Pferdefütterung im Winter: Energiebedarf, Wasser, Mash
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Pferdefütterung im Winter stellt jeden Halter vor besondere Herausforderungen, denn mit den fallenden Temperaturen verändern sich Energiebedarf, Wasseraufnahme und Verdauungsdynamik deines Pferdes spürbar. Pferde sind als ursprüngliche Steppentiere zwar erstaunlich gut an Kälte angepasst, doch wer in den Wintermonaten ohne Anpassung weiterfüttert, riskiert Gewichtsverlust, Koliken, Magengeschwüre und im schlimmsten Fall eine Hufrehe durch zu rasche Futterumstellung im Frühjahr. Gerade in Deutschland und Österreich wechseln Frostnächte, Tauwetter und nasskalter Wind oft binnen Tagen, was die thermoneutrale Zone deines Pferdes massiv beeinflusst und eine flexible Rationsgestaltung verlangt. Ein 600 Kilogramm schwerer Warmblüter im Offenstall bei minus zehn Grad und feuchtem Wind kann zehn bis 15 Prozent mehr Energie benötigen als im Sommer, ein abgedecktes Sportpferd in der beheizten Halle dagegen kaum mehr. Diese Spannweite zeigt, warum pauschale Empfehlungen wenig taugen. In diesem Ratgeber liest du, wie du den tatsächlichen Energiebedarf deines Pferdes im Winter einschätzt, warum Heu die wichtigste Wärmequelle bleibt, wann ein warmes Mash sinnvoll ist, wie du die Wasseraufnahme bei Frost sicherstellst und welche Mineralstoffe in der kalten Jahreszeit besonders wichtig werden. Außerdem schauen wir uns an, wie du typische Winterprobleme wie Atemwegsreizungen durch staubiges Heu, Hufprobleme durch frostigen Untergrund und Stoffwechselerkrankungen wie Cushing in der dunklen Jahreszeit im Blick behältst. Der Inhalt ist tierärztlich überprüft.
Warum verändert sich der Energiebedarf deines Pferdes im Winter überhaupt?
Pferde sind ursprünglich Steppentiere und tolerieren Kälte erstaunlich gut, solange sie ein dichtes Winterfell, einen trockenen Liegeplatz und ausreichend strukturreiches Raufutter zur Verfügung haben. Die sogenannte thermoneutrale Zone, in der ein gesundes erwachsenes Pferd ohne zusätzlichen Energieaufwand seine Körpertemperatur halten kann, liegt nach Angaben der Gesellschaft für Ernährungsphysiologie etwa zwischen minus 15 und plus 25 Grad Celsius. Erst unterhalb dieser unteren kritischen Temperatur steigt der Energiebedarf für die Wärmeregulation messbar an. Als grobe Faustregel gilt, dass pro Grad unter der unteren kritischen Temperatur der Erhaltungsbedarf um rund zwei bis drei Prozent steigt. Bei nasskaltem Wind und durchfeuchtetem Fell verschiebt sich diese Grenze deutlich nach oben, weil die isolierende Luftschicht im Fell zusammenbricht.
Praktisch bedeutet das, dass ein 600-Kilogramm-Warmblut im Offenstall bei minus zehn Grad und Wind gut zehn bis 15 Prozent mehr Energie benötigt als im Sommer. Geschorene oder abgedeckte Pferde verlieren weniger Eigenwärme über die Hautoberfläche und brauchen eine entsprechend angepasste Ration. Bei alten Pferden, dünnhäutigen Vollblütern, Fohlen, tragenden Stuten und Tieren mit chronischen Erkrankungen lohnt sich ein wöchentlicher Body Condition Score, weil das dichte Winterfell Gewichtsverlust lange kaschiert. Wenn du erst im März merkst, dass deinem Pferd massiv die Speckdecke fehlt, ist es schwer, das Defizit bis zur Weidesaison aufzuholen.

Wie viel Heu braucht dein Pferd bei Minusgraden?
