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Raufutter für Pferde: Heu, Stroh, Heulage, Heucobs

Raufutter für Pferde: Heu, Stroh, Heulage, Heucobs

Raufutter für Pferde ist die Basis jeder Pferdefütterung und entscheidet zu großen Teilen über Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Lebenserwartung deines Pferdes. Heu, Heulage, Stroh und in geringerem Umfang auch Silage liefern Rohfaser, Energie, Eiweiß und Mineralstoffe. Sie halten den Verdauungstrakt in Bewegung, puffern die Magensäure und sorgen über lange Fresszeiten für mentale Ausgeglichenheit. Wer sein Pferd ausschließlich mit Kraftfutter versorgt oder zu wenig Heu anbietet, riskiert Magengeschwüre, Koliken, Stereotypien und Stoffwechselprobleme. In diesem Ratgeber erfährst du, welche Raufuttersorten es gibt, wie viel dein Pferd täglich braucht, woran du gute Qualität erkennst, wie du Heu in Deutschland und Österreich (AT) beurteilst und lagerst, und wann du auf Heulage oder eingeweichtes Heu umsteigen solltest. Der Inhalt ist tierärztlich überprüft.

Hinweis

Faustregel für die Heumenge

Pferde brauchen mindestens 1,5 bis zwei Kilogramm Heu pro 100 Kilogramm Körpergewicht und Tag. Ein Warmblut mit 600 Kilogramm benötigt also rund neun bis zwölf Kilogramm Heu täglich, am besten verteilt auf mehrere Mahlzeiten oder über engmaschige Heunetze rund um die Uhr verfügbar.

Was zählt überhaupt zum Raufutter?

Unter Raufutter versteht man alle strukturreichen, faserreichen Futtermittel, die den Pferdedarm beschäftigen und eine gesunde Mikrobenflora ernähren. Dazu zählen vor allem Heu, Heulage und Silage als konservierte Wiesenaufwüchse, dazu Stroh als Nebenprodukt der Getreideernte. In erweitertem Sinn rechnet man auch Heucobs, Luzernehäcksel und Grascobs dazu, weil sie ebenfalls überwiegend Strukturkohlenhydrate liefern. Frisches Weidegras zählt streng genommen zum Saftfutter, deckt aber im Sommer denselben Bedarf an Faser und Beschäftigung ab.

Der entscheidende Unterschied zum Kraftfutter liegt im Rohfaseranteil. Heu hat 20 bis 35 Prozent Rohfaser, Stroh sogar bis 45 Prozent, während Hafer auf rund zwölf Prozent kommt. Diese Faser ist im Pferdedarm Gold wert. Sie wird im Dickdarm von Mikroben fermentiert und liefert flüchtige Fettsäuren, die den größten Teil des Energiebedarfs eines Freizeitpferds decken können. Außerdem hält sie den Darm in Bewegung und beugt Verstopfungen, Sandkoliken und Stoffwechselstörungen vor.

Raufutter erfüllt zudem eine wichtige psychische Funktion. Pferde sind in der Natur 14 bis 16 Stunden pro Tag mit der Nahrungsaufnahme beschäftigt. Wer sein Pferd nur zwei oder drei Mal täglich kurz frisst, frustriert es. Stereotypien wie Koppen, Weben oder Boxenlaufen entstehen häufig aus zu kurzen Fresszeiten und zu langen Pausen ohne Raufutter.

Wie viel Heu braucht dein Pferd pro Tag?

Die wissenschaftlich belegte Mindestmenge liegt bei 1,5 Kilogramm Heu pro 100 Kilogramm Körpergewicht und Tag. Das ist die untere Grenze für eine gesunde Verdauung. Die meisten Tierärzte und Fütterungsexperten empfehlen jedoch zwei Kilogramm pro 100 Kilogramm Körpergewicht oder sogar ad libitum, also frei verfügbar. Ein Warmblut mit 600 Kilogramm braucht damit zwischen neun und zwölf Kilogramm Heu pro Tag, ein Pony mit 300 Kilogramm zwischen 4,5 und sechs Kilogramm.

Wichtig ist die Verteilung. Pferde sollten nie länger als vier Stunden ohne Raufutter sein, weil sonst der Magen leer ist und die kontinuierlich produzierte Magensäure die Schleimhaut angreift. Studien aus DE und AT zeigen, dass Pferde mit Fresspausen über sechs Stunden ein deutlich höheres Risiko für Magengeschwüre haben. Praktisch heißt das: drei bis vier Heuportionen pro Tag oder besser eine kontinuierliche Heuversorgung über engmaschige Heunetze, Slowfeeder oder automatische Raufutterautomaten.

