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Cushing beim Pferd (PPID): Symptome, ACTH-Test & Pergolid-Therapie

Cushing beim Pferd (PPID): Symptome, ACTH-Test & Pergolid-Therapie

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Cushing beim Pferd, fachsprachlich Pituitary Pars Intermedia Dysfunction (PPID), ist die häufigste hormonelle Erkrankung älterer Pferde. Schätzungen aus Österreich und der Schweiz gehen davon aus, dass jedes vierte Pferd ab fünfzehn Jahren betroffen ist, ab dem zwanzigsten Lebensjahr sogar jedes zweite. Die Krankheit entsteht in der Hirnanhangdrüse (Hypophyse), genauer in deren Mittellappen, der mit den Jahren entartet und zu viele Hormonvorstufen ausschüttet. Daraus folgen Symptome, die du auf den ersten Blick gar nicht mit einer Stoffwechselerkrankung in Verbindung bringen würdest.

Typisch sind ein verändertes, oft langes und gelocktes Fell, das nicht mehr richtig wechselt, ein hängender Bauch, Muskelschwund über dem Rücken, vermehrtes Trinken und Harnen sowie eine eingeschränkte Leistungsfähigkeit. Die größte Gefahr liegt allerdings nicht im Aussehen, sondern in der dramatisch erhöhten Anfälligkeit für Hufrehe, Infekte und schlechte Wundheilung. Mit einer rechtzeitigen Diagnose und einer lebenslangen Therapie mit Pergolid bleibt dein Pferd oft viele weitere Jahre stabil und arbeitsfähig. In diesem Ratgeber erfährst du, wie du Cushing erkennst, wie die Diagnostik abläuft und worauf du in Fütterung, Haltung und Tierarztkontrollen achten musst. Der Inhalt ist tierärztlich überprüft.

Hinweis

Hufrehe als roter Faden

Bis zu acht von zehn Cushing-Pferden entwickeln im Verlauf der Krankheit eine Hufrehe. Dieses Risiko ist der wichtigste Grund, warum eine Diagnose nicht aufgeschoben werden darf. Wenn du Frühsymptome siehst, lass die Blutwerte zeitnah abnehmen, denn frühe Therapie schützt direkt die Hufe.

Was ist PPID und wie entsteht Cushing beim Pferd?

PPID ist eine altersbedingte degenerative Erkrankung der Pars intermedia der Hypophyse. Im gesunden Pferdegehirn hemmt der Botenstoff Dopamin die Hormonausschüttung in dieser Hirnregion. Mit zunehmendem Alter nimmt die Zahl der dopaminproduzierenden Nervenzellen ab. Ohne diese Bremse schüttet der Mittellappen unkontrolliert verschiedene Hormonvorstufen aus, darunter Adrenokortikotropes Hormon (ACTH), Beta-Endorphin und alpha-MSH. ACTH stimuliert die Nebennieren, mehr Cortisol freizusetzen, was den gesamten Stoffwechsel des Pferdes durcheinanderbringt.

Anders als beim Menschen oder beim Hund liegt bei der Pferdeerkrankung also kein Tumor der Nebenniere vor, sondern eine fortschreitende Funktionsstörung des Hypophysenmittellappens. Aus diesem Grund wird die Erkrankung in der Fachliteratur seit etwa zwei Jahrzehnten konsequent als PPID bezeichnet, der traditionelle Name „Cushing“ hat sich aber im Stallalltag gehalten und beschreibt die gleiche Krankheit. Wichtig zu wissen ist, dass PPID nicht heilbar ist, mit einer guten Therapie aber ähnlich wie eine chronische Schilddrüsenerkrankung beim Menschen jahrelang stabil geführt werden kann.

Die Krankheit kann zwar auch jüngere Pferde treffen, ist aber typischerweise eine Erscheinung der zweiten Lebenshälfte. Ponys und Robustpferderassen wie Haflinger, Norweger und Shetlandpony sind häufiger betroffen als Warmblüter. Wallache und Stuten erkranken etwa gleich oft. Auch Esel zeigen die Erkrankung, hier wird sie noch häufiger übersehen, weil die Tiere meist lange nicht beritten werden und Leistungseinbußen weniger auffallen.

Welche Symptome solltest du kennen?

Das auffälligste Symptom ist die Hypertrichose, ein langes, lockiges Fell, das im Sommer nicht oder nur unvollständig abgeschuppt wird. Manche Pferde behalten ihre Winterfärbung bis weit in den Juni hinein, andere zeigen lange Haare an Beinen, Bauch und Unterhals, während der Rest des Körpers normal aussieht. Diese Hypertrichose tritt allerdings oft erst spät im Krankheitsverlauf auf, sodass die Krankheit längst aktiv ist, wenn du sie an diesem klassischen Zeichen erkennst.

