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Dickmacher für Pferde: Übergewicht erkennen und vermeiden

Dickmacher für Pferde: Übergewicht erkennen und vermeiden

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Dickmacher für Pferde sind häufig die Klassiker im Trog: zu viel Müsli, zu üppige Weide, zu wenig Bewegung und Leckerlis am laufenden Band. Wenn dein Pferd plötzlich Speckröllchen am Mähnenkamm zeigt oder die Sattellage schwammig wird, dann steckt fast immer ein Energieüberschuss dahinter. Übergewicht beim Pferd ist nicht nur ein optisches Problem, sondern eine ernste Gefahr für Gelenke, Stoffwechsel und Hufe. In Österreich und Deutschland sind nach aktuellen Schätzungen 30 bis 50 Prozent aller Freizeitpferde übergewichtig, mit steigender Tendenz. Dieser Ratgeber zeigt dir, welche Futtermittel und Haltungsfehler dick machen, wie du Übergewicht erkennst und welche Schritte zum gesunden Idealgewicht führen. Der Inhalt ist tierärztlich überprüft.

Warnung: Hufrehe-Risiko

Übergewichtige Pferde haben ein bis zu zehnfach erhöhtes Risiko für Hufrehe, EMS und Insulinresistenz. Wenn dein Pferd am Hals fest wird, einen Mähnenkamm bekommt oder Wendeschmerzen zeigt, handle sofort. Hufrehe ist eine Notfall-Erkrankung und braucht tierärztliche Behandlung innerhalb von Stunden.

Welche Futtermittel sind die größten Dickmacher?

Spitzenreiter unter den Dickmachern sind stärke- und zuckerreiche Müslis. Viele Fertigmischungen enthalten 25 bis 40 Prozent Stärke und zusätzlich Melasse als Zuckerquelle, was die Insulinkurve hochjagt und Fettansatz fördert. Wer ein Freizeitpferd ohne hohe Belastung mit drei Kilo Müsli pro Tag füttert, deckt damit oft das Doppelte des tatsächlichen Energiebedarfs. Auch Hafer, Mais und Gerste in großen Mengen sind klassische Energiebomben. Mehr zu Stärkequellen erfährst du in unserem Beitrag zu Mais in der Pferdeernährung und zu Hafer fürs Pferd.

Die zweite große Kategorie sind Leckerlis und Belohnungen. Industrielle Pferdeleckerlis enthalten oft Zucker, Apfeltrester, Honig und Pflanzenfette, manche liefern bis zu 350 Kalorien pro 100 Gramm. Wer täglich eine Handvoll verteilt, kann unbemerkt 500 bis 1.000 Kalorien zusätzlich füttern. Das entspricht bei einem 500-Kilo-Pferd locker fünf Prozent des Tagesbedarfs, ohne dass du es im Trog siehst. Kombiniert mit Kraftfutter wird daraus schnell ein Übergewichtsproblem.

Die dritte Falle ist hochwertiges, energiereiches Heu. Klingt paradox, ist aber häufig: Heu von gut gedüngten Wiesen, früh geschnitten, kann pro Kilogramm zwölf MJ DE liefern, ähnlich wie Mais. Wer einem Robustpferd 15 Kilo solches Heu pro Tag zur freien Verfügung stellt, deckt das Drei- bis Vierfache des Bedarfs. Heunetze mit kleinen Maschen helfen, die Aufnahmegeschwindigkeit zu reduzieren und Übergewicht zu verhindern.

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Welche Haltungsfaktoren fördern Übergewicht?

Bewegungsmangel ist der häufigste Haltungsfaktor. Ein Pferd in Boxenhaltung mit einer Stunde Reiten pro Tag verbringt 23 Stunden weitgehend stehend. Das ist anatomisch widersinnig, weil Pferde als Lauftiere konzipiert sind. Gesunde Bewegung bedeutet täglich mindestens vier bis sechs Stunden auf der Koppel oder im Paddock plus zusätzliche Trainingsarbeit. Wer Boxenhaltung nicht ändern kann, sollte zumindest mehrmals täglich für Bewegung sorgen, idealerweise im Paddockzugang oder Aktivstall.

Eine zweite Falle ist die üppige Weide. Englischer Rasen ist Pferd-Tod, denn fett gedüngte, kurze Wiesen sind extrem zucker- und proteinreich. Robustpferde, Ponys, Tinker und Haflinger entwickeln darauf binnen Wochen Übergewicht und Hufrehe. Wer keine magere Weide hat, muss zwingend mit Maulkorb, Sandauslauf oder zeitlich begrenztem Zugang arbeiten. Auch frühmorgens oder spätabends fressen Pferde tendenziell zuckerärmeres Gras (in den frühen Morgenstunden ist der Fruktangehalt am niedrigsten).

