Zuchtstute füttern: Trächtigkeit, Laktation, Mineralstoffversorgung und Eisen richtig planen
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Eine Zuchtstute versorgt nicht nur sich selbst. Sie baut während der Trächtigkeit ein Fohlen auf und liefert nach der Geburt große Mengen Milch. Dafür braucht sie Energie, hochwertiges Protein, Mineralstoffe, Spurenelemente und eine gute tierärztliche Begleitung.
Wer in dieser Phase zu knapp füttert, riskiert, dass die Stute an Substanz verliert oder das Fohlen nicht optimal versorgt wird. Gleichzeitig darf die Ration nicht pauschal überladen werden. Entscheidend ist ein Plan, der zur Phase, zum Körperzustand, zur Heuqualität und zum Gesundheitsstatus der Stute passt.
Welche Phasen durchläuft meine Zuchtstute von der Belegung bis zum Absetzen?
Die Fütterung einer Zuchtstute ist nicht statisch. Sie verändert sich mit der Phase der Zuchtsaison. Vor der Belegung geht es vor allem darum, den Körperzustand zu prüfen und die Grundversorgung zu stabilisieren. Eine Stute sollte weder zu mager noch zu fett in die Zucht gehen. Ein Body Condition Score von etwa fünf bis sechs von neun ist meist ein sinnvoller Zielbereich, je nach Rasse, Alter und Nutzung.
In der frühen Trächtigkeit, also etwa Monat eins bis sieben, liegt der Bedarf oft noch nahe am Erhaltungsbedarf. Gutes Raufutter, eine passende Mineralisierung und ein stabiler Körperzustand stehen im Vordergrund.
Ab dem letzten Trächtigkeitsdrittel steigt der Bedarf deutlich. Das Fohlen wächst jetzt besonders stark, und die Stute braucht mehr Energie, hochwertiges Eiweiß, Mineralstoffe und Spurenelemente.
In der Laktation erreicht der Bedarf seinen Höhepunkt. Besonders in den ersten drei Monaten nach der Geburt produziert die Stute viel Milch. Danach sinkt die Milchmenge langsam, und die Ration kann schrittweise angepasst werden.
Nach dem Absetzen verschiebt sich der Fokus auf Erholung, Gewichtsstabilisierung und die Vorbereitung auf eine mögliche nächste Zuchtsaison.

Wie verändert sich der Energie und Proteinbedarf meiner Zuchtstute?
In der frühen Trächtigkeit unterscheidet sich der Bedarf oft nur wenig von dem einer nicht tragenden Stute. Ab etwa dem achten Monat steigt der Energiebedarf spürbar, weil das Fohlen nun deutlich schneller wächst.
Noch wichtiger wird in dieser Phase die Proteinqualität. Die Stute braucht hochwertige Eiweißquellen mit wichtigen Aminosäuren wie Lysin, Methionin und Threonin. Diese Bausteine sind für Wachstum, Gewebeaufbau, Muskulatur und Organentwicklung des Fohlens wichtig.
Wenn das Heu wenig Protein liefert, kann ein geeignetes Zuchtstutenfutter oder ein angepasstes Kraftfutter sinnvoll sein. Die Menge sollte aber nicht pauschal erhöht werden, sondern zum Körperzustand und zur Bewegung der Stute passen.
In der Laktation steigt der Proteinbedarf weiter. Die Stute gibt über die Milch täglich Nährstoffe an das Fohlen ab. Deshalb braucht sie in dieser Phase besonders gutes Raufutter, ausreichend Energie, Eiweiß und eine angepasste Mineralstoffversorgung.
Welche Mineralstoffe sind für meine Zuchtstute besonders wichtig?
Die Mineralstoffprioritäten verschieben sich je nach Phase. Im letzten Trächtigkeitsdrittel und in der Laktation sind besonders wichtig:
- ✓Calcium für Knochenentwicklung, Muskulatur und Milchbildung.
- ✓Phosphor als Partner von Calcium im Knochenstoffwechsel.
