Ohrenreinigung beim Pferd
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Ohrenreinigung beim Pferd ist ein heikles Thema, weil das Pferdeohr ganz anders aufgebaut ist als das Ohr von Hund, Katze oder Mensch. Wer sein Pferd liebt, will alles richtig machen. Doch genau hier passieren die häufigsten Pflegefehler. Wenn du die feinen Härchen im Gehörgang entfernst oder mit Wattestäbchen tief in das Ohr fährst, schwächst du den natürlichen Schutz und riskierst Entzündungen. In diesem Ratgeber zeigen wir dir, wie eine sichere Ohrenpflege wirklich funktioniert, wann du dein Pferd selbst reinigen darfst und wann der Tierarzt ran muss. Wir erklären, welche Symptome auf eine Ohrenentzündung, Ohrmilben oder Fliegenbefall hindeuten und wie du dein Pferd in Österreich und Deutschland tierärztlich versorgt bekommst. Dazu liefern wir konkrete Tipps zur Hygiene, zur Sommerpflege gegen Insekten und zu sinnvollen Hilfsmitteln wie Ohrennetzen oder Fliegenmasken. Du erfährst auch, warum die Tasthaare und das natürliche Ohrenschmalz nicht entfernt werden dürfen und wie du dein Pferd schrittweise an Berührungen am Kopf gewöhnst. Der Inhalt ist tierärztlich überprüft.
Finger weg vom Gehörgang
Reinige beim Pferd niemals den inneren Gehörgang mit Wattestäbchen oder Wasserstrahl. Das Pferdeohr ist L-förmig gebogen, der Gang sehr eng. Selbst Tierärztinnen arbeiten dort nur mit Otoskop und in Sedation. Saubere Ohrmuscheln außen sind genug, alles Tiefere ist Tierarzt-Sache.
Wie ist das Pferdeohr aufgebaut und warum reinigt es sich selbst?
Das Pferdeohr besteht aus drei Abschnitten. Außen siehst du die bewegliche, trichterförmige Ohrmuschel mit Knorpelgerüst und feinem Fell. Sie fängt Schallwellen aus 360 Grad ein und kann sich unabhängig drehen. Daran schließt der äußere Gehörgang an, der beim Pferd auffällig lang und L-förmig gebogen ist. Genau diese Biegung schützt die empfindlichen Strukturen dahinter. Hinter dem Trommelfell liegt das Mittelohr mit den drei Gehörknöchelchen Hammer, Amboss und Steigbügel. Im Innenohr sitzen Hörschnecke und Gleichgewichtsorgan, beide sind eng vernetzt und steuern Hörempfinden, Balance und Raumwahrnehmung deines Pferdes.
Die Natur hat das Ohr deines Pferdes mit einem ausgeklügelten Selbstreinigungs-System ausgestattet. Feine Tasthaare am Eingang fangen Staub, Pollen, Insekten und Fremdkörper ab, bevor sie in den Gang gelangen. Drüsen produzieren Cerumen, das Pferde-Ohrenschmalz, das Schmutzpartikel bindet und nach außen transportiert. Die Bewegung von Kopf und Ohrmuschel unterstützt diesen Abtransport. Greifst du in dieses System ein, schwächst du den Schutz. Daher gilt für die Ohrenreinigung beim Pferd, äußere Pflege ja, innerer Eingriff nein. Mehr zur Anatomie findest du in unserem Ratgeber zur Anatomie des Pferdeohrs.

Wann ist eine Ohrenreinigung beim Pferd überhaupt nötig?
In den meisten Fällen brauchen gesunde Pferde keine aktive Ohrenreinigung, sondern nur eine kontrollierte äußere Sichtprüfung. Wenn dein Pferd viel im Freien steht, in staubiger Boxenluft lebt oder im Sommer von Fliegen geplagt wird, lohnt es sich, die Ohrmuschel ein- bis zweimal pro Woche kurz zu inspizieren. Du achtest dabei auf sichtbaren Schmutz, Krusten am Ohrrand, Rötungen, Schwellungen, kleine Wunden, Fliegen oder einen ungewöhnlichen Geruch. Eine schnelle Sichtkontrolle dauert keine zwei Minuten, gibt dir aber Sicherheit über den Pflegezustand.
