuffizienz deutlich darunter. Taurin, eine essentielle Aminosäure für Katzen, muss enthalten sein, idealerweise mit einer expliziten Mengenangabe. Eine Unterversorgung mit Taurin führt langfristig zu Herzerkrankungen und Erblindung. Auch Vitamin A, Vitamin D und Arachidonsäure müssen vorhanden sein, weil Katzen sie nicht selbst herstellen können.
Vermeiden solltest du Zuckerzusätze (auch Karamell, Saccharose, Glukosesirup), künstliche Farb- und Aromastoffe sowie pauschale Bezeichnungen wie „pflanzliche Nebenerzeugnisse“. Getreide ist nicht zwingend schädlich, sollte aber maximal als kleiner Beimisch dienen, denn Katzen sind obligate Karnivoren und decken ihren Energiebedarf primär über Eiweiß und Fett. Mehr zur Theorie der artgerechten Fütterung liest du in unserem Ratgeber zur artgerechten Ernährung.
Welche Arten von Nassfutter gibt es im Handel?
Im Handel begegnen dir vier Hauptkategorien. Erstens sortenreine Nassfutter, die eine einzige Tierart als Hauptzutat enthalten, etwa Huhn pur oder Rind pur. Sie eignen sich besonders für allergiegeplagte Katzen oder zur Ausschlussdiät. Zweitens gemischte Sorten mit zwei oder drei Fleischsorten, die geschmacklich abwechslungsreich sind. Drittens Sortimente mit Saucenanteil oder Gelee, die optisch ansprechend wirken, aber auf den Fleischanteil hin geprüft werden sollten. Viertens spezielle Diätfutter, etwa für Tiere mit chronischer Niereninsuffizienz, Diabetes mellitus oder Futtermittelallergien.
Innerhalb dieser Kategorien gibt es Premium-Marken aus dem Fachhandel, Mainstream-Produkte aus Supermärkten und Bio-Linien aus dem Reformhaus oder dem Hofladen. Der Preis ist nicht immer ein verlässlicher Qualitätsindikator. Eine teure Dose mit hübscher Verpackung kann genauso viele Nebenerzeugnisse enthalten wie ein günstigeres Produkt. Lies daher immer das Kleingedruckte. Eine kurze, klar nachvollziehbare Zutatenliste mit hohem Fleischanteil schlägt eine lange Liste mit unklaren Begriffen.
Auch Pasteten und Mousses sind eine eigene Unterkategorie und werden gerade in den letzten Jahren bei Tierhalterinnen und Tierhaltern in Wien, Berlin und Salzburg immer beliebter. Sie haben eine besonders feine Konsistenz, die von Senioren, kranken Katzen oder solchen mit Zahnproblemen oft bevorzugt wird. Achte hier besonders auf die Deklaration, weil der weiche Schein nicht über Qualität entscheidet. Eine gute Pastete besteht aus klar benannten Fleischsorten, ist frei von Zucker und enthält idealerweise einen leichten Anteil an Innereien wie Leber oder Herz, weil diese reich an Taurin und natürlichen Vitaminen sind.
Selbst gekochtes Nassfutter, sogenanntes Frischfutter, ist eine weitere Option. Es bietet maximale Kontrolle über die Zutaten, erfordert aber eine sorgfältige Berechnung von Vitaminen, Mineralstoffen und Taurin. Ohne tierärztliche Begleitung oder die Hilfe einer Ernährungsberaterin entstehen schnell Mangelerscheinungen. BARF-Pläne sind für Katzen anspruchsvoller als für Hunde und sollten nicht improvisiert werden. Mehr Hintergrund findest du in unseren Beiträgen zur Fütterung von Wohnungskatzen und zur Futterumstellung bei der Katze.
Wie viel Nassfutter braucht meine Katze pro Tag?
Die richtige Menge hängt von Gewicht, Alter, Aktivität und Gesundheit deiner Katze ab. Eine adulte Wohnungskatze mit vier Kilogramm Körpergewicht und durchschnittlicher Aktivität braucht ungefähr 60 bis 70 Kilokalorien pro Kilogramm und Tag, also rund 250 bis 280 Kilokalorien insgesamt. Hochwertiges Nassfutter liefert etwa 80 bis 110 Kilokalorien pro 100 Gramm, abhängig vom Fett- und Proteingehalt. Damit kommst du auf eine Tagesmenge von etwa 200 bis 300 Gramm Nassfutter, idealerweise auf zwei bis drei Mahlzeiten verteilt.
Kitten haben einen deutlich höheren Energiebedarf, weil sie wachsen. Sie brauchen pro Kilogramm bis zu 200 Kilokalorien und sollten vier bis fünf kleinere Mahlzeiten am Tag bekommen. Senioren ab etwa zehn Jahren brauchen oft weniger Kalorien, aber genauso viel oder mehr Eiweiß, um Muskelmasse zu erhalten. Hier lohnt sich ein Wechsel auf Senior-Nassfutter mit angepasstem Phosphor- und Proteinprofil. Tragende oder säugende Kätzinnen haben einen Energiebedarf, der bis zum Doppelten der Erhaltungsdosis steigen kann.
