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Alte Pferde richtig füttern: Senior-Ration ab 18 Jahren

Alte Pferde richtig füttern: Senior-Ration ab 18 Jahren

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Alte Pferde richtig füttern bedeutet, eine Ration zu gestalten, die abgenutzte Zähne, eine empfindlichere Verdauung, einen veränderten Energiebedarf und häufig vorhandene Vorerkrankungen wie Cushing, EMS, Arthrose oder Leberprobleme gleichzeitig berücksichtigt. Spätestens ab dem 18. Lebensjahr verändert sich der Stoffwechsel deutlich. Heu wird schwieriger zu kauen, Eiweiß wird weniger effizient verwertet, der Vitaminbedarf steigt, das Immunsystem wird langsamer. Eine Senior-Ration, die auf das individuelle Tier abgestimmt ist, kann Lebensqualität und Lebenserwartung deines Pferdes spürbar verbessern.

Hinweis

Hinweis: Senior-Ration ist Detailarbeit

Es gibt nicht „die eine“ Ration für alte Pferde. Zähne, Stoffwechsel, Bewegung und Gesundheitszustand bestimmen, was dein Pferd braucht. Plane mindestens einmal jährlich eine ausführliche Bestandsaufnahme mit Body Condition Score, Blutbild und Zahncheck.

Ab wann gilt ein Pferd als alt?

Die meisten Pferde werden zwischen 25 und 30 Jahre alt, manche Rassen wie Haflinger, Islandpferde oder Ponys können 35 Jahre und älter werden. Klinisch sprechen wir ab dem 18. Lebensjahr von einem Senior. In dieser Phase verändern sich Zähne, Stoffwechsel und Muskulatur messbar. Mit 22 oder 25 Jahren beginnt die zweite Phase, in der häufig mehrere chronische Erkrankungen gleichzeitig auftreten und die Ration intensiver angepasst werden muss.

Das biologische Alter ist nicht immer mit dem chronologischen Alter identisch. Ein gut gepflegtes 22-jähriges Pferd kann fitter sein als ein vernachlässigtes Zwölfjähriges. Achte auf Indikatoren wie Muskulatur am Rücken, Glanz im Fell, Beweglichkeit beim Aufwärmen, Atemfrequenz nach Belastung und das Aufstehverhalten. Ein müdes, eingefallenes Pferd mit dünnem Schweif und stumpfem Fell hat oft Defizite in der Ration oder einer chronischen Erkrankung.

Mehr zu altersbedingten Veränderungen findest du im Ratgeber Pferdekrankheiten im Alter. Plane gemeinsam mit deinem Tierarzt einen jährlichen Senior-Check, der Bewegungsbild, Zähne, Hufe, Augen, Herz und Lunge sowie ein Stoffwechsel-Blutbild umfasst.

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Welche typischen Probleme treten bei alten Pferden auf?

Das häufigste Problem sind Zahnveränderungen. Backenzähne werden kürzer, Schneidezähne brechen ab, Lücken (Diastemata) entstehen, in denen sich Futter sammelt und Entzündungen verursacht. Das Pferd kann Heu nicht mehr richtig zermahlen, Wickel bilden sich, Heu fällt aus dem Maul. Die Folge sind Gewichtsverlust, Koliken durch grobes Futter und Mangelversorgung. Mehr Hintergrund findest du im Beitrag Zahnpflege beim Pferd.

Daneben treten Stoffwechselprobleme häufig auf. Cushing (PPID) betrifft schätzungsweise jedes vierte Pferd über 18 Jahren, EMS und Insulinresistenz weitere zehn bis 20 Prozent. Diese Erkrankungen verlangen eine zucker- und stärkearme Ration mit kontrollierter Energiezufuhr. Arthrose der Gelenke schränkt die Bewegung ein, was wiederum die Verdauung verlangsamt. Magenprobleme, Lebererkrankungen und Niereninsuffizienz sind weitere Themen, die im Alter häufiger werden.

Drittens verändert sich die Verdauungsleistung. Die Schleimhautoberfläche im Dünndarm wird kleiner, die Eiweißverwertung sinkt, die mikrobielle Aktivität im Dickdarm verlangsamt sich. Senioren brauchen daher höherwertiges Eiweiß mit guter Aminosäureversorgung, leicht verdauliches Faser- und Energiematerial und eine konstante Vorlage von Raufutter über den Tag.

Wie sieht die optimale Senior-Ration aus?