Frühere Hinweise sind subtiler. Dein Pferd trinkt mehr und harnt mehr (Polyurie und Polydipsie), schwitzt schneller oder ungewöhnlich, baut Muskulatur entlang der Wirbelsäule ab, entwickelt einen hängenden Bauch oder lokale Fettpolster an Mähnenkamm, Augenbrauenwülsten und Schulter. Auch chronisch wiederkehrende Hufabszesse, langsame Wundheilung, schlechte Fellqualität, schlechte Maulhygiene mit Zahnfleischentzündungen oder häufige Atemwegsinfekte können erste Anzeichen sein. Manche Pferde wirken müde, verlieren an Trainingsfreude oder sind plötzlich leicht reizbar.

Das gefährlichste Symptom ist die wiederkehrende Hufrehe, die sich oft schleichend entwickelt und zunächst als „komische Bewegung“, als „kürzerer Schritt im Schritt“ oder als unspezifisches Wendungsproblem auftritt. Tierärztinnen und Tierärzte lassen daher bei jedem unklaren Hufreheschub im Senior-Alter sofort einen ACTH-Test durchführen, denn ohne Behandlung der Grunderkrankung wird jede Hufrehe-Therapie ihre Wirkung verlieren. Mehr zur frühlingsspezifischen Form liest du im Ratgeber zur Stoffwechselstörung beim Pferd.

Wie wird Cushing beim Pferd diagnostiziert?

Die Standarddiagnose ist die Bestimmung des basalen ACTH-Wertes im Blut. Eine Tierärztin oder ein Tierarzt nimmt deinem Pferd Blut ab, das Plasma wird gekühlt versendet und im Labor analysiert. Wichtig ist die saisonale Interpretation, denn die ACTH-Werte schwanken über das Jahr. Im Spätsommer und Herbst (August bis Oktober) sind die Werte physiologisch erhöht, was die Diagnostik in dieser Zeit besonders treffsicher, aber auch fehleranfällig macht. Jedes seriöse Labor in Österreich (etwa LABOKLIN, IDEXX, Vetmed Labor Wien) gibt saisonal angepasste Referenzbereiche an.

Liegt der ACTH-Wert deutlich über dem oberen Referenzwert für die jeweilige Jahreszeit, gilt die Diagnose als gesichert. Im Grenzbereich kann ein TRH-Stimulationstest folgen, bei dem das Hormon TRH injiziert wird und die ACTH-Antwort nach zehn Minuten gemessen wird. Auch die Bestimmung des Insulinspiegels und der basalen Glukose ist sinnvoll, denn etwa dreißig bis sechzig Prozent der PPID-Pferde zeigen gleichzeitig eine Insulindysregulation, was das Hufrehe-Risiko zusätzlich erhöht. Zur kompletten Stoffwechseldiagnostik gehört auch eine generelle Blutuntersuchung, die du im Ratgeber zu Blutwerten beim Pferd nachlesen kannst.

Eine Bildgebung des Gehirns (MRT) ist beim Pferd technisch aufwendig und wird nur in seltenen Forschungsfällen durchgeführt. Die Diagnose stützt sich also auf Klinik plus Hormondiagnostik. Die Kosten in Österreich liegen für ACTH-Bestimmung allein bei rund sechzig bis neunzig Euro, der TRH-Test kostet zwischen einhundertfünfzig und zweihundertfünfzig Euro inklusive Tierarztbesuch und Probenversand.

Wie funktioniert die Therapie mit Pergolid?

Goldstandard der PPID-Therapie ist der Wirkstoff Pergolid, ein Dopaminagonist, der die fehlende Dopaminbremse im Gehirn ersetzt. Die Wirkung setzt schrittweise ein, eine Verbesserung der Hormonwerte siehst du meist nach vier bis sechs Wochen, klinische Verbesserungen wie Fellwechsel oder Energieniveau brauchen drei bis sechs Monate. Pergolid muss lebenslang gegeben werden, ein Absetzen führt zum Rückfall.

