Ohrenpflege für Pferde
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Ohrenpflege für Pferde wird oft unterschätzt, dabei sind die Pferdeohren ein hochsensibles Sinnesorgan, das täglich auf Schmutz, Insekten, Pflanzenteile und Milben reagiert. Eine konsequente Routine schützt vor Entzündungen, Tränenfluss, Verhaltensauffälligkeiten beim Reiten und langfristigen Hörschäden. Vor allem im Sommer, wenn Bremsen, Stechmücken und Pollen aktiv sind, brauchen die Ohren mehrmals pro Woche Aufmerksamkeit. Im Winter geht es eher um den Schutz vor Verkrustungen, Eis und Wind. Dieser Ratgeber zeigt dir, wie du die Ohrenpflege deines Pferdes in Deutschland und Österreich richtig planst, welche Hilfsmittel sinnvoll sind, welche Fehler du vermeiden solltest und wann du tierärztliche Hilfe brauchst. Der Inhalt ist tierärztlich überprüft.
Niemals tief in den Ohrkanal eindringen
Reinige nur den sichtbaren, äußeren Teil der Ohrmuschel. Wattestäbchen, lange Tücher oder Sprays direkt im Gehörgang können das empfindliche Trommelfell verletzen und zu schmerzhaften Entzündungen führen. Bei Verdacht auf Ohrenmilben, eitrigem Ausfluss oder verstärktem Kopfschütteln ist eine tierärztliche Untersuchung Pflicht.
Warum ist regelmäßige Ohrenpflege wichtig?
Pferdeohren sind extrem beweglich, fein behaart und damit anfällig für Schmutz, Insekten und Pflanzenteile. In den Sommermonaten setzen Bremsen, Mücken und Pollen die Ohrmuscheln stark zu, im Winter sammeln sich Krusten, Schweiß und Hautschuppen unter dem Stirnhaar. Eine regelmäßige Pflege hat drei Funktionen. Erstens entfernt sie äußeren Schmutz und Insektenrückstände. Zweitens ermöglicht sie eine frühe Sichtkontrolle auf Wunden, Schwellungen, Krusten oder Parasitenbefall. Drittens stärkt sie die Vertrauensbeziehung zwischen dir und deinem Pferd, weil das Pferd lernt, Berührungen am Kopf zu akzeptieren.
Wer die Ohren ignoriert, riskiert chronische Hautentzündungen, Sonnenbrand bei hellen Tieren, Pilzinfektionen, Milbenbefall und Verhaltensauffälligkeiten beim Reiten. Pferde, die plötzlich beim Trensen scheuen, mit dem Kopf schlagen oder das Aufzäumen verweigern, haben oft ein nicht erkanntes Ohrenproblem. Eine kurze tägliche Sichtkontrolle dauert eine Minute und verhindert die meisten dieser Probleme.

Wie sieht eine gesunde Pferdeohrmuschel aus?
Eine gesunde Ohrmuschel ist innen rosa bis hellgrau, gleichmäßig behaart, ohne Krusten, Rötungen, Schwellungen oder Wunden. Die feinen Haare im Eingang des Gehörgangs schützen vor Insekten und Fremdkörpern und sollten in der Regel nicht entfernt werden. Bei besonders starkem Behaarungsmuster im Sommer kann eine vorsichtige Trimmung sinnvoll sein, aber nur am sichtbaren Bereich, nicht im Gehörgang. Die Außenseite der Ohrmuschel ist behaart und sauber, ohne kahle Stellen oder verkrustete Bereiche.
Ungewöhnliche Befunde wie eitriger oder dunkelbrauner Ausfluss, krustige Auflagerungen, starker Geruch, kahle Stellen, Schwellungen oder Empfindlichkeit auf Berührung sind klare Alarmzeichen. Auch ein verstärktes Kopfschütteln, Reiben am Putzplatz oder Kratzen mit den Hinterhufen am Ohr deuten auf Probleme hin. Notiere solche Beobachtungen mit Datum und Foto und wende dich an deinen Pferdetierarzt. Eine Übersicht spezialisierter Praxen findest du im Tierarztverzeichnis von Go4Vet.