Heu ist im Winter die zentrale Energie- und Wärmequelle, weil die mikrobielle Fermentation im Dickdarm regelrecht eine innere Heizung betreibt. Die häufig genannte Mindestmenge von eineinhalb Kilogramm Heu pro 100 Kilogramm Körpergewicht und Tag ist für gesunde Pferde im Winter eher die Untergrenze. Wer ad libitum füttert und zwischen den Heumahlzeiten keine längeren Pausen als vier Stunden zulässt, kommt der natürlichen Dauerfresser-Strategie des Pferdes am nächsten. Heunetze mit Maschenweiten zwischen drei und fünf Zentimetern verlangsamen die Aufnahme, halten dein Pferd länger beschäftigt und reduzieren das Risiko für Magengeschwüre durch zu lange Fresspausen. Mehr Hintergrund findest du in unserem Beitrag zu Raufutter für Pferde und zur Bedeutung von Pferdeheu in der Ration.
Die Heuqualität entscheidet maßgeblich über die tatsächliche Energieaufnahme. Erstes Schnittheu mit hohem Strukturanteil und moderatem Energiegehalt eignet sich für die meisten Freizeitpferde, zweites Schnittheu mit höherer Verdaulichkeit und mehr Energie für Sportpferde, alte Pferde mit Zahnproblemen oder Stuten in der Spätträchtigkeit. Achte auf staubarmes, trocken gelagertes Heu, denn feuchtes oder schimmeliges Heu führt zu chronischen Atemwegserkrankungen, die im Winter durch lange Stallzeiten ohnehin verstärkt auftreten. Eingeweichtes oder bedampftes Heu reduziert den Staubanteil deutlich und ist für sensible Pferde Pflicht.
Wann ist ein warmes Mash im Winter sinnvoll?
Ein warmes Mash an besonders kalten Tagen ist mehr als nur eine wohlmeinende Geste, es kann konkret die Wasseraufnahme erhöhen, die Verdauung anregen und kalten Pferden eine spürbare Wärme von innen geben. Die klassische Mischung aus Weizenkleie, Leinsamen, Apfeltrester und Heucobs wird mit warmem, nicht heißem Wasser angerührt und bis zur quelligen Konsistenz gerührt. Drei bis fünf Mahlzeiten Mash pro Woche sind für die meisten Pferde ein guter Rhythmus, mehr verträgt die empfindliche Darmflora oft nicht ohne Anpassungsphase. Mehr zu Zubereitung, Mengen und Indikationen findest du in unserem Beitrag zu Mash für Pferde.
Eine sinnvolle Alternative oder Ergänzung sind eingeweichte Heucobs, die bis zur Hälfte oder einem Drittel der täglichen Heuration ersetzen können, wenn Zähne oder Verdauung schwächeln. Bei Senioren liefern Seniorenmüsli, Mash und Heucobs die nötige Energie in leicht aufnehmbarer Form. Lies unseren Beitrag zu Alte Pferde richtig füttern, wenn dein Pferd in die ältere Altersgruppe wechselt.
Wie sicherst du die Wasseraufnahme bei Frost?
Die Wasseraufnahme bricht im Winter regelmäßig ein, weil eiskaltes oder gefrorenes Wasser von Pferden nicht gerne getrunken wird. Eine zu geringe Wasseraufnahme zählt zu den häufigsten Auslösern für Verstopfungskoliken im Winter, weil das Heu im Verdauungstrakt nicht ausreichend befeuchtet wird und sich Futterballen bilden. Beheizbare Tränken mit einer Wassertemperatur zwischen acht und 15 Grad sind die effektivste Lösung. Wo das nicht möglich ist, hilft mehrmals tägliches Anbieten von handwarmem Wasser im Eimer, um die Trinkmenge zu steigern. Lauwarmes Wasser regt zudem die Darmtätigkeit an. Eine ausreichende Salzversorgung über einen Salzleckstein fürs Pferd stimuliert das Trinkverhalten zusätzlich.