- ✓Kupfer für Bindegewebe, Sehnen und Knorpelentwicklung.
- ✓Zink für Haut, Fell, Wachstum und Immunsystem.
- ✓Mangan für Gelenke, Knorpel und Knochenstoffwechsel.
- ✓Selen und Vitamin E für Muskulatur, Zellschutz und Immunsystem.
- ✓B-Vitamine und Folsäure für Stoffwechsel und Blutbildung.
- ✓Eisen nur bei nachgewiesenem Bedarf oder auffälligem Blutbild.
Bone Vital kann in der späten Trächtigkeit und Fohlenaufzucht sinnvoll sein, wenn der Mineralstoffbedarf für Knochen und Wachstum gezielt unterstützt werden soll. Iron Tonic gehört dagegen nicht pauschal in jede Zuchtstutenration, sondern sollte nach Blutbild, Eisenstatus, Ferritin und tierärztlicher Einschätzung eingesetzt werden.
Wie kann ein praktischer Fütterungsplan über Trächtigkeit und Laktation aussehen?
Ein möglicher Plan für eine Warmblutstute mit etwa 600 Kilogramm kann so aussehen:
- ✓Vor der Belegung: Körperzustand prüfen, Ration stabilisieren, Mineralversorgung sichern und bei Bedarf Gewicht langsam korrigieren.
- ✓Monat 1 bis 7 der Trächtigkeit: Erhaltungsration mit gutem Heu, passender Mineralisierung und regelmäßiger Kontrolle des Körperzustands.
- ✓Monat 8 bis 10: Energie und Protein bei Bedarf schrittweise erhöhen, Bone Vital prüfen, wenn Mineralstoffversorgung und Fohlenentwicklung dafür sprechen.
- ✓Monat 11: Ration weiter beobachten, Futterumstellungen vermeiden, ausreichend Raufutter und gut verdauliche Energie anbieten.
- ✓Laktation Monat 1 bis 3: höchste Anforderungen an Energie, Protein, Wasser, Mineralstoffe und Spurenelemente. Iron Tonic nur bei passendem Blutbefund einsetzen.
- ✓Laktation Monat 4 bis 6: Ration langsam reduzieren, wenn die Milchmenge nachlässt und das Fohlen zunehmend selbstständig frisst.
- ✓Nach dem Absetzen: Kraftfutter schrittweise zurückfahren, Körperzustand stabilisieren, Mineralversorgung prüfen und bei Bedarf Blutbild kontrollieren.
Jede Stute ist individuell. Pferde mit PPID, EMS, Hufrehe Risiko oder empfindlichem Magen brauchen eine besonders sorgfältige Rationsplanung. Dann sollten Zucker, Stärke, Mahlzeitengröße und Weidegang eng mit dem Tierarzt oder Fütterungsberater abgestimmt werden.
Was wird in der Laktation wirklich gefordert?
Die Laktation ist für die Stute eine enorme Belastung. Eine Warmblutstute kann in den ersten Monaten nach der Geburt sehr große Milchmengen produzieren. Damit steigt ihr Bedarf an Energie, Eiweiß, Mineralstoffen, Wasser und Salz deutlich.
Wichtig sind in dieser Phase:
- ✓Hochwertiges Raufutter über möglichst viele Stunden des Tages.
- ✓Ein geeignetes Zuchtstutenfutter oder gut abgestimmtes Kraftfutter.
- ✓Mehrere kleine Mahlzeiten statt großer Kraftfuttermengen auf einmal.
- ✓Eine angepasste Mineralstoffversorgung, bei Bedarf mit Bone Vital.
- ✓Iron Tonic nur bei nachgewiesenem Bedarf an Eisen oder Blutbildungsunterstützung.
- ✓Sauberes Wasser jederzeit frei verfügbar.
- ✓Salz, zum Beispiel über Leckstein oder gezielte Ergänzung.
- ✓Weidegang und Bewegung, sobald Wetter, Boden und Gesundheitszustand passen.