Welche Hilfsmittel brauchst du für die Ohrenpflege?
Du brauchst weniger Equipment, als du vielleicht denkst. Ein weiches, sauberes Mikrofasertuch oder ein Stück fusselfreie Baumwolle reicht für die wöchentliche Außenreinigung. Bei stärkerer Verschmutzung kannst du das Tuch leicht mit lauwarmem Wasser oder einer milden, ph-neutralen Reinigungslösung anfeuchten, niemals tropfnass und niemals mit Seife, Alkohol oder Desinfektionsmitteln. Für das Trimmen der Innenhaare im Sommer eignet sich eine kleine, abgerundete Tierschere oder ein leiser Tiertrimmer mit feinem Aufsatz.
Verzichte auf Wattestäbchen im Gehörgang, auf scharfe Reinigungssprays und auf alle Produkte, die nicht ausdrücklich für Pferdeohren freigegeben sind. Spezielle Ohrreinigungslösungen aus dem veterinärmedizinischen Fachhandel sind nur bei tierärztlicher Indikation sinnvoll, etwa bei diagnostiziertem Milbenbefall oder Pilzinfektion. Im Alltag genügt das saubere Tuch, ergänzt durch eine wöchentliche Sichtkontrolle und gegebenenfalls den Einsatz einer Fliegenhaube in der Insektensaison.
Wie reinigst du die Ohren Schritt für Schritt?
Stelle dein Pferd ruhig an, idealerweise mit Halfter und Strick am Putzplatz. Lass es zunächst Zeit, sich zu entspannen, dann beginne mit ruhigen Berührungen am Hals, Genick und Kopf. Streiche von der Stirn aus zum Ohrgrund und massiere die Ohrwurzel sanft. Erst wenn dein Pferd entspannt bleibt, hebst du das äußere Ohr vorsichtig an und reinigst die Innenseite der Ohrmuschel mit dem feuchten Tuch. Wische in kreisenden Bewegungen, ohne Druck und ohne in den Gehörgang einzudringen.
Wiederhole das Vorgehen am zweiten Ohr und kontrolliere danach die Außenseiten und den Bereich hinter den Ohren auf Krusten, Wunden oder Insektenstiche. Belohne ruhiges Verhalten mit Stimme, Streicheln oder einem kleinen Leckerli. Plane für die ersten Pflegeeinheiten zwei bis drei Minuten pro Ohr ein, später reichen oft dreißig Sekunden. Nach Reitausflügen im Gelände lohnt sich eine kurze Sichtkontrolle auf Pflanzenteile, Zecken oder kleine Verletzungen.
Wie oft solltest du die Ohrenpflege durchführen?
Im Sommer empfiehlt sich eine kurze tägliche Sichtkontrolle und eine gründliche Reinigung etwa zwei- bis dreimal pro Woche. Im Winter reicht oft eine wöchentliche Reinigung, ergänzt um Sichtkontrollen nach jedem Ausritt. Bei sehr empfindlichen Pferden, hellen Tieren mit Sonnenbrandgefahr oder Pferden mit Headshaking-Syndrom kann eine intensivere Routine sinnvoll sein. Sprich das individuelle Pflegekonzept mit deinem Pferdetierarzt ab, gerade wenn dein Pferd in der Vorgeschichte bereits Ohrenprobleme hatte.
Junge Pferde gewöhnen sich schneller an die Ohrenpflege, wenn du früh damit beginnst. Schon Fohlen profitieren von ruhigen Berührungen am Kopf, das erleichtert später jede Behandlung beim Tierarzt. Vertiefe das Thema im Beitrag zur Fohlenaufzucht und zum Jungpferd anreiten. Auch die Bodenarbeit mit dem Jungpferd bietet ideale Gelegenheiten, das Berühren des Kopfes positiv zu konditionieren.
Welche typischen Erkrankungen treten am Pferdeohr auf?