Als Faustregel gilt, dass ein durchschnittliches Reitpferd zwischen 30 und 50 Liter Wasser pro Tag trinken sollte, im Winter sind 25 bis 40 Liter realistisch. Mash und eingeweichte Heucobs liefern zusätzliche Flüssigkeit und sind besonders bei Pferden mit nachlassender Trinkmenge ein wichtiger Hebel. Mehr dazu in unserem Beitrag zu Wie viel Wasser benötigt ein Pferd.
Welche Mineralstoffe und Vitamine brauchst du im Winter besonders?
Frisches Weidegras liefert im Sommer einen wesentlichen Anteil an Vitamin A, Vitamin E, Beta-Carotin und Omega-Drei-Fettsäuren. Im Winter, wenn Heu mehrere Monate gelagert ist, sinken diese Werte deutlich. Eine bedarfsgerechte Mineralstoffergänzung mit Zink, Selen, Kupfer, Mangan und den fettlöslichen Vitaminen A, D und E gehört im Winter zur Pflichtration. Achte auf eine ausgewogene Zusammensetzung, die zu deiner Heuanalyse passt. Mehr Hintergrund findest du in unserem Beitrag zu Mineralstoffen für das Pferd und zu Vitaminen für das Pferd.
Vitamin D wird beim Pferd vor allem über Sonnenlicht in der Haut gebildet. In den lichtarmen Monaten zwischen November und Februar reicht die Eigenproduktion in unseren Breiten nicht aus, weshalb sich eine zusätzliche Vitamin-D-Versorgung über das Mineralfutter empfiehlt. Auch Vitamin E und Selen unterstützen das Immunsystem und schützen vor oxidativem Stress, der bei kaltem Training, langen Stallzeiten und Atemwegsbelastungen schnell entsteht. Lass im Zweifel die Blutwerte deines Pferdes kontrollieren, um Mängel rechtzeitig zu erkennen.
Wann ist Kraftfutter im Winter wirklich notwendig?
Nicht jedes Pferd braucht im Winter Kraftfutter, aber für viele macht eine moderate Ergänzung Sinn. Sportpferde mit drei bis fünf Trainingseinheiten pro Woche, Senioren mit nachlassender Heuverwertung, hagere Vollblüter und tragende oder laktierende Stuten profitieren von einer hafer- oder gerstenbasierten Mischung mit guter Eiweißqualität und ergänzenden Mineralien. Mehr Details findest du in unserem Beitrag zu Hafer fürs Pferd und im Überblick zu Energiefutter für Pferde.
Wichtig ist, die Kraftfuttermenge auf mindestens zwei, besser drei oder mehr Mahlzeiten pro Tag zu verteilen. Mengen über 500 Gramm Stärke pro Mahlzeit überfordern den Dünndarm und verschieben unverdaute Stärke in den Dickdarm, was Fehlgärungen, Übersäuerung und Hufrehe begünstigt. Robustpferde wie Tinker, Haflinger oder Norweger brauchen oft gar kein Kraftfutter, hier reicht ein gutes Mineralfutter und reichlich Heu, um die Kondition zu halten. Lies dazu unsere Hinweise zu Robustrassen und Stoffwechsel in unserem Beitrag zu Dickmachern für Pferde.

Welche typischen Winterprobleme solltest du im Blick haben?
Atemwegsreizungen sind im Winter besonders häufig, weil Pferde mehr Zeit im Stall verbringen und die Belastung durch Heustaub, Strohstaub und Ammoniak aus der Einstreu steigt. Häufiges Misten, gute Lüftung, staubfreie Einstreualternativen wie Holzpellets oder Hanf und das Einweichen oder Bedampfen des Heus helfen zuverlässig. Mehr dazu findest du in unserem Beitrag zu Stallklima im Pferdestall und zur Desinfektion im Pferdestall.