Wiege deine Katze einmal im Monat und beobachte die Body Condition. Eine ideale Katze hat eine gut tastbare Wirbelsäule und Rippen ohne dicke Fettpolster, von oben einen leichten „Sanduhr“-Schwung und von der Seite eine sanft aufgezogene Bauchlinie. Werden die Rippen kaum noch fühlbar, ist die Futtermenge zu hoch. Eine genauere Beratung bekommst du in jeder Praxis aus unserem Tierarzt-Finder.
Ist Mischfütterung mit Trockenfutter sinnvoll?
Eine Kombination aus Nass- und Trockenfutter ist für viele Haushalte praktisch und ernährungsphysiologisch akzeptabel, wenn sie sauber geplant ist. Das beste Verhältnis liegt für die meisten gesunden Adulten bei etwa siebzig Prozent Nass- und dreißig Prozent Trockenfutter, gemessen am Kalorienanteil, nicht am Gewicht. Trockenfutter eignet sich gut als Snack über den Tag verteilt oder für die Nacht, wenn niemand zu Hause ist. Nassfutter sollte als Hauptmahlzeit dienen, weil es die Wasseraufnahme sichert.
Wichtig ist, dass beide Komponenten qualitativ gut sind. Hochwertiges Trockenfutter für Katzen mit hohem Fleischanteil und ohne Zucker erfüllt diesen Anspruch genauso wie gutes Nassfutter. Ein zusätzlicher Trinkbrunnen erhöht die Wasseraufnahme bei Mischfütterung weiter. Vermeide es, beide Futterarten gleichzeitig im Napf anzubieten, weil sie unterschiedliche Verdauungszeiten haben und das gemeinsame Aroma die Akzeptanz mindern kann.
In bestimmten Fällen ist Mischfütterung weniger geeignet. Bei chronischer Nierenerkrankung, Diabetes oder Übergewicht ist eine reine Nassfütterung mit definierter Diät meist sinnvoller, weil sich Nährstoffe und Kalorien dann genauer steuern lassen. Hier solltest du den Plan unbedingt mit deiner Tierärztin abstimmen.
Wie lange ist Nassfutter haltbar und was musst du bei der Hygiene beachten?
Ungeöffnet ist Nassfutter in Dose oder Schale je nach Hersteller zwölf bis dreißig Monate haltbar. Geöffnet musst du den Inhalt schnell aufbrauchen. In einem dicht verschlossenen Behälter im Kühlschrank ist Nassfutter maximal 48 Stunden haltbar. Im Napf bei Zimmertemperatur sollte es spätestens nach 30 bis 60 Minuten entfernt werden, weil sich Bakterien sonst rasch vermehren. Im Sommer und in warmen Wohnungen wird die Frist noch kürzer.
Bei besonders heißen Sommertagen lohnt sich, die Tagesration in zwei oder drei kleinere Portionen aufzuteilen, statt eine große Schüssel stehen zu lassen. So bekommt deine Katze immer frisches Futter, ohne dass Reste verderben. Eine zweite Maßnahme ist, im Sommer auf Sorten mit besonders hohem Saucenanteil umzusteigen, weil diese die Hydration zusätzlich unterstützen, wenn die Trinkmenge sinkt. Beobachte deine Katze gerade in heißen Phasen aufmerksam auf Anzeichen einer Dehydratation wie eingefallene Augen, trockenes Zahnfleisch oder reduzierte Aktivität.
Wärme das Futter aus dem Kühlschrank vor dem Servieren auf Zimmertemperatur an, weil viele Katzen kaltes Futter verweigern. Eine Mikrowelle eignet sich nicht, weil sie ungleichmäßig erwärmt und Hot Spots erzeugt. Besser ist, das Futter eine halbe Stunde vor der Mahlzeit aus dem Kühlschrank zu nehmen oder kurz mit warmem Wasser anzurühren. Reinige Futter- und Wassernapf täglich mit heißem Wasser und neutralem Spülmittel und nutze idealerweise Näpfe aus Keramik oder Edelstahl. Plastik nimmt Gerüche auf und kann Akne am Kinn fördern.
Tierärztlicher Blick: Wann ist eine Diät- oder Futterumstellung nötig?
Wenn deine Katze Gewicht verliert oder zunimmt, ohne dass sich an der Futtermenge etwas geändert hat, gehört das in tierärztliche Abklärung. Auch häufiges Erbrechen, chronischer Durchfall, glanzloses Fell, vermehrtes Trinken oder Veränderungen am Harnabsatz sind Hinweise auf ein medizinisches Problem, das eine Futteranpassung allein selten löst. Tierärztliche Diätlinien gibt es heute für nahezu jede Indikation, von Niereninsuffizienz und Diabetes über Allergien bis zu chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen.
Ein gut geplanter Wechsel auf eine neue Sorte sollte über sieben bis vierzehn Tage erfolgen. Du beginnst mit einer Mischung aus 80 Prozent altem und 20 Prozent neuem Futter und erhöhst den neuen Anteil schrittweise. So vermeidest du Verdauungsprobleme. Bei sensiblen Katzen, älteren Tieren oder solchen mit chronischen Erkrankungen kann sich der Übergang über drei bis vier Wochen erstrecken. Mehr Hintergrund findest du in unserem Beitrag zur Futterumstellung bei der Katze. Bei Wohnort in der Bundeshauptstadt findest du qualifizierte Praxen über die Liste Tierarzt Wien. Eine Übersicht zur Absicherung von Diagnostik und Therapie findest du im Beitrag zur Katzenversicherung.
Häufige Fragen zu Nassfutter für Katzen
Quellen
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