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Hautpilz beim Pferd

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Hautpilz beim Pferd, in der Tiermedizin als Dermatomykose oder Dermatophytose bezeichnet, ist eine ansteckende Pilzinfektion der oberen Hautschichten. Sie zählt in Deutschland und Österreich zu den häufigsten ansteckenden Hauterkrankungen im Stall und tritt vor allem im Herbst und Winter auf, wenn dichtes Fell, feuchte Decken und enge Boxen den Erregern ideale Bedingungen bieten. Auslöser sind in den meisten Fällen Trichophyton equinum, Trichophyton mentagrophytes oder Microsporum-Arten. Diese Pilze ernähren sich von Keratin, dem Eiweiß in Haaren und Hornhaut, und führen zu kreisrunden, schuppigen, oft kahlen Stellen, die sich rasch über das Pferd und auf Stallnachbarn ausbreiten können.

Du erkennst die Erkrankung meist zuerst an kleinen, münzförmigen Läsionen am Sattel, an der Gurtlage oder am Hals. Anders als bei Allergien jucken die Stellen oft nur mild, breiten sich aber aus, wenn du nicht zügig handelst. Hautpilz ist eine Zoonose, das heißt, du selbst und deine Familie könnt euch beim Putzen anstecken. Gerade in Reitschulen, Pensionsställen und bei Turnierpferden gilt deshalb striktes Hygienemanagement. Dieser Artikel erklärt dir, wie du Hautpilz beim Pferd erkennst, welche Diagnostik dein Tierarzt einsetzt, welche Therapien wirken, wie du den Stall sanierst und wie du einer erneuten Infektion vorbeugst. Der Inhalt ist tierärztlich überprüft.

Hinweis

Wichtig zu wissen

Hautpilz ist hochansteckend und auf den Menschen übertragbar. Trage beim Putzen erkrankter Pferde Einmalhandschuhe, wechsle die Stallkleidung täglich und desinfiziere Putzzeug, Sattel und Decke. Eine eigenmächtige Behandlung mit menschlichen Antimykotika reicht in der Regel nicht aus, denn ohne korrekte Diagnose verschleppst du die Infektion im Bestand. Lass jeden Verdacht von der Tierärztin oder dem Tierarzt abklären, denn ähnlich aussehende Krankheiten wie Mauke, Sommerekzem oder bakterielle Hautentzündungen brauchen eine völlig andere Therapie.

Wie erkennst du Hautpilz beim Pferd zuverlässig?

Die klassische Erscheinungsform ist eine kreisrunde, scharf abgegrenzte, kahle Stelle mit feinen, mehlig-grauen Schuppen. Diese Läsionen finden sich besonders häufig dort, wo Sattel, Gurt, Decke oder Halfter scheuern, denn kleinste Hautmikroverletzungen erleichtern dem Pilz das Eindringen. Im frühen Stadium siehst du oft nur ein aufgestelltes Haarbüschel, fast wie eine Pickelstelle, das sich beim leichten Streichen herauslösen lässt. Innerhalb weniger Tage entstehen daraus die typischen Münzformen mit ein bis drei Zentimeter Durchmesser. Manche Pferde zeigen begleitend eine leichte Rötung der darunterliegenden Haut, andere lediglich Schuppung.

Juckreiz ist meist gering, kann aber bei zusätzlicher bakterieller Sekundärinfektion deutlich zunehmen. Allgemeinverhalten, Futteraufnahme und Leistungsbereitschaft bleiben in den meisten Fällen unauffällig, weshalb Besitzer die Infektion zunächst unterschätzen. Achte besonders im Winter auf neue, kreisrunde Stellen, denn dichtes Fell verschleiert die Veränderungen. Bei Fohlen, älteren Pferden und Tieren mit Equinem Cushing Syndrom verläuft die Infektion oft schwerer, weil ihr Immunsystem geschwächt ist. Mehr Hintergrund zu dieser Stoffwechselerkrankung findest du im Artikel Cushing beim Pferd.

Welche Erreger und Risikofaktoren spielen eine Rolle?

In Mitteleuropa dominiert Trichophyton equinum als Hauptverursacher. Daneben treten Trichophyton mentagrophytes, Microsporum canis und Microsporum gypseum auf. Diese Pilze bilden langlebige Sporen, die in Holzboxen, Sattelkammern und Putzkisten über Monate, teilweise mehr als ein Jahr, infektiös bleiben. Die Übertragung erfolgt direkt durch Hautkontakt zwischen Pferden, indirekt über Putzzeug, Decken, Sattel, Halfter, Stallwände und sogar über die Hände des Reiters.