Hufprobleme nehmen im Winter ebenfalls zu. Frostiger, harter Untergrund belastet Sehnen und Bänder, eingestreute Pisten mit Eis und Schnee bilden Stollen unter dem Huf, die zu Stolpern und Verletzungen führen. Regelmäßige Hufkontrollen, gegebenenfalls Stollen oder spezielle Wintereisen und konsequente Hufpflege gehören in die Winterroutine. Lies dazu unseren Beitrag zur Hufpflege beim Pferd. Stoffwechselerkrankungen wie Equines Cushing Syndrom oder Equines Metabolisches Syndrom verlangen im Winter besondere Aufmerksamkeit, weil die Insulinregulation auf Kälte und Stress sensibel reagiert.
Wie strukturierst du den Wintertag deines Pferdes optimal?
Eine gut strukturierte Wintertagesroutine reduziert Stress, Magengeschwüre und Verhaltensprobleme deutlich. Empfehlenswert sind drei bis vier Heumahlzeiten über den Tag verteilt, mindestens zwei kurze Bewegungseinheiten oder Auslauf, eine Mineralfutter-Ration, gegebenenfalls eine Kraftfutterration und an besonders kalten Tagen eine warme Mash-Mahlzeit am Abend. Wenn dein Pferd in Boxenhaltung steht, plane mindestens vier Stunden Auslauf täglich ein, denn Stehzeiten über zehn Stunden erhöhen das Risiko für Atemwegserkrankungen, Hufprobleme und Verstopfungskoliken massiv. Im Offenstall achtest du auf trockene Liegeflächen, windgeschützte Bereiche und ausreichend Heuplätze, damit auch rangniedere Tiere Zugang haben. Eine ausgewogene Fütterung passt sich an die jeweilige Haltungsform an und berücksichtigt die individuelle Konstitution.
Ein häufig unterschätzter Faktor ist die Sozialdynamik im Winter. Wenn die Herdenstruktur durch Stallwechsel oder Neuzugänge geändert wird, frisst gerade das ranghöchste oder rangniederste Pferd oft wochenlang weniger und verliert spürbar an Gewicht. Beobachte dein Pferd beim Fressen, achte auf Auseinandersetzungen am Heuplatz und greif gegebenenfalls mit getrennten Fütterungsstationen ein. Lies dazu auch unseren Beitrag zur generellen Fütterungsempfehlung für Pferde, die Grundprinzipien gelten ganzjährig und werden im Winter um die genannten Aspekte erweitert.
Tierärztlicher Blick: Wann brauchst du Hilfe?
Du wendest dich an deinen Tierarzt, wenn dein Pferd im Winter ungewöhnlich schnell abnimmt, mehr als 24 Stunden kaum trinkt, Anzeichen einer Kolik zeigt, anhaltend hustet oder Nasenausfluss entwickelt. Auch ein deutlich verminderter Heukonsum, struppiges Fell, schlecht heilende Mauke an der Fessel oder wiederkehrende Atemwegsbeschwerden sind klare Indikationen für eine Untersuchung. Bei Senioren empfiehlt sich eine jährliche Wintersprechstunde mit Zahnkontrolle, Blutbild und Body Condition Score, weil sich Mängel und Vorerkrankungen sonst über die dunklen Monate unbemerkt manifestieren. Auch Stuten in der zweiten Trächtigkeitshälfte brauchen eine angepasste Ration mit höherem Energie- und Eiweißbedarf, hier hilft eine professionelle Futterberatung. Eine gute Pferdekrankenversicherung federt unerwartete Kosten für Notfalluntersuchungen, Bluttests und Klinikaufenthalte ab. In Österreich liegen typische Kosten für eine ambulante Wintersprechstunde mit Blutbild zwischen 120 und 250 Euro, eine Kolikuntersuchung mit Sonographie kostet 250 bis 600 Euro, ein Klinikaufenthalt mit Operation kann mehrere tausend Euro erreichen.
Häufige Fragen zur Pferdefütterung im Winter
Quellen
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