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Mais in der Pferdeernährung: Vorteile, Risiken, Mengen

Mais in der Pferdeernährung: Vorteile, Risiken, Mengen

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Mais in der Pferdeernährung sorgt für hitzige Diskussionen am Stallgang. Manche schwören auf das gelbe Korn als günstigen Energielieferanten, andere warnen vor Stoffwechselchaos, Hufrehe und Übergewicht. Die Wahrheit liegt dazwischen und hängt stark davon ab, in welcher Form der Mais gefüttert wird, wie viel Stärke dein Pferd insgesamt bekommt und wie sein Bewegungslevel aussieht. Wenn dein Pferd in Österreich oder Deutschland am Stall steht und ein Müsli bekommt, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit Mais drin, oft als geflockter, gepoppter oder thermisch aufgeschlossener Bestandteil.

Mais nur thermisch aufgeschlossen

Roher Mais ist für Pferde kaum verdaulich. Nur thermisch behandelte Formen wie geflockter, gepoppter oder extrudierter Mais können im Dünndarm verarbeitet werden. Unbehandelter Mais im Trog landet weitgehend ungenutzt im Mist und belastet zusätzlich die Dickdarmflora.

Was steckt überhaupt im Mais und welche Nährwerte sind relevant?

Mais zählt botanisch zum Getreide und ist eines der stärkereichsten Futtermittel im Pferdetrog. Pro 100 Gramm liefert Mais rund 70 Gramm Stärke, etwa neun Gramm Eiweiß und vier bis fünf Gramm Fett. Der Energiegehalt liegt bei zwölf bis 13 Megajoule verdaulicher Energie pro Kilogramm und damit höher als bei Hafer (etwa elf MJ DE/kg) oder Gerste. Das macht Mais für den Stallbetrieb interessant, denn pro Kilogramm liefert er deutlich mehr Energie bei geringerem Volumen. Dem stehen jedoch Schwächen gegenüber. Mais ist arm an essentiellen Aminosäuren wie Lysin und Methionin, enthält wenig Calcium und kaum Vitamine. Wer Mais als Hauptenergieträger einsetzt, muss zwingend mit einem Mineralfutter ergänzen.

Ein zweiter Punkt betrifft die Stärkestruktur. Maisstärke ist sehr kompakt und kristallin, weshalb sie ohne Hitzebehandlung nur zu zehn bis 30 Prozent im Dünndarm verdaut wird. Hafer dagegen hat eine deutlich besser verfügbare Stärke (rund 80 Prozent ohne Behandlung). Geflockter, gepoppter oder extrudierter Mais erreicht Werte von 70 bis 90 Prozent Verdaulichkeit. Für die Praxis heißt das: Wer Mais kauft, sollte auf das Wort „aufgeschlossen“ achten und niemals rohe Maiskörner verfüttern.

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Welche Vorteile bietet Mais im Pferdefutter?

Mais hat als Energielieferant einige unbestreitbare Stärken. Er liefert konzentrierte Energie auf wenig Volumen, was bei Sport- und Arbeitspferden mit hohem Bedarf hilfreich ist. Er ist kalt, also nicht so „hitzig“ wie hoher Haferanteil im Müsli, was empfindliche Pferde verträglicher reagieren lässt. Mais enthält wertvolle ungesättigte Fettsäuren, vor allem Linolsäure, die Haut, Fell und Zellfunktion unterstützen. Außerdem ist Mais glutenfrei, ein Vorteil für allergisch reagierende Pferde, auch wenn Glutenunverträglichkeit beim Pferd insgesamt sehr selten ist.

Ein weiterer Pluspunkt ist die Schmackhaftigkeit. Pferde fressen Mais meist gerne, was bei mäkeligen Tieren oder in der Rekonvaleszenz nützlich sein kann. Wer ein Pferd nach Krankheit wieder hochfüttern will, kann mit kleinen Mengen aufgeschlossenem Mais Energie reinbringen, ohne große Volumen Heu oder Mash anbieten zu müssen. Auch in fertigen Müslis übernimmt Mais oft die Rolle des „Volumenstreckers“ und liefert günstige Kalorien. Das macht Mais besonders im Profi-Sport beliebt, wo Energie und Leistung im Vordergrund stehen.

Welche Risiken hat Mais in der Pferdefütterung?