Begünstigende Faktoren sind hohe Stalldichte, hohe Luftfeuchte, schlechte Belüftung, Vitamin- und Spurenelementmangel sowie chronischer Stress. Junge Pferde unter drei Jahren erkranken besonders häufig, weil ihr spezifisches Immunsystem den Erreger noch nicht kennt. Auch Turnierpferde, die regelmäßig fremde Boxen beziehen, tragen ein erhöhtes Risiko. In Österreich und Deutschland berichten Tierkliniken vor allem in den Monaten Oktober bis März von gehäuften Ausbrüchen, oft beginnend mit einem einzelnen Pferd, das nach einem Lehrgang oder Turnier in den Heimatstall zurückkehrt.

Wie diagnostiziert dein Tierarzt die Erkrankung sicher?

Allein nach Augenschein lässt sich Hautpilz beim Pferd nicht zweifelsfrei von Räude, allergischer Dermatitis oder bakterieller Follikulitis unterscheiden. Eine sichere Diagnose stützt sich auf drei Säulen. Zunächst entnimmt die Tierärztin Haare und Schuppen vom Rand der Läsion, denn dort sind die Pilzelemente am dichtesten. Diese Probe wird mikroskopisch auf Sporen und Hyphen untersucht. Ergänzend erfolgt eine Pilzkultur auf Sabouraud-Agar, die nach sieben bis vierzehn Tagen Wachstum zeigt und die genaue Spezies bestimmt. Moderne Praxen setzen zusätzlich PCR-Tests ein, die innerhalb von ein bis zwei Tagen ein eindeutiges Ergebnis liefern.

Die Wood-Lampe, ein UV-Licht, das früher zur Schnelldiagnostik genutzt wurde, ist beim Pferd wenig zuverlässig, denn die meisten Pferde-Pilze fluoreszieren nicht. Verlasse dich also nicht auf eine reine UV-Untersuchung. Wenn dein Pferd zusätzlich systemische Symptome zeigt, beispielsweise Fieber, Apathie oder Gewichtsverlust, sollte dein Tierarzt ein Blutbild ergänzen, um Begleiterkrankungen oder eine Immunschwäche auszuschließen. Hilfreich ist außerdem eine vollständige Bestandserhebung, denn häufig zeigen mehrere Pferde im selben Stall verdächtige Stellen, die du auf den ersten Blick übersiehst.

Welche Therapie wirkt am schnellsten und sichersten?

Die Behandlung steht auf zwei Beinen, lokale Antimykotika auf der Haut und konsequente Stallhygiene. Zur lokalen Therapie eignen sich Enilconazol-Lösungen, die sich als Bestandsbehandlung bewährt haben, sowie Imaverol oder vergleichbare Wirkstoffe. Du verdünnst die Lösung nach Anweisung deines Tierarztes und sprühst oder waschst das gesamte Pferd, nicht nur die sichtbaren Stellen, denn unsichtbare Frühläsionen sind bereits infektiös. Üblich sind drei bis vier Anwendungen im Abstand von drei bis vier Tagen. Bei sehr ausgedehntem Befall, Fohlen oder immungeschwächten Pferden kann die Tierärztin zusätzlich systemische Antimykotika einsetzen, etwa Griseofulvin oder Itraconazol, die jedoch verschreibungspflichtig sind und engmaschig überwacht werden müssen.

Verzichte unbedingt auf Hausmittel wie Essig, Teebaumöl pur oder Backpulverpasten. Sie reizen die Haut, erhöhen das Risiko bakterieller Sekundärinfektionen und beschleunigen die Heilung nicht. Auch das oft empfohlene Auftragen von Joghurt oder Apfelessig ist wissenschaftlich nicht belegt. Erwarte, dass die kahlen Stellen sich erst langsam wieder mit Haaren bedecken, denn das Haarwachstum beim Pferd benötigt mehrere Wochen. Während der Therapie solltest du dein Pferd nicht satteln und Decken weglassen oder kochheiß waschen. Bei wiederkehrendem Befall lohnt ein Termin in einer pferdespezialisierten Tierarztpraxis, um Begleiterkrankungen wie Cushing oder einen Vitamin-A-Mangel auszuschließen.

Wie sanierst du Stall, Putzzeug und Sattelkammer richtig?

Eine erfolgreiche Therapie am Pferd ist nur die halbe Miete, denn Pilzsporen überleben in der Umgebung extrem lange. Räume die betroffene Box vollständig leer und entferne alle organischen Reste. Holzwände, Tröge, Tränken und Boden behandelst du mit einem zugelassenen Antimykotikum, beispielsweise Enilconazol-Vernebelung, oder mit einer Peroxiverbindung. Klassische Stalldesinfektionsmittel auf Phenolbasis wirken nur bedingt gegen Pilzsporen, achte daher auf den Hinweis „fungizid wirksam“.

