Saftfutter beim Pferd: Karotten, Äpfel, Rote Bete und Co.
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Saftfutter beim Pferd umfasst alle wasserreichen, frischen Futtermittel pflanzlicher Herkunft, die als Ergänzung zu Raufutter und Kraftfutter dienen. Klassische Saftfutter sind Karotten, Äpfel, Rote Bete, Sellerie, Pastinaken, Kürbis, Wassermelone und in kleinen Mengen Bananen oder Birnen. Saftfutter liefert Wasser, Vitamine, Mineralstoffe, Geschmack und Abwechslung. Richtig dosiert ist es eine sinnvolle Bereicherung der Ration. Falsch dosiert kann es Verdauungsprobleme, Zahnschäden oder Stoffwechselbelastungen auslösen.
Was zählt zu Saftfutter beim Pferd?
Saftfutter sind wasserreiche, frische Futtermittel pflanzlicher Herkunft, die im Trockensubstanzgehalt deutlich unter dem von Heu liegen. Während Heu rund 87 Prozent Trockenmasse enthält, liegt eine Karotte bei nur etwa zwölf Prozent. Saftfutter liefert pro 100 Gramm zwischen 25 und 60 Kilokalorien. Verglichen mit 350 Kilokalorien pro 100 Gramm Hafer ist das wenig Energie, dafür viel Wasser, Geschmack, Vitamine und Mineralstoffe.
Klassische Saftfutter sind Karotten (Möhren), Äpfel, Rote Bete, Pastinaken, Sellerie, Topinambur, Kürbis und Zucchini. Auch Wassermelone, Honigmelone, Birnen und in kleinen Mengen Bananen oder Beeren werden gerne genommen. Frisches Gras zählt streng genommen ebenfalls zu Saftfutter, ebenso Silage und Heulage, die fermentiertes Gras mit höherem Wassergehalt sind. Eine Übersicht zu Heu und Heucobs findest du in unseren Beiträgen Pferde-Heu und Heucobs.
Saftfutter wird zur Ergänzung gefüttert, nicht als Hauptkomponente. Die Basis bleibt Raufutter (Heu, Stroh) plus Mineralfutter und je nach Bedarf Kraftfutter. Saftfutter macht in der Ration eines Großpferds maximal fünf bis zehn Prozent der täglichen Trockenmasse aus, also rund 500 Gramm bis ein Kilogramm Trockensubstanz, was etwa zwei bis fünf Kilogramm Frischgewicht entspricht.

Welche Saftfutter sind besonders gut für Pferde?
Karotten sind das beliebteste Saftfutter. Sie enthalten viel Beta-Carotin, eine Vorstufe von Vitamin A, sowie Wasser, Ballaststoffe und einen niedrigen Zuckergehalt von etwa fünf bis sieben Prozent. Eine Tagesmenge von einem bis zwei Kilogramm ist für ein 600-Kilogramm-Pferd unproblematisch. Ältere Pferde mit Zahnproblemen sollten Karotten geraspelt oder in dünne Scheiben geschnitten bekommen, weil ganze Karotten zu Erstickungsgefahr führen können. Mehr findest du im Beitrag Karotten in der Pferdefütterung.
Äpfel liefern Pektine, Vitamin C und Geschmack. Sie enthalten mit etwa zehn Prozent Zucker mehr als Karotten und sollten daher in moderaten Mengen gefüttert werden, höchstens ein bis zwei Äpfel pro Tag. Achte darauf, das Kerngehäuse zu entfernen, weil Apfelkerne in größeren Mengen Blausäure enthalten und bei dauerhafter Aufnahme problematisch sind. Schneide Äpfel in Spalten, damit das Pferd nicht ganze Stücke verschluckt.
Rote Bete, Pastinake und Sellerie sind wertvolle Vitamin- und Mineralstofflieferanten, die du in kleinen Mengen von 100 bis 300 Gramm täglich anbieten kannst. Rote Bete färbt zwar Lippen und Mist rötlich, das ist aber harmlos. Topinambur enthält Inulin, einen präbiotischen Ballaststoff, der die Darmflora unterstützt. Auch er sollte langsam angefüttert und in moderaten Mengen unter 500 Gramm täglich gegeben werden.
