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Vitamine beim Pferd: Bedarf, Mangel, Supplementierung

Vitamine beim Pferd: Bedarf, Mangel, Supplementierung

Vitamine beim Pferd sind die kleinen organischen Helfer, die den Stoffwechsel am Laufen halten. Sie steuern Sehkraft, Fellgesundheit, Muskelfunktion, Immunsystem, Fortpflanzung und Wundheilung. Anders als Mineralstoffe lassen sich Vitamine teilweise vom Pferd selbst bilden, etwa Vitamin C in der Leber oder Vitamin K im Dickdarm. Andere Vitamine müssen aber zwingend über die Nahrung aufgenommen werden, sonst entstehen über Wochen und Monate Mängel mit erheblichen Folgen für Gesundheit und Leistungsfähigkeit.

In diesem Ratgeber erfährst du, welche Vitamine dein Pferd wirklich braucht, woran du einen Mangel erkennst, wie du gezielt ergänzt und welche Risiken bei Überdosierung bestehen. Zusätzlich gehen wir auf die Wechselwirkungen mit Mineralstoffen, auf saisonale Besonderheiten und auf die Versorgung in Deutschland und Österreich (AT) ein. Der Inhalt ist tierärztlich überprüft und richtet sich an Halter:innen, die ihre Pferdefütterung systematisch optimieren wollen.

Vitamine Pferd

Frisches Gras ist die beste Vitaminquelle

Pferde, die regelmäßig auf die Weide kommen, decken viele Vitamine über frisches Grünfutter. Vitamin E, Beta-Carotin und Vitamin K verlieren sich aber bereits bei der Heuherstellung erheblich. Stallgebundene Pferde im Winter sind daher häufiger von Vitaminmängeln betroffen als Sommerweidegänger und brauchen oft eine gezielte Ergänzung.

Welche fettlöslichen Vitamine sind beim Pferd wichtig?

Fettlöslich sind die Vitamine A, D, E und K. Sie werden im Körper gespeichert, vor allem in Leber und Fettgewebe, und können bei Überdosierung toxisch wirken. Genau diese Speichermöglichkeit ist gleichzeitig eine Pufferkapazität: Sommerweidegänger legen Vorräte an, die im Winter helfen, Versorgungslücken zu überbrücken.

Vitamin A unterstützt Sehkraft, Hautfunktion, Immunsystem und Fortpflanzung. Pferde nehmen Vitamin A vor allem als Beta-Carotin aus frischem Gras auf und wandeln es in der Leber zu aktivem Vitamin A um. Der Tagesbedarf liegt bei rund dreißig- bis vierzigtausend internationalen Einheiten. Mangel zeigt sich an Nachtblindheit, schlechter Hautqualität und reduzierter Fruchtbarkeit. Stallgebundene Pferde im Winter ohne Frischfutter sind besonders gefährdet, weil Heu nur einen Bruchteil des ursprünglichen Beta-Carotin-Gehalts liefert.

Vitamin D reguliert den Calcium- und Phosphorhaushalt und damit die Knochengesundheit. Pferde bilden Vitamin D primär selbst, wenn sie ausreichend Sonnenlicht bekommen. Der Tagesbedarf liegt bei etwa dreitausend bis siebentausend internationalen Einheiten. Mangel ist bei Pferden mit ständigem Stallaufenthalt im Winter relevant, vor allem bei Boxenhaltung. Folge: Knochenstoffwechselstörungen und reduzierte Calciumaufnahme. Eine Supplementierung sollte nur nach Bluttest erfolgen, weil Vitamin D in Überdosis toxisch wirkt.

Vitamin E ist das wichtigste Antioxidans für die Pferdemuskulatur. Es arbeitet eng mit Selen zusammen und schützt die Zellmembranen vor oxidativem Stress. Der Tagesbedarf liegt zwischen achthundert und zweitausend internationalen Einheiten. Mangel zeigt sich an Muskelverhärtungen, Bewegungsunlust, schlechter Belastbarkeit und Fortpflanzungsstörungen. Heuherstellung zerstört bis zu siebzig Prozent des ursprünglichen Vitamin-E-Gehalts. Stallpferde im Winter brauchen daher meist eine gezielte Supplementierung. Vitamin K schließlich ist für die Blutgerinnung essenziell. Pferde decken den Bedarf weitgehend selbst über die Darmflora. Mangel ist klinisch selten und tritt meist nur nach langer Antibiotika-Therapie oder bei Vergiftungen mit Cumarin-Derivaten auf.

Welche wasserlöslichen Vitamine spielen eine Rolle?