Putzzeug, Halfter, Trensen und Sattel werden gründlich mechanisch gereinigt und anschließend desinfiziert oder, wenn möglich, ausgetauscht. Decken, Bandagen und Schabracken solltest du bei mindestens 60 Grad waschen, idealerweise zusätzlich in den Trockner geben, denn Hitze tötet Sporen zuverlässig ab. Wenn dein Pferd in einer Reithalle, einem Pensionsstall oder einer Reitschule steht, informiere die Stallleitung umgehend, denn nur ein gemeinsames Vorgehen verhindert eine Welle. Folgende Reihenfolge hat sich bewährt:

  • Pferd behandeln, separieren wenn möglich, Putzzeug strikt persönlich.
  • Box entmisten, mit Hochdruckreiniger spülen, vollständig trocknen, dann antimykotisch desinfizieren.
  • Decken, Gurte, Bandagen heiß waschen, Sattel und Trense gründlich abwischen, anschließend desinfizieren.

Plane für die Sanierung mindestens drei bis vier Wochen ein, denn Sporen reagieren träge und einzelne Behandlungen reichen oft nicht aus. Dokumentiere jedes neu auftretende Pferd schriftlich, damit du später den Verlauf nachvollziehen kannst.

Welche Begleiterkrankungen verschlimmern Hautpilz?

Hautpilz gewinnt überall dort die Oberhand, wo das Immunsystem geschwächt ist oder die Haut zusätzlich belastet wird. Häufigster Begleiter beim älteren Pferd ist das Equine Cushing Syndrom, denn die hormonelle Entgleisung dämpft die Abwehr und fördert dichtes, schwer trocknendes Fell. Auch das Equine Metabolische Syndrom, chronischer Stress, Wurmbürden und Mineralstoffmangel zählen zu den klassischen Mitverursachern. Bei Fohlen erhöht eine schlechte Kolostrumversorgung das Risiko, denn die spezifische Immunabwehr ist in den ersten Lebenswochen noch unterentwickelt. Achte deshalb bei wiederkehrenden Pilzinfektionen darauf, das Gesamtbild zu betrachten und nicht nur die Haut.

Bakterielle Sekundärinfektionen mit Staphylokokken oder Dermatophilus congolensis können die Therapie zusätzlich verkomplizieren und führen zu nässenden, krustigen Stellen. Ein gutes Beispiel ist die Kombination aus Pilz, Mauke und kleinen Mückenstichen im Sommer. Hier hilft nur die parallele Behandlung aller Komponenten, wie sie im Artikel Mauke beim Pferd beschrieben ist. Wenn du wiederholt mit Pilzproblemen kämpfst, lohnt sich auch ein Blick auf die Fütterung. Eine Bedarfsdeckung an Zink, Kupfer, Vitamin A und Omega-3-Fettsäuren stabilisiert die Hautbarriere nachweislich.

Wie kannst du Hautpilz beim Pferd vorbeugen?

Vorbeugen bedeutet vor allem, Eintragsquellen zu schließen. Neue Pferde sollten möglichst zwei Wochen in einer Quarantänebox stehen, getrennt vom Rest des Bestandes, mit eigenem Putzzeug und eigenen Decken. Achte auf trockene, gut belüftete Boxen, vermeide Dauerstaunässe und reduziere Stallstress. Eine ausgewogene Fütterung mit ausreichend Vitamin A, Zink und essentiellen Fettsäuren stärkt die Hautbarriere. Lass besonders bei älteren Pferden regelmäßig den Cushing-Status kontrollieren, denn diese Stoffwechselerkrankung schwächt die Hautabwehr massiv.

Im Reitsport gilt, jeder bringt sein eigenes Putzzeug mit. Wer auf Turnier oder Lehrgang geht, desinfiziert Sattel, Gurt und Decke nach Heimkehr. Eine generelle Impfung gegen Hautpilz beim Pferd ist in Österreich und Deutschland aktuell nicht zugelassen, in einigen anderen europäischen Ländern existieren Vakzinen wie Equilis Insulavac oder vergleichbare Produkte für die Therapieunterstützung. Sprich deinen Tierarzt darauf an, wenn dein Bestand wiederholt betroffen ist. Eine ergänzende Pferdekrankenversicherung kann zudem die Kosten für Diagnostik und Therapie abfedern, denn Bestandsbehandlungen mit Antimykotika gehen schnell in den dreistelligen Bereich pro Pferd.

Wie unterscheidest du Hautpilz von ähnlich aussehenden Erkrankungen?