Eine tierärztliche Kontrolle der Stute während der Laktation ist sinnvoll, besonders wenn sie Gewicht verliert, matt wirkt, schlecht frisst oder das Fohlen nicht altersgerecht wächst.
Welche Fehler sollte ich bei der Zuchtstutenfütterung vermeiden?
Häufige Fehler entstehen, wenn die Stute über die gesamte Zuchtsaison gleich gefüttert wird. Dabei verändern sich Bedarf und Belastung deutlich.
Typische Fehler sind:
- ✓Zu wenig Mineralisierung im letzten Trächtigkeitsdrittel.
- ✓Zu hohe Energiezufuhr in der frühen Trächtigkeit.
- ✓Zu wenig hochwertiges Protein in der Laktation.
- ✓Zu wenig Wasser oder Salz während der Milchproduktion.
- ✓Abrupte Futterwechsel kurz vor oder nach der Geburt.
- ✓Eisenfütterung ohne Blutbefund.
- ✓Keine Kontrolle von Zähnen, Körpergewicht und Blutwerten.
- ✓Vergessene Impfungen und fehlende tierärztliche Begleitung.
Besonders wichtig ist, die Ration frühzeitig zu planen. Kurz vor der Geburt sollte möglichst keine große Futterumstellung mehr erfolgen, weil Verdauung und Stoffwechsel in dieser Phase empfindlicher reagieren können.
Wie versorgt die Stute das Fohlen in den ersten Lebenswochen?
In den ersten Lebenswochen ist die Stute die wichtigste Nährstoffquelle des Fohlens. Über die Milch liefert sie Energie, Eiweiß, Fett, Mineralstoffe, Vitamine und Flüssigkeit.
Die Qualität der Milch hängt stark von Gesundheit, Ration und Körperzustand der Stute ab. Besonders wichtig sind ausreichend Energie, Protein, Calcium, Phosphor, Vitamin E, Selen und eine gute Wasseraufnahme.
Das Kolostrum, also die erste Milch nach der Geburt, ist entscheidend für das Immunsystem des Fohlens. Es enthält Antikörper, die das Fohlen in den ersten Lebenswochen schützen. Wenn das Fohlen kein oder zu wenig Kolostrum aufnimmt, muss sofort der Tierarzt eingeschaltet werden.
Auch das Fohlen selbst sollte eng beobachtet werden. Trinkverhalten, Gewichtsentwicklung, Vitalität, Nabel, Kotabsatz und Beinachsen gehören in den ersten Tagen besonders aufmerksam kontrolliert.

Was muss ich bei einer Zuchtstute mit PPID oder EMS beachten?
PPID und EMS verändern die Zucht und Fütterung deutlich. Beide Erkrankungen müssen tierärztlich begleitet werden.
Bei PPID ist die hormonelle Steuerung gestört. Typisch sind verzögerter Fellwechsel, Muskelabbau, Infektanfälligkeit und teilweise ein erhöhtes Hufrehe Risiko. Die Behandlung mit Pergolid wird tierärztlich entschieden und sollte nicht durch Zusatzfutter ersetzt werden.
Bei EMS stehen Insulinresistenz, Übergewicht und Hufrehe Risiko im Vordergrund. Die Ration muss zucker und stärkearm aufgebaut werden. Heu sollte bei Bedarf auf Zucker analysiert werden, und Weidegang muss individuell geplant werden.
Für beide Gruppen gilt: Mineral Vital oder Horse Vital Plus können je nach Ration eine passende Basis sein. Bone Vital kann bei Bedarf in der Zuchtphase sinnvoll sein. Iron Tonic sollte nur nach Blutbefund eingesetzt werden.
Ob eine Stute mit PPID oder EMS züchterisch genutzt werden sollte, ist eine medizinische und ethische Entscheidung. Dabei zählen Alter, Allgemeinzustand, Fruchtbarkeit, Hufstatus, Stoffwechselstabilität und das Risiko für Stute und Fohlen.
Wie füttere ich meine Zuchtstute nach dem Absetzen?