Eine dritte Falle ist die Gruppendynamik in Offenställen, in denen alle Pferde dasselbe Futter bekommen. Das durchsetzungsstarke Großpferd schiebt das ranghohe Pony vom Heu weg, das ranghohe Pony frisst dafür dauerhaft am üppigsten. Wer mehrere Pferde versorgt, sollte Futterstationen mit klaren Plätzen einrichten und gegebenenfalls mit Heunetzen unterschiedlicher Maschenweite arbeiten.

Wie erkennst du, ob dein Pferd zu dick ist?

Der Body Condition Score (BCS) ist das klassische Werkzeug zur Beurteilung des Ernährungszustands. Bewertet werden Hals, Widerrist, Schulter, Rippen, Lende, Schweifansatz und Oberlinie auf einer Skala von eins (extrem mager) bis neun (extrem fettleibig). Ein gesundes Reitpferd liegt bei vier bis sechs. Bei einem Wert über sechs solltest du gegensteuern, ab sieben ist Übergewicht klinisch relevant.

Praktische Anhaltspunkte ohne Skala: Du solltest die Rippen ertasten können, ohne sie zu sehen. Der Mähnenkamm sollte weich und beweglich sein, nicht hart und überhängend. Die Sattellage ist eben oder leicht muskulös, nicht polsterartig. Hinter den Schultern und an der Schweifrübe sollten keine Speckpolster liegen. Wenn du dich beim Putzen fragst, wo eigentlich die Anatomie deines Pferdes geblieben ist, dann steckt zu viel Fett im Spiel.

Ein zweites wichtiges Werkzeug ist das Maßband, gemessen am Brustumfang direkt hinter dem Widerrist und ergänzend am Halsansatz. Veränderungen über Wochen geben dir ein klareres Bild als das gefühlte Gewicht. Ein Halsumfang, der mehr als 70 Prozent der Widerristhöhe beträgt, gilt bei Robustpferden als Risikomarker für EMS und Insulinresistenz.

Wie nimmt ein Pferd gesund ab?

Die Antwort ist nicht „weniger Heu“, sondern „kontrollierte Energiezufuhr plus mehr Bewegung“. Pferde brauchen täglich mindestens eins Komma fünf Prozent ihres Idealgewichts an Heu, sonst leidet die Verdauung und Magengeschwüre drohen. Bei einem 500-Kilo-Pferd sind das mindestens sieben Komma fünf Kilogramm Heu pro Tag. Was reduziert wird, sind Kraftfutter, Müsli, Leckerlis und Weidegrasanteil.

Ein bewährtes Vorgehen ist der schrittweise Umbau über sechs bis zwölf Wochen. Erstes Ziel: Müsli und Kraftfutter komplett streichen, sofern keine Leistung erbracht wird, oder durch Heucobs und ein Mineralfutter ersetzen. Zweites Ziel: Heu mit engmaschigen Heunetzen anbieten, um die Aufnahmegeschwindigkeit zu halbieren. Drittes Ziel: tägliche Bewegung deutlich steigern, idealerweise eine Stunde Schritt im Gelände plus 30 Minuten gymnastizierende Arbeit in der Bahn. Eine fundierte Fütterungsempfehlung für dein Pferd hilft, die Energiebilanz exakt zu berechnen.

Was du nicht tun solltest, ist eine Hungerdiät. Pferde, die zu wenig Raufutter bekommen, entwickeln Magengeschwüre, Stress, Stereotypien und im Schlimmstfall Hyperlipidämie, eine lebensgefährliche Stoffwechselentgleisung vor allem bei Ponys. Gewichtsverlust sollte langsam erfolgen, etwa ein Prozent des Körpergewichts pro Woche, also rund fünf Kilo bei einem 500-Kilo-Pferd.

Welche Risiken hat Übergewicht beim Pferd wirklich?

Hufrehe steht ganz oben auf der Liste. Übergewichtige Pferde haben ein vielfach erhöhtes Risiko für die schmerzhafte Entzündung der Huflederhaut, ausgelöst durch Insulindysregulation. Hufrehe kann das Pferd dauerhaft lahm machen oder im schlimmsten Fall zur Einschläferung führen. Equines metabolisches Syndrom (EMS) und Insulinresistenz sind die Vorstufen, die du an einem festen Mähnenkamm, Fettpolstern und unklarer Hufrehe-Vorgeschichte erkennst.