Eine sanfte Außenreinigung ist sinnvoll, wenn sich grober Schmutz, getrocknete Erde, Heustaub oder Schweißkrusten an der Ohrmuschel angesammelt haben. Auch nach dem Wälzen im Sand, nach starkem Regen oder bei Pferden mit weißer Behaarung an den Ohren kann eine Pflege hilfreich sein. Pferde mit hellen Ohren zeigen Verschmutzungen schneller, weil das Fell verfilzt und gelblich wirkt. Andere Hinweise sind häufiges Kopfschütteln, Reiben des Kopfes an Stallwänden, einseitige Kopfschiefhaltung, Berührungsempfindlichkeit beim Halftern oder ein scheinbar plötzliches Erschrecken bei normalen Geräuschen. Diese Anzeichen deuten oft auf ein Ohrproblem hin und gehören tierärztlich abgeklärt, nicht selbst behandelt.
Wie reinigst du die Ohrmuschel deines Pferdes richtig?
Für die äußere Reinigung der Ohrmuschel brauchst du nur wenige Hilfsmittel. Bewährt haben sich weiche, fusselfreie Baumwolltücher oder Mulltupfer, lauwarmes Wasser, milde Pferdeshampoos oder physiologische Kochsalzlösung aus der Apotheke. Verzichte auf parfümierte Produkte, alkoholhaltige Lösungen, Babyöl, Olivenöl, Hausmittel mit Essig oder ungeprüfte Online-Tipps. Sie können die Haut reizen, das Mikroklima im Ohr stören und im schlimmsten Fall zu Pilz- oder Bakterieninfektionen führen.
So gehst du Schritt für Schritt vor. Stelle dein Pferd ruhig auf einem ebenen, hellen Platz an, idealerweise mit einer Helferin am Strick. Streichle es zuerst am Hals und an den Ganaschen, damit es entspannt bleibt. Lege ein leicht angefeuchtetes Tuch um deine Finger und wische die Innenseite der Ohrmuschel von oben nach unten aus, ohne in den Gehörgang zu fahren. Außenseite und Ohrgrund säuberst du genauso. Trockne die Ohrmuschel anschließend mit einem zweiten, trockenen Tuch ab. Achte besonders darauf, dass kein Wasser in den Gehörgang läuft. Lobe dein Pferd, mache Pausen, arbeite niemals mit Druck oder Zwang. Eine ausführliche Anleitung zu den Pflegeschritten findest du auch in unserem Beitrag Ohrenpflege für Pferde.
Welche Fehler bei der Ohrenreinigung sind wirklich gefährlich?
Der häufigste und folgenschwerste Fehler ist das Entfernen der Tasthaare. Die feinen Borsten am Ohreingang sind kein optisches Manko, sondern ein wichtiger Filter. Sie halten Staub, Pollen, Mücken, Bremsen und kleine Fremdkörper ab. Wer die Haare aus optischen Gründen schneidet, etwa für Turniere, öffnet das Tor für Insekten und Schmutz. In Österreich und Deutschland gilt das Trimmen der Tasthaare zudem als problematisch im Sinne des Tierschutzes. Die Leitlinien der nationalen Veterinärgesellschaften und der FN raten klar davon ab, manche Turnierordnungen verbieten es bereits. Ein Ohrennetz oder eine Fliegenmaske sind die saubere Alternative.