Wasserlöslich sind die B-Vitamine und Vitamin C. Sie werden im Körper kaum gespeichert und müssen daher kontinuierlich zugeführt werden. Bei Überdosierung werden sie über die Niere ausgeschieden, das Risiko einer Vergiftung ist gering.

B-Vitamine unterstützen den Energie-, Muskel- und Nervenstoffwechsel sowie die Hufgesundheit. Sie werden weitgehend von der Darmflora produziert, sofern diese intakt ist. Mangel tritt vor allem bei chronischen Darmerkrankungen, nach Antibiotika-Therapien, bei Stress oder bei einseitiger Fütterung auf. Biotin (Vitamin B7) ist der wichtigste Stellhebel für Hufqualität, die empfohlene Tagesgabe bei Hufproblemen liegt bei zwanzig Milligramm. Die Wirkung wird nach sechs bis neun Monaten sichtbar, weil das gesamte Hufhorn nachwachsen muss. Vitamin B1 (Thiamin) ist im Energie- und Nervenstoffwechsel zentral, ein Mangel zeigt sich an Muskelschwäche und Nervosität. Vitamin B12 (Cobalamin) ist für Blutbildung und Stoffwechsel verantwortlich und wird über Kobalt im Mineralfutter gewährleistet. Folsäure spielt bei Zellteilung und Wachstum eine wichtige Rolle, vor allem für tragende Stuten.

Vitamin C bildet das Pferd selbst in der Leber. Eine Supplementierung ist daher nur bei besonderen Belastungen wie Operationen, schweren Erkrankungen oder hohem Stress sinnvoll. Mangelzustände sind in der Praxis selten und treten meist im Zusammenhang mit anderen Grunderkrankungen auf.

Wie erkennst du einen Vitaminmangel?

Vitaminmangel zeigt sich oft in unspezifischen Veränderungen, die einzeln betrachtet leicht übersehen werden. Brüchige, rissige Hufe deuten auf einen Biotin- oder Vitamin-A-Mangel hin. Stumpfes, glanzloses Fell kann ebenfalls auf einen Vitamin-A- oder Biotin-Mangel hinweisen. Nachtblindheit oder eingeschränktes Sehen in der Dämmerung sind klassische Zeichen eines Vitamin-A-Mangels.

Muskelverhärtungen und schlechte Belastbarkeit deuten auf einen Vitamin-E-Mangel hin, oft in Kombination mit Selenmangel. Schlechte Wundheilung kann durch Vitamin-A-, Vitamin-C- oder Zinkmangel bedingt sein. Verminderte Fruchtbarkeit hängt häufig mit Vitamin-A- oder Vitamin-E-Mangel zusammen. Knochenstoffwechselstörungen sind ein typisches Zeichen für Vitamin-D-Mangel. Nervosität und Muskelzittern können auf B-Vitamin- oder Magnesium-Mangel hindeuten. Vermehrte Infektanfälligkeit schließlich verweist häufig auf eine schlechte Vitamin-A- oder Vitamin-E-Versorgung.

Diese Anzeichen sind keine sicheren Diagnosen, sondern ein Anlass für tierärztliche Abklärung mit Bluttest. Vor allem Vitamin E und Selen lassen sich im Blut zuverlässig messen, andere Vitamine wie Vitamin A oder die B-Vitamine dagegen nur eingeschränkt. Eine Rationsanalyse mit Heuprobe ist oft aussagekräftiger als ein einzelner Laborwert und sollte mit der Tierärztin oder dem Tierarzt besprochen werden.

Welche Pferde sollten besonders auf Vitamine achten?

Stallgebundene Pferde im Winter sind die größte Risikogruppe. Wenig Frischfutter und kein Tageslicht führen häufig zu Unterversorgung mit Vitamin A, D und E. Sportpferde haben einen erhöhten oxidativen Stress und brauchen mehr Vitamin E als Erhaltungspferde. Trächtige und säugende Stuten haben einen erhöhten Bedarf an Vitamin A, E und Folsäure, weil das Fohlen über Plazenta und Milch mitversorgt wird.

Junge Pferde im Wachstum brauchen Vitamin A, D und Biotin in besonders sicher dosierten Mengen, weil Knochenentwicklung, Muskelaufbau und Hufqualität davon abhängen. Senioren verwerten Vitamine schlechter, oft kombiniert mit chronischen Darmproblemen, und brauchen daher hochwertige, gut bioverfügbare Präparate. Pferde nach Antibiotika-Therapie haben eine beeinträchtigte Darmflora, die die Eigenproduktion von B-Vitaminen reduziert. Pferde mit Atemwegserkrankungen profitieren von zusätzlichem Vitamin E als Antioxidans. Stoffwechselsensible Pferde mit EMS oder Cushing brauchen ebenfalls eine gezielte Vitamin-E-Versorgung, idealerweise nach Bluttest.