Die Basis bleibt Raufutter. Ein Senior-Pferd braucht pro 100 Kilogramm Körpergewicht etwa 1,5 bis 2,0 Kilogramm Heu pro Tag, also für ein 600 Kilogramm schweres Pferd neun bis zwölf Kilogramm. Wichtig ist die Qualität: weiches, blattreiches, staubarmes Heu mit guter Hygienequalität. Verholztes oder grobes Heu ist für alte Pferde mit Zahnproblemen kaum noch verwertbar. Wenn dein Pferd Heu nicht mehr kauen kann, ersetzt du es durch eingeweichte Heucobs oder Heupellets in entsprechender Menge.

Ergänze Mash, Heucobs oder eingeweichte Pellets als Hauptkomponente. Diese Futter sind weich, leicht zu schlucken und enthalten je nach Produkt zwischen acht und 16 Prozent Eiweiß sowie Mineralstoffe. Mehr dazu liest du im Beitrag Heucobs für Pferde und im Ratgeber Mash beim Pferd. Achte beim Einweichen auf eine breiartige Konsistenz und biete das Futter lauwarm an, vor allem in der kalten Jahreszeit.

Saftfutter wie Karotten, Rote Beete oder Apfel ergänzt die Ration mit Vitaminen, Wasser und Geschmack. Mehr dazu findest du im Beitrag Saftfutter beim Pferd. Achte aber auf zuckerarme Sorten, falls dein Pferd EMS oder Cushing hat. Ein Mineralfutter, abgestimmt auf den Heu-Mineralgehalt deiner Region, sowie eine moderate Ölgabe mit 30 bis 60 Millilitern Leinöl runden die Ration ab. Mehr zur Ölwahl liest du im Beitrag Öl für Pferde.

Wie verteilst du Mahlzeiten und Wassermenge sinnvoll?

Pferde brauchen über den Tag verteilte Mahlzeiten. Bei Senioren ist das noch wichtiger, weil längere Futterpausen den Magen belasten und Verdauungsprobleme verstärken. Ideal sind drei bis fünf Hauptmahlzeiten plus durchgängige Heu- oder Heucobs-Vorlage. Wenn dein Pferd in der Box steht, organisiere ein Heunetz oder eine Slow-Feeder-Lösung, damit es konstant kauen kann. Im Offenstall mit ausreichender Heuraufung verteilt sich das Fressen ohnehin gleichmäßig.

Wasser ist im Alter ein zentrales Thema. Senioren trinken oft weniger, weil das Schlucken beschwerlicher wird, das Wasser zu kalt ist oder die Tränke schwer erreichbar liegt. Pro Tag braucht ein 600-Kilogramm-Pferd 25 bis 40 Liter Wasser, im Sommer und bei Trockenfütterung mehr. Biete im Winter angewärmtes Wasser an, prüfe Tränken täglich auf Sauberkeit und stelle bei kritischen Tieren einen zweiten Eimer auf Augenhöhe bereit. Mehr dazu liest du im Beitrag Wie viel Wasser braucht ein Pferd.

Eingeweichte Mash und Heucobs liefern zusätzlich Wasser. Eine Portion Heucobs nimmt das Drei- bis Vierfache ihres Trockengewichts an Wasser auf, was die Hydrierung sanft unterstützt. Achte auf langsame Anfütterung neuer Komponenten und beobachte die Konsistenz von Mist und Trinkverhalten täglich.

Wie erhältst du Gewicht und Muskulatur im Alter?

Gewichtsverlust ist eines der häufigsten Probleme alter Pferde. Die Ursache ist meist eine Kombination aus Zahn-, Stoffwechsel- und Verdauungsproblemen. Wenn dein Pferd dünn wird, beginne mit einem Body Condition Score (Skala eins bis neun, Zielbereich vier bis sechs für Senioren), einem Zahncheck, einer Wurmkontrolle (Kotprobe), einem Blutbild und einer Auswertung deiner aktuellen Ration. Erst dann veränderst du die Ration gezielt.

Energie kannst du sanft über mehr Heucobs, Mash, eine moderate Ölgabe und ein hochwertiges Senior-Müsli erhöhen. Vermeide reine Stärkefuttergaben wie Hafer in großen Mengen, weil sie den Magen stressen. Eine Eiweißergänzung mit hochwertigen Quellen wie Sojaextraktionsschrot, Erbsenprotein oder Bierhefe unterstützt den Muskelerhalt. Achte besonders auf die Aminosäure Lysin, die im Alter limitierend wirkt.

Muskulatur baut sich nur mit Bewegung auf. Plane je nach Gesundheitszustand tägliche Bewegung in Form von ruhigem Schritt, Dehnübungen, Spazierengehen am Strick oder schonenden Reiteinheiten ein. Längeres Stehen in der Box reduziert die Verdauungsleistung und verstärkt Muskelabbau. Auch Senioren profitieren bis ins hohe Alter von Bewegung, sofern Schmerz und Belastung passen. Mehr Hintergrund findest du im Ratgeber Gelenkpflege beim Pferd.