Ein zweiter Klassiker sind Wattestäbchen. Sie schieben Schmutz und Cerumen tiefer in den Gang, drücken Pfropfen vor das Trommelfell und können dieses bei einer ruckartigen Bewegung des Pferdes zerreißen. Genauso riskant sind Hochdruckreiniger oder direkter Wasserstrahl aus dem Schlauch beim Waschen des Kopfes. Wasser im Gehörgang weicht die Haut auf, schafft ein feuchtwarmes Milieu und begünstigt Otitis externa. Auch das Eingießen von Pflegeölen ohne tierärztliche Anordnung ist tabu. Wenn du unsicher bist, ob die Ohren deines Pferdes innen verschmutzt sind, lass es vom Tierarzt mit einem Otoskop kontrollieren statt selbst zu experimentieren.
Wie schützt du die Ohren vor Insekten, Fliegen und Sonne?
Im Sommer werden Pferdeohren zur Zielscheibe für Stechmücken, Kriebelmücken, Bremsen und Schwarzfliegen. Die Insekten setzen sich an die dünne Innenhaut, saugen Blut und übertragen mitunter Hauterkrankungen wie das Sommerekzem. Typische Folgen sind Krusten am Ohrrand, Juckreiz, blutige Schäden und Kopfschütteln. Auch in Österreich nehmen die Beschwerden mit warmen, feuchten Sommern zu, besonders in Regionen mit stehendem Wasser. Die wichtigste Maßnahme ist mechanischer Schutz. Ohrennetze, gut sitzende Fliegenmasken mit Ohrtaschen und atmungsaktive Fliegenhauben halten die Insekten zuverlässig fern, ohne die Tasthaare zu opfern.
Ergänzend kannst du repellierende, für Pferde zugelassene Sprays oder Gele einsetzen. Trage diese mit einem Tuch auf die Außenseite der Ohrmuschel auf, niemals direkt sprühen, weil viele Pferde davor erschrecken. Achte auf Wirkstoffe wie Icaridin oder DEET in tierärztlich freigegebener Konzentration. Bei Pferden mit hellen Ohren oder rosa Pigmentierung ist zusätzlich ein Sonnenschutz wichtig. UV-Strahlung kann am dünnen Ohrrand Sonnenbrände und langfristig sogar Plattenepithelkarzinome auslösen. Eine UV-dichte Maske, Sonnenschutz aus dem Pferdesortiment oder Schatten in der Mittagszeit reduzieren das Risiko deutlich. Wer mehr zur Insektenabwehr im Stall lesen möchte, findet im Ratgeber zur Desinfektion im Pferdestall weiterführende Hinweise zur Hygiene rund um Pferdekopf und Box.

Welche Symptome deuten auf eine Ohrenentzündung hin?
Eine Otitis externa, also eine Entzündung des äußeren Gehörgangs, ist beim Pferd seltener als bei Hund oder Katze, aber keineswegs ausgeschlossen. Auslöser sind Bakterien, Pilze, Ohrmilben (Psoroptes oder Chorioptes), Fremdkörper wie Grannen oder Insektenlarven und mechanische Reizung durch falsche Pflege. Klassische Anzeichen sind häufiges Kopfschütteln, Schiefhaltung des Kopfes, Reiben an der Wand, einseitig zugeklapptes Ohr, übler Geruch aus der Ohrmuschel, Krusten, Eiter oder dunkler Belag und plötzliche Berührungsempfindlichkeit beim Halftern oder Trensen.
Auch Verhaltensänderungen können ein Hinweis sein. Pferde, die ihre Ohren normalerweise locker bewegen, ziehen sie bei Schmerz nach hinten an oder erstarren, sobald jemand Richtung Kopf greift. Manchmal kommen Appetitmangel, Fieber oder eine reduzierte Reitleistung dazu. Ohrmilben äußern sich oft mit beidseitigem Juckreiz, schaufelartigen Bewegungen des Kopfes und sichtbarem braun-grauem Sekret. Bei all diesen Symptomen gilt, sofort den Tierarzt verständigen, nicht selbst spülen oder Salben anwenden. Eine unbehandelte Ohrenentzündung kann ins Mittel- oder Innenohr fortschreiten und Gleichgewichtsstörungen, Facialisparese und chronische Beschwerden verursachen. Wer auf Nummer sicher gehen will, lässt einmal jährlich Ohren, Augen und Zähne im Rahmen der Routinekontrolle anschauen.