Auch das Skelett leidet. Übergewichtige Pferde belasten Gelenke, Sehnen und Bänder dauerhaft mehr als ihre Anatomie vorsieht. Arthrose, Hufrollenprobleme und Sehnenschäden treten häufiger auf. Auch das Herz-Kreislauf-System wird belastet, was sich in höherem Ruhepuls, schnellerer Erschöpfung und reduzierter Leistungsbereitschaft zeigt. Ein dickes Pferd ist nicht nur unsportlich, es ist krank im Werden. Mehr zur Aufbauarbeit, die für übergewichtige Pferde wichtig ist, findest du in unserem Beitrag zum Muskelaufbau beim Pferd.

Welche Rassen sind besonders anfällig?

Die sogenannten leichtfutterverwertenden Rassen sind besonders gefährdet. Dazu zählen alle Robustpferde und Ponys: Haflinger, Norweger, Tinker, Shetland-, Welsh- und Connemara-Ponys, Islandpferde, Andalusier und Quarter Horses. Diese Rassen wurden über Jahrhunderte auf kargen Böden und mit wenig Futter gezüchtet, ihr Stoffwechsel arbeitet extrem effizient. In Mitteleuropa mit reichhaltigem Futter werden sie binnen kurzer Zeit zu dick.

Warmblüter und Vollblüter haben einen höheren Grundumsatz und sind etwas weniger anfällig, können aber bei Bewegungsmangel und Überfütterung ebenso übergewichtig werden. Sportpferde im aktiven Training sind selten betroffen, weil ihr Energieumsatz hoch ist. Problematisch wird es oft nach dem Karriereende, wenn die Bewegung wegfällt, das Futterregime aber gleich bleibt. Wer ein Sportpferd in den Ruhestand übernimmt, muss die Ration sofort drastisch reduzieren.

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Welche Rolle spielen Vitamine und Mineralstoffe in der Diät?

Wer Kraftfutter weglässt oder reduziert, muss die Mineralversorgung neu denken. Heu allein deckt selten den Bedarf an Zink, Selen, Kupfer, Jod und Vitamin E. Ein hochwertiges Mineralfutter ohne Zucker oder Stärke ist deshalb beim abnehmenden Pferd Pflicht. Die Tagesration liegt meist bei 80 bis 120 Gramm und kann mit etwas eingeweichten Heucobs angeboten werden, damit das Pferd es überhaupt frisst. Wer das Mineralfutter weglässt, riskiert Mangelerscheinungen, schlechtes Hufwachstum, stumpfes Fell und reduzierte Immunabwehr.

Auch Vitamin E lohnt sich gezielt zu ergänzen, vor allem im Winter, wenn frisches Gras fehlt. Eine Heuanalyse zeigt, welche Spurenelemente lokal knapp sind, in Österreich und Süddeutschland sind viele Böden selenarm. Wer dazu mehr wissen möchte, findet eine ausführliche Übersicht in unserem Beitrag zu Vitaminen für Pferde. Salz darf bei keinem Pferd fehlen, ein Salzleckstein im Stall oder zwei bis drei Esslöffel Viehsalz täglich gehören in jede Ration.

Was du dringend vermeiden solltest, sind Vitamin-Kombi-Pasten mit hohem Zuckergehalt. Viele Booster-Produkte enthalten als Trägerstoff Melasse oder Sirup, was den Insulinspiegel anheizt und der Diät zuwiderläuft. Lies bei jedem Ergänzungsfutter das Etikett und prüfe Stärke- und Zuckerwerte sorgfältig, bevor du es kaufst.

Wie verhinderst du, dass dein Pferd wieder zunimmt?

Erfolgreich abnehmen ist die eine Hälfte, das Gewicht halten ist die andere. Ein Pferd, das einmal übergewichtig war, neigt lebenslang zur erneuten Gewichtszunahme, weil sich der Stoffwechsel an die effiziente Energieverwertung gewöhnt hat. Plane deshalb dauerhaft mit kontrollierter Energiezufuhr, Heunetzen und regelmäßiger Bewegung. Drei bis fünf Stunden Bewegung pro Tag (Reiten, Führen, Weide, Bodenarbeit) sind die Untergrenze, alles darunter führt schleichend zurück zur alten Linie.

