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Fütterungsempfehlung fürs Pferd: Individuelle Ration finden

Fütterungsempfehlung fürs Pferd: Individuelle Ration finden

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Eine Fütterungsempfehlung Pferd ist immer individuell. Sie richtet sich nach Gewicht, Alter, Rasse, Arbeitspensum, Haltungsform und Gesundheitsstatus deines Pferdes. Ein Sportpferd im schweren Training braucht völlig andere Rationen als ein Robustpony auf der Sommerweide oder ein alter Wallach mit Cushing. Die Grundlage jeder gesunden Fütterung ist hochwertiges Raufutter wie Heu oder Heulage, ergänzt durch bedarfsgerechtes Mineralfutter und bei Bedarf Kraftfutter. In Deutschland und Österreich gelten die Fütterungsempfehlungen der Gesellschaft für Ernährungsphysiologie (GfE) als Standard, ergänzt durch Empfehlungen der Veterinärmedizinischen Universität Wien und des amerikanischen NRC-Standards.

Raufutter ist die Basis

Mindestens 1,5 Kilogramm Heu pro 100 Kilogramm Lebendgewicht solltest du täglich anbieten, idealerweise verteilt auf vier oder mehr Mahlzeiten. Lange Fresspausen über vier Stunden begünstigen Magengeschwüre und Verhaltensprobleme.

Wie viel Raufutter braucht dein Pferd täglich?

Raufutter ist das Fundament jeder Pferdefütterung. Die Mindestmenge liegt bei 1,5 Kilogramm Heu (in der Trockenmasse) pro 100 Kilogramm Lebendgewicht. Ein 600-Kilogramm-Warmblut benötigt also mindestens neun Kilogramm Heu täglich. In der Praxis wird oft mehr gefüttert, um lange Fresspausen zu vermeiden. Robustpferde und Ponys mit gesundem Stoffwechsel können bis zu zwei Kilogramm pro 100 Kilogramm Lebendgewicht erhalten, sollten dann aber spätreifes, energiearmes Heu bekommen.

Wichtig ist, das Heu auf vier bis sechs Mahlzeiten pro Tag zu verteilen, idealerweise mit Heunetzen oder Slow-Feedern, die das Fresstempo verlangsamen. So kommst du näher an die natürliche Fresszeit von zwölf bis 16 Stunden täglich heran. Heu sollte staubarm, gut riechen und keine Schimmelnester aufweisen. Eine Heuanalyse durch ein landwirtschaftliches Labor kostet etwa 25 bis 80 Euro und liefert dir präzise Werte zu Energie, Eiweiß, Zucker und Mineralien. Mehr Tipps zum Thema Heu findest du im Ratgeber Pferde Heu.

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Welche Rolle spielt Saftfutter in der Pferderation?

Saftfutter ergänzt das Raufutter um Vitamine, Wasser und Geschmack. Klassische Vertreter sind Karotten, Äpfel, rote Rüben oder gedämpfte Kartoffeln. Pro 100 Kilogramm Lebendgewicht solltest du nicht mehr als 0,5 Kilogramm Saftfutter pro Tag geben. Bei einem Großpferd sind das etwa drei Kilogramm Karotten, idealerweise auf zwei bis drei Mahlzeiten verteilt. Saftfutter darf nie der einzige Energieträger sein und ersetzt kein Raufutter.

Vorsicht ist bei Pferden mit EMS, Cushing oder Hufreheneigung geboten. Karotten und Äpfel enthalten zwar weniger Zucker als oft befürchtet, in größeren Mengen können sie den Insulinspiegel jedoch beeinflussen. Bei stoffwechselauffälligen Pferden solltest du den Saftfutteranteil reduzieren oder mit dem Tierarzt abstimmen. Auch verfaulte oder gefrorene Karotten gehören nicht in die Krippe, sie können Koliken auslösen. Eine ausführliche Übersicht findest du im Ratgeber Saftfutter.

Wann ist Kraftfutter notwendig?

Kraftfutter wie Hafer, Gerste, Mais, Müsli oder Pellets liefert konzentrierte Energie. Es ist nur dann nötig, wenn dein Pferd seinen Energiebedarf über Raufutter und Saftfutter nicht decken kann. Für ein Freizeitpferd mit moderatem Training (drei bis vier Stunden Sattel pro Woche) reicht oft Heu plus Mineralfutter aus. Sportpferde, Zuchtstuten in der Laktation oder magere Senioren benötigen zusätzlich Kraftfutter, um genügend Kalorien aufzunehmen.