Wie gewöhnst du dein Pferd an die Ohrenpflege?
Viele Pferde sind am Kopf empfindlich, einige sogar regelrecht ohrenscheu, etwa wenn sie früher beim Trimmen oder Scheren schlechte Erfahrungen gemacht haben. Mit Geduld und positiver Verstärkung lässt sich das fast immer auflösen. Beginne in einer ruhigen Umgebung ohne Zeitdruck. Streichle dein Pferd zuerst am Hals, dann an der Ganasche, am Genick und schließlich am Ohrgrund. Belohne jede ruhige Reaktion mit Stimme, Kraulen oder einem Stück Karotte. Steigere die Dauer und Tiefe der Berührung schrittweise über mehrere Tage, nicht in einer einzigen Sitzung.
Wenn dein Pferd den Kopf hochreißt oder ausweicht, gehst du einen Schritt zurück, statt zu strafen. Druck verstärkt die Abwehrhaltung. Praktisch hat sich das Clickertraining bewährt, weil du damit gezielt das ruhige Halten am Ohr belohnen kannst. Auch das Auflegen einer Hand, das vorsichtige Umfassen der Ohrmuschel und das Anziehen einer Trense lassen sich so positiv konditionieren. Junge Pferde gewöhnst du am besten von Anfang an behutsam an Berührungen am Kopf. Tipps für die frühe Erziehung und Handarbeit findest du in unserem Ratgeber Jungpferd-Erziehung. Erwachsene Pferde mit massiver Ohrenscheu solltest du gemeinsam mit einer Trainerin und gegebenenfalls einer Tierärztin betreuen, um Schmerzursachen auszuschließen.
Tierärztlicher Blick auf die Ohrenreinigung beim Pferd
Aus tierärztlicher Sicht ist weniger oft mehr. Eine routinemäßige Ohrenspülung beim gesunden Pferd ist nicht nur unnötig, sie ist potenziell schädlich. Wir sehen in der Praxis regelmäßig Pferde mit Otitis externa, deren Halterinnen mit guter Absicht „mal ordentlich saubergemacht“ haben. Das Pferdeohr ist anatomisch so gebaut, dass es sich selbst pflegt. Unsere Aufgabe als Tierärztinnen ist die Diagnostik mit Otoskop oder Endoskop, das Erkennen von Fremdkörpern, die mikroskopische Abklärung bei Verdacht auf Milben, Bakterien oder Pilze und die gezielte Therapie. Das geht in vielen Fällen nur in leichter Sedation, weil das Pferd den Kopf sonst nicht ausreichend ruhig hält und die L-Form des Gehörgangs eine sichere Untersuchung sonst kaum erlaubt.
Wir empfehlen dir folgendes Vorgehen. Halte regelmäßige Sichtkontrolle der äußeren Ohrmuschel bei der täglichen Pflege, achte auf Sauberkeit und Geruch, schütze die Ohren mit Netzen und Masken vor Insekten und UV-Strahlung, lass die Tasthaare stehen und führe einmal jährlich eine veterinärmedizinische Kopfuntersuchung gemeinsam mit Augen-, Zahn- und Allgemeinkontrolle durch. Bei Auffälligkeiten verständige sofort deine Pferdetierärztin. Wenn du noch keine feste tierärztliche Betreuung hast, findest du im Tierärzteverzeichnis von Go4Vet Praxen in deiner Nähe in Österreich und Deutschland. Eine gute Pferdekrankenversicherung kann zudem helfen, Kosten für Diagnostik und Therapie planbar zu halten. Mehr dazu erfährst du auf unserer Seite zur Pferdekrankenversicherung.
Häufige Fragen zur Ohrenreinigung beim Pferd
Quellen
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