Viele Hautveränderungen beim Pferd sehen auf den ersten Blick aus wie Hautpilz, brauchen aber eine andere Therapie. Das allergische Sommerekzem zeigt starken Juckreuz an Mähnenkamm und Schweifrübe und tritt vor allem von Mai bis Oktober auf. Charakteristisch sind aufgescheuerte Stellen ohne klassische Münzform. Räude verursacht ebenfalls Juckreiz und Krustenbildung, wird jedoch durch Milben ausgelöst und tritt häufig an Fessel und Beinen auf. Die bakterielle Follikulitis durch Staphylokokken zeigt kleine, eitergefüllte Pusteln und reagiert auf Antibiotika, nicht auf Antimykotika. Eine sichere Differenzialdiagnose erfordert immer eine Probenentnahme.

Im Zweifel hilft dir die Faustregel, kreisrunde, mehlig-schuppende Stellen ohne starken Juckreiz sprechen für Hautpilz, nässende oder krustige Stellen mit ausgeprägtem Juckreiz eher für Ekzem oder Räude. Eine genaue Übersicht über andere Hautveränderungen liefert der Artikel Ekzem beim Pferd. Verlasse dich nie nur auf das Augenmaß, denn falsche Therapien verzögern die Heilung um Wochen und können den Bestand zusätzlich gefährden.

Tierärztlicher Blick

Aus tierärztlicher Sicht ist Hautpilz beim Pferd vor allem eines, ein Hygienethema. Wer früh erkennt, konsequent behandelt und den Stall mit saniert, hat die Infektion meist innerhalb von vier bis sechs Wochen unter Kontrolle. Wer dagegen abwartet oder nur mit Hausmitteln experimentiert, riskiert wiederkehrende Wellen über Monate, infizierte Reiter und einen massiven Imageschaden im Pensionsstall. Eine genaue Diagnostik mit Pilzkultur oder PCR ist Pflicht, denn ohne Erregernachweis fehlt die Basis für die richtige Wirkstoffwahl. Sprich frühzeitig mit deiner Tierärztin oder deinem Tierarzt und plane Therapie und Sanierung als Gesamtpaket. So schützt du dein Pferd, deine Stallgemeinschaft und deine eigene Gesundheit.

Häufige Fragen zu Hautpilz beim Pferd

Ist Hautpilz beim Pferd auf den Menschen übertragbar?

Ja, Hautpilz ist eine Zoonose. Vor allem Kinder, Senioren und immungeschwächte Menschen stecken sich leicht an. Typisch sind kreisrunde, juckende Stellen an Armen, Bauch oder Hals. Trage beim Umgang mit erkrankten Pferden Handschuhe und wechsle Stallkleidung täglich.

Wie lange dauert es, bis Hautpilz beim Pferd ausheilt?

Bei konsequenter Therapie und Stallhygiene bilden sich die Läsionen in vier bis sechs Wochen zurück. Die kahlen Stellen brauchen zusätzlich mehrere Wochen, bis das Fell vollständig nachgewachsen ist. Ohne Behandlung kann sich die Infektion über Monate ziehen und ausbreiten.

Darf ich mein Pferd mit Hautpilz reiten?

Während der akuten Therapie solltest du auf Sattel und Gurt verzichten, denn der Druck verschlimmert die Hautläsionen und der Sattel wird zur Sporenfalle. Leichte Bewegung an der Longe oder im Schritt am Halfter ist meist möglich. Sprich den Trainingsplan mit deinem Tierarzt ab.

Welche Hausmittel helfen wirklich gegen Hautpilz?

Keines der bekannten Hausmittel wie Essig, Teebaumöl pur oder Joghurt ist wissenschaftlich belegt wirksam. Sie können die Haut zusätzlich reizen und Sekundärinfektionen begünstigen. Setze besser auf zugelassene Antimykotika nach tierärztlicher Verordnung.

Wie verhindere ich, dass sich der Hautpilz im Bestand ausbreitet?

Separiere das erkrankte Pferd, nutze persönliches Putzzeug, desinfiziere Sattel, Gurt und Decken und sanierte die Box. Informiere die Stallgemeinschaft offen, denn versteckte Fälle befeuern die Welle. Quarantäne neuer Pferde reduziert das Eintragsrisiko deutlich.

Was kostet die Behandlung von Hautpilz beim Pferd in Österreich und Deutschland?

Die Diagnostik mit Pilzkultur oder PCR liegt je nach Praxis zwischen 40 und 90 Euro. Antimykotische Lösungen für Bestandsbehandlung kosten 50 bis 120 Euro pro Pferd. Bei systemischer Therapie oder Klinikaufenthalt steigen die Kosten deutlich. Eine Pferdekrankenversicherung kann diese Beträge abdecken.

Quellen

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