Wie dosierst du Vitamine sicher?

Die meisten Vitamine sind in hochwertigen Mineralfuttern bereits ausreichend dosiert. Wer ein passendes Mineralfutter in der vom Hersteller empfohlenen Menge füttert, hat in der Regel eine solide Grundversorgung sichergestellt. Bei besonderen Bedürfnissen lohnt sich eine gezielte Ergänzung mit Spezialprodukten, immer in Abstimmung mit der Tierärztin oder dem Tierarzt.

Ein Vitamin-E-Selen-Präparat ist eines der häufigsten Spezialprodukte. Empfohlen wird es für Sportpferde, Atemwegspatienten, Senioren und stallgebundene Pferde im Winter. Tagesgabe: tausend bis dreitausend internationale Einheiten Vitamin E plus ein bis zwei Milligramm Selen, je nach Bluttest-Befund. Achtung: Selen ist in Überdosis toxisch, daher immer mit tierärztlicher Beratung. Biotin für Hufe wird bei brüchigen Hufen, Hornschäden oder schlechter Hufqualität gezielt ergänzt. Empfohlene Tagesgabe: zwanzig Milligramm. Wirkung sichtbar nach sechs bis neun Monaten.

Vitamin D im Winter kann bei Pferden ohne Sonnenexposition nach tierärztlicher Abklärung supplementiert werden. Es ist aber kein Standardzusatz, weil Überdosierung gefährlich werden kann. B-Komplex-Präparate können nach Antibiotika-Therapien oder bei chronischen Darmproblemen die Darmflora und Stoffwechselleistung unterstützen. Tagesgabe je nach Hersteller, meist über vier bis acht Wochen verabreicht.

Welche Risiken bestehen bei Überdosierung?

Fettlösliche Vitamine (A, D, E, K) werden in Leber und Fettgewebe gespeichert. Eine dauerhafte Überdosierung kann toxisch wirken. Besonders kritisch sind Vitamin A und Vitamin D. Symptome einer Vitamin-A-Hypervitaminose sind brüchige Knochen, Hautveränderungen und Lebergewebeschäden. Symptome einer Vitamin-D-Überdosierung sind Calcium-Verkalkungen in Weichteilen und Gefäßen sowie Nierenschäden.

Wasserlösliche Vitamine (B-Komplex, Vitamin C) werden bei Überdosis ausgeschieden, bergen daher ein geringeres Risiko. Bei B12 und Folsäure können dennoch Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten auftreten. Vitamin E hingegen ist auch in höheren Dosen weitgehend unbedenklich, weshalb es eines der häufigsten Supplementprodukte ist. Trotzdem gilt: Mehr ist nicht automatisch besser. Die Dosierung sollte sich am tatsächlichen Bedarf orientieren, nicht am Wunsch nach maximaler Versorgung.

Welche saisonalen Besonderheiten gibt es?

Im Sommer mit Weidegang ist die Vitaminversorgung meist gut. Frisches Gras liefert reichlich Beta-Carotin, Vitamin E, Vitamin K und B-Vitamine. Im Winter kippt die Versorgung schnell, weil Heu deutlich weniger Vitamine enthält als frisches Gras. Empfohlen wird eine saisonale Anpassung der Supplementierung. Von Oktober bis April lohnt sich ein Vitamin-E-Selen-Präparat in einer Dosierung von tausend bis zweitausend internationalen Einheiten Vitamin E pro Tag, vor allem bei stallgebundenen Pferden ohne ausreichende Bewegung.

Von November bis März ist bei stallgebundenen Pferden Vitamin A in Form von Beta-Carotin oder einem Vitamin-A-Konzentrat sinnvoll. Von Januar bis April kann bei wenig Sonnenexposition Vitamin D nach Bluttest ergänzt werden. Im Übergang zur Weidesaison von März bis Mai sollten die Wintervitamin-Supplemente schrittweise reduziert werden, damit die natürliche Versorgung über das Gras die Hauptlast übernehmen kann. Diese saisonalen Anpassungen lohnen sich vor allem für Sport-, Zucht- und Senior-Pferde, weil dort die Spielräume deutlich enger sind als bei Erhaltungspferden.

Worauf achtest du beim Kauf von Vitaminpräparaten?