Wie passt du die Fütterung bei Cushing oder EMS an?

Cushing (PPID) und EMS gehören zu den häufigsten Diagnosen beim älteren Pferd. Beide Erkrankungen verlangen eine Reduktion von Zucker und Stärke in der Ration, weil ein erhöhter Insulinspiegel mit einem höheren Hufrehe-Risiko einhergeht. Heu sollte einen Zucker- und Stärkegehalt unter zehn Prozent in der Trockensubstanz haben. Wenn du das Heu nicht analysieren kannst, hilft Wässern für 30 bis 60 Minuten, um den Zuckergehalt zu reduzieren.

Verzichte auf Müsli mit Melasse oder hohem Getreideanteil. Setze stattdessen auf zuckerarme Senior-Müslis mit Faserkomponenten, Heucobs, eingeweichte Pellets und ein gut abgestimmtes Mineralfutter. Eine moderate Ölgabe ersetzt einen Teil der Energie, ohne den Insulinspiegel zu treiben. Apfel, Karotten und Bananen sollten bei Cushing-Pferden auf kleine Mengen begrenzt werden, idealerweise zerkleinerte Stücke als Belohnung statt großer Portionen.

Bewegung ist auch hier ein zentrales Thema. Tägliche moderate Bewegung verbessert die Insulinempfindlichkeit. Kontrolliere zwei- bis viermal jährlich den Insulin- und ACTH-Wert beim Tierarzt, vor allem im Herbst, wenn ACTH saisonal ansteigt. Bei diagnostiziertem Cushing kommen Medikamente wie Pergolid (Prascend) zum Einsatz, die in Österreich und Deutschland verschreibungspflichtig sind. Mehr Hintergrund auf der Seite Tierarztsuche.

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Welche Mineralstoffe und Vitamine braucht ein Senior?

Der Mineralstoffbedarf bleibt im Alter weitgehend konstant, der Vitaminbedarf steigt jedoch. Vor allem Vitamin E spielt eine Schlüsselrolle, weil es antioxidative Funktionen übernimmt, Muskel und Nerven schützt und mit Selen zusammenwirkt. Ein 600-Kilogramm-Pferd braucht pro Tag etwa 1.500 bis 2.500 Internationale Einheiten Vitamin E. Bei Cushing oder Muskelerkrankungen kann der Bedarf auf 4.000 bis 6.000 Einheiten steigen, dann nach tierärztlicher Abklärung.

Selen ist in Mitteleuropa generell knapp im Heu. Eine Tagesgabe von zwei bis drei Milligramm Selen ist üblich, eine Überdosierung ab fünf Milligramm pro Tag aber problematisch. Lass den Selenstatus über das Blutbild kontrollieren, vor allem bei Pferden mit Muskelproblemen. Zink, Kupfer und Mangan sind weitere wichtige Spurenelemente, die du über ein hochwertiges Senior-Mineralfutter abdeckst.

B-Vitamine produziert das Pferd normalerweise selbst im Dickdarm. Bei alten Pferden mit gestörter Darmflora oder nach Antibiotikabehandlung kann eine Supplementation mit Bierhefe sinnvoll sein. Mehr Detail zu Vitaminen findest du im Beitrag Vitamine für Pferde. Eine individuelle Rationsberatung bietet die Futterberatung.

Was kostet die Senior-Fütterung in Österreich und Deutschland?

Die Mehrkosten für eine Senior-Ration gegenüber einer Standardration liegen je nach Komponentenwahl zwischen 40 und 120 Euro pro Monat. Hauptkostentreiber sind Heucobs, Mash, Senior-Müsli und Mineralfutter. Heucobs kosten in Österreich rund 35 bis 50 Euro pro 25-Kilogramm-Sack, Mash zwischen 28 und 45 Euro pro 15-Kilogramm-Sack, Senior-Müsli 25 bis 40 Euro pro 20-Kilogramm-Sack und gutes Mineralfutter 35 bis 60 Euro für eine Drei-Monats-Packung.

Bei einem typischen Senior-Pferd mit täglichem Bedarf von einem Kilogramm Heucobs, einem halben Kilogramm Mash, 500 Gramm Senior-Müsli, 50 Millilitern Leinöl und Mineralfutter liegen die monatlichen Futterkosten zwischen 150 und 250 Euro, plus Heu von etwa 80 bis 140 Euro. In Summe sind das 230 bis 390 Euro pro Monat für die Fütterung. Hinzu kommen Tierarztkosten für Senior-Checks, die mit ein bis zwei Untersuchungen jährlich rund 200 bis 400 Euro betragen.