Welche Saftfutter sind für Pferde tabu?
Kohlgemüse wie Weißkohl, Rotkohl, Wirsing oder Rosenkohl löst im Pferdedarm starke Gärung mit Gasbildung aus. Schon kleine Mengen können Koliken oder Magenüberblähung verursachen. Auch Brokkoli und Blumenkohl gehören nicht in den Trog. Zwiebeln, Knoblauch, Lauch und alle Lauchgewächse enthalten Schwefelverbindungen, die bei Pferden die roten Blutkörperchen schädigen und zu Anämie führen können. Auch in kleinen Mengen langfristig gefüttert sind sie kritisch.
Tomaten, Paprika und alle Nachtschattengewächse enthalten Solanin und sind giftig für Pferde. Avocado ist hochgiftig und kann tödliche Herzschäden verursachen. Auch unreife oder grüne Kartoffeln und deren Schalen enthalten Solanin und sollten nicht gefüttert werden. Reife, gekochte Kartoffeln werden in der Praxis zwar manchmal gegeben, sind aber stärkereich und insgesamt nicht empfehlenswert. Mehr im Beitrag Kartoffeln in der Pferdefütterung.
Schimmliges, faulendes oder gefrorenes Saftfutter ist tabu. Schimmel produziert Mykotoxine, die Leber und Nieren schädigen. Faulendes Obst gärt im Darm und kann Koliken auslösen. Gefrorene Karotten oder Äpfel können Schlund oder Magen reizen und beim raschen Schlucken zu Schluckbeschwerden führen. Lass Saftfutter im Winter mindestens auf Stalltemperatur kommen, bevor du es anbietest.
Wie dosierst du Saftfutter richtig?
Eine grundsätzliche Faustregel: Maximal ein Prozent des Körpergewichts pro Tag an Saftfutter. Für ein 600-Kilogramm-Pferd sind das sechs Kilogramm Frischgewicht, idealerweise auf zwei bis drei Mahlzeiten verteilt. In der Praxis reichen für die meisten Pferde ein bis drei Kilogramm Saftfutter pro Tag. Mehr als sechs Kilogramm täglich überlasten den Darm, vor allem wenn das Pferd nicht an wasserreiche Ration gewöhnt ist.
Beginne mit kleinen Mengen und steigere langsam. Bei einer neuen Saftfutter-Sorte gibst du am ersten Tag 100 bis 200 Gramm und beobachtest 24 Stunden lang Mist, Verhalten und Allgemeinzustand. Treten weiche Mistapfel, Kotwasser oder Unruhe auf, reduziere die Menge oder verzichte ganz. Erst wenn dein Pferd die Sorte gut verträgt, steigerst du in Schritten von 200 bis 500 Gramm pro Woche bis zur gewünschten Tagesmenge.
Verteile Saftfutter über mehrere Mahlzeiten, statt eine große Portion auf einmal zu geben. Zwei bis drei kleine Portionen sind besser als eine große. Saftfutter eignet sich gut als Belohnung beim Putzen, Beladen oder nach dem Reiten. Zerkleinere immer in mundgerechte Stücke, damit dein Pferd nicht würgen oder schlucken muss. Mehr Hintergrund findest du in der allgemeinen Fütterungsempfehlung.
Wie wirkt Saftfutter auf den Stoffwechsel?
Saftfutter liefert in erster Linie Wasser. Eine Karotte besteht zu 88 Prozent aus Wasser, ein Apfel zu 85 Prozent. Eine Tagesmenge von zwei Kilogramm Karotten bringt also rund 1,75 Liter zusätzliches Wasser ins Pferd. Das ist vor allem im Sommer, bei reiner Trockenfütterung im Winter und bei alten Pferden hilfreich, die weniger trinken. Eine sanfte Zusatzhydrierung über Saftfutter ergänzt die normale Wasseraufnahme.
Daneben liefert Saftfutter Vitamine und Mineralstoffe. Karotten sind reich an Beta-Carotin, Kalium und Folsäure. Äpfel enthalten Vitamin C, Kalium und Pektine. Rote Bete liefert Eisen, Folsäure und Betain. Diese Mikronährstoffe ergänzen die Heuration sanft. Achte aber darauf, dass Saftfutter kein vollwertiger Mineralstofflieferant ist. Ein hochwertiges Mineralfutter bleibt nötig, vor allem für Selen, Zink, Kupfer und Vitamin E. Mehr dazu im Beitrag Mineralstoffe beim Pferd.