Die größte Gefahr ist Stärkeüberschuss. Pferde sind Steppentiere, ihr Verdauungssystem ist auf rohfaserreiche Nahrung mit wenig Stärke ausgelegt. Wenn pro Mahlzeit mehr als ein Gramm Stärke je Kilogramm Körpergewicht in den Dünndarm gelangt, wird ein Teil unverdaut in den Dickdarm geschoben. Dort fermentiert die Stärke schlagartig, der pH-Wert kippt, nützliche Bakterien sterben ab und es entsteht eine Dysbiose. Das ist der klassische Auslöser für Hufrehe, Koliken und Dickdarmazidose.

Bei Pferden mit Insulinresistenz, equinem metabolischem Syndrom (EMS) oder Cushing ist Mais besonders kritisch. Die hohe Stärkemenge lässt den Blutzucker und das Insulin schnell ansteigen, was den Stoffwechsel zusätzlich belastet. Auch übergewichtige Pferde profitieren nicht von Mais, weil seine hohe Energiedichte den Speckansatz fördert, ohne echten Nährwert zu liefern. Mehr dazu liest du in unserem Beitrag über Dickmacher für Pferde.

Ein dritter Risikofaktor ist die Schimmelpilz- und Mykotoxin-Belastung. Mais ist anfällig für Fusarien und andere Schimmelpilze, gerade wenn er feucht gelagert wird. Mykotoxine wie Fumonisine, Zearalenon und Deoxynivalenol (DON) können beim Pferd Leber- und Nierenschäden, Fruchtbarkeitsstörungen und neurologische Symptome auslösen. Achte daher auf zertifizierte Ware mit Analyse-Zertifikat, gerade beim Direktkauf vom Bauern.

Welche Mengen Mais sind für Pferde unbedenklich?

Die Faustregel der Pferdeernährungsforschung lautet: maximal ein Gramm Stärke je Kilogramm Körpergewicht und Mahlzeit. Für ein 600-Kilo-Warmblut bedeutet das höchstens 600 Gramm Stärke pro Mahlzeit, was etwa 850 Gramm aufgeschlossener Mais entspricht. Verteilt auf mehrere Mahlzeiten am Tag liegt die sinnvolle Maximalmenge bei rund eins Komma fünf bis zwei Kilogramm aufgeschlossenem Mais täglich, idealerweise gesplittet auf drei Portionen.

Für Freizeitpferde mit moderater Bewegung reichen meist 200 bis 500 Gramm aufgeschlossener Mais pro Tag, sofern überhaupt Bedarf besteht. Sportpferde im täglichen Training können 800 bis 1.500 Gramm vertragen, müssen aber konsequent mit Mineral- und Vitaminfutter kombiniert werden. Für Ponys, Robustpferderassen, übergewichtige Pferde oder Stoffwechselpatienten gilt: lieber komplett verzichten und auf rohfaserbasierte Energieträger wie strukturiertes Heu oder Heucobs umsteigen. Eine fundierte Fütterungsempfehlung für Pferde hilft, die individuelle Energiekurve sauber zu rechnen.

Welche Form von Mais ist am besten verdaulich?

Die beste Verdaulichkeit erreicht extrudierter Mais, gefolgt von gepopptem und geflocktem Mais. Bei der Extrusion wird das Korn unter hohem Druck und Hitze (rund 130 Grad) verarbeitet, dadurch verkleistert die Stärke und kann im Dünndarm enzymatisch gespalten werden. Gepoppter Mais funktioniert ähnlich wie Popcorn, hier platzt das Korn durch Hitze auf. Geflockte Maisflocken werden gedämpft und dann gewalzt, sie sind die häufigste und günstigste aufgeschlossene Variante im Pferdesport.

Was du vermeiden solltest, sind ganze rohe Maiskörner und Maisschrot ohne Hitzebehandlung. Diese Formen passieren den Dünndarm zum Großteil unverdaut, belasten den Dickdarm und liefern dem Pferd kaum Energie. Auch Maissilage oder feuchter Maiskolben (CCM) sind für Pferde ungeeignet, sie sind Wiederkäuerfutter und können beim Pferd zu massiven Fehlgärungen führen. Wer Mais im Trog hat, sollte daher immer prüfen, ob Verarbeitung und Lagerung passen. Eine zusätzliche Übersicht zu energiereichen Komponenten findest du in unserem Beitrag zu Hafer fürs Pferd.

Welche Alternativen zu Mais gibt es?