Bei leichtfuttrigen Pferden, EMS-Patienten oder Hufrehe-Anamnese kannst du die Menge nicht beliebig nach oben drehen, weil sonst Übergewicht droht. Hier helfen engmaschige Heunetze (Maschen 3 bis 4,5 Zentimeter), die die Aufnahmegeschwindigkeit reduzieren, ohne die Fresszeit zu verkürzen. So schaffst du einen längeren Beschäftigungseffekt bei gleicher Tagesmenge. Mehr zu spezifischen Heuthemen findest du auch in unserem Ratgeber zu Pferde-Heu.

Welche Raufuttersorten gibt es und wann nutzt du sie?

Heu ist der Klassiker. Es entsteht aus Wiesengras, das auf dem Feld bei trockenem Wetter zu Halmen mit unter 14 Prozent Restfeuchte trocknet. Gutes Heu duftet aromatisch, ist staub- und schimmelfrei, hat eine gleichmäßige grünbraune Farbe und enthält je nach Schnitt und Standort 0,4 bis 0,7 Megajoule verdauliche Energie pro 100 Gramm. Erster Schnitt ist meist faserreicher und energieärmer, zweiter und dritter Schnitt eiweißreicher und energiereicher. Für leichtfuttrige Pferde ist später erster Schnitt ideal, für Sport- und Jungpferde darf der Energiegehalt höher liegen.

Heulage ist gepresstes, in Folie eingewickeltes und kontrolliert vergorenes Welkgras mit 30 bis 50 Prozent Trockensubstanz. Sie ist staubarm und damit ideal für Pferde mit Atemwegsproblemen wie Equinem Asthma oder COB. Voraussetzung ist eine einwandfreie Folie, ein zügiger Verbrauch innerhalb von zwei bis vier Tagen nach dem Öffnen und keine Schimmelbildung, weil Schimmelpilze in Heulage besonders gefährlich sind.

Silage hat einen noch höheren Wassergehalt und einen niedrigeren pH-Wert. Sie wird in der Pferdefütterung kaum eingesetzt und ist nur unter strengen Hygiene- und Qualitätsstandards akzeptabel. Stroh ergänzt die Ration als strukturreiche, energiearme Beschäftigung. Es eignet sich vor allem für leichtfuttrige Pferde als Fütterungsverlängerung, sollte aber nicht mehr als ein bis zwei Kilogramm pro Tag ausmachen, weil es bei höheren Mengen Schlundverstopfung und Verstopfungskoliken auslösen kann.

Heucobs, Heupellets und Luzernehäcksel sind verarbeitete Raufutterformen. Sie werden meist eingeweicht und sind ideal für alte Pferde mit Zahnproblemen, für unterwegs auf Turnieren und als Beschäftigung. Mehr zur Vielfalt der Raufutterprodukte und zur Lagerung findest du im Ratgeber zur natürlichen Pferdefütterung.

Woran erkennst du gute Heuqualität?

Gutes Heu erkennst du an mehreren Sinnen. Optisch sollte es eine gleichmäßige grünbraune Farbe haben, keine schwarzen, weißen oder grauen Stellen, keine sichtbaren Schimmelpilze, kein Staub beim Schütteln und keine Klumpen. Geruchlich muss es aromatisch, leicht süßlich, nach frischem Wiesengras duften, nicht modrig, sauer oder dumpf. Beim Anfassen sollte es trocken sein, sich nicht warm anfühlen und keine feuchten Stellen haben.

Eine Heuanalyse, in DE und AT für rund 40 bis 80 Euro über Labore wie LUFA, agroVet oder ROSAM erhältlich, liefert objektive Werte: Energie, Rohprotein, Rohfaser, Zucker, Fruktan, Calcium, Phosphor, Magnesium, Selen, Zink und Kupfer. Für Pferde mit EMS, Cushing oder Hufrehe ist sie ein Muss, weil der Zucker- und Fruktangehalt unter zehn Prozent liegen sollte. Für gesunde Freizeitpferde reicht oft die sensorische Beurteilung, ergänzt durch eine Analyse einmal pro Heuernte.