Die häufigsten Probleme sind Ohrenmilben (Psoroptes cuniculi), bakterielle und Pilzinfektionen der äußeren Ohrmuschel, Sonnenbrand bei hellfarbigen Pferden, Insektenstiche mit Schwellungen, kleine Verletzungen durch Tritte oder Bisse von Artgenossen und das sogenannte Aural Plaque, eine virale Hautveränderung mit weißlichen, schuppigen Auflagerungen. Auch Headshaking-Symptome können ihren Ursprung im Ohr haben, etwa durch chronische Reizungen oder neurologische Empfindlichkeiten.
Ohrenmilben äußern sich in starkem Juckreiz, Kopfschütteln, Krusten und braun-schwarzem Sekret im Gehörgang. Sie sind sehr ansteckend und müssen tierärztlich behandelt werden, oft mit speziellen Akariziden. Bakterielle Infektionen riechen unangenehm und gehen mit eitrigem Ausfluss einher, hier ist ein Antibiogramm sinnvoll. Sonnenbrand zeigt sich an geröteten, später schuppenden Ohrspitzen und betrifft besonders Schimmel und Schecken. Schutz bietet eine UV-Fliegenhaube oder ein Sonnenschutzbalsam für Tiere.
Wie unterscheidet sich die Ohrenpflege bei Fohlen, Sportpferd und Senior?
Fohlen brauchen vor allem Berührungstraining. Plane in den ersten Lebenswochen tägliche kurze Massagen am Kopf, am Genick und sanftes Anfassen der Ohrwurzeln. So konditionierst du das Pferd früh positiv auf jede spätere Behandlung beim Tierarzt oder bei der Pflege. Achte darauf, dass kein Druck und keine Hektik im Spiel sind. Vertiefe das Thema im Beitrag zur Fohlenaufzucht und zum Absetzen vom Muttertier.
Sportpferde im aktiven Turnier- oder Trainingseinsatz brauchen eine intensive Pflegeroutine, weil Schweiß, Sand und Hallenstaub die Ohren stärker belasten. Eine zusätzliche Sichtkontrolle nach jedem Training, insbesondere im Frühjahr und Sommer, beugt Insektenstichen und Hautreizungen vor. Senioren über zwanzig Jahre haben oft eine empfindlichere Haut, eine geringere Insektenabwehr und neigen vermehrt zu Aural Plaque oder Hautveränderungen. Hier ist eine besonders sanfte Reinigung mit weichem Tuch und keinerlei chemischen Produkten Pflicht.

Wann solltest du tierärztliche Hilfe holen?
Suche zeitnah einen Pferdetierarzt auf, wenn du eines der folgenden Symptome bemerkst. Eitriger oder dunkelbrauner Ausfluss aus dem Gehörgang, starker unangenehmer Geruch, Schwellungen oder Knoten an der Ohrmuschel, plötzliches starkes Kopfschütteln, dauerhaftes Reiben am Putzplatz, kahle Stellen mit Krusten, einseitig hängendes Ohr oder Verhaltensauffälligkeiten beim Trensen oder Aufzäumen. Auch wenn dein Pferd auf Berührungen am Ohr stärker reagiert als sonst, lohnt eine professionelle Abklärung.
Versuche niemals, mit Hausmitteln, Hundeohrentropfen oder Wattestäbchen tief im Gehörgang zu behandeln. Du riskierst Verletzungen, Verschlimmerungen und einen langwierigen Heilungsverlauf. Eine tierärztliche Untersuchung umfasst eine Otoskopie, gegebenenfalls Abstrich für Bakterien, Pilze oder Milben, und eine gezielte Therapie. Eine Übersicht spezialisierter Pferdepraxen in Deutschland und Österreich findest du im Tierarztverzeichnis von Go4Vet.
Welche saisonalen Besonderheiten solltest du beachten?
Im Frühjahr beginnt die Insektensaison. Stelle frühzeitig Fliegenhauben bereit, kontrolliere die Ohren öfter und beobachte erste Reaktionen auf Pollen und Bremsen. Im Sommer ist die wichtigste Phase. Plane mehrere wöchentliche Reinigungen, schütze hellfarbige Pferde vor UV-Strahlung und reduziere Weidezeiten in den Mittagsstunden. Im Herbst lassen die Insekten nach, dafür steigt die Verletzungsgefahr durch Stoppelfelder, herabhängende Äste und nasse Vegetation, gerade beim Geländeritt.