Hafer ist der traditionelle Klassiker und gilt als besonders gut verdaulich. Pro Mahlzeit solltest du nicht mehr als 0,5 Kilogramm pro 100 Kilogramm Lebendgewicht füttern, also maximal drei Kilogramm bei einem Großpferd. Größere Portionen überfordern den Magen und führen zu unverdauter Stärke im Dickdarm, was Koliken und Hufrehe begünstigt. Müslis und Pellets sind oft mit Mineralien und Vitaminen angereichert, achte auf den Zucker- und Stärkegehalt und auf den Faserzusatz. Mehr zum Thema findest du in den Ratgebern Hafer fürs Pferd und Energiefutter für Pferde.

Welche Mineralien und Vitamine brauchen Pferde?

Heu allein deckt selten den vollständigen Mineral- und Vitaminbedarf. Vor allem Zink, Kupfer, Selen, Mangan und Vitamin E sind oft unterversorgt. Eine Mineralfutter-Ergänzung gehört deshalb in jede Ration. Die Tagesdosis liegt je nach Produkt bei 50 bis 100 Gramm pro Großpferd, gemischt ins Kraftfutter oder ins angefeuchtete Heucobs-Mash. Bei reiner Raufutter-Diät solltest du das Mineralfutter mit etwas Apfelmus, eingeweichten Heucobs oder einem kleinen Schluck Öl anbieten.

Wichtig ist, dass Calcium und Phosphor im richtigen Verhältnis stehen, idealerweise zwischen 1,5 und 2 zu 1. Heu mit hohem Lupinen- oder Luzerneanteil hat oft viel Calcium, Hafer im Gegenzug viel Phosphor, sodass du beim Mischen aufpassen solltest. Vitamin E ist besonders bei Pferden ohne Weidegang oder mit Muskelproblemen wichtig, hier helfen ergänzende Präparate von 1.000 bis 3.000 Internationale Einheiten pro Tag. Bei selenarmen Böden in Deutschland und Österreich ist eine Blutkontrolle sinnvoll, um Über- oder Unterversorgung zu vermeiden. Auch das Verhältnis von Magnesium zu Calcium und der Gehalt an Biotin spielen eine wichtige Rolle für Hufqualität und Muskelfunktion. Plane Mineralfuttergaben über mindestens drei Monate konstant, denn punktuelle Kuren bringen meist keine messbaren Effekte. Eine genaue Übersicht bietet der Ratgeber Vitamine Pferd.

Wie berechnest du eine konkrete Tagesration?

Die individuelle Berechnung beginnt mit dem Gewicht. Wiege dein Pferd auf einer Pferdewaage oder schätze es mit einem Maßband nach der Carroll-und-Huntington-Formel. Multipliziere dann den Energiebedarf je nach Arbeit. Ein Erhaltungsbedarf liegt bei etwa 0,55 Megajoule verdaulicher Energie pro Kilogramm Lebendgewicht. Ein 600-Kilogramm-Warmblut in moderater Arbeit braucht rund 80 bis 95 Megajoule pro Tag, ein Hochleistungssportpferd 110 bis 140 Megajoule.

Im zweiten Schritt teilst du diesen Bedarf auf Raufutter, Saftfutter und gegebenenfalls Kraftfutter auf. Mindestens 60 Prozent der Energie sollten aus Raufutter kommen, idealerweise sogar 70 bis 80 Prozent. Eine Beispielration für ein 600-Kilogramm-Pferd in moderater Arbeit könnte so aussehen: zwölf Kilogramm Heu, ein Kilogramm Karotten, ein Kilogramm hochwertiges Müsli und 90 Gramm Mineralfutter. Bei höherem Bedarf ergänzt du Hafer, Heucobs oder Öl. Ein Tierernährer oder dein Tierarzt kann eine individuelle Ration mit Software wie Pegasus Plus oder Equirate erstellen.

Welche Fütterungsfehler solltest du vermeiden?

Die häufigsten Fehler sind zu wenig Raufutter, zu lange Fresspausen, zu viel Stärke pro Mahlzeit und zu wenig Mineralisierung. Ein Pferd, das nur zwei oder drei Kilogramm Heu pro Tag bekommt, entwickelt mit hoher Wahrscheinlichkeit Magengeschwüre, Verhaltensprobleme und Stoffwechselstörungen. Auch Übergewicht durch zu viel Saft- und Kraftfutter ist ein Massenproblem in Mitteleuropa, besonders bei Robustpferden mit leichtem Stoffwechsel.