Das Absetzen ist ein wichtiger Einschnitt. Die Milchproduktion endet, der Bedarf sinkt, und die Stute braucht Zeit zur Erholung.
Sinnvoll ist ein schrittweiser Übergang:
- ✓Kraftfutter über zwei bis drei Wochen reduzieren.
- ✓Raufutter weiterhin in guter Qualität anbieten.
- ✓Mineralfutter beibehalten und an den Bedarf anpassen.
- ✓Körperzustand kontrollieren.
- ✓Bei Gewichtsverlust oder Mattigkeit Blutbild prüfen.
- ✓Gynäkologische Kontrolle einplanen, wenn eine neue Belegung geplant ist.
- ✓Leichte Bewegung ermöglichen, ohne die Stute zu überfordern.
Zwischen Absetzen und nächster Belegung sollte ausreichend Erholungszeit liegen. Wie lange diese Phase sein sollte, hängt von Alter, Zustand, Fruchtbarkeit, letzter Laktation und Zuchtziel ab. Eine zu schnelle erneute Belegung kann die Stute belasten und die Fruchtbarkeit verschlechtern.
Welche Erfahrungen aus Deutschland und Österreich sind hilfreich?
In Deutschland und Österreich gibt es große regionale Unterschiede bei Heu, Bodenversorgung, Haltung und Rassen. Deshalb funktionieren pauschale Zuchtstutenrationen selten zuverlässig.
In manchen Regionen ist Selen ein wichtiger Punkt. Besonders bei Heu aus selenarmen Böden kann eine gezielte Ergänzung nötig sein. Das sollte aber über Ration, Mineralfutter und Blutwerte abgesichert werden, weil Selen nicht unkontrolliert ergänzt werden sollte.
Auch Rasse und Typ sind relevant. Warmblüter haben oft andere Energie und Proteinansprüche als robuste Ponyrassen. Haflinger, Norweger oder andere leichtfuttrige Typen brauchen meist weniger Kraftfutter und eine strengere Kontrolle von Körpergewicht und Stärkeaufnahme. Vollblüter, Araber oder empfindlichere Linien benötigen dagegen oft eine besonders sorgfältige Rationsplanung.
Diese Muster sind nur Orientierung. Entscheidend bleibt die einzelne Stute. Tierarzt, Zuchtverband, Fütterungsberater und Hufschmied sollten gemeinsam auf Fruchtbarkeit, Körperzustand, Hufe, Stoffwechsel und Fohlenentwicklung schauen.
Warum ist gute Zuchtstutenfütterung langfristig so wichtig?
Eine Zuchtstute ist keine reine Trägerin eines Fohlens, sondern ein Pferd mit eigenen Bedürfnissen. Gute Fütterung schützt deshalb nicht nur das Fohlen, sondern auch die Gesundheit, Fruchtbarkeit und Lebensqualität der Stute.
Wer in Raufutterqualität, Mineralisierung, Blutkontrollen, Zahnstatus, Bewegung und ruhige Haltung investiert, schafft die beste Grundlage für eine stabile Zuchtsaison. Das Ziel ist nicht maximale Leistung um jeden Preis, sondern eine gesunde Stute, ein gut entwickeltes Fohlen und eine verantwortungsvolle Zuchtplanung.
Die Zukunft der Pferdezucht liegt in der Balance aus Leistung, Gesundheit und Tierwohl. Eine durchdachte Fütterung ist ein wichtiger Teil dieser Verantwortung.
Häufige Fragen zur Fütterung der Zuchtstute
Quellen
Vetmeduni Wien, Klinische Abteilung für Reproduktion: Zuchtstutenbetreuung
GfE Gesellschaft für Ernährungsphysiologie: Empfehlungen zur Fütterung von Zuchtstuten
TiHo Hannover, Klinik für Pferde: Trächtigkeitskontrolle und Perinatologie
FN Deutsche Reiterliche Vereinigung: Zucht und Stutbuch Leitfäden, Warendorf
MSD Veterinary Manual: Nutritional Requirements of Broodmares, Online Ausgabe
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