Saisonale Anpassung ist Pflicht. Im Frühjahr, wenn das frische Gras schießt, brauchen Robustpferde besonders strenge Weidekontrolle, denn der Fruktangehalt ist hoch und das Hufrehe-Risiko maximal. Im Sommer hilft Frühweide vor Sonnenaufgang, im Herbst wieder strenge Kontrolle. Im Winter darf die Heumenge nicht ausufern, denn auch im Winter brauchen Pferde keine Mast, sondern angepasstes Futter zum Erhalt von Wärme und Bewegung.

Auch das Wiegeritual sollte ins Routineprogramm. Einmal pro Monat Brustumfang messen, alle drei Monate BCS bestimmen und einmal jährlich ein Insulin-Profil checken lassen. Wer früh sieht, dass die Linie kippt, kann gegensteuern, bevor wieder ein Hufrehe-Schub droht. Disziplin und Konsequenz sind die wichtigsten Hilfsmittel, denn Pferde verzeihen vieles, aber wiederkehrendes Übergewicht hinterlässt langfristige Folgen an Gelenken, Stoffwechsel und Hufen. Wer einmal pro Quartal eine ehrliche Bestandsaufnahme macht, schützt sein Pferd nicht nur vor Hufrehe, sondern verlängert nachweislich seine Lebenserwartung um mehrere Jahre und reduziert Tierarztkosten deutlich. Die Investition in Bewegung, mageres Futter und einen Maßband-Check zahlt sich jeden Monat aufs Neue aus, gerade bei den anfälligen Robustrassen, die in Mitteleuropa besonders häufig anzutreffen sind und ohne klare Disziplin schnell an die Grenzen ihrer Anatomie und ihres empfindlichen Stoffwechsels kommen, was sich am Ende mit massiven Tierarztrechnungen, dauerhafter Lahmheit und einem deutlich verkürzten, qualitativ deutlich reduzierten Pferdeleben mit chronischen Schmerzen und ständiger Medikation rächt.

Tierärztlicher Blick

Aus tierärztlicher Sicht ist Übergewicht eine der häufigsten und gefährlichsten Volkskrankheiten beim Pferd. Sie ist gleichzeitig eine der am leichtesten zu vermeidenden, weil sie fast immer auf zu viel Energie und zu wenig Bewegung zurückgeht. Wenn dein Pferd zunimmt, lass im Zweifel einen Insulin- und ACTH-Test machen, gerade bei Robustpferden und älteren Tieren. Cushing und EMS sind häufig und bleiben oft unentdeckt, bis Hufrehe ausbricht.

Wir empfehlen, alle drei Monate Gewicht und Body Condition Score zu dokumentieren. Eine professionelle Heuanalyse plus Rationsberechnung kostet in Österreich und Deutschland zwischen 60 und 120 Euro und liefert die Grundlage für eine sichere, blutzuckerschonende Fütterung. Auch eine Pferdekrankenversicherung lohnt sich, denn die Folgekosten von Hufrehe können mehrere Tausend Euro erreichen. Den passenden Tierarzt mit Stoffwechselexpertise findest du über go4vet.com/tierarzt.

Häufige Fragen zu Dickmachern bei Pferden

Was sind die häufigsten Dickmacher beim Pferd?
Müslis mit hohem Stärke- und Zuckergehalt, üppige Weiden, zu viele Leckerlis, hochwertiges Heu in unbegrenzter Menge und Bewegungsmangel. Die Kombination ist meistens das Problem.
Wie erkenne ich, ob mein Pferd zu dick ist?
Über den Body Condition Score (BCS). Du solltest die Rippen ertasten können, der Mähnenkamm sollte weich sein und es dürfen keine Speckpolster an Schultern oder Schweifrübe sein.
Wie schnell darf ein Pferd abnehmen?
Etwa ein Prozent des Körpergewichts pro Woche, also rund fünf Kilo bei einem 500-Kilo-Pferd. Schnellere Diäten sind gefährlich und können Hyperlipidämie auslösen.
Wie viel Heu darf ein abnehmendes Pferd bekommen?
Mindestens eins Komma fünf Prozent des Idealgewichts pro Tag, bei einem 500-Kilo-Pferd also sieben Komma fünf Kilogramm. Weniger ist gesundheitsschädlich.
Welche Rassen werden besonders schnell dick?
Robustpferde wie Haflinger, Norweger, Tinker, Islandpferde und alle Pony-Rassen. Sie sind extrem futterefficient und brauchen mageres Futter und viel Bewegung.
Sind Leckerlis wirklich ein Problem?
Ja, denn handelsübliche Leckerlis enthalten viel Zucker und Kalorien. Eine Handvoll täglich kann 500 bis 1.000 Kalorien zusätzlich liefern. Besser sind ein Stück Karotte oder ein Apfelschnitz.
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