Weitere Fehler: kalter Mash im Winter, Kraftfutter direkt vor schwerer Arbeit, abrupte Futterumstellung, Fütterung verschimmelten Heus, ungewaschene Heucobs ohne Einweichzeit oder das Vergessen einer Salzleckmasse. Achte auch auf den Wasserbedarf: Pferde trinken 20 bis 40 Liter pro Tag, in der Hitze oder bei harter Arbeit deutlich mehr. Frostfreie Tränken sind im Winter Pflicht. Mehr zur Sauberkeit im Stallbereich findest du im Ratgeber zur Desinfektion im Pferdestall.

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Wie passt du die Ration an Sondersituationen an?

Pferde haben in bestimmten Lebensphasen besondere Bedürfnisse. Tragende Stuten ab dem achten Trächtigkeitsmonat brauchen mehr Energie, Eiweiß und Calcium. In der Laktation steigt der Bedarf nochmals deutlich, denn Stuten produzieren bis zu 20 Liter Milch pro Tag. Hier sind hochwertige Ergänzungsmischungen mit Aminosäuren wie Lysin und Methionin sinnvoll, ergänzt durch viel Raufutter. Mehr im Ratgeber Fohlen Aufzucht.

Senioren über 20 Jahre haben oft schlechte Zähne, ein verändertes Darmmilieu und einen erhöhten Eiweißbedarf. Hier helfen eingeweichte Heucobs, hochwertige Senior-Mashes und ergänzende Öle. Pferde mit Cushing oder EMS brauchen zucker- und stärkearme Rationen mit unter zehn Prozent Wasserlöslichen Kohlenhydraten im Heu, Bewegungsmanagement und meist Medikamente. Sportpferde im schweren Training bekommen mehr Hafer oder Müsli, immer aufgeteilt auf vier oder mehr Mahlzeiten, plus Elektrolyte nach starkem Schwitzen. Bei jeder Sondersituation lohnt eine Blutuntersuchung und ein Gespräch mit einer auf Pferdeernährung spezialisierten Fachkraft.

Welche Rolle spielen Wasser, Salz und Weide?

Wasser ist das wichtigste Nährmittel überhaupt. Ein erwachsenes Großpferd trinkt 20 bis 40 Liter pro Tag, bei Hitze, Schwitzen oder hohem Heuanteil deutlich mehr. Stelle frisches Wasser dauerhaft zur Verfügung, idealerweise über eine Selbsttränke mit Schwimmer oder einen großen sauberen Wassertrog. Im Winter sind frostfreie Tränken Pflicht, viele Pferde reduzieren bei kaltem Wasser ihre Aufnahme stark, was Schlundverstopfung und Kolik begünstigt. Eine Salzleckmasse mit reinem Natriumchlorid sollte ständig verfügbar sein. Pferde regulieren ihren Salzbedarf weitgehend selbst, bei starkem Schwitzen helfen zusätzlich Elektrolytgaben mit Natrium, Kalium, Chlorid und Magnesium.

Die Weide ist im Frühjahr und Sommer eine zentrale Energiequelle, gleichzeitig auch das größte Risiko. Junges Gras enthält viel Zucker und Eiweiß, das überfordert empfindliche Stoffwechseltypen schnell. Beginne im Frühjahr mit dem Anweiden in kleinen Schritten, etwa 15 Minuten am ersten Tag und steigere täglich um zehn bis 20 Minuten. Nach zwei bis drei Wochen ist der Pansen, also der Dickdarm und das Mikrobiom, an die neue Grünflora angepasst. Bei Robustpferden, EMS-Patienten oder Hufrehe-Risikotieren solltest du die Weidezeit dauerhaft begrenzen, mit einer Maulkorb-Lösung oder einer reinen Magerweide arbeiten. Auch im Herbst, nach Frostnächten mit Sonnentagen, steigt der Fruktangehalt im Gras stark an, das ist eine bekannte Auslöserperiode für Hufrehe.