Achte auch auf den Schnittzeitpunkt. Erster Schnitt vor der Blüte enthält viel Eiweiß und Energie, später erster Schnitt ist faserreicher und für die meisten Freizeitpferde ideal. Zweiter Schnitt ist meist weicher, blattreicher und energiereicher, dritter Schnitt sehr eiweißreich. Frag deinen Heulieferanten in DE oder AT immer nach Schnitt, Erntedatum, Lagerung und gegebenenfalls Heuanalyse. Seriöse Anbieter geben diese Informationen ohne Nachfrage.

Wie lagerst du Heu richtig?

Heu sollte trocken, luftig, dunkel und vor Schädlingen geschützt gelagert werden. Ideal ist eine Heubühne oder ein gut belüfteter Schuppen mit dichtem Dach und durchlässigem Boden, sodass Restfeuchte aus den Ballen entweichen kann. Lagere Ballen nicht direkt auf dem Boden, sondern auf Paletten oder Latten, damit Luft zirkulieren kann. Frisches Heu sollte mindestens vier bis sechs Wochen ablagern, bevor es verfüttert wird, weil sonst eine Nachgärung mit Wärmeentwicklung möglich ist, die Schimmel und Brandgefahr nach sich ziehen kann.

Vermeide direkte Sonneneinstrahlung, weil sie das Vitamin A und andere Vitamine zerstört. Auch Kontakt mit Spritzwasser, undichten Dächern oder feuchten Wänden ist tabu. Achte auf Schädlinge wie Mäuse, Ratten und Vögel, die Heu verschmutzen und Krankheiten übertragen können. Eine jährliche Reinigung der Heubühne, das Entfernen alter Reste und gegebenenfalls eine Schädlingsbekämpfung sind sinnvoll.

Pro Pferd und Jahr brauchst du je nach Größe und Heuqualität rund 2,5 bis 4,5 Tonnen Heu. Plane den Lagerplatz entsprechend. In DE und AT bewegen sich die Preise pro Tonne Heu (frei Hof) je nach Region und Erntejahr zwischen 150 und 300 Euro, in Trockenjahren auch deutlich höher. Eine Eigenversorgung über lokale Landwirte ist meist günstiger als der Kauf von Kleinmengen aus dem Reitsporthandel.

Wie passt sich der Raufutterbedarf an Saison und Trainingsstand an?

Der Bedarf an Raufutter schwankt im Jahresverlauf. Im Winter steigt er deutlich, weil die Wärmebildung über die Verdauung läuft und Pferde bei niedrigen Temperaturen mehr Energie brauchen. Plane in der kalten Jahreszeit ein bis zwei Kilogramm zusätzliches Heu pro Tag ein, am besten verteilt auf die nächtlichen Stunden, weil die Verdauungswärme dann am wertvollsten ist. Mehr zur saisonalen Anpassung findest du in unserem Ratgeber zur Pferdefütterung im Winter.

Im Sommer auf der Weide übernimmt frisches Gras einen großen Teil der Raufutterversorgung. Pferde nehmen pro Stunde Weidegang rund ein bis zwei Kilogramm Trockensubstanz auf. Bei ganztägiger Weide kannst du die Heumenge entsprechend reduzieren, solltest aber gerade bei stoffwechselsensiblen Pferden den Fruktangehalt im Auge behalten. Junges Gras nach kalten Nächten oder bei voller Sonne enthält besonders viel Fruktan und kann Hufrehe auslösen.

Auch das Trainingspensum spielt eine Rolle. Sportpferde brauchen nicht zwingend mehr Heu, aber strukturreicheres Heu mit höherem Energiegehalt, etwa zweiter Schnitt. Freizeitpferde und leichtfuttrige Rassen kommen mit erstem Schnitt aus späterem Erntefenster meist bestens zurecht. Bei intensivem Training in heißen Sommern ist auch der Wasserbedarf zu beachten, der pro Tag von 25 auf bis zu 80 Liter steigen kann.

Wann ist Heu nicht genug oder muss anders aufbereitet werden?

Bei Pferden mit Atemwegserkrankungen wie Equinem Asthma oder rezidivierender Atemwegsobstruktion (RAO) reicht trockenes Heu oft nicht. Die Staub- und Schimmelpilzbelastung ist selbst bei optisch gutem Heu hoch genug, um die Atemwege zu reizen. Hier hilft eingeweichtes Heu, das für 30 bis 60 Minuten in sauberem Wasser baden darf, oder bedampftes Heu in einem speziellen Heubedampfer, der Pilzsporen und Bakterien zuverlässig abtötet, ohne die Nährstoffe stark zu reduzieren.