Die übliche Startdosis liegt bei 0,002 mg pro Kilogramm Körpergewicht einmal täglich, also bei einem fünfhundert Kilogramm schweren Pferd ein Milligramm pro Tag. Die Tabletten gibt es in verschiedenen Stärken, die meisten Pferde werden mit dem Originalpräparat (Prascend) behandelt, das in Apotheken in Österreich verschreibungspflichtig ist und etwa neunzig bis einhundertdreißig Euro pro Monatsration kostet. Bei manchen Pferden treten zu Beginn vorübergehende Nebenwirkungen wie Appetitlosigkeit, gedrückte Stimmung oder leichte Lethargie auf, das sogenannte Pergolid-Syndrom. Eine einschleichende Dosierung über zwei bis drei Wochen reduziert dieses Problem deutlich.

Die Dosis wird anhand der ACTH-Verlaufskontrollen angepasst, üblich ist eine Kontrolle nach sechs bis acht Wochen, danach alle sechs bis zwölf Monate. Bei manchen Pferden reicht die Standarddosis nicht aus, dann wird auf zwei bis drei Milligramm täglich erhöht. Wichtig ist die konsequente tägliche Gabe, am besten zur gleichen Tageszeit, um stabile Hormonspiegel zu erreichen. Verstecke die Tablette in einem Apfelstück, einem Stück Banane oder in Mash, viele Pferde fressen das Präparat allerdings auch ohne Verpackung problemlos.

Wie sieht die richtige Fütterung bei PPID aus?

Die Fütterung ist neben der Medikation die zweite Säule der Therapie. Da viele PPID-Pferde auch eine Insulindysregulation zeigen, gilt: möglichst zucker- und stärkearm. Hochwertiges, spätgeschnittenes Heu mit niedrigem Fruktangehalt bildet die Basis. Wenn möglich, lasse das Heu vor der Verfütterung zehn bis fünfzehn Minuten in Wasser einweichen, das senkt den löslichen Zuckergehalt um bis zu dreißig Prozent. Müsli, Hafer, Mais und melassehaltige Pellets sind tabu, ebenso Karotten, Äpfel oder Bananen in größeren Mengen.

Geeignete Futtermittel sind getreidefreies, melassefreies Mash, Heucobs (eingeweicht) oder spezielle Diätfutter für stoffwechselsensible Pferde. Zur Mineralstoffversorgung empfiehlt sich ein zucker- und stärkearmes Mineralfutter mit ausgewogener Vitamin-E-Versorgung, die Details liest du im Ratgeber zu Vitaminen beim Pferd. Zucker- und stärkearmes Weidegras ist besonders kritisch, vor allem im Frühling und Herbst sowie an sonnigen, kalten Tagen, an denen die Gräser besonders viel Fruktan einlagern.

Eine grundsätzliche Übersicht zur ausgewogenen Pferderation findest du im Ratgeber zur Fütterungsempfehlung Pferd. Bei PPID-Pferden mit Hufrehegeschichte schränkst du die Weidezeit deutlich ein, am besten auf zwei bis drei Stunden in den frühen Morgenstunden mit Maulkorb, oder du wechselst auf eine Sandpaddockhaltung mit Heuvorlage. Diese Umstellung fühlt sich für viele Halterinnen und Halter erst hart an, sie ist aber der wirksamste Schutz vor einem Rehe-Schub.

Welche Haltung und Pflege brauchen Cushing-Pferde?

PPID-Pferde sind anfällig für Infekte, Hauterkrankungen und Wundheilungsstörungen. Ein sauberer, trockener Stall mit guter Belüftung ist Pflicht. Die Hufe brauchen regelmäßige Kontrolle alle sechs bis acht Wochen durch eine erfahrene Hufschmiedin, denn Hufabszesse heilen langsamer und Hufrehe kündigt sich oft mit minimalen Veränderungen am Hufmechanismus an. Lass deine Tierärztin bei jedem Halterbesuch die Pulsation an den Fesselbeugearterien prüfen, eine erhöhte Pulsation kann ein erstes Zeichen einer beginnenden Hufrehe sein.

Im Sommer ist die Schermaschine oft sinnvoll, vor allem bei Pferden mit ausgeprägter Hypertrichose. Ein voller Pelz im Juli führt zu Hitzestau und Energieverlust, eine Schur im Frühling und nochmal im Spätsommer macht das Pferd deutlich aktiver. Achte aber auf ausreichenden Sonnenschutz und einen sauberen Untergrund, denn die Haut darunter kann empfindlich reagieren. Im Winter brauchen geschorene oder hypertrichotische Pferde eine wasserdichte, gut sitzende Decke.