Tierärztlicher Blick

Aus tierärztlicher Sicht ist die Fütterung das Wichtigste für die Gesundheit deines Pferdes. Studien der Veterinärmedizinischen Universität Wien zeigen, dass über 60 Prozent aller Magengeschwüre durch falsche Fütterung verursacht werden, vor allem durch zu wenig Raufutter und zu viel Stärke pro Mahlzeit. Auch Hufrehe, Cushing-Folgeschäden und chronische Koliken hängen eng mit der Ration zusammen. Lass mindestens einmal jährlich ein Blutbild machen, ergänzt durch eine Heu- und Mineralanalyse. Bei jedem Wechsel der Lebensphase, etwa nach Trainingspausen, Trächtigkeit oder ab dem 20. Lebensjahr, solltest du die Ration neu berechnen lassen. Auch ein Body-Condition-Score (Skala 1 bis 9) hilft dir, das Gewicht im Blick zu behalten. Ideal sind Werte zwischen vier und sechs. Sprich frühzeitig mit deinem Tierarzt über mögliche Anpassungen, denn Fütterungsschäden sind oft erst Monate später sichtbar. Auch das Mikrobiom des Dickdarms reagiert empfindlich auf Veränderungen, deshalb braucht jede Futterumstellung mindestens zwei Wochen Zeit für eine schrittweise Anpassung der Bakterienflora.

Welche Hilfsmittel und Profi-Tools unterstützen dich?

Die Pferdeernährung wirkt komplex, ist aber mit den richtigen Hilfsmitteln gut planbar. Zur Gewichtserfassung gibt es Maßbänder mit Carroll-und-Huntington-Formel oder Pferdewaagen in einigen Reitställen und Tierkliniken. Für die Rationsberechnung gibt es kostenlose und kostenpflichtige Tools wie Pegasus Plus, Equirate, FuttersmART oder die GfE-Tabellen. Eine Heuanalyse über ein landwirtschaftliches Labor liefert dir Energie-, Eiweiß-, Zucker- und Mineralwerte und ist die Grundlage für jede individuelle Berechnung.

Für die Praxis im Stall sind Heunetze, Slow-Feeder und mobile Krippen wertvoll. Wiege dein Heu mindestens einmal pro Woche, denn die Schätzung mit dem Auge liegt oft um 20 bis 30 Prozent daneben. Auch Kraftfutter solltest du portionsweise abwiegen, nicht mit dem Becher schätzen. Eine Salzleckmasse mit Natriumchlorid (oder ein angereicherter Mineralleckstein) gehört in jede Box und auf die Weide. Für komplexe Sonderdiäten lohnt sich der Kontakt zu einem zertifizierten Pferdeernährungsberater. In Deutschland und Österreich gibt es entsprechende Ausbildungsgänge an den Hochschulen, die Beratung kostet zwischen 80 und 200 Euro pro Stunde und spart langfristig deutlich höhere Tierarztkosten.

Häufige Fragen zur Fütterungsempfehlung Pferd

Wie viel Heu braucht ein Großpferd pro Tag?
Mindestens 1,5 Kilogramm Heu pro 100 Kilogramm Lebendgewicht, also etwa neun bis zwölf Kilogramm bei einem 600-Kilogramm-Pferd, verteilt auf mehrere Mahlzeiten.
Brauchen Freizeitpferde Kraftfutter?
Bei moderatem Training und gutem Heu reicht oft eine Kombination aus Raufutter, Saftfutter und Mineralfutter. Kraftfutter ist nur nötig, wenn der Energiebedarf nicht anders gedeckt werden kann.
Wie oft soll mein Pferd am Tag fressen?
Idealerweise zwölf bis 16 Stunden Fresszeit, verteilt auf mehrere Heugaben oder Dauerangebot über Heunetz und Slow-Feeder. Lange Pausen über vier Stunden solltest du vermeiden.
Welches Mineralfutter ist empfehlenswert?
Wähle ein Mineralfutter mit ausgewogener Kombination aus Zink, Kupfer, Selen, Mangan und Vitamin E. Achte auf einen Calcium-Phosphor-Verhältnis von etwa zwei zu eins und auf Zusätze passend zu deiner Heuanalyse.
Darf ich Brot oder Müsli vom Frühstück füttern?
Brot enthält viel Stärke und Salz, das verträgt der Pferdemagen schlecht. Bleibe bei pferdegerechter Fütterung und verzichte auf Reste vom Familientisch.
Wie stelle ich die Fütterung um, ohne Kolik zu riskieren?
Plane mindestens zwei Wochen für eine Umstellung. Erhöhe das neue Futter täglich um etwa zehn Prozent und reduziere das alte parallel. Bei Heu- und Weidewechsel vorsichtig anweiden mit zunächst 15 bis 30 Minuten täglich.
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