Im Winter geht es um den Schutz vor Eis, Wind und Verkrustungen. Pferde mit langem Stirnhaar oder Mähnenpartien um die Ohren sammeln Schmutz, Heu und Hautschuppen schneller. Eine wöchentliche, ruhige Reinigung mit feuchtem Tuch reicht meist aus. Achte beim Aufzäumen darauf, dass keine vereisten Stellen die Trense an den Ohrwurzeln drücken. Bei Schneeschauern auf langen Ausritten lohnt eine wasserabweisende Stirnbinde unter der Trense.
Wie integrierst du Ohrenpflege in den Stallalltag?
Ohrenpflege funktioniert am besten als feste Routine, nicht als Ausnahme. Plane sie direkt nach dem Putzen ein, bevor du satteltest oder das Halfter ablegst. So wird sie zur Selbstverständlichkeit, dein Pferd lernt sie als Teil der täglichen Beziehung kennen, und du kannst Veränderungen frühzeitig bemerken. Eine Stoppuhr hilft am Anfang, ist später überflüssig.
Stelle dir eine kleine Pflegestation am Putzplatz zusammen, mit zwei Mikrofasertüchern, einer Sprühflasche mit lauwarmem Wasser, einem kleinen Notizblock für auffällige Beobachtungen und einer Liste der wichtigsten Symptome. So hast du alles griffbereit und musst nicht jedes Mal in den Putzkasten suchen. Bei mehreren Pferden im selben Stall lohnt sich ein gemeinsames Pflegeprotokoll, weil Ohrenmilben und Pilzinfektionen sich schnell ausbreiten können. Eine kurze Notiz pro Pferd („Ohren ok, Datum, Initialen“) reicht völlig aus.
Tierärztlicher Blick
Aus tierärztlicher Sicht ist die Ohrenpflege ein einfacher, aber zentraler Baustein der Pferdegesundheit. Wir sehen in der Praxis regelmäßig vermeidbare Ohrenmilbenausbrüche, weil ganze Stallgruppen nicht regelmäßig kontrolliert wurden, oder schwere Sonnenbrandschäden bei hellfarbigen Pferden ohne UV-Schutz. Die wichtigsten Regeln sind klar. Tägliche Sichtkontrolle, wöchentliche Außenreinigung mit feuchtem Tuch, kein Eindringen in den Gehörgang, frühzeitige tierärztliche Vorstellung bei Auffälligkeiten und konsequenter Insektenschutz im Sommer.
Wir empfehlen aus klinischer Sicht zusätzlich eine ausgewogene Mineralstoffversorgung, weil Mängel an Zink, Kupfer und essenziellen Fettsäuren die Hautbarriere schwächen. Hintergrund findest du in den Ratgebern zur Fütterungsempfehlung Pferd und zu Vitamine fürs Pferd. Plane Ohrenpflege als festen Teil der wöchentlichen Pflegeroutine ein, gemeinsam mit Hufkontrolle, Zähnen und der saisonalen Stallhygiene. Wer regelmäßig auf die kleinen Details achtet, vermeidet die großen Probleme.
Im Verbund mit einer guten Fliegenhaube, einer sauberen Stallumgebung und einer ausgewogenen Fütterung ist die Ohrenpflege ein einfaches, aber sehr wirkungsvolles Werkzeug, um deinem Pferd langfristig Wohlbefinden, Reitfreude und Gesundheit zu sichern. Sprich beim nächsten Routinetermin deinen Pferdetierarzt an, ob er ein individuelles Pflegekonzept für dein Tier empfiehlt, gerade bei Vorerkrankungen, hellfarbigem Fell oder bekanntem Headshaking-Syndrom. Eine kleine Investition in fünf Minuten Beratung beim Impftermin spart oft viele Euro für spätere Behandlungen und schützt dein Pferd vor unnötigem Leid.
Häufige Fragen zur Ohrenpflege beim Pferd
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