Eingeweichtes Heu verliert allerdings auch wasserlösliche Zucker und Mineralien. Das ist bei EMS und Hufrehe gewollt, bei sportlich genutzten Pferden eher nicht. Bedampfen ist hier die elegantere Lösung, weil es Sporen reduziert, ohne die Nährwerte zu zerstören. Geräte gibt es ab etwa 800 Euro, größere Stallmodelle liegen bei 2.000 bis 4.000 Euro.

Bei alten Pferden mit Zahnproblemen ist klassisches Heu oft schwer zu kauen. Eingeweichte Heucobs, Grascobs oder Luzernehäcksel sind hier die Lösung. Sie werden mit warmem Wasser im Verhältnis 1:3 angerührt und nach 15 bis 30 Minuten verfüttert. Achte darauf, die Gesamtmenge an Raufutter beizubehalten, also rund 1,5 bis zwei Kilogramm pro 100 Kilogramm Körpergewicht. Mehr dazu in unserem Ratgeber zu alten Pferden richtig füttern.

Notfall

Schimmelheu sofort entsorgen

Schimmelig riechendes, staubendes oder verfärbtes Heu darf nicht verfüttert werden. Es kann Atemwegsentzündungen, Leber- und Nierenschäden, Koliken und im schlimmsten Fall Mykotoxinvergiftungen auslösen. Entsorge betroffene Ballen sofort und reinige den Lagerplatz, bevor du neues Heu einlagerst.

Tierärztlicher Blick

Aus tierärztlicher Sicht ist hochwertiges Raufutter die wichtigste prophylaktische Maßnahme gegen Magengeschwüre, Koliken, Stoffwechselerkrankungen und Verhaltensstörungen. Wer hier spart, bezahlt es später mit Diagnostik, Therapie und Lebensqualität seines Pferdes. Plane mindestens eine Heuanalyse pro Erntejahr ein, beobachte das Fress- und Verdauungsverhalten täglich und passe die Mengen an Saison, Trainingsstand und Gesundheitszustand an. Bei Verdacht auf Atemwegserkrankungen oder Stoffwechselprobleme ziehe deinen Tierarzt hinzu, bevor du an der Ration drehst. Eine Pferdekrankenversicherung kann zudem die Kosten für Endoskopie, Bronchoskopie oder Allergietests abfedern, die bei chronischen Atemwegsproblemen anfallen.

Häufige Fragen zu Raufutter

Wie viel Heu braucht ein Großpferd pro Tag?
Mindestens 1,5 Kilogramm pro 100 Kilogramm Körpergewicht, besser zwei Kilogramm. Ein Warmblut mit 600 Kilogramm benötigt also neun bis zwölf Kilogramm Heu pro Tag, verteilt auf mehrere Portionen oder kontinuierlich verfügbar.
Ist Heulage besser als Heu?
Heulage ist staubarm und damit ideal für Pferde mit Atemwegsproblemen. Sie verlangt aber strenge Hygiene, einen schnellen Verbrauch nach dem Öffnen und absolut keine Schimmelbildung, weil sonst Botulismusrisiko besteht.
Wie lange darf Heu gelagert werden?
Ein bis zwei Jahre bei trockener, luftiger Lagerung. Frisches Heu sollte mindestens vier bis sechs Wochen ablagern, bevor es verfüttert wird, weil eine Nachgärung mit Wärmeentwicklung möglich ist.
Kann ich Heu durch Stroh ersetzen?
Nein, Stroh deckt den Energie- und Eiweißbedarf nicht. Es kann ergänzend bis maximal ein bis zwei Kilogramm pro Tag eingesetzt werden, vor allem für leichtfuttrige Pferde als Beschäftigung. Mehr Stroh kann Verstopfungskoliken auslösen.
Wann sollte ich Heu einweichen?
Bei Atemwegserkrankungen, EMS, Cushing und Hufrehe. Einweichen reduziert Staub, Sporen und wasserlösliche Zucker. Die Einweichzeit liegt zwischen 30 und 60 Minuten, danach sollte das Heu zügig verfüttert werden.
Was kostet Heu in Deutschland und Österreich?
Je nach Region und Erntejahr 150 bis 300 Euro pro Tonne frei Hof, in Trockenjahren auch mehr. Eigenversorgung über lokale Landwirte ist meist günstiger als der Kauf kleiner Mengen im Reitsporthandel.

VETTY — Dein Tier-Assistent

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