Auch die Zahngesundheit gehört regelmäßig auf die Liste. Mindestens einmal jährlich sollte eine Zahntierärztin die Maulhöhle kontrollieren, denn schlechte Zähne führen zu schlechter Futterverwertung, was bei chronisch erkrankten Pferden schnell in Gewichtsverlust und Muskelschwund mündet. Bei klinischer Verschlechterung gehört dein Pferd in die Hand einer erfahrenen Tierärztin mit innermedizinischem Schwerpunkt, das passende Verzeichnis findest du unter go4vet Tierarztsuche.

Tierärztlicher Blick auf Cushing beim Pferd

Aus tierärztlicher Sicht ist PPID eine Diagnose, die früh gestellt werden sollte und dann jahrelang stabil führbar ist. Die wichtigsten Botschaften aus der Praxis: Erstens, lass jedes Pferd ab fünfzehn Jahren mit unklaren Symptomen testen, der ACTH-Wert ist günstig und schnell. Zweitens, Pergolid ist sicher, wirksam und gut verträglich, wenn die Dosis langsam einschleicht. Drittens, jede Hufrehe im Senior-Alter ist bis zum Beweis des Gegenteils PPID-bedingt.

Viele Halterinnen und Halter scheuen sich, eine lebenslange Medikation zu beginnen. Das ist verständlich, aber unbegründet. Ein PPID-Pferd ohne Therapie wird in der Regel innerhalb von zwei bis fünf Jahren so eingeschränkt sein, dass eine Erlösung diskutiert werden muss. Ein gut eingestelltes Pferd kann dagegen weiter geritten oder leicht gefahren werden, lebt deutlich länger und behält seine Lebensqualität. Wenn du eine Pferdekrankenversicherung abschließt, achte auf die Bedingungen für chronische Erkrankungen, denn nicht jeder Tarif übernimmt Pergolid und ACTH-Tests dauerhaft.

Häufige Fragen zu Cushing beim Pferd

Ist Cushing beim Pferd heilbar?
Nein, PPID ist eine fortschreitende Erkrankung, die nicht geheilt werden kann. Mit einer lebenslangen Pergolid-Therapie und einer angepassten Fütterung kann sie aber sehr gut kontrolliert werden. Viele Pferde leben bei guter Einstellung noch zehn Jahre und länger mit der Diagnose.
Wie viel kostet die Behandlung pro Monat?
Pergolid (Prascend) kostet in Österreich rund neunzig bis einhundertdreißig Euro pro Monat bei einem Standardpferd von etwa fünfhundert Kilogramm. Dazu kommen ein bis zwei ACTH-Kontrollen pro Jahr (jeweils sechzig bis neunzig Euro) sowie der Tierarztbesuch. Insgesamt rechnet man mit etwa eintausendzweihundert bis eintausendsechshundert Euro pro Jahr für die reine Cushing-Therapie.
Kann ich mein Cushing-Pferd noch reiten?
In den meisten Fällen ja, sofern keine Hufrehe besteht und das Pferd auf die Pergolid-Therapie gut anspricht. Viele PPID-Pferde sind unter Medikation deutlich leistungsfähiger als zuvor und können wieder regelmäßig leicht geritten oder gefahren werden. Wichtig ist eine angemessene Trainingsintensität ohne Überforderung und eine lange Aufwärmphase im Schritt.
Was ist der Unterschied zwischen Cushing und EMS?
Cushing (PPID) ist eine hormonelle Erkrankung der Hirnanhangdrüse, die typischerweise ältere Pferde betrifft. EMS ist eine Stoffwechselerkrankung mit Insulinresistenz und Übergewicht, die häufig auch jüngere Pferde trifft. Beide Erkrankungen können gleichzeitig vorliegen und beide erhöhen das Hufrehe-Risiko, die Therapieansätze unterscheiden sich aber deutlich.
Wann ist die beste Zeit für einen ACTH-Test?
Bei klinischem Verdacht jederzeit. Im Spätsommer und Herbst sind die Werte physiologisch höher, was klare Diagnosen erleichtert, aber auch falsch positive Befunde im Grenzbereich produzieren kann. Wichtig ist, dass das Labor saisonal angepasste Referenzbereiche verwendet. Verlaufskontrollen sollten möglichst im selben Monat des Folgejahres erfolgen, um vergleichbare Werte zu erhalten.
Was passiert, wenn ich die Pergolid-Tablette einmal vergesse?
Eine vergessene Tablette ist kein Drama, gib die nächste Dosis am Folgetag wie gewohnt. Nicht die doppelte Menge nachholen, das kann Übelkeit und Appetitlosigkeit auslösen. Mehrere ausgelassene Tage hintereinander führen aber zum Anstieg der Hormonwerte und können einen Hufreheschub begünstigen, daher gehört die tägliche Gabe zur festen Routine.
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