Eine Pferdekrankenversicherung deckt je nach Tarif einen Teil der altersbedingten Behandlungskosten ab. Achte beim Abschluss auf Altersgrenzen, weil viele Versicherer ab 18 oder 20 Jahren keine Neuverträge mehr ausstellen. Wer früh abschließt, sichert sich bessere Konditionen.

Wie unterstützt du Hufe und Fellwechsel im Alter?

Mit dem Alter wird das Hornwachstum langsamer, Hufe werden brüchiger, Risse entstehen leichter. Eine optimale Versorgung mit Biotin, Zink, Methionin und schwefelhaltigen Aminosäuren unterstützt das Hornwachstum spürbar. Plane sechs bis neun Monate Geduld ein, weil neues Horn nur etwa fünf bis acht Millimeter pro Monat wächst und ein vollständig neuer Huf zwölf Monate braucht. Regelmäßige Termine beim Hufschmied alle sechs bis acht Wochen halten den Hufmechanismus intakt.

Auch der Fellwechsel im Frühjahr und Herbst ist im Alter anstrengender. Senioren brauchen in dieser Phase mehr Eiweiß, Vitamin E und Spurenelemente. Eine Ergänzung mit Bierhefe und Leinöl unterstützt den Wechsel sanft. Bei Cushing-Pferden mit langem Fell, das nicht abgeworfen wird, kann ein Frühjahresschur helfen, Schwitzen und Hauterkrankungen zu vermeiden. Sprich Schur und Pflege mit deinem Tierarzt ab.

Tierärztlicher Blick

Die Senior-Fütterung ist immer eine individuelle Aufgabe. Standardrationen funktionieren nur eingeschränkt, weil jedes Tier eine eigene Kombination aus Zahnstatus, Stoffwechsel und Vorerkrankungen mitbringt. Plane gemeinsam mit deinem Tierarzt eine jährliche Bestandsaufnahme mit Zahncheck, Body Condition Score, Blutbild (inklusive ACTH und Insulin) und Bewegungsbild. Daraus lässt sich eine maßgeschneiderte Ration ableiten.

Wenn dein Pferd auffällige Symptome wie deutlichen Gewichtsverlust, häufige Koliken, Lahmheit, Atemwegsprobleme oder Wesensveränderungen zeigt, suche eine spezialisierte Praxis auf. Eine Übersicht findest du auf der Seite Tierarztsuche. Auch eine Futterberatung mit Heuanalyse und individueller Rationsberechnung lohnt sich. Sie kostet in Österreich und Deutschland zwischen 80 und 200 Euro und spart langfristig Kosten und Tierleid.

Häufige Fragen zur Fütterung alter Pferde

Ab welchem Alter gilt ein Pferd als Senior?
Klinisch sprechen wir ab dem 18. Lebensjahr von einem Senior. Ab 22 oder 25 Jahren beginnt die zweite Senior-Phase, in der häufig mehrere chronische Erkrankungen gleichzeitig auftreten und die Ration intensiver angepasst wird.
Was füttere ich, wenn mein Pferd kein Heu mehr kauen kann?
Eingeweichte Heucobs oder Heupellets ersetzen Heu eins zu eins, wenn die Trockenmasse der Heuration entspricht. Ergänze Mash, Senior-Müsli, Saftfutter und ein hochwertiges Mineralfutter, plus eine moderate Ölgabe.
Mein Pferd nimmt im Alter ab, was tun?
Beginne mit Body Condition Score, Zahncheck, Wurmkontrolle, Blutbild und Rationsanalyse. Erhöhe Energie sanft über Heucobs, Mash, hochwertiges Eiweiß und Öl. Vermeide große Stärkemengen wie Hafer in einer Mahlzeit.
Welche Vitamine sind für Senioren besonders wichtig?
Vor allem Vitamin E, Selen, Zink und Kupfer. Der Vitamin-E-Bedarf liegt bei 1.500 bis 2.500 Internationalen Einheiten täglich, bei bestimmten Erkrankungen deutlich darüber, dann nach tierärztlicher Abklärung.
Wie viel kostet die Senior-Fütterung pro Monat?
Realistisch bewegen sich die monatlichen Futterkosten zwischen 230 und 390 Euro pro Pferd in Österreich und Deutschland. Tierarztkosten für Senior-Checks kommen mit etwa 200 bis 400 Euro pro Jahr hinzu.
Wie oft soll mein Senior-Pferd zum Tierarzt?
Mindestens einmal jährlich für eine ausführliche Allgemeinuntersuchung. Bei Cushing oder EMS sind zwei- bis viermal jährlich ACTH- und Insulinkontrollen sinnvoll, vor allem im Herbst.
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