Wer auf hohe Stärke verzichten will, hat mehrere Optionen. Heucobs und Wiesencobs liefern Energie über Rohfaser, sind blutzuckerneutral und passen für Stoffwechselpferde. Pflanzenöle (Leinöl, Sojaöl, Reiskeimöl) liefern bis zu 30 MJ DE/kg, also doppelt so viel Energie wie Mais, ohne Stärkebelastung. Eine Tasse Öl pro Tag kann ein 500-Kilo-Pferd ohne Probleme verdauen. Auch Rübenschnitzel sind eine sinnvolle, blutzuckerschonende Alternative für Energie und Volumen.

Für die Eiweißversorgung ist Mais ohnehin nicht erste Wahl. Sojaschrot, Luzerne und Erbsenflocken liefern hochwertige Aminosäuren, die für Muskelaufbau und Regeneration nötig sind. Mehr dazu findest du in unserem Ratgeber zum Muskelaufbau beim Pferd. Bei Vitaminbedarf hilft ein abgestimmtes Mineralfutter mehr als jede Maismenge, wie unser Beitrag zu Vitaminen fürs Pferd zeigt.

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Wann ist Mais im Futter ein Warnsignal?

Wenn dein Pferd hitzig, übergewichtig, hufreheempfindlich oder stoffwechselauffällig ist, gehört Mais nicht in den Trog. Auch ältere Pferde mit Cushing oder EMS reagieren empfindlich auf jedes Stärkeplus. Schau dir die Inhaltsstoffe deines Müslis an, wenn Mais oder „Maisflocken“ an erster Stelle stehen, ist die Stärkemenge meist zu hoch. Hochwertige Müslis nennen die Stärkemenge in Prozent oder Gramm pro Kilo Futter, idealerweise unter 20 Prozent für Freizeitpferde und unter zehn Prozent für Stoffwechselpatienten.

Auch ein Wechsel zu maishaltigem Futter sollte schrittweise erfolgen, mindestens über sieben bis zehn Tage, sonst riskierst du Verdauungsstörungen. Beobachte Mistkonsistenz, Verhalten, Gewichtsentwicklung und Bewegungsfreude. Wenn dein Pferd nach Futterumstellung unruhig wird, schwitzt oder Hufrehe-Symptome zeigt (Wendeschmerz, warme Hufe, vermehrter Puls an den Fesseln), ziehe sofort den Tierarzt hinzu.

Wie unterscheiden sich Mais-Sorten und Qualitätsstufen?

Im Pferdefutter findest du fast ausschließlich gelben Körnermais (Zea mays), der vor allem in Süd- und Osteuropa, Frankreich, Deutschland und Österreich angebaut wird. Die Sortenwahl spielt für den Pferdemagen kaum eine Rolle, entscheidend ist die Verarbeitung und die Lagerung. Hochwertige Maisflocken erkennst du an einer hellgelben Farbe, einem leicht süßlichen Geruch und gleichmäßiger Größe. Dunkle, klumpige oder muffig riechende Ware deutet auf Schimmel oder zu feuchte Lagerung hin und gehört nicht in den Trog.

Ein wichtiges Qualitätsmerkmal ist die Restfeuchte. Mais sollte unter 14 Prozent Feuchte gelagert werden, sonst wachsen Schimmelpilze und produzieren Mykotoxine. Wer große Mengen Mais kauft, sollte in luftdichten Behältern oder im trockenen Vorratsraum lagern und Bestände innerhalb von drei bis sechs Monaten verbrauchen. Im Sommer und in feuchten Regionen Österreichs lohnt es sich, kleinere Säcke zu kaufen, die zügig durchlaufen.

Bio-Mais ist eine Option für Reiter, die Pestizidbelastung minimieren wollen. Konventioneller Mais wird in Europa relativ wenig gespritzt, dennoch bleiben Glyphosat-Rückstände möglich. Wer maximalen Schutz will, greift zu zertifiziertem Bio-Mais aus österreichischer oder deutscher Produktion und prüft das Mykotoxin-Zertifikat des Herstellers.

Wie kombinierst du Mais sinnvoll mit anderen Komponenten?

Mais ist niemals ein Einzelfutter, sondern Teil einer Mischung. Sinnvolle Partner sind Hafer, Gerste, Luzerne, Sojaschrot und Heucobs. Hafer ergänzt Mais um besser verfügbare Stärke und mehr Eiweiß, Sojaschrot deckt den Lysin- und Methioninbedarf, Luzerne liefert Calcium und Strukturfaser. Eine ausgewogene Sportpferde-Ration kann beispielsweise aus 700 Gramm Hafer, 500 Gramm geflocktem Mais, 300 Gramm Luzerne und einem abgestimmten Mineralfutter bestehen, immer angepasst an Bewegungslevel und Heuanalyse.