Pektine in Äpfeln und Karotten wirken im Dickdarm präbiotisch und unterstützen die Darmflora. Inulin in Topinambur fördert die mikrobielle Vielfalt im Dickdarm. Solche Effekte sind nach drei bis sechs Wochen kontinuierlicher Fütterung messbar und können bei Pferden mit empfindlicher Verdauung oder nach Antibiotikatherapie sinnvoll sein. Mehr findest du im Beitrag Futterberatung.
Wie passt Saftfutter zu EMS, Cushing oder Hufrehe?
Pferde mit EMS, Cushing oder einer Hufrehe-Vorgeschichte brauchen eine zucker- und stärkearme Ration. Bei Saftfutter ist das ein ernstes Thema. Karotten enthalten etwa fünf bis sieben Prozent Zucker, Äpfel zehn Prozent, Bananen 17 Prozent. Bei diesen Pferden gilt die Regel: kleine Mengen, idealerweise unter 500 Gramm pro Tag und nur als seltene Belohnung statt täglicher Ration. Karotten in Scheiben sind vorzuziehen, weil das Pferd sie länger kaut und der Insulinanstieg moderat bleibt.
Rote Bete und Topinambur enthalten ebenfalls Zucker, sind aber moderater und können in kleinen Mengen gegeben werden. Wassermelone, Banane und Trauben sollten bei stoffwechselkranken Pferden komplett vermieden werden. Wenn du unsicher bist, ob ein bestimmtes Saftfutter zu deinem Pferd passt, frag deinen Tierarzt oder hole eine professionelle Rationsberatung ein. Mehr Hintergrund findest du im Beitrag Alte Pferde richtig füttern.
Bei akuter Hufrehe ist jegliches zuckerhaltige Saftfutter tabu. Beschränke dich in der akuten Phase auf gewässertes Heu, ein hufrehe-geeignetes Spezialmüsli und Mineralfutter. Saftfutter wird erst wieder eingeführt, wenn das Pferd klinisch stabil ist und der Insulinwert sich normalisiert hat. Eine engmaschige Begleitung durch einen spezialisierten Tierarzt ist dabei zwingend.

Wie lagerst und bereitest du Saftfutter richtig vor?
Saftfutter sollte frisch sein. Karotten und Äpfel kannst du bei zwei bis acht Grad Celsius im Kühlraum oder Keller mehrere Wochen lagern. Sammelware vom Bauern hält länger als gewaschene Supermarktware. Achte auf einen luftigen, dunklen Lagerort und entferne welkes oder schimmlig gewordenes Material sofort. Vor der Fütterung kontrollierst du jede Portion auf Schimmel, faule Stellen und Verfärbungen.
Wasche das Saftfutter vor der Fütterung, vor allem bei konventionellem Anbau, weil Pestizidrückstände auf der Schale haften können. Bei Karotten kannst du das grüne Kraut bedenkenlos mitfüttern, es enthält Vitamine und Geschmacksstoffe. Schneide alles in handgerechte Stücke, idealerweise zwei bis vier Zentimeter lang, weil ganze Karotten oder Äpfel beim hastigen Schlucken im Schlund stecken bleiben können (Schlundverstopfung).
Im Winter solltest du Saftfutter mindestens 24 Stunden vorher in den Stall bringen, damit es nicht gefroren in den Trog kommt. Gefrorenes Obst und Gemüse reizt Maulschleimhaut, Speiseröhre und Magen. Wenn du selbst Karotten anbaust, ernte vor dem ersten Frost oder lass sie im Boden eingegraben mit einer Strohabdeckung. Selbst gezogene Karotten sind oft günstiger und schonen das Budget.
Welche Rolle spielt Saftfutter beim Senior- und Sportpferd?