Eine klare Deklaration der Tagesgabe und der Wirkstoffmenge pro Einheit ist Pflicht. Bei Vitamin E ist die natürliche Form (D-alpha-Tocopherol) deutlich besser bioverfügbar als die synthetische Form (DL-alpha-Tocopherol). Eine gute Stabilisierung ist wichtig, weil Vitamin A und Vitamin E oxidationsanfällig sind. Hochwertige Präparate sind in lichtgeschützten Verpackungen erhältlich und tragen ein klares Mindesthaltbarkeitsdatum.

Auch die Form spielt eine Rolle. Pulver, Pellets, Pasten und flüssige Lösungen unterscheiden sich in Bioverfügbarkeit, Praktikabilität und Akzeptanz. Manche Pferde verweigern Pulver im Müsli, nehmen aber Pellets gerne an. Pasten in der Tube sind für die einmalige Verabreichung vor oder nach Belastung sehr praktisch. In Deutschland und Österreich (AT) sollten Präparate eine klare Hersteller- und Chargenangabe tragen sowie idealerweise eine Beratungshotline anbieten.

Tierärztlicher Blick auf Vitamine beim Pferd

Aus tierärztlicher Sicht ist die Vitaminversorgung beim Pferd ein Bereich, in dem zwei Fehler besonders häufig auftreten. Erstens werden Mängel im Winter und in der Aufstallung oft zu spät erkannt, weil die Symptome unspezifisch sind. Zweitens werden Vitamine ohne Indikation in hohen Dosen ergänzt, was nicht nur Geld kostet, sondern bei den fettlöslichen Vitaminen auch toxisch werden kann. Beides lässt sich mit einer ehrlichen Bestandsaufnahme und einem gezielten Bluttest leicht vermeiden.

Wir empfehlen, einmal pro Jahr ein Blutbild mit Vitamin-E- und Selen-Werten machen zu lassen, idealerweise im späten Winter, wenn die Reserven am tiefsten sind. Auf dieser Basis lässt sich entscheiden, ob und welche Ergänzung sinnvoll ist. Über unsere Tierarztsuche findest du eine spezialisierte Pferdepraxis in deiner Nähe in Deutschland oder Österreich (AT). Eine kurze Beratung ersetzt oft monatelange Eigenexperimente mit teuren Pulvern und Pasten.

Häufige Fragen zu Vitaminen beim Pferd

Welche Vitamine sind für Pferde am wichtigsten?
Vitamin A, D, E und die B-Vitamine sind die zentralen Bausteine. Vitamin E hat besondere Bedeutung für Sport- und stallgebundene Pferde, Vitamin A für die Sehkraft und das Immunsystem, Vitamin D für den Knochenstoffwechsel und die B-Vitamine für Energie- und Hufstoffwechsel.
Brauche ich für mein Pferd Vitaminpräparate?
Ein hochwertiges Mineralfutter deckt die Grundversorgung in der Regel ab. Spezialpräparate lohnen sich bei besonderen Bedürfnissen wie Sport, Zucht, Senioralter, Stallhaltung im Winter oder nach Antibiotika-Therapien, idealerweise nach Bluttest und in Abstimmung mit der Tierärztin oder dem Tierarzt.
Wie erkenne ich einen Vitaminmangel?
Typische Anzeichen sind brüchige Hufe, stumpfes Fell, Muskelverhärtungen, schlechte Wundheilung, reduzierte Belastbarkeit, Nervosität und vermehrte Infekte. Diese Symptome sind unspezifisch und sollten tierärztlich abgeklärt werden, bevor du blind ergänzt.
Kann ich Vitamine überdosieren?
Ja, vor allem die fettlöslichen Vitamine A und D sind in Überdosis toxisch. Vitamin E ist auch in höheren Dosen weitgehend unbedenklich. Wasserlösliche B-Vitamine und Vitamin C werden bei Überdosis ausgeschieden. Halte dich an die Herstellerempfehlungen und arbeite bei Spezialpräparaten mit tierärztlicher Beratung.
Wie hoch ist der Vitamin-E-Bedarf eines Sportpferds?
Der Tagesbedarf liegt je nach Belastung zwischen tausend und zweitausend internationalen Einheiten Vitamin E. Bei sehr hoher Belastung oder bei Atemwegserkrankungen kann er bis zu dreitausend Einheiten erreichen, idealerweise nach Bluttest und in Kombination mit Selen.
Verändert sich der Vitaminbedarf im Winter?
Ja deutlich. Heu liefert deutlich weniger Vitamin E, A, K und B-Vitamine als frisches Gras. Stallgebundene Pferde haben außerdem weniger Sonnenlicht und bilden weniger Vitamin D. Eine saisonale Ergänzung von Oktober bis April ist für viele Pferde sinnvoll.

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