Was du nicht kombinieren solltest, sind große Mengen mehrerer stärkereicher Komponenten in einer Mahlzeit. Wer 1,5 Kilo Hafer plus 1,5 Kilo Mais plus Müsli auf einmal füttert, überfordert den Dünndarm und riskiert Fehlgärungen im Dickdarm. Splitte stärkereiche Mahlzeiten auf drei Gaben pro Tag und gib immer zuerst Heu, dann Kraftfutter. Heu vorab dämpft den Insulinanstieg und verlangsamt die Stärkeresorption deutlich.

Bei Pferden mit hohem Energiebedarf, etwa Distanzpferden oder Vielseitigkeitssportlern, ersetzt ein Anteil Pflanzenöl einen Großteil des Maises. Eine halbe bis eine Tasse Leinöl täglich liefert genauso viel Energie wie 500 Gramm Mais, ohne Stärkebelastung und mit positiven Effekten auf Fellglanz und Fettsäureprofil. Diese Strategie ist im Profi-Sport längst Standard und lohnt sich auch für ambitionierte Freizeitreiter. Wer ohne Mais auskommt, schont den Stoffwechsel langfristig und reduziert das Risiko für Folgeerkrankungen wie Hufrehe oder Insulindysregulation. Mais ist ein Werkzeug, kein Grundnahrungsmittel, und sollte mit demselben Respekt behandelt werden wie jedes andere Kraftfutter im Trog deines Pferdes.

Tierärztlicher Blick

Aus tierärztlicher Sicht ist Mais kein Teufelswerk, aber auch kein Freifahrtschein. Bei der täglichen Praxis sehen wir die Probleme fast immer dann, wenn Mais in zu großen Mengen, in falscher Form oder bei stoffwechselempfindlichen Pferden gefüttert wird. Robustpferderassen wie Norweger, Haflinger, Tinker oder Ponys vertragen Mais besonders schlecht und sollten ihn idealerweise gar nicht bekommen. Sportpferde mit echtem Energiebedarf können hingegen profitieren, sofern die Verarbeitung stimmt und Mineralisierung nicht vergessen wird.

Wenn du unsicher bist, ob Mais für dein Pferd geeignet ist, lass eine Stoffwechseluntersuchung machen. Ein Insulin- und ACTH-Test bringt Klarheit und kostet in Österreich und Deutschland je nach Praxis zwischen 80 und 150 Euro. Auch eine Heuanalyse kombiniert mit einer professionellen Rationsberechnung lohnt sich, sie liegt zwischen 60 und 120 Euro und liefert die Grundlage für eine sichere Fütterung. Den passenden Tierarzt mit Spezialisierung auf Pferdefütterung findest du über go4vet.com/tierarzt.

Häufige Fragen zu Mais in der Pferdeernährung

Dürfen Pferde Mais fressen?
Ja, sofern es sich um aufgeschlossenen Mais (geflockt, gepoppt, extrudiert) handelt und die Menge zur Pferdegröße und Bewegung passt. Roher Mais ist nicht geeignet.
Wie viel Mais pro Tag verträgt ein Pferd?
Maximal eins Komma fünf bis zwei Kilogramm aufgeschlossener Mais täglich für ein 600-Kilo-Pferd, verteilt auf zwei bis drei Mahlzeiten. Freizeitpferde brauchen meist deutlich weniger.
Macht Mais Pferde dick?
Ja, wenn die Energiezufuhr den Bedarf übersteigt. Mais ist sehr energiedicht und führt schnell zu Fettansatz, vor allem bei wenig bewegten oder stoffwechselempfindlichen Pferden.
Ist Mais hitzig wie Hafer?
Mais wirkt im Vergleich zu Hafer eher kalt, weshalb er in der Praxis seltener mit Aufgedrehtheit assoziiert wird. Trotzdem kann hoher Stärkegehalt jedes Pferd sensibel reagieren lassen.
Darf ein Pony Mais bekommen?
Ponys und Robustpferde sollten möglichst keinen Mais erhalten, sie sind extrem stoffwechselempfindlich und entwickeln schnell Hufrehe oder EMS bei zu viel Stärke.
Was kostet eine Heuanalyse mit Rationsberechnung?
In Österreich und Deutschland zwischen 60 und 120 Euro. Sie liefert die Grundlage, um Mais oder andere Kraftfuttermittel sinnvoll und sicher in die Ration einzubauen.
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