Bei Senior-Pferden mit eingeschränkter Wasseraufnahme oder Zahnproblemen ist Saftfutter eine sanfte Ergänzung. Geraspelte Karotten oder geriebene Äpfel im Mash erhöhen Wasseraufnahme, Geschmack und Akzeptanz. Achte bei Cushing-Pferden auf den Zuckergehalt und beschränke die Tagesmenge. Mehr im Beitrag Alte Pferde richtig füttern und im Ratgeber Wie viel Wasser braucht ein Pferd.
Sportpferde profitieren von Saftfutter vor allem durch die zusätzliche Wasseraufnahme nach dem Training. Eine Portion gewässerte Heucobs mit ein bis zwei Kilogramm Karottenscheiben hilft bei der Rehydrierung und liefert Kalium, das beim Schwitzen verloren geht. Vermeide großvolumige Saftfuttergaben unmittelbar vor intensiver Belastung, weil ein voller Magen Leistung und Atmung beeinträchtigt. Eine Stunde Pause zwischen Saftfutter und Reiten ist sinnvoll.
In der Trainingsphase nach dem Reiten oder am Ruhetag ist Saftfutter eine gute Ergänzung. Kombiniere mit einem Schluck lauwarmen Wasser, etwas Mash und einem hochwertigen Mineralfutter. Diese Kombination unterstützt Erholung, Verdauung und Muskelaufbau. Mehr Hintergrund liest du in unserem Beitrag zu Energiefutter für Pferde.
Was kostet Saftfutter pro Pferd und Jahr?
Die Kosten hängen stark von der Bezugsquelle ab. Karotten aus dem Großhandel oder direkt vom Bauern liegen in Österreich und Deutschland zwischen 30 und 60 Cent pro Kilogramm. Bei einer Tagesmenge von einem Kilogramm Karotten ergeben sich monatliche Kosten zwischen neun und 18 Euro pro Pferd. Äpfel aus dem Streuobstbestand sind oft kostenlos, im Handel kosten Wirtschaftsäpfel zwischen 80 Cent und 1,80 Euro pro Kilogramm. Rote Bete und Pastinake schlagen mit ein bis zwei Euro pro Kilogramm zu Buche.
Über das Jahr summieren sich die Saftfutterkosten bei moderater Fütterung auf 100 bis 300 Euro pro Pferd. Wer einen eigenen Garten oder Streuobst hat, kann die Kosten deutlich senken. Wirtschaftliche Bezugsquellen sind regionale Bauern, Lagerhaus-Sammelaktionen, Bio-Großhandel oder Direktvereinbarungen mit Gemüsebetrieben über aussortierte Ware. Achte beim Großeinkauf auf eine kühle, dunkle Lagerung, damit die Ware nicht innerhalb weniger Tage verschimmelt.
Tierärztlicher Blick
Saftfutter ist eine sinnvolle, geschmackvolle und gesunde Ergänzung zur Pferdefütterung, sofern Auswahl, Menge und Qualität passen. Aus tierärztlicher Sicht sind die häufigsten Probleme: zu große Mengen auf einmal (Kolikrisiko), ungeeignete Sorten (Kohl, Lauch, Avocado), schimmlige oder faulende Ware und das Verschlucken zu großer Stücke (Schlundverstopfung). Wer diese Punkte beachtet, leistet einen positiven Beitrag zur Pferdegesundheit.
Bei stoffwechselkranken Pferden, Pferden nach Hufrehe, Senioren mit Zahnproblemen oder Pferden mit unklaren Verdauungsproblemen lohnt sich eine Beratung durch eine spezialisierte Praxis oder Futterberatung. Eine Übersicht spezialisierter Praxen findest du auf der Tierarztsuche. Auch eine Kotuntersuchung auf Sand, Parasiten und Verdauungsenzyme kann wertvolle Hinweise liefern, wenn dein Pferd auf bestimmte Saftfuttersorten ungewöhnlich reagiert.
Häufige Fragen zu Saftfutter beim Pferd
Quellen
MSD Veterinary Manual: Feedstuffs for Horses (letzter Zugriff: 4.5.2026)
PubMed: Studien zu Saftfutter und Pferdefütterung (letzter Zugriff: 4.5.2026)
Vetmeduni Wien: Forschungsschwerpunkt Pferdeernährung (letzter Zugriff: 4.5.2026)
FN Pferd Aktuell: Saftfutter in der Pferdefütterung (letzter Zugriff: 4.5.2026)
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